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	<title>Portraits &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Portraits &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>„Mit Menschen zu reden, ist mir sehr wichtig“</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/heinz-franz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Melis Sivasli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Portraits]]></category>
		<category><![CDATA[Auf der Muggenburg]]></category>
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		<category><![CDATA[Verkaufsportrait]]></category>
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					<description><![CDATA[#134 Auf der Muggenburg: Heinz Franz trifft man meist hinter dem Bahnhof. Hier verkauft er die Zeitschrift der Straße und beobachtet, wie sich die Stimmung in der Stadt verändert Protokoll: Ulrike Plappert Fotos: Norbert Schmacke Ich lebe hinterm Bahnhof, Ausgang Bürgerweide, und schlafe an verschiedenen Orten. Einfach frei. Bei Regen stelle ich mich unter. Man kann auch von nachts um zwölf bis morgens um sechs im Bahnhof schlafen. Dann wird man aber deutlich aufgefordert, zu gehen. Auch bei der Winterkälte: Raus! Der Wärmeraum im Bahnhof geht nicht, wir sind keine Fahrgäst[:innen] – also raus. Aufwärmen kann man sich bis Mittag im Tivoli. Es gibt noch einen Raum in der Nähe, der vormittags aufmacht. Da gibt’s zu essen, du kannst dich unterhalten, schlafen gehen. Eigentlich bin ich bei der Oma groß geworden, weil meine Mutter arbeiten musste. Ich war im Grundschulinternat und ein superguter Schüler. Nach der sechsten Klasse hatte ich mich auf zu Hause gefreut. Dann haben meine Mutter und ihr Mann gebaut und ich kam wieder ins Internat. Sie hatten ja keine Zeit. Zu &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#134 Auf der Muggenburg: <em>Heinz Franz</em> trifft man meist hinter dem Bahnhof. Hier verkauft er <em>die Zeitschrift der Straße</em> und beobachtet, wie sich die Stimmung in der Stadt verändert</h2>



<p><mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color"> Protokoll: <em>Ulrike Plappert</em> <br /> Fotos: <em>Norbert Schmacke</em> </mark> </p>



<p>Ich lebe hinterm Bahnhof, Ausgang Bürgerweide, und schlafe an verschiedenen Orten. Einfach frei. Bei Regen stelle ich mich unter. Man kann auch von nachts um zwölf bis morgens um sechs im Bahnhof schlafen. Dann wird man aber deutlich aufgefordert, zu gehen. Auch bei der Winterkälte: Raus! Der Wärmeraum im Bahnhof geht nicht, wir sind keine Fahrgäst[:innen] – also raus. Aufwärmen kann man sich bis Mittag im Tivoli. Es gibt noch einen Raum in der Nähe, der vormittags aufmacht. Da gibt’s zu essen, du kannst dich unterhalten, schlafen gehen.</p>



<p>Eigentlich bin ich bei der Oma groß geworden, weil meine Mutter arbeiten musste. Ich war im Grundschulinternat und ein superguter Schüler. Nach der sechsten Klasse hatte ich mich auf zu Hause gefreut. Dann haben meine Mutter und ihr Mann gebaut und ich kam wieder ins Internat. Sie hatten ja keine Zeit. Zu meiner Geschichte gehört auch, dass ich nur kurz mit meinem Vater aufgewachsen bin. Ich habe ihn später mal aufgesucht und viel Hoffnung da reingesetzt. Aber das war zu viel erwartet. </p>



<p>Nach Bremen gezogen bin ich vor ein paar Jahren wegen einer Drogentherapie, war in Loxstedt auf einem Hof und in Vegesack in der Klinik. Ich hatte Arbeit als Dachdecker. Leider bin ich dann weit weg in die falsche Richtung gezogen und kam durch die Baustelle in Vegesack nicht mehr pünktlich zur Arbeit. Das ging dann zu Ende und die Beziehung mit der Freundin auch. Dann hat das Jobcenter Briefe wegen der Miete an die falsche Adresse geschickt. Ich hab nachgefragt, aber ich sollte warten, das würde in Bremen immer ein bisschen dauern, hieß es. Die Miete kam also nicht und Arbeit war auch nicht mehr. Der Vermieter hat mich dann einfach rausgeworfen: Kalträumung. Das wurde zwar vom Gericht aufgehoben, aber so kam eins zum andern und nichts hat funktioniert. Die Zahlungen vom Jobcenter kamen nicht, dafür der Gerichtsvollzieher und ich musste raus. Es war Januar.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p data-wp-context---core-fit-text="core/fit-text::{&quot;fontSize&quot;:&quot;&quot;}" data-wp-init---core-fit-text="core/fit-text::callbacks.init" data-wp-interactive data-wp-style--font-size="core/fit-text::context.fontSize" class="has-fit-text" style="font-style:normal;font-weight:600">„Wenn erst das Schlechte zum Guten wird, dann kommt das Chaos“</p>
</blockquote>



