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	<title>Hinz&amp;Kunzt &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Hinz&amp;Kunzt &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>Das müssen wir hinkriegen – für alle!</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/das-muessen-wir-hinkriegen-fuer-alle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Nov 2015 09:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meinung]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Hinz&Kunzt]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlose]]></category>
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					<description><![CDATA[Gastbeitrag von Hinz&#38;Kunzt, Hamburg: Freunde fragen mich manchmal, ob es mich frustriert, wenn sie oder andere sich jetzt intensiv für Flüchtlinge engagieren – und die Obdachlosen so ins Hintertreffen geraten. Nein, dass sich so viele um die Neuankömmlinge kümmern und offen für sie sind, finde ich richtig toll. Das macht mir Mut für die Zukunft. Das geht übrigens nicht nur mir so, sondern auch anderen in unserem Team von Hinz&#38;Kunzt. Ein Kollege ist ganz aktiv als Flüchtlingshelfer, auch viele Obdachlose und Ex-Obdachlose engagieren sich. Und die Obdachlosen sind dadurch nicht ins Hintertreffen geraten. Sie waren es schon, bevor die Flüchtlinge kamen. Nur wird jetzt erst so richtig deutlich, was alles möglich ist, wenn eine ganze Stadt sich anstrengt. Hamburg hat, wie Bremen viele Tausende Menschen untergebracht. Mehr schlecht als recht, aber immerhin. Politiker, Behördenmitarbeiter, Mitarbeiter der Unterkünfte, Freiwillige – sie arbeiten bis an den Rand der Erschöpfung. Diese Meisterleistung unserer Städte begeistert mich. Und machen mich gleichzeitig ein bisschen neidisch. Warum wird das Thema Obdachlosigkeit nicht mit derselben Power angepackt? Ich komme mir schon vor &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Gastbeitrag von <a href="https://www.hinzundkunzt.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hinz&amp;Kunzt</a>, Hamburg: Freunde fragen mich manchmal, ob es mich frustriert, wenn sie oder andere sich jetzt intensiv für Flüchtlinge engagieren – und die Obdachlosen so ins Hintertreffen geraten.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Nein, dass sich so viele um die Neuankömmlinge kümmern und offen für sie sind, finde ich richtig toll. Das macht mir Mut für die Zukunft. Das geht übrigens nicht nur mir so, sondern auch anderen in unserem Team von Hinz&amp;Kunzt. Ein Kollege ist ganz aktiv als Flüchtlingshelfer, auch viele Obdachlose und Ex-Obdachlose engagieren sich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und die Obdachlosen sind dadurch nicht ins Hintertreffen geraten. Sie waren es schon, bevor die Flüchtlinge kamen. Nur wird jetzt erst so richtig deutlich, was alles möglich ist, wenn eine ganze Stadt sich anstrengt. Hamburg hat, wie Bremen viele Tausende Menschen untergebracht. Mehr schlecht als recht, aber immerhin. Politiker, Behördenmitarbeiter, Mitarbeiter der Unterkünfte, Freiwillige – sie arbeiten bis an den Rand der Erschöpfung.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Diese Meisterleistung unserer Städte begeistert mich. Und machen mich gleichzeitig ein bisschen neidisch. Warum wird das Thema Obdachlosigkeit nicht mit derselben Power angepackt?</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich komme mir schon vor wie der letzte Jammerlappen, wenn wir Mitarbeiter der Obdachlosenhilfe gebetsmühlenartig wiederholen, dass es keine bezahlbaren Wohnungen oder Unterkünfte mehr gibt. Und mit den Jahren jammern wir auf immer niedrigerem Niveau. Früher forderten wir bezahlbaren Wohnraum für Obdachlose, dann wenigstens Einzelzimmer in Unterkünften, jetzt: dass sie überhaupt ein Bett bekommen. Und neulich, der Tiefpunkt: dass sie in einer verdreckten Ecke in der City liegen bleiben dürfen, weil die immerhin überdacht ist.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber den politischen Willen, Obdachlose unterzubringen, den gibt es eben nicht. Trotz aller Sympathiebekundungen. Das schürt den Verteilungskampf, und so wird eine Gruppe von Menschen in Not gegen die andere ausgespielt. Das macht sich natürlich auch bei uns im Projekt bemerkbar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neulich mussten wir einen Hinz&amp;Künztler für einen Tag rausschmeißen. „Pack“, hatte der gebrüllt, mit allem Hass, den er gerade zur Verfügung hatte. Die Flüchtlinge seien „ein PACK“. Konflikte dieser Art sind wir gewohnt. Hinz&amp;Kunzt ist ein Kooperationsprojekt – zwischen Menschen, die schon als Kinder Rückhalt hatten, und solchen, die nie auf Rosen gebettet waren. Je weniger einer vom Leben bekommen hat, desto weniger hat er oft auch zu geben. Binsenweisheit: Je weiter unten einer steht, desto größer der Wunsch, dass unter ihm noch einer stehen müsse. Das mag ihm Sicherheit geben. Das alles können wir verstehen, aber nicht tolerieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Entsprechend berührt sind wir, wenn Menschen aus unseren Reihen sich eben nicht ausspielen lassen und sich sogar noch für andere engagieren. Das erleben wir derzeit eben auch.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Denn Fakt ist: Allen geht es schlecht. Den Flüchtlingen und den Obdachlosen – und den EU-Wanderarbeitern, von denen gerade niemand mehr spricht. Alle brauchen ein Dach über dem Kopf – menschenwürdig und ohne Wenn und Aber.<br /></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Birgit Müller</em></td><td>Beitragsbild: <br /><em><a href="https://www.flickr.com/photos/peronimo/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Per Gosche/flickr.com</a></em></td></tr><tr><td>Chefredakteurin des Hamburger Straßenmagazins <a href="https://www.hinzundkunzt.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener">Hinz&amp;Kunzt</a>. Dieser Beitrag ist in ähnlicher Form in der Ausgabe 10/2015 erschienen. Reproduktion mit freundlicher Genehmigung von Hinz&amp;Kunzt.</td><td></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/34-flughafen/"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1.jpg" alt="" class="wp-image-11840" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/12/cover_34-1-1200x800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<item>
