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	<title>Sögesstraße &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Sögesstraße &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>Suppe auf Rädern</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jun 2019 19:07:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Sögesstraße]]></category>
		<category><![CDATA[Suppenengel]]></category>
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					<description><![CDATA[#69 SÖGESTRASSE – Die Suppenengel sind in Bremen eine Institution. Weil aber der Bedarf steigt, wird die Küche langsam zu klein. Der Frust auf der Straße wächst Geld klirrt in der Spendendose. Zwei Menschen lächeln sich an. „Danke schön und einen schönen Tach noch!“, sagt Gerd Fechtner zu einer jungen Frau, die gerade Geld in die Spendendose geworfen hat. Er sammelt auf der Sögestraße für den Bremer Suppenengel e.V. Der gemeinnützige Verein versorgt obdachlose Menschen in Bremen mit warmen Mahlzeiten. Jeden Wochentag bereiten im Durchschnitt zwölf der insgesamt 44 Ehrenamtlichen in der Küche des St.-Jakobi-Gemeindehauses in der Neustadt das Essen vor. Auf vier Spezial-Lastfahrrädern wird es in die Innenstadt gefahren. Ein Fahrrad mit Heizvorrichtung transportiert 90 Liter warme Suppe. Ein weiteres mit Kühlung die Obst- und Gemüsesalate. Auf die anderen beiden werden der Kaffee, die belegten Brote und der Nachttisch verteilt. Alle vier Räder fahren nacheinander zu den zwei Essensausgabeplätzen in der Bremer Innenstadt – dem Hauptbahnhof und dem Wilhelm-Kaisen- Denkmal im Kastanienwäldchen am Wall, nahe der Sögestraße. In den Wintermonaten gibt es die Mahlzeiten &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#69 SÖGESTRASSE – Die Suppenengel sind in Bremen eine Institution. Weil aber der Bedarf steigt, wird die Küche langsam zu klein. Der Frust auf der Straße wächst</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Geld klirrt in der Spendendose. Zwei Menschen lächeln sich an. „Danke schön und einen schönen Tach noch!“, sagt Gerd Fechtner zu einer jungen Frau, die gerade Geld in die Spendendose geworfen hat. Er sammelt auf der Sögestraße für den Bremer Suppenengel e.V. Der gemeinnützige Verein versorgt obdachlose Menschen in Bremen mit warmen Mahlzeiten. Jeden Wochentag bereiten im Durchschnitt zwölf der insgesamt 44 Ehrenamtlichen in der Küche des St.-Jakobi-Gemeindehauses in der Neustadt das Essen vor. Auf vier Spezial-Lastfahrrädern wird es in die Innenstadt gefahren. Ein Fahrrad mit Heizvorrichtung transportiert 90 Liter warme Suppe. Ein weiteres mit Kühlung die Obst- und Gemüsesalate. Auf die anderen beiden werden der Kaffee, die belegten Brote und der Nachttisch verteilt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Alle vier Räder fahren nacheinander zu den zwei Essensausgabeplätzen in der Bremer Innenstadt – dem Hauptbahnhof und dem Wilhelm-Kaisen- Denkmal im Kastanienwäldchen am Wall, nahe der Sögestraße. In den Wintermonaten gibt es die Mahlzeiten in der Senatskantine des Lloydhofs. Dort können sich dann sowohl die Suppenengel als auch ihre Kund:innen aufwärmen. „Durch den Verkauf des Lloydhofs suchen wir nun aber nach einem neuen Winterquartier für die kalten Monate“, sagt Peter Valtink, der Geschäftsführer des Vereins.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Fahrrad zur Hilfsorganisation</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Angefangen hat alles vor 21 Jahren. 1997 fuhr Zia Gabriele Hüttinger mit dem Fahrrad in die Stadt. Im Fernsehen hatte sie gesehen, dass Obdachlose erfroren waren, weil sie in Deutschland nicht mehr in die Bahnhöfe gelassen wurden, um sich aufzuwärmen. Sie sprach einen Wohnungslosen an – und fragte, was sie für ihn tun könne. Er antwortete: „Eine Suppe wäre ganz gut.“ Hüttinger ging nach Hause, kochte Suppe und verteilte sie auf der Straße. Später gründete sie den Verein Suppenengel e.V. 2013 wurde sie für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neben der Essensspende organisiert der Verein inzwischen auch eine Kleiderkammer und medizinische Nothilfen. Bei der Suche nach Wohnungen unterstützen die Mitarbeiter:innen ebenfalls. „Wir versuchen auch etwas gegen die soziale Kälte zu tun“, sagt Peter Valtink. Deshalb organisiert der Verein inzwischen auch Sommerfeste oder den Neujahrsempfang für Obdachlose“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Herausforderungen bei der Essensausgabe </h3>



