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	<title>Hamburg &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Hamburg &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>ANKUNFT UND ABSCHIED</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/ankunft-und-abschied/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 06 Dec 2015 05:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Abschiebung]]></category>
		<category><![CDATA[Asylantrag]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
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					<description><![CDATA[#34 FLUGHAFEN – Viele Flüchtlinge kommen. Einige müssen wieder gehen – ob sie wollen oder nicht Es sind Bilder, die kaum jemanden unberührt lassen in diesen Tagen: Menschen, die durchnässt und durchgefroren aus heillos überfüllten Booten klettern, mit kaum etwas im Gepäck als dem nackten Leben. Menschen, die bei Nacht und Nebel an Grenzzäunen entlangstolpern, in der Hoffnung, an einem sicheren Ort ein neues Leben zu beginnen. Menschen, die auch hier in Bremen ankommen, mit großen Ängsten und noch größeren Hoffnungen. 3.611 Asylanträge wurden in diesem Jahr bis Ende September allein in Bremen gestellt, drei Mal so viele wie im gesamten Jahr 2013. Viele der Menschen werden vorläufig bleiben können. Einige jedoch nicht. Sie werden wieder abgeschoben – oder reisen, wie es die Behörden formulieren, „freiwillig“ aus. Diese sogenannten freiwilligen Rückführungen geschehen zum Teil mit erheblichem Druck auf die Geflüchteten. „Verlängerungen von Duldungen werden vermehrt an die Bedingung geknüpft, Bestätigungen über Beratungsgespräche vorzulegen. Ihnen wird immer wieder nahegelegt, dass es besser wäre, das Land zu verlassen“, erklärt Marc Milis vom Flüchtlingsrat. Verschärfte Abschieberegeln und ihre &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#34 FLUGHAFEN – Viele Flüchtlinge kommen. Einige müssen wieder gehen – ob sie wollen oder nicht</h2>



<p>Es sind Bilder, die kaum jemanden unberührt lassen in diesen Tagen: Menschen, die durchnässt und durchgefroren aus heillos überfüllten Booten klettern, mit kaum etwas im Gepäck als dem nackten Leben. Menschen, die bei Nacht und Nebel an Grenzzäunen entlangstolpern, in der Hoffnung, an einem sicheren Ort ein neues Leben zu beginnen. Menschen, die auch hier in Bremen ankommen, mit großen Ängsten und noch größeren Hoffnungen. 3.611 Asylanträge wurden in diesem Jahr bis Ende September allein in Bremen gestellt, drei Mal so viele wie im gesamten Jahr 2013. Viele der Menschen werden vorläufig bleiben können. Einige jedoch nicht. Sie werden wieder abgeschoben – oder reisen, wie es die Behörden formulieren, „freiwillig“ aus. Diese sogenannten freiwilligen Rückführungen geschehen zum Teil mit erheblichem Druck auf die Geflüchteten. „Verlängerungen von Duldungen werden vermehrt an die Bedingung geknüpft, Bestätigungen über Beratungsgespräche vorzulegen. Ihnen wird immer wieder nahegelegt, dass es besser wäre, das Land zu verlassen“, erklärt Marc Milis vom Flüchtlingsrat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Verschärfte Abschieberegeln und ihre Auswirkungen auf Flüchtlinge aus dem Westbalkan</h3>



<p>Seit dem ersten November gilt zudem ein neuer Asylkompromiss von Bund und Ländern. Demnach sollen nun insbesondere Flüchtlinge aus Albanien, Kosovo und Montenegro schneller abgeschoben werden. Viele von ihnen sind Roma. Bislang hatten die Bundesländer hier einen gewissen Ermessensspielraum. Dieser gilt künftig nicht mehr. Wer eine Aufforderung zur „freiwilligen Ausreise“ verstreichen lässt, muss ohne Ankündigung abgeschoben – und nicht wie bisher eine Woche vor der Abreise informiert werden. Die Polizei muss die Menschen nun ohne Vorwarnung abholen, wenn die freiwillige Ausreise verweigert wurde. Für die Flüchtlinge sei dies oft traumatisierend, schilderte Gundula Oerter von der Flüchtlingsinitiative kürzlich der taz.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Frage der Haltung der Innenbehörde</h3>