		<title>„Ungarn ist so ein merkwürdiges Land“</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/ungarn-ist-so-ein-merkwuerdiges-land/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 12 Oct 2015 13:41:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andere Magazine]]></category>
		<category><![CDATA[Budapest]]></category>
		<category><![CDATA[Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Hinz&Kunzt]]></category>
		<category><![CDATA[Ungarn]]></category>
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					<description><![CDATA[HINZ &#38; KUNZT, Hamburg: Mitte September reiste unser Autor Frank Keil nach Ungarn. Was ist in dem Land los, das Europa durch seinen Umgang mit Flüchtlingen schockierte? Und wie ergeht es dort den Obdachlosen? Ein Besuch auf dem Bahnhof Keleti in der Hauptstadt Budapest, wo die Flüchtlinge ankamen, und in den Obdachloseneinrichtungen der Stadt. Budapest, Mitte September, Bahnhof Keleti. Der mondäne Ostbahnhof. Ich wusste nicht, ob ich ankommen würde. Mal hieß es, der Zugverkehr von und nach Budapest sei wegen der Flüchtlinge eingestellt; mal auch wieder nicht. Nun ist es mitten in der Nacht. Ich frage einen jungen Ungarn nach dem Weg; danach, wo laut meinem Plan mein Apartment im jüdischen Viertel liegen müsste, in dem ich eine Woche lang wohnen werde. Er zeigt geradeaus, immer geradeaus solle ich gehen. Wir schauen auf die Flüchtlinge, die unter uns auf der teils überdachten Fläche zwischen Bahnhof und Metro in Zelten oder auf Matten campieren. Vielleicht 200, 300 sind es, schätze ich. Anfang September saßen hier tagelang Tausende fest, sich selbst überlassen. Die Bilder von im Müll &#8230;]]></description>
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<h3 class="wp-block-heading">HINZ &amp; KUNZT, Hamburg: Mitte September reiste unser Autor Frank Keil nach Ungarn. Was ist in dem Land los, das Europa durch seinen Umgang mit Flüchtlingen schockierte? Und wie ergeht es dort den Obdachlosen? Ein Besuch auf dem Bahnhof Keleti in der Hauptstadt Budapest, wo die Flüchtlinge ankamen, und in den Obdachloseneinrichtungen der Stadt.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Budapest, Mitte September, Bahnhof Keleti. Der mondäne Ostbahnhof. Ich wusste nicht, ob ich ankommen würde. Mal hieß es, der Zugverkehr von und nach Budapest sei wegen der Flüchtlinge eingestellt; mal auch wieder nicht. Nun ist es mitten in der Nacht. Ich frage einen jungen Ungarn nach dem Weg; danach, wo laut meinem Plan mein Apartment im jüdischen Viertel liegen müsste, in dem ich eine Woche lang wohnen werde. Er zeigt geradeaus, immer geradeaus solle ich gehen. Wir schauen auf die Flüchtlinge, die unter uns auf der teils überdachten Fläche zwischen Bahnhof und Metro in Zelten oder auf Matten campieren. Vielleicht 200, 300 sind es, schätze ich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang September saßen hier tagelang Tausende fest, sich selbst überlassen. Die Bilder von im Müll liegenden Frauen, Männern und Kindern unter der damals sengenden Sonne gingen um die Welt. Budapester Bürger räumten ihre Kühlschränke leer und brachten alles hierher; Journalisten kauften zwischen ihren Liveschaltungen Lebensmittel und Wasserflaschen. Denn der ungarische Staat tat absolut nichts für die Versorgung der Gestrandeten; private Helfer mussten sich über Facebook erst finden, sich erst organisieren; mussten Spenden, Decken und Zelte einsammeln und mussten drängen, dass die Stadt wenigstens Toiletten aufstellte. Acht Stück stellte sie schließlich. Acht Stück – mehr wurden es nicht. So ging das, bis die Flüchtlinge revoltierten, sich zu Fuß auf den Weg über die Autobahn machten, um nach Österreich zu gelangen – bis Ungarn schließlich Busse schickte und sie kurz vor der Grenze aussetzte.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn11.jpg"><img decoding="async" width="1200" height="673" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn11.jpg" alt="Eine Rasur – ein Moment der RUHE auf der Flucht. Die Stadt stellt die Wasserstelle und Toiletten. Mehr tut sie für die Flüchtlinge nicht" class="wp-image-778" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn11.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn11-300x168.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn11-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Eine Rasur – ein Moment der Ruhe auf der Flucht. Die Stadt stellt die Wasserstelle und Toiletten. Mehr tut sie für die Flüchtlinge nicht.</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Flüchtlinge und Obdachlose am Budapester Keleti-Bahnhof</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Jetzt ist alles deutlich entspannter: Über Nacht kommen die meist erschöpften Flüchtlinge aus Serbien an, werden weiterhin nur von privaten Helfern versorgt und verpflegt, übernachten und drängen sich am nächsten Morgen in die Regionalzüge Richtung Österreich. Und am nächsten Tag wiederholt sich alles.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für den jungen Ungarn neben mir ist das alles ein vertrauter Anblick, ich sehe es das erste Mal. Er hält ein kleines Paket in der Hand: Kuchenstücke, in Klarsichtfolie eingewickelt. &#8222;Ich bin zwar gerade arbeitslos, habe selbst nicht viel, aber das hier möchte ich den Flüchtlingen bringen&#8220;, sagt er. Er fragt mich, woher ich komme, was ich in Budapest vorhabe, und ich erzähle ihm, dass ich für ein Straßenmagazin in Hamburg schreibe, das vor allem Obdachlose verkaufen. Er legt den Kopf schief, grinst mich an und sagt: &#8222;Erzähl keinen Quatsch! Es gibt in Deutschland doch keine Obdachlosen!