Alle Artikel mit dem Schlagwort: Wohnungslose

WINTERHILFE BEGINNT IM SOMMER

Schon seit einigen Jahren sammeln wir Spenden, um wohnungslose Menschen im Bedarfsfall unbürratisch mit dem Nötigsten ausstatten zu können und um die Streetworker des Vereins für Innere Mission in Bremen mit Material zu unterstützen. Beides kommt auch unseren StraßenverkäuferInnen zugute. Dabei zeigt sich Jahr für Jahr das gleiche Muster: im Herbst und Winter ist der Hilfebedarf um ein Vielfaches größer als im Frühjahr und Sommer. Nässe, Wind und niedrige Temperaturen lassen den Bedarf vor allem an warmen, trockenen und regenfesten Schlafsäcken sprunghaft steigen. Angesichts des aktuell unsommerlichen Wetters haben wir schon mal angefangen, Vorräte anzulegen und 100 Schlafsäcke für 2010 Euro gekauft, von denen 1526 Euro aus gesammelten Spenden der Zeitschrift der Straße stammen. Bei einem plötzlichen Kälteeinbruch sind die Schlafsäcke innerhalb von zwei oder drei Tagen vergriffen und retten dabei wahrscheinlich Leben. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern und laden gleichzeitig ein, nicht damit aufzuhören. Denn auch die Not auf Bremens Straßen hört nicht auf. Zu unseren aktuellen Spendenkampagnen auf Betterplace.org gelangen Sie über diesen Link. Text: Michael Vogel Fotos: Rüdiger Mantei

KÄLTE, HILFE, WOHNUNGSLOSE, FLÜCHTLINGE

Am 5. Januar posteten wir auf und einen Aufruf, besonders in der kalten Jahreszeit mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, auf ausgekühlte Menschen und Draußenschläfer zu achten und ihnen ggf. Hilfe zu leisten. Der Aufruf, den wir eigentlich schon im November letztes Jahr verfasst und auf unserer Website veröffentlicht hatten, wurde innerhalb von zwei Tagen über 5000 Mal aufgerufen. Für unsere Verhältnisse ist das eine hohe Zahl, die wohl dadurch zustande kam, dass wir dem Aufruf den Bericht über eine erfrorene obdachlose Frau in Düsseldorf beigefügt hatten (siehe Foto oben). In der Folge erreichten uns einige Nachfragen und Kommentare zu dem Aufruf. Sinngemäß ging es darum, warum im reichen Deutschland eigentlich noch immer Menschen auf der Straße leben (müssen) und ob der Staat da nicht genug tue, weil er zu sehr mit Flüchtlingen beschäftigt sei. Zur Frage, warum Menschen auf der Straße leben, ist im Magazin ‚brand eins‘ im Jahr 2012 ein Artikel erschienen, der einige der Gründe darlegt und vor allem deutlich macht, warum Wohnungslosigkeit nur  unzureichend mit fehlendem Wohnraum …

SELBST WENN DIR BLAUE TENTAKEL WACHSEN

#43 AUF DER BRAKE – Im Café Papagei treffen sich Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld. Hier sind alle willkommen. Nur bei einem Thema kennt das Team keine Toleranz   „Junger Mann, Sie wollten duschen“, sagt Karin zu dem schlaksigen Mittzwanziger. „Stimmt, Sie haben recht. Wollte ich nicht, aber ich sollte“, antwortet er. Und trägt sich in die Liste für die Duschen ein. „Kann ich einen Rasierer haben? Ist ja Montag“, fragt der junge Mann. „Es ist Dienstag“, entgegnet Cory und überreicht ihm Handtuch und Rasierer. Karin und Cory, Angestellte der Inneren Mission, arbeiten im Café Papagei, einem Treffpunkt für Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld. Hier gibt es günstigen Kaffee, belegte Brötchen, Bockwurst und auch ein warmes Mittagsessen. Die Gäste können hier duschen, ihre Wäsche waschen oder sich eine Postadresse einrichten. Etwa ein Drittel der Besucher ist ohne Wohnung, ansonsten mischen sich die Szenen. Das liegt vor allem an der Lage – früher, als die Wohnungslosenhilfe noch im Jakobushaus am Breitenweg war, kamen überwiegend Obdachlose, erzählt Karin, während ihre Augen den Raum absuchen.Ihr Gesicht …