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	<title>Armut &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Armut &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>&#8222;Die Armut wird immer größer&#8220;</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/die-armut-wird-immer-groesser/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Jul 2017 14:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Bahnhofsplatz]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Fotos]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenverkäufer]]></category>
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					<description><![CDATA[#50 DIE STRASSE – Stefan Gehring arbeitet seit über zwei Jahren bei der Zeitschrift der Straße. Und er malt auch: Die Zeichnung unten ist von ihm. Täglich steht er am Nordausgang des Bahnhofs, an der Bürgerweide. Hinter dem Bahnhof arbeiten insgesamt fünf Verkäufer:innen der Zeitschrift der Straße – er und sein Freund Bommel, durch den er zu dieser Arbeit gekommen ist, sind jeden Tag da. Mit seinem Dreitagebart wirkt der 33-Jährige jung, seine Haut ist gebräunt. [Wir haben Stefan Gehring gebeten, mit einer Einwegkamera seine eigene Sicht auf Bremen einzufangen. Das folgende Protokoll entstand während eines Gesprächs mit ihm über seine Fotos, von denen einige in der Ausgabe #50 abgebildet sind.] „Ich hab viele Baustellen fotografiert. Mit den Bildern sollen wir ja unseren Blick auf die Straße zeigen – oder unsere Perspektive. Mir kommt es so vor, als wären überall nur Baustellen. Ich bin ja Bremer und egal, an welche Zeit ich mich zurück erinnere: Überall wird gebaut. Dazu kann man ein kleines Experiment machen. Man kann mehrere Leute fragen: „Nenn’ mir mal drei Straßennamen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">#50 DIE STRASSE – Stefan Gehring arbeitet seit über zwei Jahren bei der Zeitschrift der Straße. Und er malt auch: Die Zeichnung unten ist von ihm. Täglich steht er am Nordausgang des Bahnhofs, an der Bürgerweide. Hinter dem Bahnhof arbeiten insgesamt fünf Verkäufer:innen der Zeitschrift der Straße – er und sein Freund Bommel, durch den er zu dieser Arbeit gekommen ist, sind jeden Tag da. Mit seinem Dreitagebart wirkt der 33-Jährige jung, seine Haut ist gebräunt.</h3>



<p>[<em>Wir haben Stefan Gehring gebeten, mit einer Einwegkamera seine eigene Sicht auf Bremen einzufangen. Das folgende Protokoll entstand während eines Gesprächs mit ihm über seine Fotos, von denen einige in der Ausgabe #50 abgebildet sind.</em>]</p>



<p>„Ich hab viele Baustellen fotografiert. Mit den Bildern sollen wir ja unseren Blick auf die Straße zeigen – oder unsere Perspektive. Mir kommt es so vor, als wären überall nur Baustellen. Ich bin ja Bremer und egal, an welche Zeit ich mich zurück erinnere: Überall wird gebaut. Dazu kann man ein kleines Experiment machen. Man kann mehrere Leute fragen: „Nenn’ mir mal drei Straßennamen in Bremen?“ Und ich wette, in einer von diesen drei Straßen wird gerade gebaut! Also ich hab zumindest das Gefühl. Ich hab schon ein paar Leute gefragt und da waren immer Straßen dabei, in denen derzeit gebaut wird.</p>



<p>Und ich hab das Walle-Center fotografiert, weil das ist immer gleich der erste Konsumtempel, dem ich morgens so begegne. Wenn ich morgens so losgehe, dann komm ich dort immer vorbei und bringe meinen Pfand dahin. Da steht auch schon einer von den anderen Verkäufer:innen, er hat sich aber leider weggedreht, als ich das Bild gemacht habe. Das finde ich eigentlich schade. Auf dem Weg zum Bahnhof, wo ich täglich die Zeitschrift der Straße verkaufe, sind mir einige Bilder begegnet, Graffitis. Da ich ja selber male, fällt mir das besonders auf, dass unsere Stadt immer bunter wird. Deshalb hab ich diese Bilder fotografiert. Diese Graffitis sind in Findorff, bei der Plantage.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-full wp-image-7895"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="565" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/StefanGehringZeichnung.jpg" alt="" class="wp-image-7895" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/StefanGehringZeichnung.jpg 800w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/StefanGehringZeichnung-300x212.jpg 300w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Zeichnung von Stefan Gehring</figcaption></figure>



