Monate: April 2016

HERR FAN HATTE EINEN PLAN

#38 HORNER KIRCHE – Er kam aus China, machte in Bremen seinen Dtor und träumte von einer Karriere in der Chemieindustrie. Heute verkauft er asiatische Lebensmittel in Horn   Ping Fan (Foto) sitzt auf einer kleinen Bank an der Tür und wartet. Er beugt sich vor zu seinem Laptop, der der neben ihm auf einem Hocker steht, und tippt etwas hinein. Und wartet weiter. Ein älterer Herr betritt den Laden, geht an Fan vorbei und steuert auf einen Raum zu, indem dutzende Säcke Reis in den verschiedensten Größen liegen. Er nimmt einen und geht damit zur Kasse. Er hat einen Jutebeutel dabei und versucht, den Reissack hinein zu stecken. „Das sieht ganz schön klein aus“, sagt Fan zu seinem Kunden. „Meine Frau meinte, das passt.“ – „Na, dann wird das wohl stimmen, Frauen haben ja immer Recht“, antwortet Fan. Die Männer lachen, als der Reis schließlich tatsächlich in den Beutel passt. Seine Kunden zu beraten und mit ihnen zu scherzen, das ist für Fan das Schönste an seiner Arbeit. Im Sommer vor bald drei Jahren …

#38 HORNER KIRCHE

Geduld ist eine Tugend Alle Themen dieser Ausgabe haben einen gemeinsamen roten Faden: die Langmut, oder, moderner gesprochen, die Geduld. Geduld etwa hatten die Gründer der Horner Kirche, als sie im Nichts ein Gotteshaus planten. Geduldig ertrug auch die Linde, die hier einst gepflanzt wurde, alle Zeitläufte –und mauserte sich zu Bremens ältestem lebenden Baum. Womöglich haben ihre drei Stämme etwas dazu beigetragen. Über Geduld verfügen aber auch die Menschen in unseren Geschichten: Die ehemalige Ärztin Barbara Janssen-Frank etwa, die heute im Gemeindesaal der Horner Kirche Menschen in die japanische Kunst des Origami einweist – eine Leidenschaft, die sie vor 15 Jahren ausgerechnet in Italien entdeckte (Seite 24). Oder der Chinese Ping Fan, der nur wenige hundert Meter entfernt einen Asia-Laden betreibt. Einst wollte er in Deutschland als Chemiker Fuß fassen. Doch es kam anders, als gedacht (Seite 12). Gleich zwei Themen in dieser Ausgabe drehen sich um die Sorgen und Nöte von Jugendlichen: In einem Gespräch geben zwei junge Männer Einblick in ihre Zeit im betreuten Jugendwohnen in der Sozialeinrichtung Alten Eichen, die sie …

ORIGAMI FALTEN: VIDEO-ANLEITUNG

#38 HORNER KIRCHE – Origami sind die günstigen China-Nun aus dem Bremer Hauptbahnhof? Nicht ganz: Origami ist die japanische Kunst des Papierfaltens. Die Zeitschrift der Strasse stellt in ihrer aktuellen Ausgabe Barbara Janssen-Frank vor. Sie ist ein Urgestein in der Bremer Faltszene. In diesem Video erklärt sie, wie der klassische Kranich gefaltet wird. Ihre Geschichte ist in der aktuellen Zeitschrift der Straße zu lesen. Nachfalten: erwünscht!   Video: André Beinke Foto: Wolfgang Everding