&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">In Budapest gibt es 13.000 Menschen, die keine eigene Wohnung haben. Schätzungsweise. Man sieht sie in den Unterführungen übernachten, man sieht sie an den Zugängen zur Metro. Und man sieht sie jetzt am Keleti unter den Flüchtlingen. Wie sie zwischen den Flüchtlingen ihre Decken ausrollen oder ihre Pappen auslegen; wie sie sich bei der Lebensmittelausgabe anstellen, wo man sie ein wenig irritiert anschaut: Sind das Flüchtlinge? Aber sie werden natürlich trotzdem versorgt. Und sie ziehen sich wieder in ihre Nischen zurück. Sie bleiben, während die Flüchtlinge bald weiterziehen.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn31.jpg"><img decoding="async" width="1200" height="673" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn31.jpg" alt="Diese Budapester Friseurin gibt ihren freien Freitag, um Flüchtlingen die Haare zu schneiden" class="wp-image-779" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn31.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn31-300x168.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn31-1024x574.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Diese Budapester Friseurin gibt ihren freien Freitag, um Flüchtlingen die Haare zu schneiden</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Im Schatten von Orbáns Gesetz</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ansonsten können sie bei &#8222;Menhely Alapívány&#8220; (zu Deutsch: &#8222;Stiftung Obdach&#8220;) unterkommen, eine Stiftung, die mehrere Unterkünfte unterhält. Ich treffe in deren Tagestreff Zoltán Gurály, Soziologe und Sozialarbeiter. Er kümmert sich auch um Budapests Straßenzeitung &#8222;<span class="st">Fedél Nélkül</span>&#8220; (&#8222;Kein Dach mehr über dem Kopf&#8220;): Zwölf Seiten, dünnes Papier. Die meisten Artikel werden von Obdachlosen geschrieben: Gedichte, Erzählungen, Lebensberichte. Manchmal werden auch Interviews mit Prominenten veröffentlicht. Die Zeitung hat keinen festen Verkaufspreis. Man gibt, was man geben will. &#8222;In Ungarn gibt es nicht viele Leute, die für eine soziale Sache Geld ausgeben&#8220;, begründet das Zoltán Gurály. &#8222;Viele unserer Leute halten ein Exemplar unserer Zeitung auch einfach nur hoch, während sie betteln; wir sind darüber nicht glücklich, aber wir haben es akzeptiert.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich frage ihn nach dem Gesetz gegen Obdachlose, von dem ich gelesen habe. Ja, das sei eine merkwürdige Sache: Nach Amtsantritt der Orbán-Regierung 2010 habe die Stadt Budapest eine Verordnung erlassen, dass in besonders attraktiven Vierteln der Stadt das Lagern und Übernachten auf der Straße verboten sei. Als dann das oberste Gericht diese Verordnung als rechtswidrig kassierte, habe Orbán mit seiner komfortablen Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament einfach ein neues Gesetz beschlossen – so mache man das heutzutage in seinem Land.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ungarns unberechenbare Politik</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Und – wird es angewandt? &#8222;Es wird nicht angewandt, das ist es ja: Wir wissen nicht, warum nicht.&#8220; So, wie auch in diesem Moment nicht klar sei, wie hart und konsequent die Regierung ihr Dutzend Eilgesetze gegen die Flüchtlinge, aber auch die Helfer anwenden wird – oder nur teilweise oder vielleicht auch nicht. Es sind Gesetze, die die ein- und durchreisenden Flüchtlinge kriminalisieren. Und die, die ihnen helfen. Das Kaufen von Zugtickets oder das Aufsammeln erschöpfter Flüchtlinge am Straßenrand könnten dann als Schleppertätigkeit bewertet werden – das Verteilen von Lebensmittelspenden soll als gewerbsmäßige Tätigkeit verstanden werden und wäre anzumelden und ebenfalls zu bezahlen. Aber so sei es: Machtausübung beginne damit, dass man offen ließe, ob man seine Macht einsetzen wird. Wenn man unberechenbar bliebe. &#8222;Das Klima, in dem wir alle hier arbeiten, ist sehr schlecht&#8220;, sagt Zoltán Gurály. Und er schüttelt den Kopf: &#8222;Ungarn ist so ein komisches Land.&#8220;</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn41.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="673" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn41.jpg" alt="Eine Familie aus Syrien hat es bis nach Budapest geschafft. Nun erklärt ihnen eine Helferin, wo es Fahrkarten für die Weiterreise gibt." class="wp-image-780" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn41.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn41-300x168.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn41-1024x574.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Eine Familie aus Syrien hat es bis nach Budapest geschafft. Nun erklärt ihnen eine Helferin, wo es Fahrkarten für die Weiterreise gibt.</figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Die Methode der ‚Beheizten Straße‘</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die zweite große Einrichtung neben &#8222;Menhely Alapívány&#8220; ist das Obdachlosenzentrum &#8222;Fütött utca&#8220; (&#8222;Beheizte Straße&#8220;) der methodistischen Kirche Ungarns. Es wird geleitet von Gábor Iványi. Er ist eine Art Ikone der ungarischen Oppositionsbewegung, dabei hat er Viktor Orbán vor vielen Jahren getraut und seine ersten Kinder getauft. Doch als dessen rechtskonservative Regierung immer offener gegen sozial Schwache und Obdachlose vorging, etwa die Sozialhilfe kürzte, erhob Iványi seine Stimme. Im Gegenzug fiel er in Ungnade. Orbán ließ sich von seiner Parlamentsmehrheit gar im Sommer 2011 eigens ein neues Kirchengesetz zimmern: Demnach sollen nur noch die Religionsgemeinschaften staatliche Gelder für ihre sozialen und karitativen Tätigkeiten bekommen, wenn sie mehr als 30.000 Mitglieder zählen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt aber keine 30.000 Methodisten in Ungarn. Also sind in den vergangenen Jahren eine Menge Leute in die methodistische Kirche eingetreten, die es sonst mit Gott nicht so haben – die aber Gábor Iványi und seine Mitarbeiter schätzen. So kann er mittlerweile seine Arbeit wieder fortsetzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gábor Iványi: Kämpfer für die Unsichtbaren</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe Glück, es lässt sich einrichten, dass er mich empfängt: in seinem Büro mit einer gepolsterten Tür. An der Wand hängt ein handsigniertes Porträt von Elisabeth der Zweiten, sie hat es ihm persönlich überreicht. &#8222;Fragen Sie, fragen Sie!