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	<title>Athen &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Athen &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>Tagung der Straßenzeitungen in Athen</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/tagung-der-strassenzeitungen-in-athen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 Jul 2016 12:44:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Athen]]></category>
		<category><![CDATA[INSP]]></category>
		<category><![CDATA[Konferenz]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 13.–16. Juni 2016 fanden sich 120 Vertreterinnen und Vertreter von 59 Straßenzeitungen und -magazinen aus 30 Ländern in Athen ein (Bild oben). Dorthin hatte unser Dachverband INSP (International Network of Street Papers) zur Jahrestagung geladen. Ausgerichtet wurde die Tagung von Shedia, dem griechischen Straßenmagazin, das erst 2013 gegründet wurde, aber seither enorm erfolgreich agiert und viel Aufmerksamkeit erfährt. Dank einer Förderung des Stifterverbands konnte ich die Zeitschrift der Straße in Athen vertreten und von dort live über Twitter berichten. Die Umstände der Tagung waren schwierig. Täglich streikten unterschiedliche öffentliche Verkehrsbetriebe. Ein Fluglotsenstreik lag in der Luft. Und das Hotel, in dem die meisten Teilnehmer wohnen sollten, hatte eine Woche vor Beginn der Tagung den Betrieb eingestellt und Insolvenz angemeldet. Das durch jahrelange Politik- und Wirtschaftskrise gestählte griechische Organisationsteam vermochte es trotzdem, eine nahezu perfekte Tagung zu zaubern. Im Kern dient die jährliche INSP-Tagung dem Erfahrungsaustausch, Training, gegenseitiger Beratung, dem Hervorheben besonderer Innovationen und neuer Entwicklungen sowie der Stärkung von Kooperation und Solidarität. Zusätzlich setzt jede Tagung eigene Akzente, die in Athen auf sozialem Unternehmertum &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">Am 13.–16. Juni 2016 fanden sich 120 Vertreterinnen und Vertreter von 59 Straßenzeitungen und -magazinen aus 30 Ländern in Athen ein (Bild oben). Dorthin hatte unser Dachverband <a href="http://insp.ngo/" target="_blank" rel="noopener">INSP (International Network of Street Papers)</a> zur Jahrestagung geladen. Ausgerichtet wurde die Tagung von <a href="http://www.shedia.gr" target="_blank" rel="noopener">Shedia</a>, dem griechischen Straßenmagazin, das erst 2013 gegründet wurde, aber seither enorm erfolgreich agiert und viel Aufmerksamkeit erfährt. Dank einer Förderung des <a href="http://www.stifterverbad.info" target="_blank" rel="noopener">Stifterverbands</a> konnte ich die <em>Zeitschrift der Straße</em> in Athen vertreten und von dort live über <a href="https://twitter.com/ZdStrasse" target="_blank" rel="noopener">Twitter </a>berichten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Umstände der Tagung waren schwierig. Täglich streikten unterschiedliche öffentliche Verkehrsbetriebe. Ein Fluglotsenstreik lag in der Luft. Und das Hotel, in dem die meisten Teilnehmer wohnen sollten, hatte eine Woche vor Beginn der Tagung den Betrieb eingestellt und Insolvenz angemeldet. Das durch jahrelange Politik- und Wirtschaftskrise gestählte griechische Organisationsteam vermochte es trotzdem, eine nahezu perfekte Tagung zu zaubern.</p>


<div class="wp-block-image size-full wp-image-7268">
<figure class="aligncenter"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="934" height="869" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/Shedia-vendors.jpg" alt="Gastgeber der Tagung: Straßenmagazin Shedia" class="wp-image-7268" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/Shedia-vendors.jpg 934w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/Shedia-vendors-300x279.jpg 300w" sizes="(max-width: 934px) 100vw, 934px" /><figcaption class="wp-element-caption">Gastgeber der Tagung: Straßenmagazin Shedia (Foto: bodo)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Kern dient die jährliche INSP-Tagung dem Erfahrungsaustausch, Training, gegenseitiger Beratung, dem Hervorheben besonderer Innovationen und neuer Entwicklungen sowie der Stärkung von Kooperation und Solidarität. Zusätzlich setzt jede Tagung eigene Akzente, die in Athen auf sozialem Unternehmertum und auf dem Thema Flucht lagen. Die vielen deutschsprachigen Straßenzeitungen veranstalteten wie üblich eine eigene Vorkonferenz. <a href="https://www.yumpu.com/en/embed/view/cwFH9CWZrjeADN1t" target="_blank" rel="noopener">Das komplette Tagungsprogramm ist hier einsehbar</a>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Als Highlights der Veranstaltung empfand ich die Präsentation von Projekten, mit denen Straßenzeitungen Wohnungslosigkeit sichtbar machen, den Straßenverkauf als Arbeit von Betteln abgrenzen oder mit &#8222;nicht-traditionellen&#8220; Verkäufergruppen arbeiten. Hier kurz zwei Beispiele.</p>