„ES IST EIN TEUFELSKREIS“

Neben deutschen Obdachlosen und von Armut Betroffenen verkaufen auch einige Rumänen und Bulgaren die Zeitschrift der Straße. Bernd Buhrdorf, Migrationsberater der AWO, kennt ihre Situation   Herr Buhrdorf, wie ist die rechtliche Lage von Rumänen und Bulgaren in Deutschland? Wir sind ja eigentlich ein vereinigtes Europa. Und in der EU haben alle Bürger das Recht, in einem anderen EU-Land nach Arbeit zu suchen und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Das nennt sich Freizügigkeit. Bis Ende 2013 galt für Rumänien und Bulgarien aber eine eingeschränkte Freizügigkeit – für Kroatien sogar bis Juli 2015. Personen aus diesen Ländern mussten eine gesonderte Arbeitserlaubnis beantragen, Deutsche wurden in den meisten Fällen vorrangig eingestellt. Diese Einschränkungen lockern sich jedoch allmählich. Das klingt aufwendig. In der Zeit bis 2014 habe ich persönlich kaum Rumänen oder Bulgaren getroffen, die die Chance hatten, mit Arbeitserlaubnis in Arbeit zu kommen. Heute, wo sie keiner Arbeitserlaubnis mehr bedürfen, ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt etwas erleichtert worden. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Zum einen natürlich die fehlenden Sprachkenntnisse. Dann haben …

#37 OSTERFEUERBERG

EDITORIAL: ES TUT SICH WAS Eingekeilt zwischen Autobahnzubringer und Bahngleisen ist das Osterfeuerberg-Viertel trotz seiner Nähe zum beliebten Stadtteil Findorff lange ein Underdog geblieben. Dabei war das Wohngebiet schon immer lebendig. In den Straßen begegnet man den unterschiedlichsten Menschen, viele Vorgärten der schmalen Altbremer Häuser sind – nun, man darf es wohl so ausdrücken – kreativ dekoriert. In Osterfeuerberg, so scheint es, darf man sein, wie man ist. In den Seitenstraßen findet sich eine erstaunliche Dichte an kleinen Handwerkerläden und Eckkneipen. Eine davon ist der „Druide“. Hier sorgten Stammgäste dafür, dass der Betrieb nach dem Tod des Besitzers weiterghing – und ganz nebenbei der Blues nach Walle kam (Seite 13). Ungewöhnlich ist auch die Initiative des Bestattungsunternehmens Schomaker, das in Osterfeuerberg sein Büro hat. Es bietet Kabarettveranstaltungen zum Thema Tod an – und geht so auf Kundenakquise im Seniorenheim (Seite 8). Seit einigen Jahren kommt im Stadtteil übrigens Bewegung auf: Der breite Osterfeuerbergring, der längst nicht mehr so viel befahren wird wie früher, soll zurückgebaut und begrünt werden. Neue Wohnungen sind in Planung und mit …

LUMMERLAND

#37 OSTERFEUERBERG – Osterfeuerberg hat sich gewant. Doch nicht jede Veränderung gefällt den Bewohnern des Viertels   Eine Insel ohne Berge, ohne Strand und ohne Meer, mit viel Tunnels, vielen Straßen und dem Eisenbahnverkehr … So könnte es klingen, das Liebeslied der Bewohnerinnen und Bewohner Osterfeuerbergs über ihr Lummerland. Das urbane Meeresrauschen kommt vom Autobahnzubringer Überseestadt und den Eisenbahngleisen nach Hamburg, Bremerhaven, Bremen-Nord. Jede Nacht bringt der Güterverkehr die Brandung in die Schlafzimmer der Menschen hier. Für Nicht-Waller ist Osterfeuerberg noch immer der Underdog des Angesagtseins. Auch für viele Bremer Zugezogene hat sich der Charme des einstigen Nachtjackenviertels noch nicht erschlossen. Für sie schreibt das Stadtteilmagazin „Echt Walle“. Gleich in der ersten Ausgabe ist von „steigender Attraktivität für Familien“ die Rede. Beispiele hierfür: Das Kulturhaus Bropott, die Ganztagsschule am Pulverberg, die Kita Löwenzahn und darüber hinaus die Eröffnung der „Freien Brau Union Bremen“. Auch Jörg Tapking, Waller LINKEN-Fraktionssprecher, sieht besonders in der Brauerei und neueren, exklusiven Eigenheimen eine Aufwertung des Quartiers, die sich langfristig auswirken wird. Ähnlich empfinden es auch die Engagierten der Osterfeuerberger Zukunftswerkstatt. …