Autor: Michael Vogel

17 OBDACHLOSE DURCH GEWALT GESTORBEN

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe hat eine Bilanz für das Jahr 2016 vorgestellt. Im Mittelpunkt steht dabei die Gewalt, der obdachlose Menschen ausgeliefert waren. So starben mindestens 17 Obdachlose durch Gewalt. Neun der 17 TäterInnen waren selbst ohne Wohnung. Den 128 bekannt gewordenen Fällen von Körperverletzungen, Vergewaltigungen, Raubüberfällen und bewaffneten Drohungen gegen wohnungslose Menschen steht eine hohe Dunkelziffer gegenüber, da obdachlose Menschen aus Angst vor den TäterInnen und aus mangelndem Vertrauen in die Behörden Übergriffe nicht anzeigen. Folgenden Text veröffentlichte die Bundesarbeits­gemeinschaft Wohnungs­losen­hilfe heute in Berlin. „Gewalt gegen wohnungslose Menschen bleibt alltägliches Problem – mindestens 17 Todesfälle im Jahr 2016 in Deutschland. BAG Wohnungslosenhilfe fordert besseren Schutz für wohnungslose Menschen Gewalt gegen wohnungslose Menschen bleibt ein alltägliches Phänomen in unserer Gesellschaft. Laut Erhebungen der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe e.V. (BAG W), dem bundesweiten Dachverband der Wohnungslosenhilfe in Deutschland, gab es im Jahr 2016 mindestens 17 Todesfälle durch Gewalt gegen wohnungslose Menschen. In acht Fällen waren die Täterinnen und Täter selber nicht wohnungslos. Seit 1989 gab es somit in Deutschland mindestens 502 Todesfälle durch Gewalt gegen wohnungslose Menschen. Zudem gab …

KÄLTE, HILFE, WOHNUNGSLOSE, FLÜCHTLINGE

Am 5. Januar posteten wir auf und einen Aufruf, besonders in der kalten Jahreszeit mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, auf ausgekühlte Menschen und Draußenschläfer zu achten und ihnen ggf. Hilfe zu leisten. Der Aufruf, den wir eigentlich schon im November letztes Jahr verfasst und auf unserer Website veröffentlicht hatten, wurde innerhalb von zwei Tagen über 5000 Mal aufgerufen. Für unsere Verhältnisse ist das eine hohe Zahl, die wohl dadurch zustande kam, dass wir dem Aufruf den Bericht über eine erfrorene obdachlose Frau in Düsseldorf beigefügt hatten (siehe Foto oben). In der Folge erreichten uns einige Nachfragen und Kommentare zu dem Aufruf. Sinngemäß ging es darum, warum im reichen Deutschland eigentlich noch immer Menschen auf der Straße leben (müssen) und ob der Staat da nicht genug tue, weil er zu sehr mit Flüchtlingen beschäftigt sei. Zur Frage, warum Menschen auf der Straße leben, ist im Magazin ‚brand eins‘ im Jahr 2012 ein Artikel erschienen, der einige der Gründe darlegt und vor allem deutlich macht, warum Wohnungslosigkeit nur  unzureichend mit fehlendem Wohnraum …

UNSERE LOSUNG FÜR 2017

Seit über 25 Jahren engagieren sich Straßenmagazine weltweit für einige der schwächsten, verwundbarsten und am stärksten diskriminierten Mitglieder der Gesellschaft. Nicht zufällig entstanden die ersten Straßenmagazine, als die marktradikalen Reformen von Präsident Reagan (US) und Premierministerin Thatcher (GB) ihre volle Wirkung entfalteten. Das Prinzip der Solidarität von Gemeinschaft wurde durch das Prinzip des Wettbewerbs aller gegen alle ersetzt. Und dieser Wettbewerb kennt viele Verlierer. Derzeit wird das gesellschaftliche Klima nochmals deutlich rauher und kälter. Immer mehr populistische Spalter kommen an die Macht, profilieren sich durch Hetze gegen Verlierer und Schwache und ermutigen ihre Anhänger teils ganz offen zu gewalttätigen Übergriffen gegen jene. In solchen Zeiten ist es umso wichtiger, dass wir – die Straßenmagazine – uns vor die Ausgegrenzten, Beschimpften und Angegriffenen stellen, dass wir uns unsere eigene Humanität bewahren und mit gutem Beispiel vorangehen. In einer harten Welt sein weiches Herz zu zeigen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Mut. Das Team der Zeitschrift der Straße wird auch 2017 wieder mutig sein!   Text: Michael Vogel