&#8220;, sagt er, verschränkt die Hände über seinem sehr imposanten Bauch und lächelt gütig. Und er erzählt, wie er als junger Mann Anfang der 70er-Jahre Theologie studierte, wie er sich immer mehr für die verarmten und ausgegrenzten Roma Ungarns interessierte, wie er als Armenpastor aufs Land ging (er wählt das schöne Wort &#8222;Gesellschaftspastor&#8220;), dann Mitglied der oppositionellen Helsinki-Gruppe wurde und dafür fast im Gefängnis gelandet wäre. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wie er nach dem Systemwechsel 1990 eine der ersten Schulen für Sozialarbeit gründete: &#8222;Wissen Sie, es gab vorher keine Sozialarbeiter, weil es ja im Sozialismus keine sozialen Probleme geben durfte.&#8220; Er lacht in sich hinein: &#8222;Es gab auch erst nach der Wende ein Wort für ,ohne Obdach sein&#8216; – hajléktalan&#8220;. Und er bestätigt, was mir schon Zoltán Gurály erzählt hatte: In Ungarn werden Armut, Elend und Not wie etwas Ansteckendes wahrgenommen, und also sei es am besten, wenn man Not, Elend und Armut einfach nicht zeige, weil es sie dann nicht mehr gibt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Metallbetten und Fürsorge</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Geschichte des Hauses, in dem wir gerade sitzen, erzählt einiges: Es ist ein ehemaliger staatlicher Schlachthof mit Schlachterei sowie den Kühl- und Lagerräumen, den man nicht mehr brauchte, als ab 1990 die westlichen Wurstund Fleischwaren, vertrieben über die neuen Supermärkte, den heimischen Markt in kürzester Zeit zusammenbrechen ließen. &#8222;Wir haben das Gebäude für 99 Jahre gepachtet, und wir haben es aus eigenen Mitteln umgebaut.&#8220; Aber nun hat er leider den nächsten Termin, aber sei ich mal wieder in der Stadt, ich könne mich gerne wieder melden. Und jetzt werde mir einer seiner Sozialarbeiter alles zeigen. Und der führt mich nun durch das Haus, zeigt mir die Krankenstation, den Tagesraum, die Suppenküche. Und die Räume im Keller, in denen etwa 30 blanke Metallbetten stehen und ebenso viele schäbige Matratzen an der Wand lehnen: Man kann hier übernachten, morgens muss man gehen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich bin hin- und hergerissen: Einerseits gibt es anrührend liebevoll ausgestattete Abteilungen wie ein kleines Hospiz; andererseits schockiert mich der pragmatische Umgang mit den hier Lebenden: Der Sozialarbeiter klopft nicht einmal an, wenn wir einen nächsten Raum betreten, in dem ärmlich gekleidete Menschen Fernsehen schauen oder auf einem zerwühlten Bett liegen; ich werde nicht einmal vorgestellt. Ich halte meine Kamera in der Hand, aber mir will es einfach nicht gelingen, Fotos zu machen. Es ist, als würde ich in eine ganz eigene Welt abtauchen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Maschendraht und Hoffnung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir stehen schließlich in einem langgestreckten Raum, in dem sich die Wohnungslosen tagsüber aufhalten können. In einer Abseite hinter Maschendraht stehen ein paar Betten: In einem liegt ein älterer Mann. Er liegt da und schaut mich aus großen Augen an und ich weiß nicht, wie ich zurückblicken soll, während der Sozialarbeiter mir sachlich erzählt, dass oben im ersten Stock die, die einen Job gefunden haben, kleine Zimmerchen hätten und nicht morgens um sechs Uhr geweckt würden wie alle anderen. Als ich wieder nach dem Mann schaue, hat er die Augen geschlossen und scheint zu schlafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es gibt in dem verwinkelten Bau auch einige Zimmer für Flüchtlinge. &#8222;Wollen sie in Ungarn bleiben oder wollen sie irgendwann weiterziehen?&#8220;, frage ich. &#8222;Man weiß es nicht&#8220;, sagt der Sozialarbeiter. In der Gemeinschaftsküche, die zu diesen Zimmern gehört, steht ein Mann, ich vermute aus Afrika. Er steht einfach da, starrt an die Wand, wippt mit dem Oberkörper vor und zurück und redet leise vor sich hin.</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Wir haben in Budapest große Obdachlosenunterkünfte, aber diese arbeiten rein karitativ und nicht politisch&#8220;, sagt Balog Gyula, Urgestein der ungarischen Obdachlosenbewegung und Mitbegründer von</p>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;A Város Mindenkié&#8220; – übersetzt: &#8222;Die Stadt gehört allen&#8220;. Ihm zur Seite steht Tompa István, der gerade mit seiner jungen Frau und dem gemeinsamen Baby zur Untermiete untergekommen ist. Er hat als Kind viel österreichisches Fernsehen geschaut – und sich so mit der deutschen Sprache vertraut gemacht. Er übersetzt für uns.