<p>Noch schiebt Bremen im bundesweiten Vergleich recht wenige Flüchtlinge ab. Tatsächlich wurden 2013 lediglich fünf Personen über den Bremer Flughafen in ihr Heimatland gebracht, 2014 waren es zwei, in diesem Jahr bislang ebenfalls zwei. Die Hansestadt liegt damit im bundesweiten Vergleich auf einem der untersten Ränge – weit hinter Städten wie Frankfurt am Main oder Düsseldorf, die im vergangenen Jahr mehrere Tausend Flüchtlinge von ihren Flughäfen aus abgeschoben haben. „Die geringe Zahl der Abschiebungen ist einer Haltung der Bremer Innenbehörde zuzuschreiben“, sagt Marc Milis.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Bremens Rückführungen und die Gründe für die Nutzung des Hamburger Flughafens</h3>



<p>Die Zahlen trügen jedoch auch ein wenig. Denn das Bundesland Bremen schiebt sowohl über den eigenen als auch über den Hamburger Flughafen ab. Zudem können Menschen auch auf dem Landweg in ihre Herkunftsorte reisen. Informationen dazu, wie viele Menschen über Hamburg ausreisen mussten, will die Sprecherin des Senators für Inneres, Rose Gerdts-Schiffler, „aufgrund des derzeitigen Arbeitsvolumens der Ausländerbehörden“ nicht ermitteln. Die Gründe aber legt sie gern offen: Zum einen gebe es vom Hamburger Flughafen aus Direktflüge, die in Bremen nicht angeboten würden. Außerdem könnten Sicherheitsbegleitungen von der Hamburger Bundespolizei besser organisiert werden. Und zu guter Letzt seien die Kosten niedriger: So sei eine Rückkehr von Begleitkräften noch am selben Tag möglich, während beim gleichen Routing von Bremen aus aufgrund späterer Flugzeiten eine Übernachtung vor Ort mit Hotelkosten notwendig wäre.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text:<br /><em>Benjamin Eichler und Tanja Krämer</em></td><td>Foto:<em> </em><br /><em>Caruso Pinguin/flickr.com</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/34-flughafen/"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1.jpg" alt="" class="wp-image-11840" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1-1200x800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<title>Weihnachtswünsche von Obdachlosen</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/weihnachtswuensche-von-obdachlosen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Dec 2015 14:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[betteln]]></category>
		<category><![CDATA[Empathie]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Mitgefühl]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlose]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenblues]]></category>
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					<description><![CDATA[Das Team des Hamburger Sozialprojekts Straßenblues hat obdachlose Menschen nach ihren Weihnachtswünschen befragt und das Video daraus gemacht. Die geäußerten Wünsche sind bescheiden: eine neue Jacke (Benjamin, 39), eine große Reisetasche &#8222;für das ganze Gerümpel&#8220; (Raffi, 35), Jacke und Schuhe (Zafir, 35), ein großer Rucksack und eine Isomatte (Maribo, 66) und eine Wolldecke für den Hund (Rolf, 70). Mit dem Video sollen Schenker:innen gefunden werden, die diese Wünsche erfüllen möchten. Eine schöne Idee, die wir auch in Bremen verfolgen sollten. Das Video erfüllt aber noch einen weiteren und vielleicht wichtigeren Zweck. Es zeigt obdachlose Menschen aus einer Nähe, die für Passanten auf der Straße kaum erreichbar ist. Als Betrachter fragt man sich unwillkürlich, wieso diese Menschen wohl auf der Straße gelandet sein mögen und wie sie unter solchen Umständen leben können. Das Video weckt Mitgefühl für Menschen auf der Straße und Interesse an ihnen. Damit ist viel gewonnen, denn Mitgefühl und Interesse sind gute Voraussetzungen für Hilfsbereitschaft und Solidarität. Sensibilisierung für Armut Auch unsere Bremer Zeitschrift der Straße verfolgt als Lernprojekt für Studierende dieses Ziel. &#8230;]]></description>
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<p>Das Team des Hamburger Sozialprojekts <a href="http://strassenblues.de/" target="_blank" rel="noopener">Straßenblues</a> hat obdachlose Menschen nach ihren Weihnachtswünschen befragt und das Video daraus gemacht. Die geäußerten Wünsche sind bescheiden: eine neue Jacke (Benjamin, 39), eine große Reisetasche &#8222;für das ganze Gerümpel&#8220; (Raffi, 35), Jacke und Schuhe (Zafir, 35), ein großer Rucksack und eine Isomatte (Maribo, 66) und eine Wolldecke für den Hund (Rolf, 70). Mit dem Video sollen Schenker:innen gefunden werden, die diese Wünsche erfüllen möchten. Eine schöne Idee, die wir auch in Bremen verfolgen sollten.</p>



