ZEITSCHRIFT

Die Zeitschrift der Straße ist das Bremer Straßenmagazin und ein gemeinsames Projekt von Studierenden, Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen, JournalistInnen, freiwillig sozial Engagierten, von Wohnungslosigkeit und Armut bedrohten oder betroffen Menschen, HochschuldozentInnen und StreetworkerInnen.

Die Zeitschrift der Straße wird auf der Straße verkauft. Über die Hälfte des Verkaufserlöses geht an die VerkäuferInnen. Die Zeitschrift der Straße heißt aber auch so, weil sie „Straße“ thematisiert: jede Ausgabe ist einer Straße bzw. einem Ort gewidmet. Die Geschichten, die die Zeitschrift der Straße von dort erzählt, sind wie eine Sehhilfe für Bremen und bilden einen journalistischen Stadtplan.

Die Zeitschrift der Straße wurde 2010 als Medien-, Sozial- und Lernprojekt von der Hochschule Bremerhaven, der Hochschule für Künste Bremen und dem Verein für Innere Mission in Bremen gegründet und ist seither mehrfach ausgezeichnet worden.

Das Medienprojekt

Immer wieder ist zu lesen, das Medium Straßenzeitung sei ein Auslaufmodell. LeserInnen seien heute zu anspruchsvoll, der Wettbewerb der Printmedien zu hart und die Bedeutung des Internets zu groß. Die Zeitschrift der Straße stellt sich diesen Bedingungen mit einem eigenen Ansatz. Sie ist ein Straßenmagazin, das sich vom Klischee der „Obdachlosenzeitung“ durch ihr journalistisches Profil und ihre Aufmachung absetzen möchte.

Den traditionellen Werten einer Straßenzeitung bleibt die Zeitschrift der Straße auf ihre Weise treu. Sie ist kritisch, indem sie neue und überraschende Perspektiven auf scheinbar Vertrautes und Alltägliches bietet und zum Perspektivwechsel einlädt. Sie ist unbequem, indem sie Sehgewohnheiten und Denkmuster herausfordert statt sie zu bestätigen. Sie thematisiert die Straße, aber nicht als Metapher für soziales Elend, sondern als Ort des öffentlichen Lebens. Und sie appelliert, jedoch nicht an das schlechte Gewissen, sondern an die Neugier, die Offenheit und die Verbundenheit der LeserInnen mit Bremen.

Das Sozialprojekt

In unserer Gesellschaft wird geachtet, wer leistet, und ausgegrenzt, wer es nicht tut. Viele Straßenzeitungen prangern diesen Umstand an und wollen dadurch aufklären. Ihre Botschaft prallt aber an jenen ab, die sie hören sollen. Zudem werden viele Straßenzeitungen zwar gekauft, aber wenig gelesen, wenn ihre Inhalte und Aufmachung nicht der Lebenswelt der KäuferInnen entsprechen.

Die Zeitschrift der Straße geht deshalb einen anderen Weg. Sie ist jung und zeitgemäß gestaltet, journalistisch ansprechend gemacht, hochwertig gefertigt und will deshalb gekauft werden. Den Preis der Zeitschrift der Straße sollen KäuferInnen und VerkäuferInnen als fairen Gegenwert empfinden und nicht als mildtätige Gabe. Nur wenn StraßenverkäuferInnen eine echte Leistung anzubieten haben, werden sie Achtung und Anerkennung erfahren. Dies ist ein wichtiger Schritt gegen ihre Ausgrenzung.

Gesellschaftliche Grenzen werden bereits bei der Arbeit an der Zeitschrift der Straße überwunden. Studierende und Lehrende, von Wohnungslosigkeit und Armut betroffene Menschen und Streetworker, Freiwillige und Profis, sie alle beteiligen sich daran und sind für Erfolg aufeinander angewiesen.

Das Lernprojekt

Die Zeitschrift der Straße bietet Studierenden unterschiedlicher Fachgebiete und Hochschulen ein herausforderndes und realistisches Lernumfeld, in dem sie (als integraler Bestandteil ihres Studiums oder als freiwillige Tätigkeit) Fach-, Handlungs- und Sozialkompetenzen erwerben und zugleich Erfahrungen mit zivilgesellschaftlichem Engagement sammeln können. Seit der Gründung der Zeitschrift der Straße 2010 haben rund 250 Studierende an ihr gelernt.

Die Zeitschrift der Straße demonstriert damit, wie Hochschullehre die Zivilgesellschaft stärken kann: indem sie Studierenden Leistungen abfordert, die nicht nur ihrem eigenen Lernen dienen, sondern auch direkten gesellschaftlichen Nutzen stiften.