Alle Artikel in: Ausgabe

#51 WALLER PARK

EDITORIAL: EIN HEFT VON DER UNI Dieses Heft ist ein klein wenig anders als unsere gewöhnlichen Ausgaben: Es ist das Ergebnis eines Schreibworkshops an der Universität Bremen. Angeleitet durch die Redaktionsleiter der Zeitschrift der Straße, erarbeiteten sich Studierende der Kulturwissenschaften und anderer Fachrichtungen die Grundlagen journalistischer Arbeit, um dann rund um den Waller Park nach Themen, interessanten Personen und Geschichten zu suchen. Dominant in der Gegend ist der Friedhof, nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch durch die rundherum ansässigen Gewerbetreibenden: Blumenhändler, Gärtner, Bestatter, dazu viele Steinmetze. Einen von ihnen haben wir in seiner Werkstatt besucht und erfahren, warum man für Grabsteine durchaus eine Leidenschaft entwickeln kann (Seite 28). Auf dem Friedhof trafen wir Heinz Räck, der hier seit 40 Jahren den Rasen, die Bäume und all das andere Grün zwischen den Gräbern pflegt (Seite 12). Gleich vor dem Friedhofstor steht die Kulturwerkstatt Westend. Vor 25 Jahren für die Arbeiterschicht gegründet, treffen sich hier heutzutage kunstinteressierte Menschen aller Couleur (Seite 18). Dort arbeitet auch Windy Jacob, ein Radiomoderator alter Schule mit vielen Geheimnissen (Seite 14). …

#50 DIE STRASSE

EDITORIAL: DIE FRAGE NACH DER WIRKUNG In einer besseren Welt als dieser gäbe es Projekte wie die Zeitschrift der Straße ja gar nicht! Und Menschen würden nicht einfach aus der Gesellschaft, nun ja: aussortiert. Wenn jetzt also die 50. Ausgabe unseres Magazins erscheint, dann wollen wir uns nicht einfach schulterklopfend loben und loben lassen. Stattdessen haben wir uns mal zusammengesetzt und überlegt: Was genau bringt das eigentlich, was wir hier all die Jahre tun? Gar nicht so einfach zu sagen (Seite 26). Aber irgendein kleines Zeichen zu unserem Jubiläum wollten wir dann ja doch setzen. Also haben wir vier von den Menschen, mit denen wir täglich zusammenarbeiten, eine Einwegkamera geschenkt: Stefan Gehring (Seite 8), Jörg Winter (Seite 12), Steffen Krüger (Seite 18) und Martin Schesnik (Seite 22). Wir haben sie gebeten, doch mal ihre Sicht auf die Straße zu fotografieren. Deswegen widmet sich diese Ausgabe auch nicht einfach nur einem einzigen Ort in dieser Stadt, so wie wir das sonst immer tun. Es geht ausnahmsweise mal um die Straße an sich – als Lebensraum. Herausgekommen …

#49 REMBERTIRING

EDITORIAL: GANZ HARTES PFLASTER Ertappen Sie sich auch manchmal dabei, dass Sie denken: Früher war vieles besser? Wem solche Gedanken, wie uns, nicht fremd, aber etwas peinlich sind, dem sei ein Spaziergang am Rembertiring empfohlen. Sofort wird man wieder klar im Kopf. Hätten sich die Stadt- und Verkehrsplaner von früher durchgesetzt, sähe es heute in halb Bremen aus wie hier: Schneisen automobiler Verwüstung, vom Viertel über die Werderinsel bis in die Neustadt. Ein unwirtlicher Ort, dieser Rembertiring, da helfen auch der Rasen und die paar Bäume nichts, die man in den Kreisel gepflanzt hat. Einige Menschen aber, die vor dem Nichts stehen, finden gerade hier Unterschlupf: In der Notunterkunft der Inneren Mission beispielsweise, wo wohnungslose Männer ein Zimmer beziehen und so in Ruhe und Würde leben zu können. Für gewisse Zeit nur, aber immerhin (Seite 8). Oder im Haus Fehören, wo 20 aus der Haft entlassene Männer in Wohngemeinschaften leben und einen neuen Start ins Leben versuchen (Seite 24). Wer mit diesen Menschen spricht, erfährt viel über die dunklen Seiten des Lebens. Wobei es am …