<p>Und ich habe Bilder von der Armut in Bremen gemacht. Das ist ein Bett, vor dem CinemaxX am Bahnhof hier. So mitten im öffentlichen Raum! Ich frage mich, ob das niemanden stört – oder ob es niemand sehen will. Ich weiß es nicht.</p>



<p>Mir ist aufgefallen, dass in Bremen die Armut immer größer wird. Deshalb hab ich Bilder von der Facebook-Gruppe „Facebook hilft der Straße“ gemacht, die treffen sich immer dienstags und verteilen Essen. Und Bilder von den Suppenengeln: Die Schlangen, an denen sich Menschen Lebensmittel abholen können, werden immer länger. Dann hab ich aber auch andere Bilder von Anlaufstellen gemacht, an denen man sich Hilfe holen kann. Zum Beispiel die Bahnhofsmission. Da gehe ich auch manchmal hin, zum Kaffeetrinken zum Beispiel. Auch um Informationen zu bekommen kann man da gut hin. Die haben aber leider zurzeit geschlossen, weil sie einen Trauerfall hatten, da ist auch jemand gestorben. Und natürlich habe ich den Bahnhof von innen fotografiert. Weil ich da ich weiß nicht wie oft am Tag durchrenne.</p>



<p>Hier am Bahnhof ist mein Stammplatz, den hab ich natürlich auch fotografiert. Und den Sicherheitsmann, Michi, mit dem verstehe ich mich ganz gut. Mit einigen von den Verkäuferinnen aus der Bäckerei auch. Schade, dass die hier dicht machen.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Protokoll: <br /><em>Frauke Kuffel</em></td><td>Portraitfoto: <br /><em>Norbert Schmacke</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/50-die-strasse/"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/cover_50.jpg" alt="" class="wp-image-11892" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/cover_50.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/cover_50-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/07/cover_50-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Ich bin auch für radikalere Maßnahmen offen&#8220;</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/ich-bin-auch-fuer-radikalere-massnahmen-offen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Apr 2017 07:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstand]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnraum]]></category>
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					<description><![CDATA[#47 REIHERSIEDLUNG – Ein Gespräch über Schlichtwohnungen, Hausbesetzungen und die Ohnmacht der Bremer Politik – mit Joachim Barloschky vom Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ Zeitschrift der Straße: Brauchen wir mehr Schlichtwohnungen in Bremen? Joachim Barloschky: Gegenwärtig sieht es so aus, also ob wir bald gar keine mehr haben. Eben! Unser Aktionsbündnis tritt dafür ein, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt gibt. Der muss natürlich einen ordentlichen Standard haben und gewisse ökologische Kriterien erfüllen. Dafür kämpfen wir. Die Menschen in den Schlichtbausiedlungen sind oft mit wenig zufrieden. Ich wurde neulich von einem Freund angegriffen: Barlo, bist du jetzt auch noch einer, der sich für die Scheiß-Wohnungen einsetzt? Nein. Aber im Gegensatz zur Vonovia haben wir mit den Bewohnern geredet, während die Politiker nur mit der Vonovia geredet haben. Die Bewohner:innen wollen bleiben, eine einfache Sanierung und Mitbestimmung. Was würde das konkret heißen? Es müsste dort zumindest Warmwasser und eine Heizung geben. Das kann man machen. Das haben ja die Bewohner:innen in der Holsteiner Straße in Walle alles selbst organisiert. Die haben richtige Investitionen getätigt! Das &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">#47 REIHERSIEDLUNG<span style="color: #000000;"> –</span> Ein Gespräch über Schlichtwohnungen, Hausbesetzungen und die Ohnmacht der Bremer Politik – mit Joachim Barloschky vom Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“</span></h2>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;"><em>Zeitschrift der Straße:</em> </span><br /><span style="color: #000000;">Brauchen wir mehr Schlichtwohnungen in Bremen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;"><em>Joachim Barloschky:</em> </span><br /><span style="color: #000000;">Gegenwärtig sieht es so aus, also ob wir bald gar keine mehr haben.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Eben!</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Unser Aktionsbündnis tritt dafür ein, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt gibt. Der muss natürlich einen ordentlichen Standard haben und gewisse ökologische Kriterien erfüllen. Dafür kämpfen wir.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Menschen in den Schlichtbausiedlungen sind oft mit wenig zufrieden.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ich wurde neulich von einem Freund angegriffen: Barlo, bist du jetzt auch noch einer, der sich für die Scheiß-Wohnungen einsetzt? Nein. Aber im Gegensatz zur Vonovia haben wir mit den Bewohnern geredet, während die Politiker nur mit der Vonovia geredet haben. Die Bewohner<span style="color: #000000;">:innen</span> wollen bleiben, eine einfache Sanierung und Mitbestimmung.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Was würde das konkret heißen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es müsste dort zumindest Warmwasser und eine Heizung geben. Das kann man machen. Das haben ja die Bewohner<span style="color: #000000;">:innen</span> in der Holsteiner Straße in Walle alles selbst organisiert. Die haben richtige Investitionen getätigt! Das ist sehr beeindruckend.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die rot-grüne Landesregierung verweist lieber auf neue Sozialwohnungen.