<p>Dann bin ich nach Bremen zum Bahnhof, wo man Essen kriegt. Da hab ich die Leute vom Café Papagei kennengelernt, die mich unterstützt haben. So bin ich auch an<em>die Zeitschrift der Straße</em> gekommen. Ich bin ja nicht der Faule oder Schnorrer oder Bettler, wie Leute draußen öfter sagen. Sie wissen ja gar nicht, was da los ist. Zum Beispiel: Ohne Arbeit keinen festen Wohnsitz und ohne Wohnung keine feste Arbeit. Das ist ein Teufelskreis. Hier in Bremen ist das mit Notunterkünften zwar alles gut organisiert. </p>



<p>Aber sie helfen einem nicht weiter, wenn man dann Arbeit hat. Dass man eine WG oder ein Zimmer bekommt, wo man sich anmelden kann, dass sie gucken, wie man zurechtkommt. Es ist ja so: Wenn man so lange kein Geld hatte und auf einmal eine Nachzahlung vom Jobcenter über dreizehnhundert Euro auf einen Schlag kommt oder Geld von einer Arbeit – Rauschzustand! Damit ist man voll überfordert und verballert das ganz schnell. Weg. Bamm! Da wird man nicht rausgeholt – dabei bräuchte man Betreuung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="600" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web.jpg" alt="Mann mit Mütze und Jacke hält eine Zeitung mit dem Titel 'DIE ZEITSCHRIFT DER STRASSE' vor einem geparkten Auto hoch" class="wp-image-15229" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web-420x560.jpg 420w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Experte des Alltags: unser Verkäufer <em>Heinz Franz</em>.</figcaption></figure>
</div>


<p></p>



<p>Von der Notunterkunft bin ich wieder auf die Straße. Zur Familie gibt es keinen Kontakt mehr. Freundschaften sind schwierig. Mit Menschen zu reden und in Kontakt zu bleiben, ist mir aber sehr wichtig. Das verlernt man nicht nur auf der Straße: Wenn man zwei Jahre in der Bude vor dem Fernseher sitzt, verändert man sich ja, geht immer mehr in sich rein, kann irgendwann gar nicht mehr mit Menschen reden. </p>



<p>Es gibt schon Leute, denen ich gelegentlich begegne, zum Beispiel Sozialarbeiter[:innen] vom Papagei oder vom Bus. Es gibt auch andere, die ich nicht immer einordnen kann. Aber das sind oberflächliche Kontakte. Wenn ich morgen weg bin, dann bin ich weg. Vielleicht denkt höchstens noch mal jemand: „Wo ist denn der Heinz? Den haben wir ja lange nicht mehr gesehen.“</p>



<p><em>Die Zeitschrift der Straße</em> verkaufe ich, weil man da einen anderen Blickwinkel auf die Menschen hat und die auch auf einen. Die meisten finden das toll. Feste Kundschaft ist am Bahnhof schwierig, weil es jeden Tag so viele, viele Gesichter gibt. Aber mit dem Geld ist es immer noch okay hier. Aber die allgemeine Stimmung ist getrübter, es gibt weniger gut Gelaunte als früher. Und das wirkt sich natürlich auch auf einen selbst aus. Es mischt sich auch keiner ein, wenn was schiefläuft. Und wenn erst das Schlechte zum Guten wird, dann kommt das Chaos. Aber das wollen wir nicht hoffen.</p>