#48 WARTURMER PLATZ

EDITORIAL: DORF INMITTEN DER STADT Der Warturmer Platz liegt versteckt zwischen einer Güterbahntrasse, der Bundesstraße 6, der A 281 und einem Gewerbegebiet. Eine laute, triste Gegend. Findet man aber den Weg in die Senator-Paulmann-Straße, landet man in einer anderen Welt. Die schmale Straße führt zu einem Platz, der auch ein Park sein könnte, mit Bäumen und Büschen auf einer großen Wiese und vor allem: Stille. Dieses Idyll ist umgeben von einem lückenlosen Ring kleiner Reihenhäuser, wie eine Wagenburg. Was heute einem Dorf gleicht, war vor rund 80 Jahren ein Ort des Schreckens. Die Nationalsozialisten hatten die Siedlung als Lager errichtet, in dem sie Sinti und andere einsperrten, die ihnen und ihrer Ideologie nicht passten. Die Familien mussten Zwangsarbeit verrichten, wurden geprügelt und zum Teil auch zwangssterilisiert (Seite 8). Viele Bewohner des Lagers blieben nach dem Krieg in den Häusern, zunächst als Mieter, später konnten sie die Häuser erwerben. Auch wenn die Siedlung lange unter einem schlechten Ruf litt, wurde sie über die Jahrzehnte zu einem kleinen Paradies mit einer dörflichen Gemeinschaft (Seite 12). Doch auch …

#47 REIHERSIEDLUNG

EDITORIAL: VON VORURTEILEN UND HAUSBESUCHEN Die Frau hat mich noch nie gesehen, bittet mich aber gleich zu sich herein. „Es ist doch kalt draußen“, sagt sie – und schon kocht sie einen Pott Kaffee für mich, während ich in ihrer warmen Stube sitze. Nein, mit der Presse will sie nicht so gern sprechen, obwohl sie mir viel zu erzählen hat – aber das Leben hat ihr viel Grund gegeben zu misstrauen. Drei Mal sei sie schon geflohen, erzählt sie. Dennoch empfängt sie mich offen und warmherzig. Wenn in der Politik und bei Wohnungsbaukonzernen von der Reihersiedlung die Rede ist, dann wird oft über, aber selten mit den BewohnerInnen dieser Schlichtbauten geredet (Seite 8). Und: Ja, auch wir haben Berührungsängste. Aber wir haben uns aufgemacht und waren bei Michaela (Seite 12) und Mücke (Seite 14), bei Günter und Heiko (Seite 20), haben Dieter getroffen (Seite 22) und auch allerlei Haustiere gestreichelt (Seite 16). Und wir waren bei den NachbarInnen aus der Reiherstraße, um mit jenen zu reden, die allerlei Vorurteile pflegen und damit Politik machen – …

#46 WACHMANNSTRASSE

EDITORIAL: EIN BISSCHEN ANGST UND IDEALISMUS Wenn du aus südwestlicher Richtung kommst und in die Wachmannstraße willst, puh! – also bevor es da so richtig bürgerlich-lauschig wird, muss ja erst einmal der Stern bezwungen werden. „Ein Angstraum“ ist das, sagt der Landes­behinderten­beauftragte, mit dem wir dort einen kleinen Rundgang gemacht haben (Seite 26). Doch schon ein paar Meter weiter kann es erstaunlich ruhig sein! In der alten Villa nämlich, in der statt Kaufleuten und Richtern heute lauter Buddhisten residieren. Wir haben sie mal zu Hause besucht, wo es übrigens sehr schlicht, aber gar nicht so religiös zugeht (Seite 20). Auch anderswo an der Wachmannstraße ist es weniger bourgeois, als man gemeinhin denkt. Nicht nur in dem ehemaligen Seniorenheim, in dem heute geflüchtete Menschen leben – was nicht jedem im Schwachhausen gleich gefallen hat (Seite 28). Sondern auch bei dem Cembalobauer Christian Kuhlmann, in dessen Werkstatt früher mal ein reicher Kaffeeröster sein Büro hatte. Dort haben wir einen idealistischen Autodidakten kennengelernt, der andere gern zu sich nach Hause einlädt (Seite 8). Ein paar Meter weiter liegt …

#45 HUMBOLDTSTRASSE

EDITORIAL: ETWAS TEURER, NOCH ERLESENER Schön, dass Sie sich eine Zeitschrift der Straße gekauft haben! Vielleicht haben Sie dabei gestutzt: Unser Magazin ist etwas teurer geworden. Und nicht dicker. Aber wir können Ihnen das erklären! Tun wir natürlich auch, in aller gebotenen Ausführlichkeit: auf den Seiten 28 und 29. Dafür bekommen Sie jetzt ein paar Geschichten aus der Humboldtstraße, die Sie sonst noch nirgendwo gelesen haben! Zum Beispiel haben wir einen wunderbaren Künstler entdeckt, der dort sein Atelier hat, aber völlig zu Unrecht noch nie irgendwo ausgestellt wurde: Fabian Schulze (Seite 14). Außerdem haben wir uns in der Friedensgemeinde mit einem Iraner getroffen, der in seiner alten Heimat vom Tod bedroht ist – weil er Bibelkurse besucht. Jetzt hat er erstmals mit einer Journalistin gesprochen (Seite 24). Schon früher wurden AnwohnerInnen der Humboldtstraße verfolgt. Die Stolpersteine erinnern deshalb an sie. Aber wer waren diese Menschen eigentlich? (Seite 20). Weil diese Ausgabe im Viertel spielt, ist auch seine Gentrifizierung ein Thema für uns – also die schleichende Verdrängung einkommensschwächerer BewohnerInnen durch die Aufwertung der östlichen Vorstadt …