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<p>Das Video erfüllt aber noch einen weiteren und vielleicht wichtigeren Zweck. Es zeigt obdachlose Menschen aus einer Nähe, die für Passanten auf der Straße kaum erreichbar ist. Als Betrachter fragt man sich unwillkürlich, wieso diese Menschen wohl auf der Straße gelandet sein mögen und wie sie unter solchen Umständen leben können. Das Video weckt Mitgefühl für Menschen auf der Straße und Interesse an ihnen. Damit ist viel gewonnen, denn Mitgefühl und Interesse sind gute Voraussetzungen für Hilfsbereitschaft und Solidarität.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sensibilisierung für Armut</h3>



<p>Auch unsere Bremer <em>Zeitschrift der Straße</em> verfolgt als Lernprojekt für Studierende dieses Ziel. Durch die Auseinandersetzung mit Wohnungslosigkeit und die Arbeit mit den Straßenverkäufer:innen sollen die Studierenden, die an der Erstellung und Vermarkung des Bremer Straßenmagazins beteiligt sind, für die menschliche Dimension von Armut und sozialer Ausgrenzung sensibilisiert werden. Einen Streetworker auf seiner Tour zu begleiten oder ein Frühstück für Menschen auf der Straße zu organisieren ist für die meisten &#8222;unserer&#8220; Studierenden ein prägendes Erlebnis.</p>



<p>Sprechen Sie doch auch mal jemanden an, der oder die auf der Straße bettelt oder ein Straßenmagazin verkauft. Nur Mut. Fragen Sie nach Weihnachtswünschen. Vielleicht können Sie diesem Menschen tatsächlich seinen Wunsch erfüllen. Und wer weiß, vielleicht machen Sie sich mit dieser Erfahrung selbst das schönste Weihnachtsgeschenk.</p>



<p>Natürlich können Sie auch für Menschen auf der Straße spenden, z. B. <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/unterstuetzen/spenden/">hier</a>.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text:<br /><em>Michael Vogel</em></td><td>Fotos und Video:<em> </em><br /><em>Strassenblues.de</em></td></tr></tbody></table></figure>



<p><br /></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Spende dein Pfand!</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/spende-dein-pfand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2015 13:33:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andere Magazine]]></category>
		<category><![CDATA[Flaschenpfand]]></category>
		<category><![CDATA[Flaschensammler]]></category>
		<category><![CDATA[Flughafen]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Hinz&Kunzt]]></category>
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					<description><![CDATA[HINZ&#38;KUNZT / Hamburg: Aufmucken lohnt sich! Nach unseren Berichten und den Protesten unserer Leser ist Flaschensammeln am Hamburger Flughafen nicht mehr verboten. Noch besser: Ab sofort arbeiten drei Hinz&#38;Künztler dort als professionelle Leergutbeauftragte. Mein Bild von Flaschensammlern hat sich um 180 Grad gewendet&#8220;, sagt Mercedes Lazar-Heubel. Die 33-Jährige betreut am Flughafen Hamburg das Projekt &#8222;Spende dein Pfand&#8220;, bei dem seit September Fluggäste vor dem Abflug ihre ausgetrunkenen Pfandflaschen spenden statt wegwerfen können. Heute ist die Projektleiterin voller Verständnis für die Menschen, die sich meistens unauffällig durch die Terminals bewegen und in den Mülleimern nach Pfandflaschen suchen: &#8222;Eigentlich spricht gar nichts dagegen&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich habe gemerkt, dass diese Menschen einfach darauf angewiesen sind.&#8220; Noch vor einem halben Jahr sah sie das ganz anders: &#8222;Ich habe mich wirklich gestört gefühlt, wenn ich das gesehen habe&#8220;, räumt Lazar-Heubel ein. Sie habe wie so viele das Elend nicht sehen wollen und hätte die schwierige Situation der Flaschensammler nicht verstanden. Damals war am Flughafen das Sammeln auch noch verboten. Das sollte einen &#8222;ungestörten Betrieb&#8220; gewährleisten und den Fluggästen einen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">HINZ&amp;KUNZT / Hamburg: Aufmucken lohnt sich! Nach unseren Berichten und den Protesten unserer Leser ist Flaschensammeln am Hamburger Flughafen nicht mehr verboten. Noch besser: Ab sofort arbeiten drei Hinz&amp;Künztler dort als professionelle Leergutbeauftragte.</h3>