FROHE FESTTAGE UND EIN GUTES NEUES JAHR

In den turbulenten letzten Wochen haben wir uns Mühe gegeben, das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren: Weihnachten, Fest der Liebe und Mitmenschlichkeit. Im Mittelpunkt standen auch dieses Jahr wieder unsere rund 80 Verkäuferinnen und Verkäufer, die bei niedrigen Temperaturen und oft widrigen Bedingungen viele Stunden draußen stehen, um die Zeitschrift der Straße anzubieten. Aus den Händen unseres fürsorglichen Vertriebsteams erhielten sie schon am 21. Dezember ihre Weihnachtsgeschenke: warme Mützen, Schals und Handschuhe, Süßigkeiten und – bei vielen am wichtigsten – Tabak. Das Geld für die Weihnachtsgeschenke hatten wir in den Wochen zuvor von großzügigen Spenderinnen und Spendern erhalten (Spenden können wir übrigens auch weiterhin gut gebrauchen; hier geht’s zum Spendenformular). Die Weihnachtsgeschenke wurden von unserem studentischen Marketing-Team der Hochschule Bremerhaven in einer konzertierten Aktion beschafft und verpackt. Als Treibstoff dienten dem Team beträchtliche Mengen Weihnachtsgebäck und Tee. Schon am 5. Dezember fand die gemeinsame Weihnachtsfeier  von Redaktion, Vertrieb, Marketing und Leitungsteam statt. Wenn Sie beim Betrachten der Fotos Lust bekommen haben, selber bei der Zeitschrift der Straße mitzuwirken, gehen Sie ins neue Jahr …

SCHNELLE SPENDE = DOPPELTE SPENDE

Am Montag, den 19. Dezember, ab 10 Uhr morgens können Sie der Zeitschrift der Straße und ihren Straßenverkäufern mit Ihrer Spende doppelt so viel helfen!   Denn die Spendenplattform Betterplace.org, über die wir alle On-Spenden abwickeln, verdoppelt Ihre Spende! Das tut Betterplace.org allerdings nicht unbegrenzt. Alle Einzelspenden (bis zu 200 Euro), die über Betterplace.org für die Zeitschrift der Straße oder eines der ca. 50 weiteren teilnehmenden Projekte eingehen, werden solange verdoppelt, bis eine Gesamtsumme von 10.000 Euro erreicht ist. Deshalb ist die Aktion ein Spendens: nur die schnellsten Spenden werden verdoppelt. Möchten Sie uns mit Ihrer Spende doppelt helfen? Dann spenden Sie am 19. Dezember gleich um 10 Uhr morgens. Nutzen Sie dafür bitte unsere Projektseite bei Betterplace.org, damit Ihre Spende auch wirklich am Spendens teilnimmt: http://zeitschriftderstrasse.betterplace.org/ Übrigens können Sie auf der Projektseite auswählen, welchem Zweck Ihre Spende dienen soll. Dort berichten wir auch nach dem Ende des Spendenss vom Ergebnis des Tages. Bitte erzählen Sie anderen von der Aktion und teilen Sie diesen Aufruf in den sozialen Netzwerken, damit wir in der Weihnachtszeit vor …

WEIHNACHTSGRUSS DES BUNDESPRÄSIDENTEN

Jeder, der ein Straßenmagazin kauft, plädiert damit „für ein solidarisches Zusammenleben in unserem Land“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck.   In seinem traditionellen Weihnachts-Grußwort richtet sich der Bundespräsident an die Leserinnen und Leser von Straßenmagazinen in ganz Deutschland. Wir veröffentlichen das Grußwort hier on, statt es in unserem Dezemberheft abzudrucken.   Liebe Leserinnen und Leser, ich freue mich, dass Sie einen Blick in diese Zeitung werfen. Ich freue mich, weil es ein Blick ist, der manches wahrnimmt, was in der Hektik unseres Alltags oft keine Beachtung findet. Sie haben den Menschen gesehen, der Ihnen diese Zeitung angeboten hat. Sie haben sich entschieden, sie zu kaufen und sie zu lesen. Über diese Aufmerksamkeit freue nicht nur ich mich, sondern die Vielen, die sich für Straßenzeitungen in Deutschland engagieren. Ihr Interesse ist eines, das mehr bezeugt als Mitleid und das mehr bedeutet, als eine Spende. Straßenzeitungen erzählen Geschichten, die das Leben schreibt, auch solche von menschlicher Not, von Armut und Obdachlosigkeit, von Verzweiflung und Hilfebedürftigkeit – aber eben in der Regel nicht von Ausweglosigkeit. Denn die Redakteure und …