#44 BÜRGERWEIDE

EDITORIAL: DIE BILANZ EINES JAHRES In dieser Ausgabe ist nichts so, wie Sie es erwarten! Jedenfalls sieht sie nicht so aus, wie Sie das von uns gewohnt sind. Denn wir haben die Zeitschrift der Straße aus der Hand gegeben – und Nikolai Wolff und Kay Michalak von der Bremer Fotoetage das komplette Heft gestalten lassen. Das ganze Jahr lang waren die beiden Bremer Fotografen immer wieder auf der Bürgerweide unterwegs – und präsentieren uns nun das Ergebnis ihrer Feldstudie. Man sieht, dass die beiden an der hiesigen Hochschule für Künste studiert haben – und früher mal Fotoredakteure der Bremer „tageszeitung“ waren. Für die zweite Foto-Ausgabe der Zeitschrift der Straße haben die beiden sich gleich zu Beginn des Jahres die Nacht auf dem letzten Sechs-Tage- Rennen um die Ohren geschlagen, später waren sie bei den Skatern vor dem Schlachthof und auf Messen, auf der Osterwiese und natürlich, gerade eben erst, auf dem Freimarkt (sogar im Bayernzelt). Und immer wieder faszinierte sie die Architektur der einst gerade deswegen angefeindeten Stadthalle. Aus alldem wurden, nein: diesmal eben keine …

#43 AUF DER BRAKE

EDITORIAL: VOR UNSERER HAUSTÜRE Es ist ja eine Adresse in bester Lage! Aber sie gilt als schmudig. Und sie ist noch dazu einer der zugigsten Orte der ganzen Stadt – die kleine Straße zwischen dem Breitenweg und dem Haus des Reichs, wo heute die grüne Finanzsenatorin regiert. Aber sie ist eben auch unser Zuhause: Unsere Redaktion tagt hier, unser Vertriebsbüro ist hier, die Uni der Straße hat hier ihren Sitz, und gleich nebenan ist auch das Café Papagei (Seite 24), der Tagestreff für alle wohnungslosen und von Armut betroffenen Menschen. Das alles ist Grund genug, uns mal „Auf der Brake“ näher umzusehen. Aber natürlich soll es in diesem Heft nicht nur um uns gehen! Sondern auch um die Straffälligenhilfe, deren Zentralstelle sich gleich nebenan findet. Wir haben dort mit einer Frau gesprochen, deren Mann gerade im Knast sitzt (Seite 20). Danach haben wir uns zusammen mit den Streetworkern von Vaja mal eine Nacht auf der Discomeile um die Ohren geschlagen (Seite 8). Außerdem sind wir durch den Verwaltungspalast geschlendert, in dem heute Bremens Geld verwaltet …

#42 WOLLKÄMMEREI

EDITORIAL: VOM AUFSTIEG UND FALL Blumenthal ist nur ein kleines Fischerdorf außerhalb des Zollgebietes, als einige Konsuln und Kaufleute hier 1883 eine Aktiengesellschaft gründen: die Bremer Wollkämmerei. Heute steht Blumenthal vor allem für wirtschaftlichen Niedergang und soziale Probleme, irgendwo am Rande der Stadt. Dazwischen liegen Aufstieg und Fall eines Unternehmens, das mal zu den ganz Großen seiner Branche gehörte und der Stadt ein riesiges, noch dazu weitgehend denkmalgeschütztes Areal hinterlassen hat. Blumenthal, das war die Wollkämmerei. Was aus all dem jetzt werden soll? Wir haben uns mal eine Weile drinnen umgesehen (Seite 16) und dann ein paar Leute gefragt, die sich mit so was auskennen. Welche Visionen sie für die Wollkämmerei haben, ist ab Seite 8 nachzulesen und auch anzugucken. Außerdem haben wir nach den Spuren der ZwangsarbeiterInnen gesucht, die einst hier schuften mussten (Seite 12). Wir haben einen Mann besucht, der am Beispiel unseres Mülls viel über die Entwicklung dieser Brache in neuerer Zeit erzählen kann (Seite 22). Und eine Frau, die auch mal ganz oben war – und sich in Blumenthal wieder zurückgekämpft …