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von der Diktatur zum Leerstand</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Und es folgt ein spannender Exkurs in die junge Geschichte des Landes aus Sicht der Obdachlosen: Wie im Staatssozialismus ein sogenannter Asozialenparagraf dafür sorgte, dass etwa Männer, die eine Scheidung aus der Bahn warf, in Wohnheime mit Mehrbettzimmern eingewiesen wurden und sie nicht einfach ihrer Wege gehen durften. Wie nach der Wende im Schwung der Euphorie ganze Wohnsiedlungen privatisiert, also verscherbelt wurden. Und der Staat nicht daran dachte, einen gewissen Grundbestand an bezahlbaren Wohnungen zu halten. Mit heute verheerenden Folgen: Es gibt keinen sozialen Wohnungsbau; nur drei Prozent aller Mietwohnungen in Ungarn sind überhaupt in kommunalem Besitz. Sodass, wer einmal seine Wohnung verliert, eigentlich keine Chance hat, je wieder eine zu bekommen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zugleich steht massenhaft Wohnraum leer; schon in der Innenstadt sieht man halbe Straßenzüge leer stehen, während prächtige Bauten aus der K.-u.-k.-Monarchie in Hotels für westliche Touristen umgewandelt wurden. Es gäbe also viel Platz, um die Obdachlosen unterzubringen. Und es gäbe auch viel Platz für die Flüchtlinge. Überhaupt die Flüchtlinge: Mitstreiter von &#8222;A Város Mindenkié&#8220; waren Anfang September dabei, als sie sich auf eigene Faust aufmachten, um Budapest zu verlassen. &#8222;Heute helfen einige von unseren Unterstützern am Bahnhof Keleti mit&#8220;, sagt Balog Gyula.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jüdische Gemeinde kritisiert Orbáns Flüchtlingspolitik </h3>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Die Stadt gehört allen&#8220; ist nicht die einzige Organisation, die sich neben ihren eigenen Belangen für die der Flüchtlinge einsetzt. Auch die jüdische Community Ungarns hat unter ihrem neuen Sprecher Rabbi Zoltán Radnóti in einem offenen Brief Viktor Orbáns Flüchtlingspolitik kritisiert und sie unumwunden &#8222;unmenschlich&#8220; und &#8222;beschämend&#8220; genannt. Das mag für unsere Ohren nicht allzu rebellisch klingen – in Ungarn erfordert so etwas viel Mut.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich habe wieder Glück, und Rabbi Radnóti trifft sich mit mir auf einen schnellen Kaffee im &#8222;Café Tel Aviv&#8220;. Er entschuldigt sich zunächst für sein mageres Englisch – das nicht schlechter sein wird als meins. &#8222;Also, die …&#8220;, er stockt. Er sucht nach einem Wort. Er holt sein Handy hervor, öffnet eine App für ein Englischwörterbuch, er tippt Buchstaben ein, wird nicht fündig. Er schaut mich fragend an: &#8222;Wie sagt man zu diesen Leuten, die jetzt alle kommen, aus Syrien, aus Afghanistan?&#8220; – &#8222;Refugees? Flüchtlinge?&#8220;, versuche ich es. &#8222;Refugees!&#8220;, ruft er erleichtert aus. &#8222;Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich dieses Wort benutze. Ich muss es mir unbedingt merken.&#8220; Und wir beide lachen herzhaft.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Eentschlossen, trotz Angst und Vorbehalt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Und dann erzählt er: Ja, sie sammeln Spenden. Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel und auch Geld. Wobei es nicht einfach gewesen sei, diese Aktion zu starten: &#8222;Es gibt auch bei uns in der Community viele Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen. Und wieder andere hatten schlicht Angst, sich mit der Regierung anzulegen, denn die mag es ja gar nicht, dass man diesen Menschen hilft.&#8220; Doch am Ende hätten sie beschlossen, ihren Weg zu gehen, sich notfalls gegen die Regierung zu stellen und eben zu helfen. Das Gespendete ginge unmittelbar an die Südgrenze nach Röszke. Dort, wo die Zustände für die Menschen so unhaltbar seien und gleichfalls nur zivile Helfer vor Ort wären.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wie wird es weitergehen? In den nächsten Tagen, Wochen, Monaten? Wie alle, die ich das gefragt habe, sackt er kurz zusammen, schüttelt ratlos den Kopf: &#8222;Ich weiß es nicht; wirklich nicht. Ich habe keine Idee.&#8220; Er richtet sich wieder auf: &#8222;Wir Ungarn kennen das nicht: fremde Menschen. Wir kennen das nicht, dass Menschen an unserer Grenze stehen und zu uns hereinwollen. Wir müssen das erst lernen, damit umzugehen, und ich hoffe, dass wir das lernen.&#8220;</p>



<h3 class="wp-block-heading">Junge jüdische Aktivisten „Aurora“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Antwort auf sein Engagement kam übrigens postwendend: Orbán schickte Grüße zu Rosch ha-Schana, dem jüdischen Neujahrstag, ergänzt um einige Ausführungen: dass Ungarn weiterhin und ganz entschieden seine Grenzen schützen werde und dass in Ungarn nur Platz für Ungarn sei. Ein deutlicher Hinweis, dass die Juden, die in Ungarn leben, es sich genau überlegen sollten, ob sie dazugehören wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und wo ich gerade in die jüdische Welt Budapests eintauche, schaue ich noch im &#8222;Aurora&#8220; vorbei – ein Club, der maßgeblich von der jüdischen Jugendorganisation &#8222;Marom&#8220; getragen wird und in dem einige NGOs ihren Sitz haben; auch &#8222;Die Stadt gehört allen&#8220; ist regelmäßig zu Gast.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es sind meist junge Leute, die hier aktiv sind; viele sind jetzt vor Ort am Keleti, um die Flüchtlinge zu versorgen. Aron übernimmt es, mir die Geschichte des Clubs zu erzählen: wie sie drüben im jüdischen Viertel einen ersten Treffpunkt eröffneten; wie die Polizei den Treff stürmte, unter dem Vorwand, das Gebäude sei baufällig. Und wie sie jetzt im Roma-Viertel von Budapest einen Neuanfang wagen wollen. &#8222;Wir möchten, dass sozial interessierte Leute hier in der Bar einen Kaffee oder ein Bier trinken, sich wohlfühlen, vielleicht mal abends eine unserer politischen Veranstaltungen besuchen und die sich vielleicht langfristig einer unserer NGOs anschließen&#8220;, sagt er.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Viele Engagierte verlassen das Land </h3>