<p>Mein Bild von Flaschensammlern hat sich um 180 Grad gewendet&#8220;, sagt Mercedes Lazar-Heubel. Die 33-Jährige betreut am Flughafen Hamburg das Projekt &#8222;Spende dein Pfand&#8220;, bei dem seit September Fluggäste vor dem Abflug ihre ausgetrunkenen Pfandflaschen spenden statt wegwerfen können. Heute ist die Projektleiterin voller Verständnis für die Menschen, die sich meistens unauffällig durch die Terminals bewegen und in den Mülleimern nach Pfandflaschen suchen: &#8222;Eigentlich spricht gar nichts dagegen&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich habe gemerkt, dass diese Menschen einfach darauf angewiesen sind.&#8220;</p>



<p>Noch vor einem halben Jahr sah sie das ganz anders: &#8222;Ich habe mich wirklich gestört gefühlt, wenn ich das gesehen habe&#8220;, räumt Lazar-Heubel ein. Sie habe wie so viele das Elend nicht sehen wollen und hätte die schwierige Situation der Flaschensammler nicht verstanden. Damals war am Flughafen das Sammeln auch noch verboten. Das sollte einen &#8222;ungestörten Betrieb&#8220; gewährleisten und den Fluggästen einen &#8222;angenehmen Aufenthalt&#8220; ermöglichen, hieß es. Wer wiederholt gegen das Verbot verstieß, musste mit einer Anzeige rechnen. 97-mal zeigte die Flughafenverwaltung im Jahr 2014 Flaschensammler an.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Online-Petition mit überwältigender Beteiligung</h3>



<p>Ein Unding, fanden wir bei Hinz&amp;Kunzt. Unser Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer startete eine Onlinepetition gegen dieses Vorgehen. 57.000 Menschen unterzeichneten innerhalb von nur drei Tagen. Das hätten selbst wir nicht erwartet &#8211; und die Verantwortlichen am Flughafen erst recht nicht. &#8222;Erst durch die Petition ist uns bewusst geworden, dass wir ein Problem haben&#8220;, sagt Lazar-Heubel. Aber dann war klar, dass etwas geschehen musste.</p>



<p>Die Petition war der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Das Flaschensammelverbot hob der Flughafen danach rasch auf. Zunächst für eine Testphase, dann dauerhaft. &#8222;Es gibt von ein paar Ausnahmen abgesehen eigentlich keine Probleme&#8220;, sagte uns Johannes Scharnberg vom Flughafenmanagement im April. Inzwischen hat seine Mitarbeiterin Lazar-Heubel im Ankunftsbereich Pfandregale aufhängen lassen, damit die Sammler nicht mehr im Dreck wühlen müssen. Zwischen Hinz&amp;Kunzt und dem Airport haben viele Gespräche stattgefunden. Zunächst waren wir skeptisch, doch schnell wurde uns klar, dass alle Beteiligten an einer sinnvollen Lösung des Konflikts interessiert waren. Mercedes Lazar-Heubel hatte längst den Kontakt zu anderen Flughäfen gesucht, die bereits Konzepte im Umgang mit Flaschensammlern ausprobiert haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">So hilft Pfand Langzeitarbeitslosen</h3>



<p>Im Mai flogen wir nach Stuttgart, um uns das Projekt &#8222;Spende dein Pfand&#8220; anzusehen. Vor den Eingängen zu den Sicherheitskontrollen stehen dort große Sammelbehälter aus Plexiglas, in die die Passagiere ihre Flaschen werfen können. Mit in den Abflugbereich dürfen sie die ja ohnehin nicht nehmen. 302.000 Flaschen und Dosen landeten 2014 in diesen Behältern. Pfand im Wert von 61.500 Euro. Bilanz steigend: &#8222;Bislang liegen wir 2015 deutlich über den Vorjahreszahlen&#8220;, sagt der Stuttgarter Flughafensprecher Johannes Schumm zufrieden.</p>