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Das ist ja auch ein Erfolg, der auch auf unseren Druck zustande kam. Aber die ruhen sich darauf aus! Aber aus der Sicht der Wohnungsunternehmen ist das nur eine soziale Zwischennutzung. Jetzt müssen sie sich 20 Jahre zu einer bestimmten Miete verpflichten. Danach ist das gesamte Eigentum ohne Auflagen in der Hand von privaten Rendite-Interessen. Wenn man schaut, wo die neuen Wohnungen gebaut werden, dann sind das in der Regel gute Wohnlagen. Dort bauen sie in einer Qualität, die sie später am Markt auch wesentlich teurer loswerden.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Neue Sozialwohnungen reichen also nicht aus. Welche andere Lösungen siehst du?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Was die Schlichtwohnungen betrifft, hätte die Stadt auch sagen können: Das wird erst einmal gekauft oder für zehn Jahre gepachtet. Die Gewoba wird da nicht viel dran verdienen, aber sie könnte mit Mieter<span style="color: #000000;">:innen</span>-Mitbestimmung und leichten Verbesserungen Einfachwohnen erhalten – für Menschen, die ganz wenig Geld haben. Das wären in der Holsteiner Straße vielleicht 40 und am Sacksdamm noch mal 30 bis 40 Wohnungen. Das Grundproblem ist: Es wird immer argumentiert, die Siedlungen stünden ja völlig leer, die Leute wollten da ja gar nicht hin. Das ist doch lächerlich!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Warum?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Das ganze Thema ist ein Beleg für die verfehlte Wohnungspolitik in Bremen. Die Bremische wurde von Bremen verscherbelt an Finanzinvestoren, dort wurden sie von einem zum nächsten weitergereicht. Die haben alle eine aktive Entmietungspolitik betrieben. Die haben gesagt: Wir lassen niemanden mehr einziehen. Dabei haben die Leute Schlange gestanden!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Rund 500 Menschen in Bremen haben gar keine Wohnung.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es geht nicht darum, zu sagen: Schlichtwohnungen sind per se für Obdachlose. Das ist Blödsinn. Auch Obdachlose wollen eine normale Wohnung. Für einige aber sind die Schlichtquartiere eine bessere Möglichkeit.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Warum?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Der Unterschied ist: Dort ist alles schön verteilt. Da hat jeder seine Wohnung und seinen eigenen Außenbereich, auch für all die Hunde. Das ist das Geile! Natürlich wird es auch da Stress geben – aber das kommt auch in Oberneuland vor. In den Schlichtbausiedlungen kann man das nachbarschaftlich regeln.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Das ist ein politisches Schlagwort: „Die sind nicht geschosswohnungsfähig“. Ist es erstrebenswert, dass alle in gestapelten Hamsterkäfigen wohnen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ich habe ja positive Erfahrungen mit Hochhaussiedlungen gemacht. Aber das ist schon speziell, denn was will der Deutsche? Ein eigenes Haus, einen Garten drumherum und einen Zaun. Das ist sehr unökologisch und würde ganz Deutschland zersiedeln. Verdichtetes Bauen muss schon sein. Was sie damals in Tenever gemacht hatten, ist eine städtebauliche Sünde. Aber es gibt auch bessere Formen des verdichteten Bauens. Das Schwärmen für die Natur kommt, wie Bertolt Brecht sagte, von der Unwirtlichkeit der Städte – deshalb sollte man die Städte wirtlicher machen.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Aber kann es das Ziel sein, dass die Leute aus den Schlichtbauten in der Grohner Düne untergebracht werden können?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es geht nicht ums Unterbringen, es geht darum, dass Menschen eine bezahlbare Wohnung haben. Und damit ihr Recht auf Selbstentfaltung halbwegs verwirklichen können.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">In den Schlichtbauten können arme Leute wohnen, ohne zum Amt zu müssen.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Richtig. Die sagen: Anderswo arbeiten wir für die Miete, und am Ende des Monats gehen wir zum Jobcenter, weil es nicht reicht, um die Kinder durchzubringen. Davor haben sie einen Horror – was ich nachvollziehen kann.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wo sollen die Menschen hin, wenn die Schlichtbauten abgerissen werden?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die meisten haben ja einen Mietvertrag mit der Vonovia. Und die wird ihnen Angebote machen müssen. Neulich hat Adem Hacikerimoglu aus der Holsteiner Straße gesagt: Seine Familie umfasst acht Personen, in Walle zahlen sie ungefähr 560 Euro warm. Der hat Angebote für andere Wohnungen bekommen, die alle über 1.000 Euro lagen, eines sogar bei 1.400 Euro. Wovon soll er das bezahlen? Er arbeitet 30 Stunden pro Woche als Erzieher in Huchting. Sie wissen, es ist nicht alles schön in der Holsteiner Straße, aber sie haben es sich schön gemacht. Und sie haben den Zusammenhalt dort. Das ist ganz wichtig.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wo soll bezahlbarer Wohnraum herkommen, wenn neue Sozialwohnungen mindestens 6,10 Euro pro Quadratmeter kosten?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die rot-grüne Politik gibt sich ohnmächtig gegenüber der Macht der Wohnungsunternehmen. Ich verstehe nicht, warum sie da nicht mehr Selbstbewusstsein haben! Unser Vorschlag: Sie bauen 5.000 Wohnungen, in kommunaler Aufsicht, mit Mieten, die bezahlbar für Arbeitnehmer:innen sind und auch Hartz-IV-kompatibel. Damit würde man einen Beitrag zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt leisten und hätte Hunderttausenden geholfen – die Mietpreisexplosion betrifft ja alle Mieter:innen. Aber Bremen folgt der neoliberalen Marktlogik: Der Markt wird es schon richten.