<p class="wp-block-paragraph">&#8222;Woher nimmst du die Kraft, diese Arbeit zu tun?&#8220;, frage ich. Er lacht verlegen, schaut an mir vorbei: &#8222;Also, ich selbst werde in zwei Tagen Ungarn verlassen; ich gehe nach London, um dort zu arbeiten.&#8220; Ja, es tue ihm leid, aber er gehe. &#8222;In diesem Land sehe ich für mich keine Zukunft mehr.&#8220; Damit ist er nicht allein: 600.000 Ungarn haben seit 2010 ihr Land verlassen. Vor allem Leute wie Aron. Gut ausgebildet, motiviert, jung. Und wo ging es oft hin? Nach Deutschland.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Soll ich damit schließen? In der Redaktion sprechen wir oft darüber, ob man nicht am Ende einer Geschichte etwas Positives aufzeigen sollte oder ob das nicht im Gegenteil nur billiger Trost sei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich gehe gedanklich noch mal zum Bahnhof zurück. Stehe da an meinem letzten Abend inmitten der Flüchtlinge und der Helfer, vor mir eine Frau im Schneidersitz. Sie trägt einen Hidschab, hält ein schlafendes Kind auf dem Arm, ein zweites steht neben ihr, reibt sich müde die Augen, während der Familienvater dünne Matratzen und Decken, von Ikea gespendet, heranschleppt. Sie sind gerade frisch angekommen. Haben es geschafft, nach Keleti zu gelangen, statt in einem der völlig überfüllten Auffanglager an der Grenze auf nicht absehbare Zeit festgehalten zu werden.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn71.jpg"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="673" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn71.jpg" alt="Hier bedanken sich muslimische Flüchtlinge bei den Ungarn, die ihnen zur Seite stehen" class="wp-image-781" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn71.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn71-300x168.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/ungarn71-1024x574.jpg 1024w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Hier bedanken sich muslimische Flüchtlinge bei den Ungarn, die ihnen zur Seite stehen</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Kekse, Bananen und ein Lächeln</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Frau tritt hinzu, keine der Helferinnen, sondern eine Budapesterin mit schmalem Rucksack und in einer geringelten Strickjacke. Sie grüßt die vor ihr Sitzende, reicht Babywindeln und eine Papiertüte mit Lebensmitteln. Sie führt ihre rechte Hand an ihren Mund und macht heftige Kaubewegungen. Die beiden Frauen fangen plötzlich laut an zu lachen, denn was soll man mit Keksen und Bananen und Äpfeln schon anderes machen, als sie zu essen? Dann verabschieden sie sich voneinander – und lächeln sich dabei an.</p>



<p class="wp-block-paragraph">P.S.: Kurz nach der Rückkehr unseres Autors hat Ungarn seine Grenzen gegen Flüchtlinge abgeriegelt. Bei Redaktionsschluss war zumindest ein Grenzübergang nach Serbien wieder geöffnet. Wenn Sie diese Geschichte lesen, kann die Situation schon wieder völlig verändert sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>In Budapest hat Frank Keil ein Online-Tagebuch geführt:<br /><a href="http://www.huklink.de/budapest">www.huklink.de/budapest</a></strong></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text &amp; Bilder:<br /><em>Frank Keil.</em></td><td>Mit freundlicher Genehmigung des INSP Nachrichtendiensts <a href="http://www.INSP.ngo" target="_blank" rel="noopener">www.INSP.ngo</a> / <br />Hinz&amp;Kunzt, Hamburg. </td></tr></tbody></table></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Spende dein Pfand!</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/spende-dein-pfand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Sep 2015 13:33:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Andere Magazine]]></category>
		<category><![CDATA[Flaschenpfand]]></category>
		<category><![CDATA[Flaschensammler]]></category>
		<category><![CDATA[Flughafen]]></category>
		<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Hinz&Kunzt]]></category>
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					<description><![CDATA[HINZ&#38;KUNZT / Hamburg: Aufmucken lohnt sich! Nach unseren Berichten und den Protesten unserer Leser ist Flaschensammeln am Hamburger Flughafen nicht mehr verboten. Noch besser: Ab sofort arbeiten drei Hinz&#38;Künztler dort als professionelle Leergutbeauftragte. Mein Bild von Flaschensammlern hat sich um 180 Grad gewendet&#8220;, sagt Mercedes Lazar-Heubel. Die 33-Jährige betreut am Flughafen Hamburg das Projekt &#8222;Spende dein Pfand&#8220;, bei dem seit September Fluggäste vor dem Abflug ihre ausgetrunkenen Pfandflaschen spenden statt wegwerfen können. Heute ist die Projektleiterin voller Verständnis für die Menschen, die sich meistens unauffällig durch die Terminals bewegen und in den Mülleimern nach Pfandflaschen suchen: &#8222;Eigentlich spricht gar nichts dagegen&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich habe gemerkt, dass diese Menschen einfach darauf angewiesen sind.&#8220; Noch vor einem halben Jahr sah sie das ganz anders: &#8222;Ich habe mich wirklich gestört gefühlt, wenn ich das gesehen habe&#8220;, räumt Lazar-Heubel ein. Sie habe wie so viele das Elend nicht sehen wollen und hätte die schwierige Situation der Flaschensammler nicht verstanden. Damals war am Flughafen das Sammeln auch noch verboten. Das sollte einen &#8222;ungestörten Betrieb&#8220; gewährleisten und den Fluggästen einen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h3 class="wp-block-heading">HINZ&amp;KUNZT / Hamburg: Aufmucken lohnt sich! Nach unseren Berichten und den Protesten unserer Leser ist Flaschensammeln am Hamburger Flughafen nicht mehr verboten. Noch besser: Ab sofort arbeiten drei Hinz&amp;Künztler dort als professionelle Leergutbeauftragte.