<p>Das diene zum einen dem Umweltschutz, erklärt Alexis Hanke von der Uni Hohenheim. Schließlich können die Flaschen so recycelt werden und landen nicht auf der Müllkippe. Hanke hat sich das Konzept zusammen mit seinen Studenten ausgedacht. Doch was tun mit dem gesammelten Pfandgeld? Erst hat sein Seminar überlegt, es an wohltätige Organisationen zu spenden. Doch dann kam den Studenten eine bessere Idee: Langzeitarbeitslose sollten für die Leerung der Pfandbehälter und die Sortierung der Flaschen eingestellt werden. Ihr Gehalt könnte durch das gesammelte Pfand finanziert werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vorbild Stuttgart</h3>



<p>Ausgedacht, umgesetzt: Seit Herbst 2013 läuft das Projekt in Stuttgart erfolgreich in Zusammenarbeit mit der örtlichen Straßenzeitung Trott-war. Auch in Köln wird seit Mai so Pfand gespendet. Vier Menschen sind in Stuttgart fest als professionelle Flaschensammler angestellt. &#8222;Wir schaffen die Chance für jemanden, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen&#8220;, sagt Hanke sichtlich stolz. &#8222;Das ist eine tolle Symbiose.&#8220;</p>



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</div></figure>



<p></p>



<p>Im Flugzeug zurück war uns schnell klar, dass wir uns das auch für Hamburg wünschen. Langzeitarbeitslose, die unbedingt wieder einen festen Job haben wollen, kennen wir schließlich eine Menge. Und auch beim Hamburger Flughafen kam die Idee gut an. &#8222;Spende dein Pfand&#8220; heißt es seit September auch hier. &#8222;Wir freuen uns riesig, dass wir zusammen mit Hinz&amp;Kunzt ein sinnvolles Projekt umsetzen können&#8220;, sagt Lazar-Heubel. Auch Stephan Karrenbauer ist begeistert: &#8222;Für uns ist es die schönste Geschichte des Jahres: dass ein so schwieriger Konflikt beendet wird &#8211; und drei Menschen einen Arbeitsplatz bekommen. Das motiviert auch unser ganzes Team.&#8220; Die Stimmung ist gekippt &#8211; ins Positive.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hinz&amp;Künztler als Leergutbeauftragte eingestellt</h3>



<p>Am meisten freut das die Drei, die nun endlich wieder einen festen Job haben. Da ist Jaroslaw, der bis vor kurzem noch in einer Hütte direkt neben S-Bahn-Gleisen gewohnt hat. Geld verdiente er mit dem Verkauf von Hinz&amp;Kunzt und Flaschensammeln. &#8222;Ich bin ein Profi&#8220;, sagt er grinsend und zeigt den Greifarm, mit dem er sammelt. Für ihn ist die Anstellung der Beginn des geregelten Lebens, das er sich lange gewünscht hat. Und die Eintrittskarte in eine eigene Wohnung. &#8222;Ich hasse das Leben auf der Straße&#8220;, sagt er. Seine Fröhlichkeit schlägt um in Melancholie, wenn er darüber spricht. Umso größer ist die Vorfreude auf die eigenen vier Wände: &#8222;Ein Zimmer, Küche, Bad. Was brauche ich mehr?&#8220;</p>



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<h3 class="wp-block-heading">„Ich bleib hier – ich muss ja arbeiten“</h3>



<p>Dann ist da &#8222;Opa&#8220; Georgi Nikolov, den wir im Sommer 2013 unter der Kennedy-Brücke getroffen haben. Der heute 50-Jährige zeltete dort mit seiner Frau, seiner Tochter, dem Schwiegersohn und seinen zwei Enkeln. Die bulgarische Roma-Familie kam auf der Suche nach Arbeit nach Hamburg. Seit zwei Jahren lebt sie nun in zwei kleinen Kirchenkaten, die Hinz&amp;Kunzt organisiert hat. Die Kinder gehen in die Schule. Nach mehreren Minijobs werden Georgi und seine Frau nun endlich eine Krankenversicherung haben.</p>



<p>Der Dritte im Bunde ist Uwe. Er hat Angst davor, einen Job in der freien Wirtschaft nicht zu schaffen. &#8222;Ich brauche diesen Schutz, den mir Hinz&amp;Kunzt bietet&#8220;, sagt er. Dass er mal am Airport arbeiten würde, hätte er sich nicht träumen lassen. Er, der panische Flugangst hat. &#8222;Ich denke die ganze Zeit: Geil, ich steig da nicht ein! Ich bleib hier&#8220;, sagt er schelmisch. &#8222;Ich muss ja arbeiten.&#8220;</p>