<p>Ich würde schon gern noch mal in die Welt: mit dem Bus oder mit dem Rucksack. Dahin, wo man weniger Klamotten braucht. Erst mal nach Spanien, das kenne ich noch nicht, aber ich habe einen Kollegen da. Ich könnte mir auch vorstellen, mich hier ins System reinzuarbeiten, vielleicht eine kleine Führung zu machen und was bewirken. Die Unterstützung muss sich ändern – nicht die Sozialarbeiter[:innen], sondern das Ganze. Das wäre auf jeden Fall eine schöne Sache für meine Nachwelt.</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/134-auf-der-muggenburg/"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1250x833.jpg" alt="Schwarz-weiße Panoramaaufnahme einer Stadtlandschaft mit Fluss und Brücken im Hintergrund und einem Magazincover mit der Überschrift 'Auf der Muggenburg' im Vordergrund" class="wp-image-15135" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1536x1024.jpg 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover.jpg 1667w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>



<p></p>
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		<title>&#8222;DAS EINZIGE WAS MICH HIER HÄLT, IST DIE ERDANZIEHUNGSKRAFT&#8220;</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/portrait-marco/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Melis Sivasli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Jul 2024 04:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Portraits]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlose]]></category>
		<category><![CDATA[Portrait]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenverkäufer]]></category>
		<category><![CDATA[Verkaufen]]></category>
		<category><![CDATA[zds]]></category>
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					<description><![CDATA[#111 SCHARNHORST­STRASSE. Kurz nach seinem 50. Geburtstag betrachtet unser Verkäufer Marco sein Leben. Er hat noch viel vor in den nächsten Jahren Es ist ein regnerischer Samstagvormittag in der Findorffer Hemmstraße, eine von Marcos vielen Heimaten. Wir flüchten erst mal ins Trockene. Mit Blick auf die Martin-Luther-Kirche beginnt er über eine heiße Schokolade hinweg zu erzählen. Auf seine Geburt in Wittenberg folgt eine Kindheit im Berliner Osten: Endstation S1, Oranienburg. Diese Zeit prägt ihn, das Leben in der DDR fühlt sich nach Gefangenschaft an. Es hat zwar alles seine Ordnung, aber Marco will wissen, was hinter der Mauer passiert. Im Geografieunterricht der fünften Klasse wird ihm eine Weltkarte gezeigt. Er bereist Hauptstädte mit dem Finger, die für ihn nur Punkte hinter der Grenze sind, welche nicht zu überwinden scheinen. Dann endlich Neuland. Kurz vor dem Mauerfall flieht die Familie per Trabant über Öster­reich und Ungarn schließlich nach Bremen. Damals ist Marco siebzehn. Sein Berlinern wird schnell zum „sauberen Bremer Hochdeutsch“, Marco kommt an, aber irgend­wie doch nie so ganz. Nach dem Abitur überwältigt ihn das Lebensgefühl &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-black-color">#111 SCHARNHORST­STRASSE. Kurz nach seinem 50. Geburtstag betrachtet unser Verkäufer Marco sein Leben. Er hat noch viel vor in den nächsten Jahren</mark></h2>



<p>Es ist ein regnerischer Samstagvormittag in der Findorffer Hemmstraße, eine von Marcos vielen Heimaten. Wir flüchten erst mal ins Trockene. Mit Blick auf die Martin-Luther-Kirche beginnt er über eine heiße Schokolade hinweg zu erzählen. Auf seine Geburt in Wittenberg folgt eine Kindheit im Berliner Osten: Endstation S1, Oranienburg.</p>



<p>Diese Zeit prägt ihn, das Leben in der DDR fühlt sich nach Gefangenschaft an. Es hat zwar alles seine Ordnung, aber Marco will wissen, was hinter der Mauer passiert. Im Geografieunterricht der fünften Klasse wird ihm eine Weltkarte gezeigt. Er bereist Hauptstädte mit dem Finger, die für ihn nur Punkte hinter der Grenze sind, welche nicht zu überwinden scheinen.</p>



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<h2 class="wp-block-heading has-medium-font-size"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#c11a43" class="has-inline-color">Dann endlich Neuland. Kurz vor dem Mauerfall flieht die Familie per Trabant über Öster­reich und Ungarn schließlich nach Bremen. Damals ist Marco siebzehn. Sein Berlinern wird schnell zum „sauberen Bremer Hochdeutsch“, Marco kommt an, aber irgend­wie doch nie so ganz.</mark></h2>
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<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="833" height="1111" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/07/MarcoPortrait-web2.jpg" alt="" class="wp-image-11075" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/07/MarcoPortrait-web2.jpg 833w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/07/MarcoPortrait-web2-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/07/MarcoPortrait-web2-420x560.jpg 420w" sizes="(max-width: 833px) 100vw, 833px" /></figure>
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<p>Nach dem Abitur überwältigt ihn das Lebensgefühl Post-Mauerfall: Freiheit, Grenzenlosigkeit, jung sein.  Träume von Journalismus und Meeresbiologie münden in einer abgebrochenen Ausbildung. Wurzeln schlagen fällt ihm schwer, die Welt ist groß und Marco will sie sehen, nicht hier und jetzt Entscheidungen fällen, die seine Zukunft betreffen. Er lebt von Konzert zu Konzert, denkt von Winter zu Winter.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-medium-font-size"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#c11a43" class="has-inline-color">Er macht zahllose Jobs, von Gartenbau bis Sporthalle, aber nie länger als elf Monate, dann ist genug gespart, um den erstbesten Last-Minute-Urlaub zu buchen. Hauptsache, Welt reinlassen.</mark></h2>