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mein Bild von Flaschensammlern hat sich um 180 Grad gewendet&#8220;, sagt Mercedes Lazar-Heubel. Die 33-Jährige betreut am Flughafen Hamburg das Projekt &#8222;Spende dein Pfand&#8220;, bei dem seit September Fluggäste vor dem Abflug ihre ausgetrunkenen Pfandflaschen spenden statt wegwerfen können. Heute ist die Projektleiterin voller Verständnis für die Menschen, die sich meistens unauffällig durch die Terminals bewegen und in den Mülleimern nach Pfandflaschen suchen: &#8222;Eigentlich spricht gar nichts dagegen&#8220;, sagt sie. &#8222;Ich habe gemerkt, dass diese Menschen einfach darauf angewiesen sind.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph">Noch vor einem halben Jahr sah sie das ganz anders: &#8222;Ich habe mich wirklich gestört gefühlt, wenn ich das gesehen habe&#8220;, räumt Lazar-Heubel ein. Sie habe wie so viele das Elend nicht sehen wollen und hätte die schwierige Situation der Flaschensammler nicht verstanden. Damals war am Flughafen das Sammeln auch noch verboten. Das sollte einen &#8222;ungestörten Betrieb&#8220; gewährleisten und den Fluggästen einen &#8222;angenehmen Aufenthalt&#8220; ermöglichen, hieß es. Wer wiederholt gegen das Verbot verstieß, musste mit einer Anzeige rechnen. 97-mal zeigte die Flughafenverwaltung im Jahr 2014 Flaschensammler an.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Online-Petition mit überwältigender Beteiligung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Unding, fanden wir bei Hinz&amp;Kunzt. Unser Sozialarbeiter Stephan Karrenbauer startete eine Onlinepetition gegen dieses Vorgehen. 57.000 Menschen unterzeichneten innerhalb von nur drei Tagen. Das hätten selbst wir nicht erwartet &#8211; und die Verantwortlichen am Flughafen erst recht nicht. &#8222;Erst durch die Petition ist uns bewusst geworden, dass wir ein Problem haben&#8220;, sagt Lazar-Heubel. Aber dann war klar, dass etwas geschehen musste.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Petition war der Anfang einer Erfolgsgeschichte. Das Flaschensammelverbot hob der Flughafen danach rasch auf. Zunächst für eine Testphase, dann dauerhaft. &#8222;Es gibt von ein paar Ausnahmen abgesehen eigentlich keine Probleme&#8220;, sagte uns Johannes Scharnberg vom Flughafenmanagement im April. Inzwischen hat seine Mitarbeiterin Lazar-Heubel im Ankunftsbereich Pfandregale aufhängen lassen, damit die Sammler nicht mehr im Dreck wühlen müssen. Zwischen Hinz&amp;Kunzt und dem Airport haben viele Gespräche stattgefunden. Zunächst waren wir skeptisch, doch schnell wurde uns klar, dass alle Beteiligten an einer sinnvollen Lösung des Konflikts interessiert waren. Mercedes Lazar-Heubel hatte längst den Kontakt zu anderen Flughäfen gesucht, die bereits Konzepte im Umgang mit Flaschensammlern ausprobiert haben.</p>



<h3 class="wp-block-heading">So hilft Pfand Langzeitarbeitslosen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Im Mai flogen wir nach Stuttgart, um uns das Projekt &#8222;Spende dein Pfand&#8220; anzusehen. Vor den Eingängen zu den Sicherheitskontrollen stehen dort große Sammelbehälter aus Plexiglas, in die die Passagiere ihre Flaschen werfen können. Mit in den Abflugbereich dürfen sie die ja ohnehin nicht nehmen. 302.000 Flaschen und Dosen landeten 2014 in diesen Behältern. Pfand im Wert von 61.500 Euro. Bilanz steigend: &#8222;Bislang liegen wir 2015 deutlich über den Vorjahreszahlen&#8220;, sagt der Stuttgarter Flughafensprecher Johannes Schumm zufrieden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das diene zum einen dem Umweltschutz, erklärt Alexis Hanke von der Uni Hohenheim. Schließlich können die Flaschen so recycelt werden und landen nicht auf der Müllkippe. Hanke hat sich das Konzept zusammen mit seinen Studenten ausgedacht. Doch was tun mit dem gesammelten Pfandgeld? Erst hat sein Seminar überlegt, es an wohltätige Organisationen zu spenden. Doch dann kam den Studenten eine bessere Idee: Langzeitarbeitslose sollten für die Leerung der Pfandbehälter und die Sortierung der Flaschen eingestellt werden. Ihr Gehalt könnte durch das gesammelte Pfand finanziert werden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vorbild Stuttgart</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ausgedacht, umgesetzt: Seit Herbst 2013 läuft das Projekt in Stuttgart erfolgreich in Zusammenarbeit mit der örtlichen Straßenzeitung Trott-war. Auch in Köln wird seit Mai so Pfand gespendet. Vier Menschen sind in Stuttgart fest als professionelle Flaschensammler angestellt. &#8222;Wir schaffen die Chance für jemanden, auf dem Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen&#8220;, sagt Hanke sichtlich stolz. &#8222;Das ist eine tolle Symbiose.&#8220;</p>



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<iframe loading="lazy" title="Pfandspenden am Flughafen Stuttgart" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/yj8raj0YRqk?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
</div></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Flugzeug zurück war uns schnell klar, dass wir uns das auch für Hamburg wünschen. Langzeitarbeitslose, die unbedingt wieder einen festen Job haben wollen, kennen wir schließlich eine Menge. Und auch beim Hamburger Flughafen kam die Idee gut an. &#8222;Spende dein Pfand&#8220; heißt es seit September auch hier. &#8222;Wir freuen uns riesig, dass wir zusammen mit Hinz&amp;Kunzt ein sinnvolles Projekt umsetzen können&#8220;, sagt Lazar-Heubel. Auch Stephan Karrenbauer ist begeistert: &#8222;Für uns ist es die schönste Geschichte des Jahres: dass ein so schwieriger Konflikt beendet wird &#8211; und drei Menschen einen Arbeitsplatz bekommen. Das motiviert auch unser ganzes Team.&#8220; Die Stimmung ist gekippt &#8211; ins Positive.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hinz&amp;Künztler als Leergutbeauftragte eingestellt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am meisten freut das die Drei, die nun endlich wieder einen festen Job haben. Da ist Jaroslaw, der bis vor kurzem noch in einer Hütte direkt neben S-Bahn-Gleisen gewohnt hat. Geld verdiente er mit dem Verkauf von Hinz&amp;Kunzt und Flaschensammeln. &#8222;Ich bin ein Profi&#8220;, sagt er grinsend und zeigt den Greifarm, mit dem er sammelt. Für ihn ist die Anstellung der Beginn des geregelten Lebens, das er sich lange gewünscht hat. Und die Eintrittskarte in eine eigene Wohnung. &#8222;Ich hasse das Leben auf der Straße&#8220;, sagt er. Seine Fröhlichkeit schlägt um in Melancholie, wenn er darüber spricht. Umso größer ist die Vorfreude auf die eigenen vier Wände: &#8222;Ein Zimmer, Küche, Bad. Was brauche ich mehr?&#8220;</p>