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Er richtet es auch, nur anders, als man sich das wünscht.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ja, er richtet! Aber sie haben es selbst herbeigeführt. Sie haben den sozialen Wohnungsbau auf null reduziert, das Gemeinnützigkeitsgesetz abgeschafft, das früher die Profitabilität gedrückt hatte: Vier Prozent Rendite durfte man machen, mehr nicht. Die ganze Baupolitik war nur am Markt orientiert. Dafür haben sie das gesamte Tafelsilber verscherbelt. Das ist die größte Katastrophe!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wovon sollen die 5.000 Wohnungen bezahlt werden?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Eine Vermögensabgabe von einem Prozent für die 10.000 Bremer Vermögensmillionäre, und wir hätten 300 Millionen Euro zur Hand. Pro Jahr.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Rot-Grün sagt: Ja, das mit der Privatisierung ist blöd gelaufen damals. Aber jetzt können wir da nichts mehr machen.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die Selbstkritik ist schon mal gut, aber zu sagen: „Wir können nichts tun“, ist ganz schlecht – das ist eine Ohnmachtsäußerung. Man muss als Politiker das Volk ermutigen, zu kämpfen! Und nicht die Argumente der Vonovia auch noch nachplappern!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die argumentiert: Das muss sich rechnen!</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die Politik könnte sagen: Das ist eine soziale Notwendigkeit! Andere Dinge rechnen sich betriebswirtschaftlich ja auch nicht, Schulbauten etwa.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Der grüne Bausenator würde jetzt sagen: „Wir sind auf einem guten Weg.“</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Lieber Herr Bausenator, es ist durchaus anzuerkennen, dass Bremen aus seinen Fehlern einen Millimeter gelernt hat. Allerdings muss ich Ihnen sagen: Wenn es städtischen Besitz an Wohnungen gäbe, hätte man einen viel größeren Einfluss – heute, aber auch noch in 20 Jahren. Nur noch 30 Prozent von Bremens Fläche gehören der Stadt. Das ist für die Demokratie nicht gut. Bis Ende 2017 werden nur 517 Sozialwohnungen fertig. Seit 2012 hätten aber 1.700 Sozialwohnungen gebaut werden müssen. Das ist total peinlich. Wir brauchen eine grundlegende Änderung der Wohnungspolitik! Und vielleicht müssen andere, neue Formen des Kampfes kommen.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Hausbesetzungen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ich habe nichts gegen Besetzungen. Weil sie deutlich machen, dass es ein Widersinn ist, dass es Leerstände gibt, weil Eigentümer<span style="color: #000000;">:innen</span> warten, das Objekt besser vermarkten zu können. Die Vonovia fängt jetzt an – auch aufgrund des öffentlichen Drucks – den Bewohner<span style="color: #000000;">:innen</span> dort Mietangebote zu machen, die gut sind. Eine Familie hat eine Wohnung bekommen, die sonst 750 Euro kostet. Sie zahlen 500 Euro, für fünf Jahre festgeschrieben. Dieser Familie werde ich nicht sagen: Nein, die dürft ihr nicht nehmen, aus Solidarität!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Menschen in den Schlichtbauten haben keine Lobby.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es ist ein Grundproblem der Grünen und auch der autonomen Szene, dass ihre wichtigen Themen sich am gesellschaftlichen Bewusstsein orientieren, an der sozialen Frage aber ganz selten. Das ist auch das Problem mit der AfD. Sie ist ein Ausdruck des Alltagsrassismus in Deutschland. Aber sie stellen sich ja, obwohl sie das nicht erfüllen, auch als sozial dar. Deswegen bin ich dafür, dass man mehr radikale Auseinandersetzungen zur sozialen Frage führt, aber mit fortschrittlichen Positionen besetzt.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Manche Leute finden: In Bremen wird auf hohem Niveau gejammert.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es stimmt, dass es auf den Wohnungsmarkt in anderen Städten noch schwieriger ist. Es gibt hier 500 bis 700 Leute, die die unter erbärmlichsten Bedingungen leben müssen. Aber es sind Tausende, die keine eigene Wohnung haben und stattdessen bei Verwandten oder Freunden unterkommen, Tausende, die mit ihren Wohnverhältnissen nicht zufrieden sind. Wenn wir nicht für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen, werden wir jeden Tag mehr Tränen und Sorgen von Leuten erleben, die verzweifeln. Ich wünsche mir, dass mehr Leute Widerstandsgeist haben. Dann bin ich auch für radikalere Maßnahmen offen. Mein Lebensmotto ist: Es ist die Pflicht eines jeden Revolutionärs, die Revolution zu machen.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Aber was können die bürgerlichen Leser<span style="color: #000000;">:innen</span> tun, die wir auch haben?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Widerstand heißt heute, dass man sich gegen die Rechten wehrt, gegen Mieterhöhungen, und sich für einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen einsetzt. Das ist eine tägliche humanistische Aufgabe für jeden Bürger. Es ist systembedingt, dass der Profit vor allen anderen Dingen rangiert, die für jeden wichtig sind: Wohnen, Menschenrechte, Gesundheit, Bildung. Acht Leute besitzen heute so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Welche Lösung gibt es da? 500.000 Euro im Jahr, das reicht. Alles andere muss man wegbesteuern. Da bin ich Marxist geblieben, mein Leben lang.</span><br /></p>