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<iframe loading="lazy" title="Uwe zeigt seinen neuen Arbeitsplatz" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/so6yhJ26XxA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p>Wir sind alle zufrieden: Uwe, Georgi, Jaroslaw, Stephan und Mercedes. &#8222;Ich habe mal wieder gemerkt, dass Reden das A und O ist&#8220;, sagt Lazar-Heubel. &#8222;Wenn man vernünftig über etwas spricht, gibt es immer Lösungen.&#8220;</p>



<p><em>Nachtrag und Kommentar</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Flaschensammlern helfen ist eine gute Sache. Wir dürfen aber nicht vergessen, was das eigentliche Problem ist: Die immer größer werdende Armut.</h3>



<p>Wir haben in den vergangenen Monaten viel für Flaschensammler bewegt. Nachdem wir beklagten, dass sie nicht in die neuen Big-Belly-Mülleimer in der Innenstadt hineingreifen können, hat der Senat 100.000 Euro für Pfandregale bereitgestellt, die nach und nach installiert werden. Nach unseren Berichten über Strafanzeigen gegen Flaschensammler am Flughafen und der anschließenden Onlinepetition wurden die Anzeigen zurückgenommen. Pfandsammeln ist dort in der Folge jetzt erlaubt, auch am Flughafen gibt es Pfandringe.</p>



<p>Unterm Strich haben wir das Leben für die Flaschensammler in Hamburg etwas leichter machen können. Darüber freuen wir uns, und auch von unseren Lesern bekommen wir dafür viel Zuspruch. Und trotzdem dürfen wir damit nicht zufrieden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die stille Krise auf unseren Straßen</h3>



<p>Dass es immer mehr Flaschensammler gibt, daran haben wir uns gewöhnt. Viele von ihnen haben wir in den vergangenen Monaten kennen gelernt. Da war der Rentner, der am Flughafen schon als Arbeiter die Rolltreppen mit gebaut hat und jetzt jeden Tag aus Wedel mit der S-Bahn kommt, um am Airport im Müll zu wühlen. Da war der Softwareentwickler, der seit zehn Jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen hat und deshalb nach Feierabend regelmäßig einmal die Mülleimer in der Mönckebergstraße abklappert. Da war der Koch, der in der Nebensaison keine Anstellung fand und täglich sechs Stunden die Innenstadt nach Pfandgut durchkämmte. Die Obdachlosen oder psychisch Kranken, die kaum eine andere Möglichkeit haben, Geld zu verdienen.</p>



<p>Das eigentliche Problem ist, dass all diese fleißigen Menschen gezwungen sind, für ihr Auskommen im Müll zu wühlen. Dass regelmäßig Studien mit dem Ergebnis veröffentlicht werden, die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land werde immer größer. Dass wir uns daran gewöhnt haben, dass es so ist. Dass wir daran nichts ändern konnten, obwohl wir es seit Jahren anprangern.</p>



<p>Klar ist es ein Skandal, dass den Pfandsammlern das Leben mit Strafanzeigen und Hausverboten auch noch schwerer gemacht wird. Und wir müssen weiter dafür streiten, dass sie nicht kriminalisiert und vertrieben werden &#8211; zum Beispiel an den Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Unser Ziel muss aber eine Gesellschaft sein, in der niemand darauf angewiesen ist, im Müll zu wühlen.</p>



<p>Die verantwortlichen Politiker dürfen wir nicht damit davon kommen lassen, ein paar Pfandregale aufzuhängen und so die Symptome ihrer eigenen Politik abzumildern. Nachhaltige Maßnahmen gegen Armut müssen her. Packen wir&#8217;s an!</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text:<em> </em><br /><em>Benjamin Laufer. </em></td><td>Fotos: <br /><em>Mauricio Bustamante. </em></td></tr><tr><td>Mit freundlicher Genehmigung des INSP Nachrichtendiensts <a href="http://www.INSP.ngo" target="_blank" rel="noopener">www.INSP.ngo</a> / Hinz&amp;Kunzt, Hamburg.</td><td></td></tr></tbody></table></figure>



<p><em><br /></em></p>
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