NEU: STADTPLAN ALLER ZDS-AUSGABEN

Seit Anfang Dezember bietet diese Website einen besonderen Service zur Orientierung in Bremen und in unserem Archiv: einen digitalen, interaktiven Stadtplan, auf dem alle Orte markiert sind, zu denen seit Anfang 2011 eine Ausgabe der Zeitschrift der Straße erschienen ist. Über die Markierungen können die jeweiligen Ausgaben direkt auf den Bildschirm geholt werden – sofern sie auf der Straße ausverkauft sind. Ansonsten wird zum Editorial und Inhaltsverzeichnis verlinkt. Möglich wird dieser Service durch das redaktionelle Konzept der Zeitschrift der Straße: jede Ausgabe widmet sich monothematisch einer Straße oder einem Ort in der Hansestadt. Mit diesem Ansatz ist das Bremer Straßenmagazin weltweit einzigartig. Das digiale Kartenmaterial stellt das nichtkommerzielle Projekt OpenStreetMap (OSM) kostenlos zur Verfügung. An der Erstellung der Kartendaten haben bereits mehr als 2,5 Millionen Freiwillige mitgewirkt. Auch in Bremen gibt es eine OSM User Group. In Ausgabe #33 FALKENSTRASSE und on haben wir über sie berichtet. Im nächsten Entwicklungsschritt werden wir einen digitalen sozialen Stadtplan für Bremen erstellen, auf dem unterschiedliche Hilfsangebote ebenso abgebildet sein werden wie Möglichkeiten, sich freiwillig sozial zu engagieren. Die …

#44 BÜRGERWEIDE

EDITORIAL: DIE BILANZ EINES JAHRES In dieser Ausgabe ist nichts so, wie Sie es erwarten! Jedenfalls sieht sie nicht so aus, wie Sie das von uns gewohnt sind. Denn wir haben die Zeitschrift der Straße aus der Hand gegeben – und Nikolai Wolff und Kay Michalak von der Bremer Fotoetage das komplette Heft gestalten lassen. Das ganze Jahr lang waren die beiden Bremer Fotografen immer wieder auf der Bürgerweide unterwegs – und präsentieren uns nun das Ergebnis ihrer Feldstudie. Man sieht, dass die beiden an der hiesigen Hochschule für Künste studiert haben – und früher mal Fotoredakteure der Bremer „tageszeitung“ waren. Für die zweite Foto-Ausgabe der Zeitschrift der Straße haben die beiden sich gleich zu Beginn des Jahres die Nacht auf dem letzten Sechs-Tage- Rennen um die Ohren geschlagen, später waren sie bei den Skatern vor dem Schlachthof und auf Messen, auf der Osterwiese und natürlich, gerade eben erst, auf dem Freimarkt (sogar im Bayernzelt). Und immer wieder faszinierte sie die Architektur der einst gerade deswegen angefeindeten Stadthalle. Aus alldem wurden, nein: diesmal eben keine …

DAS LÄSST UNS NICHT KALT!

#44 BÜRGERWEIDE – Mehrere Hundert Menschen in Bremen sind obdachlos, das heißt, sie leben permanent auf der Straße. Daneben gibt es sehr viele Menschen ohne festen Wohnsitz, die in Notunterkünften oder Wohnheimen leben.   Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, aber häufig sind es Schicksalsschläge wie Trennung, Gewalterfahrungen oder Jobverlust, in deren Folge Menschen auf der Straße landen. Dieses gravierende soziale Problem muss mehr Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft erfahren. Viele unserer StraßenverkäuferInnen wissen aus eigener Erfahrung, an welchen Orten in der Stadt sich Menschen aufhalten, die kein Dach über dem Kopf haben. Nicht jeder und jedem sieht man es auf den ersten Blick an. Es ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass jemand im Sommer auf einer Bank im Bürgerpark oder den Wallanlagen übernachtet. Aber im Winter? Bereits bei Temperaturen, die deutlich über null liegen, birgt die Nacht unter freiem Himmel die Gefahr des Auskühlens und Krankwerdens. Was also wird mit denen, die keinen geschützten Platz zum Schlafen haben? Oft bieten ein heißer Kaffee, eine Suppe und ein Schlafsack Erste Hilfe in der größten Not. StreetworkerInnen …

GEHT DURCH BREMEN MIT OFFENEN AUGEN!

Auf der Straße zu leben ist hart. Aber zu Beginn des Winters wird es für viele Obdachlose noch härter – im schlimmsten Fall lebensgefährlich.   Im Idealfall werden Menschen gar nicht erst obdachlos. Aber es passiert, und zwar Tausenden, in Deutschland. Als Vertriebskoordinator der Zeitschrift der Straße werde ich häufig von Freunden und Bekannten gefragt: Was kann ich tun in der kalten, nassen Jahreszeit? Wie kann ich helfen, wenn ich Obdachlosen auf der Straße begegne? Ganz klar, eine Tasse heißen Kaffee oder etwas Geld können nicht schaden. Wenn es sich um einen Verkäufer der Zeitschrift der Straße hant, kauft ihm ein oder zwei Hefte ab. Ihr könnt die Person auch fragen, ob sie Hilfe benötigt; menschenfreundliche Ansprache ist immer gut. Aber ich möchte davor warnen, zu meinen, das wäre genug. Man sollte immer gucken, ob man mehr tun kann. Wer einen Obdachlosen im Winter auf der Straße schlafen sieht, kann den Rettungsdienst (112) alarmieren. Lieber einmal zu viel angerufen haben, als einen möglicherweise erfrierenden Menschen auf der Straße allein zu lassen. Auch der Verein für …