<p>Marco will auf seinen Reisen die echten Menschen treffen, abseits vom Tourismus, will verstehen, wie die Gesellschaft, der Mensch funktionieren. In seinem Rhythmus zwischen Reisen und Fürs-Reisen-Arbeiten zieht es ihn nach Frankreich, Spanien, England und die Türkei. Es sind flüchtige Momente: Am zweiten Januar verkatert Schlange stehen für zwei Minuten Augenkontakt mit Mona Lisa oder den Grundstein der Sagrada Família berühren und zu fühlen, wie viel Geschichte der schon mitgemacht hat.</p>



<p>Marco wirkt ruhig in der Unruhe, hibbelig lebensfroh und interessiert. „Das Einzige, was mich hier hält, ist die Erdanziehungskraft“, sagt er. Manchmal beneidet er Menschen um eine Heimat, die sie schon immer hatten und immer haben werden. Für ihn ist Heimat schon lange kein Ort mehr, den hatte er nie wirklich.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-medium-font-size"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#c11a43" class="has-inline-color">Heimat sei da, „wo die Menschen sich freuen, mich zu sehen, und beim Abschied schon ans nächste Wiedersehen denken.</mark></h2>



<p>Heute, kurz nach seinem 50. Geburtstag, blickt er zurück und zieht Bilanz: Ihm gefällt sein Leben und er bleibt seiner Einstellung treu, aber die Flucht vor dem Ankommen, die Sehnsucht nach Ungebundenheit bleiben Dilemma und Überzeugung gleichzeitig. Frau und Kinder hätten ihm Grund gegeben, Wurzeln zu schlagen. </p>



<h2 class="wp-block-heading has-medium-font-size"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#c11a43" class="has-inline-color">Die letzte gescheiterte Beziehung führte ihn in die Obdachlosigkeit. Da hat er es rausgeschafft, hat mittlerweile wieder ein Dach über dem Kopf, lebt und spart durch Zeitschriftenverkauf.</mark></h2>



<p>Ist er nur für sich selbst verantwortlich, fehlt ihm die Notwendigkeit, sich festzulegen. Und obwohl es klingt, als sei Bremen doch auch irgendwie eine Heimat geworden, schmiedet er fleißig Pläne für die Zukunft. Irgendwann mal zurück auf Anfang nach Wittenberg wäre cool, auch England und Irland stehen ganz oben auf der Liste. Diesen Winter aber erst mal: den Jakobsweg bis nach Santiago de Compostela wandern, für die richtige Pilgerausrüstung wird schon gespart.</p>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size"><strong>Text: </strong><em>Pia Lehnert</em><strong><br /></strong><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#c11a43" class="has-inline-color">studiert Philosophie und Kulturwissenschaften an der Universität Bremen. In Marcos Geschichte hat sie sich teilweise selbst wiedererkannt.</mark></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-small-font-size"><strong>Original Foto: </strong><em>Wolfgang Everding</em><strong><br /></strong><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#c11a43" class="has-inline-color">hat es gefallen, dass Marco die Gehwegplatten seines täglichen „Arbeitsumfeldes“ mit künstlerischen Zeichnungen und Malerei interessant gestaltet hat.</mark></p>
</div>
</div>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/111-scharnhorststrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/10/zds_www_ankuendigung_111.jpg" alt="" class="wp-image-10950" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/10/zds_www_ankuendigung_111.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/10/zds_www_ankuendigung_111-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/10/zds_www_ankuendigung_111-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/10/zds_www_ankuendigung_111-600x400.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/10/zds_www_ankuendigung_111-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>



<p class="has-text-align-left"></p>



<p></p>
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