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<h3 class="wp-block-heading">„Ich bleib hier – ich muss ja arbeiten“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dann ist da &#8222;Opa&#8220; Georgi Nikolov, den wir im Sommer 2013 unter der Kennedy-Brücke getroffen haben. Der heute 50-Jährige zeltete dort mit seiner Frau, seiner Tochter, dem Schwiegersohn und seinen zwei Enkeln. Die bulgarische Roma-Familie kam auf der Suche nach Arbeit nach Hamburg. Seit zwei Jahren lebt sie nun in zwei kleinen Kirchenkaten, die Hinz&amp;Kunzt organisiert hat. Die Kinder gehen in die Schule. Nach mehreren Minijobs werden Georgi und seine Frau nun endlich eine Krankenversicherung haben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Der Dritte im Bunde ist Uwe. Er hat Angst davor, einen Job in der freien Wirtschaft nicht zu schaffen. &#8222;Ich brauche diesen Schutz, den mir Hinz&amp;Kunzt bietet&#8220;, sagt er. Dass er mal am Airport arbeiten würde, hätte er sich nicht träumen lassen. Er, der panische Flugangst hat. &#8222;Ich denke die ganze Zeit: Geil, ich steig da nicht ein! Ich bleib hier&#8220;, sagt er schelmisch. &#8222;Ich muss ja arbeiten.&#8220;</p>



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<iframe loading="lazy" title="Uwe zeigt seinen neuen Arbeitsplatz" width="840" height="473" src="https://www.youtube.com/embed/so6yhJ26XxA?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe>
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<p class="wp-block-paragraph">Wir sind alle zufrieden: Uwe, Georgi, Jaroslaw, Stephan und Mercedes. &#8222;Ich habe mal wieder gemerkt, dass Reden das A und O ist&#8220;, sagt Lazar-Heubel. &#8222;Wenn man vernünftig über etwas spricht, gibt es immer Lösungen.&#8220;</p>



<p class="wp-block-paragraph"><em>Nachtrag und Kommentar</em></p>



<h3 class="wp-block-heading">Flaschensammlern helfen ist eine gute Sache. Wir dürfen aber nicht vergessen, was das eigentliche Problem ist: Die immer größer werdende Armut.</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben in den vergangenen Monaten viel für Flaschensammler bewegt. Nachdem wir beklagten, dass sie nicht in die neuen Big-Belly-Mülleimer in der Innenstadt hineingreifen können, hat der Senat 100.000 Euro für Pfandregale bereitgestellt, die nach und nach installiert werden. Nach unseren Berichten über Strafanzeigen gegen Flaschensammler am Flughafen und der anschließenden Onlinepetition wurden die Anzeigen zurückgenommen. Pfandsammeln ist dort in der Folge jetzt erlaubt, auch am Flughafen gibt es Pfandringe.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unterm Strich haben wir das Leben für die Flaschensammler in Hamburg etwas leichter machen können. Darüber freuen wir uns, und auch von unseren Lesern bekommen wir dafür viel Zuspruch. Und trotzdem dürfen wir damit nicht zufrieden sein.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die stille Krise auf unseren Straßen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es immer mehr Flaschensammler gibt, daran haben wir uns gewöhnt. Viele von ihnen haben wir in den vergangenen Monaten kennen gelernt. Da war der Rentner, der am Flughafen schon als Arbeiter die Rolltreppen mit gebaut hat und jetzt jeden Tag aus Wedel mit der S-Bahn kommt, um am Airport im Müll zu wühlen. Da war der Softwareentwickler, der seit zehn Jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen hat und deshalb nach Feierabend regelmäßig einmal die Mülleimer in der Mönckebergstraße abklappert. Da war der Koch, der in der Nebensaison keine Anstellung fand und täglich sechs Stunden die Innenstadt nach Pfandgut durchkämmte. Die Obdachlosen oder psychisch Kranken, die kaum eine andere Möglichkeit haben, Geld zu verdienen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das eigentliche Problem ist, dass all diese fleißigen Menschen gezwungen sind, für ihr Auskommen im Müll zu wühlen. Dass regelmäßig Studien mit dem Ergebnis veröffentlicht werden, die Kluft zwischen Arm und Reich in diesem Land werde immer größer. Dass wir uns daran gewöhnt haben, dass es so ist. Dass wir daran nichts ändern konnten, obwohl wir es seit Jahren anprangern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Klar ist es ein Skandal, dass den Pfandsammlern das Leben mit Strafanzeigen und Hausverboten auch noch schwerer gemacht wird. Und wir müssen weiter dafür streiten, dass sie nicht kriminalisiert und vertrieben werden &#8211; zum Beispiel an den Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Unser Ziel muss aber eine Gesellschaft sein, in der niemand darauf angewiesen ist, im Müll zu wühlen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die verantwortlichen Politiker dürfen wir nicht damit davon kommen lassen, ein paar Pfandregale aufzuhängen und so die Symptome ihrer eigenen Politik abzumildern. Nachhaltige Maßnahmen gegen Armut müssen her. Packen wir&#8217;s an!</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text:<em> </em><br /><em>Benjamin Laufer. </em></td><td>Fotos: <br /><em>Mauricio Bustamante. </em></td></tr><tr><td>Mit freundlicher Genehmigung des INSP Nachrichtendiensts <a href="http://www.INSP.ngo" target="_blank" rel="noopener">www.INSP.ngo</a> / Hinz&amp;Kunzt, Hamburg.</td><td></td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph"><em><br /></em></p>
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