<p class="clip_info-header iris_header iris_header--36 wp-block-paragraph">Ein hervorragendes Filmprojekt des dänischen Magazins <em>Hus Forbi</em> thematisiert die &#8222;Unsichtbarkeit&#8220; von Wohnungslosen, die mitten unter uns leben, denen aber die wenigsten Passanten in die Augen sehen können und sie deshalb lieber ignorieren. Der Kurzfilm im Stile eines Trailers für einen Mystery-Film wurde in vielen dänischen Kinos gezeigt. Der Überraschungsmoment für unvorbereitete BetrachterInnen kommt ganz am Ende.</p>



<p class="has-text-align-center clip_info-header iris_header iris_header--36 wp-block-paragraph"><a href="http://vimeo.com/152286496" target="_blank" rel="noopener"><strong>Kurzfilm &#8222;The Invisible Man&#8220;</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Ein zweites sehr&nbsp; gelungenes Medienprojekt, das uns vorgestellt wurde, ist der Kalender 2016 des schwedischen Magazins <em>Faktum</em>. In markantem fotografischen Stil zeigt der Kalender im Großformat Straßenverkäuferinnen und -verkäufer nach getaner Arbeit. Die explizite Trennung von Arbeit und Freizeit soll unterstreichen, dass Straßenverkauf Arbeit ist und nicht Betteln oder gar Freizeit.</p>



<p class="has-text-align-center wp-block-paragraph"><a href="http://faktum.se/kalender/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Kalender &#8222;After Work&#8220;</strong></a></p>



<p class="wp-block-paragraph">Bemerkenswert waren auch Teile der Rede des griechischen ex-Finanzministers, Ökonomie-Professors und &#8222;bad boy&#8220;&nbsp;Yanis Varoufakis (Foto unten), der u.a. den Kauf/Verkauf von Straßenmagazinen als partiellen Austausch von Geschenken (&#8222;partial gift exchange&#8220;) charakterisierte und ihn damit von der rational-ökonomischen Transaktion unterschied.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Weitere Highlights waren für mich die Vorstellung einiger junger griechischer Sozialunternehmen und -projekte (z. B. <a href="http://www.en.wisegreece.com/" target="_blank" rel="noopener">WiseGreece </a>und <a href="http://europas-bestes-hotel.eu/" target="_blank" rel="noopener">City Plaza Hotel</a>) und natürlich die vielen informellen Gespräche mit KollegInnen aus anderen Ländern.</p>


<div class="wp-block-image size-full wp-image-7264">
<figure class="aligncenter"><img decoding="async" width="640" height="480" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/YanisVaroufakis.jpg" alt="Yanis Varoufakis bei seiner Ansprache" class="wp-image-7264" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/YanisVaroufakis.jpg 640w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/YanisVaroufakis-300x225.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /><figcaption class="wp-element-caption">Yanis Varoufakis bei seiner Ansprache (Foto: M. Vogel)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Im Rahmen der Tagung hatte ich die besondere Gelegenheit, im Goethe-Institut Athen eine Podiumsdiskussion zum Thema Flucht zu moderieren. Am Podium nahmen Teil (von links nach rechts im folgenden Foto):</p>



<ul class="wp-block-list">
<li>Paola Gallo, Geschäftsführerin des Schweizer Straßenmagazins <a href="http://www.vereinsurprise.ch" target="_blank" rel="noopener"><em>Surprise</em></a></li>