<p><span style="color: #000000;"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#3d7c45" class="has-inline-color"><a href="https://barloschky.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Joachim „Barlo“ Barloschky</em></a> </mark>1952 in Bremen geboren, ist Betriebswirt und Sprecher des Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“. Er wuchs in der Gartenstadt Vahr auf, wurde 1967 Aktivist der Bremer Schülerbewegung und trat 1970 in die DKP ein (später aber wieder aus). Von 1990 bis 2011 war er Quartiersmanager und Gemeinwesenarbeiter in Tenever. Er ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen.</span></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><span style="color: #000000;">Interview: </span><br /><span style="color: #000000;"><em>Jan Zier &amp; Philipp Jarke</em></span></td><td><span style="color: #000000;">Foto: </span><br /><span style="color: #000000;"><em>Jan Zier</em></span></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47.jpg" alt="" class="wp-image-11882" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>„Es ist ein Teufelskreis“</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/es-ist-ein-teufelskreis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2016 19:34:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarien]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Roma]]></category>
		<category><![CDATA[Rumänien]]></category>
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					<description><![CDATA[Neben deutschen Obdachlosen und von Armut Betroffenen verkaufen auch einige Rumänen und Bulgaren die Zeitschrift der Straße. Bernd Buhrdorf, Migrationsberater der AWO, kennt ihre Situation Herr Buhrdorf, wie ist die rechtliche Lage von Rumänen und Bulgaren in Deutschland? Wir sind ja eigentlich ein vereinigtes Europa. Und in der EU haben alle Bürger das Recht, in einem anderen EU-Land nach Arbeit zu suchen und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Das nennt sich Freizügigkeit. Bis Ende 2013 galt für Rumänien und Bulgarien aber eine eingeschränkte Freizügigkeit – für Kroatien sogar bis Juli 2015. Personen aus diesen Ländern mussten eine gesonderte Arbeitserlaubnis beantragen, Deutsche wurden in den meisten Fällen vorrangig eingestellt. Diese Einschränkungen lockern sich jedoch allmählich. Das klingt aufwendig. In der Zeit bis 2014 habe ich persönlich kaum Rumänen oder Bulgaren getroffen, die die Chance hatten, mit Arbeitserlaubnis in Arbeit zu kommen. Heute, wo sie keiner Arbeitserlaubnis mehr bedürfen, ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt etwas erleichtert worden. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Zum einen natürlich die fehlenden Sprachkenntnisse. Dann haben viele &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Neben deutschen Obdachlosen und von Armut Betroffenen verkaufen auch einige Rumänen und Bulgaren die Zeitschrift der Straße. Bernd Buhrdorf, Migrationsberater der AWO, kennt ihre Situation</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Herr Buhrdorf, wie ist die rechtliche Lage von Rumänen und Bulgaren in Deutschland?</h3>



