Alle Artikel mit dem Schlagwort: Bremen

RUNDGÄNGE GEGEN DAS UNWISSEN

Seit Mai bietet die Zeitschrift der Straße eine Tour an, die Bremen aus der Perspektive wohnungsloser Menschen zeigt. Zeit für eine erste Bilanz mit dem Initiator Reinhard ‚Cäsar‘ Spöring   Interessieren sich die Leute für soziale Stadtführungen in Bremen? Reinhard Spöring: Ja! Die Bremer Schulbehörde und das Landesinstitut für Schule haben gerade eine offizielle Empfehlung an alle Bremer Schulen herausgegeben, unsere Stadtrundgänge im Unterricht zu berücksichtigen. Die Hochschule für öffentliche Verwaltung wird die Perspektivwechsel-Führung ab dem Wintersemester auf freiwilliger Basis anbieten. Das niedersächsische Bildungswerk aus Osterholz-Scharmbeck hat bereits eine Tour absolviert, die Hochschule Bremen für den Studiengang „Soziale Arbeit“ zwei Touren im Sommersemester 2018 gebucht. Und auch die Diakonie und der soziale Friedensdienst haben Interesse angemeldet. Wie viele Perspektivwechsel-Touren habt ihr bisher schon gemacht? RS: Bislang gab es fünf Touren mit insgesamt rund 100 TeilnehmerInnen, die vorwiegend aus der achten und neunten Klasse kamen. Wie fällt deine Bilanz aus? RS: Unsere vorherige Einschätzung, dass genau dieses Angebot in Bremen gefehlt hat, scheint sich zu bestätigen. Darauf deuten auch viele Reaktionen derjenigen Leute hin, mit denen …

DAS ÜBERSEHENE LEID

#52 NELSON MANDELA PARK: Neben dem Elefanten steht ein kleines Mahnmal – das bundesweit einzige seiner Art, das an den Völkermord an den Herero erinnert.   Der Nelson-Mana-Park beherbergt ein unscheinbares und oft übersehenes Mahnmal. Gleich neben dem Elefanten, der seinen Schatten auf einen kleinen Steinkreis wirft. Wofür steht dieser Kreis? Es ist das bundesweit einzige Denkmal sein Art. Und erinnert an die Vernichtung der Herero in der Schlacht am Waterberg im Jahre 1904. Das Volk hatte sich gegen die deutsche Kolonialherrschaft aufgelehnt. In Erinnerung an diesen Völkermord wurden 2009 Steine aus der Omaheke-Wüste nach Bremen gebracht, um dort zusammen mit deutschem Beton und Kies einen kreisförmigen Erinnerungsort im Dialog mit dem Elefanten zu gestalten. Bremen war einst tief in den deutschen Kolonialismus verstrickt. 1883 kaufte der Bremer Tabakhändler Adolph Lüderitz – Namensgeber der Lüderitzstraße in Schwachhausen – mit betrügerischen Mitteln große Landstriche in Südwestafrika und stieg somit in den sogenannten „Scramble for Africa“ ein, den Wettlauf um Afrika, der in jener Zeit in ganz Europa stattfand. Erstmals wurde die deutsche Flagge auf afrikanischem Boden …

„DIE ARMUT WIRD IMMER GRÖSSER“

#50 DIE STRASSE – Stefan Gehring arbeitet seit über zwei Jahren bei der Zeitschrift der Straße. Und er malt auch: Die Zeichnung unten ist von ihm. Täglich steht er am Nordausgang des Bahnhofs, an der Bürgerweide. Hinter dem Bahnhof arbeiten insgesamt fünf VerkäuferInnen der Zeitschrift der Straße – er und sein Freund Bommel, durch den er zu dieser Arbeit gekommen ist, sind jeden Tag da. Mit seinem Dreitagebart wirkt der 33-Jährige jung, seine Haut ist gebräunt.   [Wir haben Stefan Gehring gebeten, mit einer Einwegkamera seine eigene Sicht auf Bremen einzufangen. Das folgende Protoll entstand während eines Gesprächs mit ihm über seine Fotos, von denen einige in der Ausgabe #50 abgebildet sind.] „Ich hab viele Baustellen fotografiert. Mit den Bildern sollen wir ja unseren Blick auf die Straße zeigen – oder unsere Perspektive. Mir kommt es so vor, als wären überall nur Baustellen. Ich bin ja Bremer und egal, an welche Zeit ich mich zurück erinnere: Überall wird gebaut. Dazu kann man ein kleines Experiment machen. Man kann mehrere Leute fragen: „Nenn’ mir mal drei …

HELFEN SIE MIT: BREMER STRASSEN FÜR 2017

Ihre Stadtkenntnis ist gefragt. Wir suchen Bremer Straßen und Orte für unsere nächsten Ausgaben   Seit Anfang 2011 thematisiert die Zeitschrift der Straße in jeder Ausgabe eine Straße bzw. einen Ort in Bremen. Sie beschäftigt sich mit den Menschen, die sich an den Orten aufhalten, und mit dem Leben auf den Straßen. Die Zeitschrift der Straße erzählt Geschichten, die es nirgendwo sonst zu lesen gibt. Inzwischen ist auf diese Weise ein „journalistischer Stadtplan“ in 42 Teilen entstanden, und fast monatlich kommt ein neuer hinzu. Die meisten Ausgaben unserer Zeitschrift können Sie on lesen (Rubrik LESEN im Hauptmenü). Für 2017 sind wir noch auf der Suche nach Straßen und Orten mit Potenzial, um ihnen Ausgaben zu widmen. Ob eine Straße „schön“ oder ein Ort „bedeutend“ ist, spielt für uns keine Rolle. Meist sind es unscheinbare, etwas abgelegene Straßen, die mit Überraschungen aufwarten. Möchten Sie uns eine Straße oder einen Ort vorschlagen? Dann teilen Sie uns mit, worin Sie das Potenzial dieser Straße bzw. dieses Ortes sehen. Welche Geschichten gibt es dort zu entdecken und zu erzählen? …