<li>Efi Latsoudi, NGO-Koordinatorin und Mitbegründerin des offenen, rein zivilgesellschaftlich betriebenen <a href="http://lesvossolidarity.org/" target="_blank" rel="noopener">Flüchtlingslagers </a>auf der Insel Lesbos</li>



<li>ich</li>



<li>Lefteris Papagiannakis, stellvertretender Bürgermeister von Athen, zuständig für Migration und Flüchtlinge</li>



<li>Lisa Bolyos, Redakteurin bei der Straßenzeitung <a href="http://www.augustin.or.at/" target="_blank" rel="noopener"><em>Augustin</em> </a>in Wien und Aktivistin im Bereich Migration und Flucht</li>
</ul>


<div class="wp-block-image size-full wp-image-7276">
<figure class="aligncenter"><img decoding="async" width="990" height="440" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/Panel.jpg" alt="Podium zum Thema Flucht" class="wp-image-7276" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/Panel.jpg 990w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/Panel-300x133.jpg 300w" sizes="(max-width: 990px) 100vw, 990px" /><figcaption class="wp-element-caption">Podium zum Thema Flucht (Foto: Shedia)</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Die Diskussion rief gerade uns Westeuropäern ins Bewusstsein, wie wenig gelöst die Flüchtlingssituation im Osten der EU ist. Auf der Insel Lesbos 10 km vor der türkischen Küste kommen weiterhin viele Flüchtlinge an, lebend und tot. Der Tourismus, normalerweise wichtigste Einnahmequelle der Insel, ist zu 80% kollabiert. Die Finanzkrise tut ein Übriges. Und Athen, wohin die meisten in Griechenland ankommenden Flüchtlinge gebracht werden, ist mit ihrer Unterbringung und Versorgung völlig überfordert, auch weil parallel die Zahl obdachloser Griechen enorm zunimmt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort wie hier bei uns warten weiter große Aufgaben, denen wir uns nur mit viel Mut, Zuversicht und Unterstützung stellen können (apropos Unterstützung: <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/unterstuetzen/spenden/">hier geht es zu unserem Spendenformular&#8230;</a>).</p>


<div class="wp-block-image wp-image-7282 size-full">
<figure class="aligncenter"><img loading="lazy" decoding="async" width="800" height="600" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/INSP-Abendprogramm.jpg" alt="Abendprogramm in Exarcheia, dem alternativ-anarchistischen Viertel Athens" class="wp-image-7282" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/INSP-Abendprogramm.jpg 800w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/07/INSP-Abendprogramm-300x225.jpg 300w" sizes="auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Abendprogramm in Exarcheia, dem alternativ-anarchistischen Viertel Athens (Foto: M. Vogel)</figcaption></figure>
</div>