<p>Wir sind ja eigentlich ein vereinigtes Europa. Und in der EU haben alle Bürger das Recht, in einem anderen EU-Land nach Arbeit zu suchen und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Das nennt sich Freizügigkeit. Bis Ende 2013 galt für Rumänien und Bulgarien aber eine eingeschränkte Freizügigkeit – für Kroatien sogar bis Juli 2015. Personen aus diesen Ländern mussten eine gesonderte Arbeitserlaubnis beantragen, Deutsche wurden in den meisten Fällen vorrangig eingestellt. Diese Einschränkungen lockern sich jedoch allmählich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das klingt aufwendig.</h3>



<p>In der Zeit bis 2014 habe ich persönlich kaum Rumänen oder Bulgaren getroffen, die die Chance hatten, mit Arbeitserlaubnis in Arbeit zu kommen. Heute, wo sie keiner Arbeitserlaubnis mehr bedürfen, ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt etwas erleichtert worden. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Zum einen natürlich die fehlenden Sprachkenntnisse. Dann haben viele der Leute zu Hause in Berufen gearbeitet, die war toll sind, die man hier aber nicht mehr braucht, etwa als Messerschleifer oder fahrende Landleute. Und zum dritten sind Rumänien und Bulgarien zwei Länder, aus denen viele Roma zu uns kommen – und diesem Personenkreis gegenüber haben Arbeitgeber sehr große Vorbehalte. Da gibt’s noch immer dieses Vorurteil: Wenn die Zigeuner kommen, dann müssen Sie die Wäsche in Sicherheit bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was passiert, wenn Menschen aus anderen EU-Ländern bei uns sind und keine Arbeit finden?</h3>



<p>Erst einmal haben alle EU-Bürger sechs Monate Zeit, eine sozial­versicherungs­pflichtige Arbeit zu finden. Wenn ihnen das nicht gelingt, müssen sie eigentlich zurückgeschickt werden. Aber das habe ich ehrlich gesagt noch nicht erlebt. Die Grenzen sind ja auch offen, die Leute können hin- und herpendeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Haben die Menschen denn in dieser Zeit Anspruch auf staatliche Unterstützung?</h3>



<p>Nein. Um Ansprüche zu erwerben nach dem Sozialgesetzbuch, muss man mindestens einen Tag versicherungs­pflichtig tätig gewesen sein. Dann bekommt man maximal ein halbes Jahr SGB-2-Leistungen, also Hartz IV. Eine weitere Hürde ist, dass man, um Hartz IV zu bekommen, ein Wohnung haben und einen Mietvertag vorweisen muss.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aber eine Wohnung zu bekommen, wenn man keine Arbeit hat, ist schwer.</h3>



<p>Ja, das ist ein Teufelskreis. Ich kenne einige Rumänen und Bulgaren, die dann bei Freunden und Bekannten unterkommen, mit mehreren Leuten in einer kleinen Zweizimmerwohnung zum Beispiel. Die kriegen dann irgendwann vom Vermieter die Räumungsklage, und dann war es das wieder. Selbst Roma, die sozial­versicherungs­pflichtig arbeiten, tun sich sehr schwer damit, eine Wohnung zu finden. Während es für Flüchtlinge zum Beispiel Wohnraum-Kontingente gibt und sogar manche Privatleute freiwillig Wohnungen anbieten, liegt die Chance für die Roma nahezu bei Null. So werden viele obdachlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Können die Menschen denn in Notunterkünften unterkommen?</h3>



<p>Kurzfristig ja. Aber wenn sie keine Ansprüche auf Hartz IV erworben haben, weil sie noch nicht sozial­versicherungs­pflichtig gearbeitet haben, dürfen sie nicht länger in der Notunterkunft bleiben und müssen wieder auf die Straße. Ähnlich geht es diesen Menschen übrigens auch mit der Krankenversorgung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie ist die geregelt?</h3>



<p>Die Personen, die zu uns kommen, sind ja nicht über das Jobcenter kranken­versichert. Und das heißt meist: Die sind dann gar nicht kranken­versichert. Manche bringen zwar eine Reise­kranken­versicherung mit, die greift aber in den seltensten Fällen. Im Gesundheitsamt gibt es eine humanitäre Sprechstunde, da werden die Menschen teilweise erstversorgt. Und um Krankenhilfen zu erhalten, etwa einen Zahnersatz, muss man erst mal ein Jahr lang hier sein und Gelder vom Amt für Soziale Dienste beziehungs­weise vom Jobcenter bezogen haben – die man ja nur bekommt, wenn man schon mal sozial­versicherungs­pflichtig gearbeitet hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was sind denn dann die Optionen dieser Menschen bei uns?</h3>