<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Michael Vogel</em></td><td>Foto ganz oben: <br /><em><a href="http://www.INSP.ngo" target="_blank" rel="noopener">INSP</a></em></td></tr></tbody></table></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Verkäufer:innen im Rampenlicht: Panayiotis</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/verkaeufer-im-rampenlicht-panayiotis-von-shedia-athen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 21 Sep 2015 18:32:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andere Magazine]]></category>
		<category><![CDATA[Athen]]></category>
		<category><![CDATA[Shedia]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenzeitschrift]]></category>
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					<description><![CDATA[SHEDIA/Athen: Panayiotis Triantafillidis, 35 Jahre alt, ist ein griechisches Mitglied der Roma, dessen Leben sich verändert hat, indem er die Zeitung Shedia in Athen verkauft hat. In diesem Artikel erklärt er, wie er, erst nachdem er das Lesen gelernt hatte, wirklich verstand, was Shedia war. Jetzt kann er gar nicht mehr aufhören, das Magazin zu lesen, das er selber verkauft und das ihm geholfen hat eine Wohnung zu mieten. Ich komme aus Istiataia (einer Stadt im Norden der griechischen Insel Evia), ich wurde in Athen geboren und lebte die meiste Zeit in der Gegend von Aspropyrgos. Ich bin ein griechischer &#8222;Gypsy&#8220; und das hat mir viele Probleme bereitet im Leben. Mein Vater war ein Marktverkäufer und ich habe ihm bei vielen Arbeiten geholfen. Als er 2008 gestorben ist, brach es uns allen das Herz. Es ist so lange her und ich kann es immer noch nicht glauben. Ich wollte unbedingt von Zuhause weg, aber ich konnte nicht, weil ich mich um meine Mutter kümmern musste. Sie war sehr streng. Sie wollte nicht, dass ich abends &#8230;]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading">SHEDIA/Athen: Panayiotis Triantafillidis, 35 Jahre alt, ist ein griechisches Mitglied der Roma, dessen Leben sich verändert hat, indem er die Zeitung Shedia in Athen verkauft hat. In diesem Artikel erklärt er, wie er, erst nachdem er das Lesen gelernt hatte, wirklich verstand, was Shedia war. Jetzt kann er gar nicht mehr aufhören, das Magazin zu lesen, das er selber verkauft und das ihm geholfen hat eine Wohnung zu mieten.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich komme aus Istiataia (einer Stadt im Norden der griechischen Insel Evia), ich wurde in Athen geboren und lebte die meiste Zeit in der Gegend von Aspropyrgos. Ich bin ein griechischer &#8222;Gypsy&#8220; und das hat mir viele Probleme bereitet im Leben. Mein Vater war ein Marktverkäufer und ich habe ihm bei vielen Arbeiten geholfen. Als er 2008 gestorben ist, brach es uns allen das Herz. Es ist so lange her und ich kann es immer noch nicht glauben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich wollte unbedingt von Zuhause weg, aber ich konnte nicht, weil ich mich um meine Mutter kümmern musste. Sie war sehr streng. Sie wollte nicht, dass ich abends auf den Straßen herumlaufe, weil sie Angst hatte, ich könnte Ärger mit der Polizei bekommen. Es ist normal dass uns &#8222;Gypsys&#8220; Rassismus entgegengebracht wird. Eines Tages hab ich dann gesagt, ich laufe von Zuhause weg und komme nicht wieder. Seit ich ein Kind war, habe ich davon geträumt mein eigenes Zuhause zu haben, aber ich konnte es mir nie leisten, weil ich keine geregelte, stabile Arbeit hatte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn der Anblick entscheidet: Wie Vorurteile Existenzen kosten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als ich jung war, hatte ich einen Unfall und habe alle Zähne verloren. Das machte es für mich schwer einen Job zu finden, weil die Leute mich sahen und dachten, ich wäre ein Drogenabhängiger. Als ich zu einem Ort namens Renti ging (ein Arbeiterviertel), lernte ich die Nachbarschaft kennen und die Leute mochten mich. Ich habe mich um Hunde gekümmert, sie gefüttert und den Nachbarn geholfen. Eine Frau ließ mich in ihrem Haus bleiben und erlaubte mir ein Bad zu nehmen und dort zu schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Später zog ich ins Stadtzentrum. Ich hatte keine beständige Arbeit, aber ich hatte etwas Geld von einer Aushilfsstelle in einem Kiosk in Syntagma Square. Im Gegenzug gab mir der Besitzer Essen und ein bisschen Geld. Aber ich hatte keine Freunde, ich war sehr einsam.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Erst der Friedhof, dann die Straßenzeitung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages fielen mir ein paar Leute mit roten Westen auf, die ein Magazin verkauften (die Straßenzeitung Shedia), aber ich wusste nicht richtig, was es war, weil ich nicht lesen konnte. Ich war nie in der Schule gewesen. Einmal hat mich meine Mutter hingeschickt, aber die anderen Kinder haben mich geschlagen und mir mein Geld gestohlen, so bin ich nie wieder hingegangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich fragte einen Verkäufer über die Straßenzeitung aus. Er erzählte mir was es war und wie es funktionierte, aber ich verstand die ganze Sache nicht ganz.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Zwischenzeit arbeitete ich auf einem Friedhof. Erst hatte ich Angst, doch nach einer Weile habe ich mich dran gewöhnt. Es gab eben nämlich Zeiten wo ich sehr hungrig war und keinen einzigen Cent für Essen hatte.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Neue Wege im Herzen Athens</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Einmal traf ich eine Gruppe von Polizisten, die mich mochten und mir halfen, aber ihre Haltungen waren ziemlich extrem. Sie haben mein Denken beeinflusst und bewirkten, dass ich mich feindlich gegen Asylsuchende und Migranten fühlte und mich rassistisch den Menschen gegenüber verhielt. Aber glücklicherweise verstand ich sehr schnell, dass das falsch war. Ich habe meine Aktionen bereut, war enttäuscht von mir selbst. Ich habe niemals von mir gedacht, dass ich so sein und denken könnte.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages, als ich die Hauptstraße von Athen entlanglief, traf ich eine große Versammlung vor einem Gebäude (eine Hilfsstelle für Migranten). Ich fragte, ob ich auch mitmachen könne und sie sagten mir, dass sie alle Menschen akzeptieren. Das war der Zeitpunkt, wo ich meine Einstellung komplett änderte. Ich bemerkte, was ich falsch gemacht habe und wie viel Gutes dabei verloren geht. Mit der Hilfe eines privaten Lehrers lernte ich schnell lesen und schreiben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Mit roter Weste und neuem Mut</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eines Tages sah ich wieder jemanden mit einer roten Weste auf der &#8222;Shedia&#8220; stand. Ich fragte wieder nach. Ich habe in der Zwischenzeit gelernt und verstand jetzt besser. Ich besuchte die Büros, redete mit den Menschen und alles wurde mir im Detail erklärt. Diesmal war ich richtig heiß darauf, anzufangen. Kurz danach bekam ich einen Anruf und wurde ins Büro eingeladen. Mir wurde die rote Weste gegeben und meine ersten 10 kostenlosen Kopien. Am ersten Tag ging ich schnell zu meinem Platz und wartete bis es Zeit für mich war, meinen neuen Job zu beginnen. Es war ein unglücklicher Tag, meine Tasche wurde gestohlen, doch ich gab nicht auf.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich sah, dass die Dinge sich schnell begannen zu verändern und ich war sicher, dass ich es schaffen würde. In zwei Monaten hatte ich mir eine kleine Summe Geld gesammelt und habe mir sofort meine eigene kleine Wohnung gemietet. Kurz danach halfen mir die Leute vom Straßenmagazin, meine Zähne machen zu lassen. Ich war so glücklich und hatte die Energie noch mehr Zeitschriften zu verkaufen. Als ich heimkam, dachte ich vor dem Einschlafen an Shedia und die Leute, die mir diese Möglichkeit gaben. Jetzt, wo ich lesen kann, kann ich nicht aufhören jede Seite des Magazins zu lesen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Shedia: Mein Halt in schweren Zeiten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Natürlich gibt es auch manche Leute, die das Magazin nicht mögen und viele schlechte Sachen über uns sagen. Das Schlimmste, was mal jemand zu mir sagte ist, dass wir betteln würden. Ich fühlte mich peinlich berührt, aber ich verstand dass nicht jeder verstehen konnte, wie wichtig es für mich ist – und wie es mir geholfen hat.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leute lernen uns jetzt immer besser kennen und ich bin sehr froh darüber. Die Menschen können sehen, wie ich mich verändert habe. Sogar wenn ich es eines Tages schaffe, einen anderen Job zu finden, möchte ich Shedia nicht verlassen. Ich möchte sicher gehen, dass ich ein bisschen Zeit haben werde, die Zeitung zu verkaufen. Manchmal hab ich Probleme damit, meine Miete zu bezahlen, aber ich gebe nicht auf. Die Menschen fragen mich Dinge über die Leute von Shedia und was ich antworte ist, dass ich mit der Zeitung auch eine zweite Familie gefunden habe. Wir unternehmen viele Dinge zusammen und ich bin sehr froh, sehr stolz und glücklich dass ich Teil dieser Familie bin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn es Shedia nicht gegeben hätte, wäre ich ein Landstreicher. Durch Shedia habe ich all meine Träume wahr gemacht, die ich seit meiner Kindheit hatte. Und jetzt kann ich weiter träumen.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text &amp; Fotos: <br /><em>Shedia</em></td><td>Mit freundlicher Genehmigung des INSP Nachrichtendiensts <a href="http://www.INSP.ngo" target="_blank" rel="noopener">www.INSP.ngo</a> / <a href="http://www.shedia.gr/" target="_blank" rel="noopener">Shedia</a>. <br />Übersetzung vom Englischen ins Deutsche von <em>Anne Winterhager</em></td></tr></tbody></table></figure>
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