<p>Manche finden Arbeit als Bauhelfer, andere als Putzkräfte. Oft nur für kurze Zeit. Einige machen sich auch selbstständig, etwa als Schrotthändler, die können dann aufstockende Leistungen nach dem sogenannten Hartz IV beantragen. Der Regelsatz bei Hartz IV liegt derzeit bei 404 Euro. Wenn also jemand durch die Selbstständigkeit Einnahmen von 300 Euro hat, werden nach Abzug eines Freibetrages in Höhe von 140 Euro die verbleibenden 160 Euro als Einkommen gegengerechnet, so dass er nur noch einen Anspruch auf ergänzende Leistungen von 244 Euro hat – und zusätzlich die Miete bezahlt bekommt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nicht wenige der Menschen kommen ja mit ihrer Familie. Haben sie denn Anspruch zum Beispiel auf Kindergeld?</h3>



<p>Kindergeld bekommen die Menschen, wenn die Kinder hier sind und sie nachweisen können, dass die Kinder zu Hause auch Kindergeld­anspruch gehabt hätten. Leben die Kinder etwa in Rumänien bei den Großeltern, bekommen die Eltern, die hier arbeiten, nichts. Man muss auch bedenken: Alles, was die Leute zusätzlich bekommen, wird beim Jobcenter gegengerechnet. Das Kindergeld gilt dort nämlich als Einkommen. Damit wird man also nicht „reich“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sie erwähnten als eine große Hürde mangelnde Deutschkenntnisse. Gibt es denn Möglichkeiten, entsprechende Kurse zu besuchen?</h3>



<p>Nein. Für diesen Personenkreis gibt es in Bremen derzeit keine Deutschkurse, es sei denn, sie sind in Arbeit und bekommen ergänzende Hilfen vom Jobcenter. Dann wird der Integrationskurs finanziert. Das war mal anders, aber derzeit hat Bremen einfach kein Geld für solche Kurse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Hürden sind also sehr hoch.</h3>



<p>Das kann man sagen. Die meisten laufen unter den Hürden durch. Viele, die ich kennengelernt habe, sammeln einfach Flaschen und leben von dem Pfand. Andere gehen schwarzarbeiten, wieder andere verkaufen zum Beispiel die Zeitschrift der Straße.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wobei der Verkauf der Zeitschrift der Straße laut einem aktuellen Bescheid der Rentenversicherung nicht als sozial­versicherungs­pflichtiges Beschäftigungs­verhältnis gilt – und wegen der geringen Einkünfte auch nicht als selbstständige Tätigkeit funktioniert, sondern nur ein Zubrot sein kann.</h3>



<p>In Bremen dürfen diese Menschen übrigens nicht einmal zur Bremer Tafel gehen. Denn wenn sie keine Leistungen vom Jobcenter beziehen, haben sie auch dort keinen Anspruch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sie erleben regelmäßig solche Schicksale. Wie ist das für Sie persönlich?</h3>



<p>Die Roma sind ein Personenkreis, der mir leidtut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum?</h3>



<p>Weil wir hier in der Integrationsberatung zu wenig machen können. Natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, bei denen ich mich ärgere. Weil sich manche der Roma auch schwer damit tun, sich an gewisse Regeln zu halten. Treffen klappen oft nicht, mangelnde Pünktlichkeit ist ein großes Thema. Andere lernen einfach die Sprache nicht, auch wenn sie es theoretisch könnten. Aber viele wollen sich gern integrieren. Sie bekommen nur von der Gesellschaft zu wenig Chancen hierzu – und werden ganz einfach ausgesiebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn die Aussichten hier so schlecht sind: Warum bleiben die Leute hier?</h3>



<p>Weil es ihnen da, wo sie herkommen, noch schlechter gehen würde. Als Roma werden sie in den Heimatländern diskriminiert und verfolgt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Herr Buhrdorf, vielen Dank für das Gespräch.</h3>



<p>Bernd Buhrdorf arbeitet bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bremen als Berater im Fachdienst für Migration und Integration.<br /></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Tanja Krämer</em></td><td>Foto: <br /><em>Kimmo Räisänen</em>/<em>flickr.com</em></td></tr></tbody></table></figure>
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