<p class="wp-block-paragraph">Diese erzählen, dass es bisweilen zu Rangeleien bei der Essensausgabe komme. Schnell fallen Vorwürfe und unüberprüfbare Schuldzuweisungen. Es herrsche ein Konkurrenzkampf unter den Bedürftigen, erklärt Valtink. Neben die obdachlosen Menschen, die schon früher zum Essen gekommen seien, reihten sich nun auch mittellose Rentner:innen und Osteuropäer:innen ein, die hier in Bremen gestrandet seien. Aktuell kämen etwa 250 Menschen zu den Mahlzeiten. Die Küche der Bremer Suppenengel werde deshalb langsam zu klein. „Wir kochen mit nur einer Kochplatte“, sagt Valtink. Der Verein suche deswegen nach einer eigenen Immobilie mit größerer Küche.</p>



<blockquote class="wp-block-quote has-text-align-center is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p class="wp-block-paragraph"><strong>„Lass mich in Deinen Suppentopf gucken und ich sage Dir, wer Du bist!“</strong><br />(Sprichwort aus Russland)</p>
</blockquote>



<p class="wp-block-paragraph">Die Spendendose in der Hand von Gerd Fechtner rasselt wieder. Bereits seit 13 Jahren engagiert er sich bei den Bremer Suppenengeln. Er kann sich gut hineinfühlen in die Bedürfnisse der Menschen, die bei ihnen zum Essen kommen. Er war selbst einmal obdachlos. „Durch den Kontakt mit den Suppenengeln konnte ich in meinem Leben viel verändern“, erzählt er. „Das, was ich bekommen habe, möchte ich nun zurückgeben!“ Angefangen habe er mit dem Schmieren der Brote. Dann gab er Essen aus. Nun ist er hauptamtlicher Spendensammler. Als eine Frau an die Spendendose tritt, sagt sie: „Es ist einfach ein gutes Werk, das die Menschen in diesem Verein umsetzen.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vielfalt der Unterstützer und besondere Momente</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bei den Bremer Suppenengeln mangelt es nicht an Helfer:innen: Rentner:innen, Menschen, die arbeitslos sind oder Sozialhilfe beziehen, aber auch Berufstätige. Seit 2014 kann man zudem seinen Bundesfreiwilligendienst im Verein verrichten. Fechtner erzählt, dass auch viele Unternehmen Essen spenden: „Jetzt gibt’s sogar Torten!“ An sechs Wochentagen holen die Helfer:innen bei den Unternehmen Spenden ab und sortieren sie für die Küche vor.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Jeden Samstag wird auf der Sögestraße für besondere Anlässe gesammelt. Heute für die Schokoladentütchen, die jedes Jahr an Ostern verteilt werden. Begeistert erzählt Fechtner, wie er vor einiger Zeit selbst einmal beschenkt wurde: Obdachlose hatten ihm zur Weihnachtszeit kleine Aufmerksamkeiten mitgebracht. „Das war mein schönstes Erlebnis hier bislang“, sagt Fechtner, „Die Leute nehmen nicht nur, sondern geben auch.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Samira Ghozzi</em></td><td>Foto: <br /><em>Norbert Schmacke</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/69-soegestrasse/"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69.jpg" alt="" class="wp-image-11945" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>„Man ist eher Fremdkörper“</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/man-ist-eher-fremdkoerper/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 Jun 2019 19:06:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Fremdkörper]]></category>
		<category><![CDATA[Sögesstraße]]></category>
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					<description><![CDATA[#69 SÖGESTRASSE – Till Rümenapp hat ein Jahr in der Sögestraße gewohnt. Doch Konsum, Arbeiten und Wohnen vertrugen sich für ihn nicht. Warum sind Sie in die Sögestraße gezogen? Als meine Lebenspartnerin und ich damals gesucht haben in Bremen, war es nicht so einfach, überhaupt etwas zu finden, das bezahlbar und auch akzeptabel von der Lage war. Die Sögestraße fanden wir erstmal sehr verrückt. Wir dachten dann aber: „Okay, cool, ist halt mitten im Zentrum.“ Wir haben uns da einfach drauf beworben und hatten Glück. Was die Kaltmiete anging, war es relativ bezahlbar. Wie war es, in einer Einkaufszone zu wohnen? Weil es der dritte Stock war, war der normale Trubel nicht so zu hören. Aber wir hatten die Musiker direkt unter dem Fenster. Wenn man so durch die Stadt schlendert, ist das schön. Aber wenn man irgendwann die Lieder – und es sind nicht so viele, die die drauf haben – zum 50. Mal hört, ist das eher störend. Nachts war es sehr ruhig. Hier ist eigentlich nichts los, was auch schade ist. Bis &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#69 SÖGESTRASSE – Till Rümenapp hat ein Jahr in der Sögestraße gewohnt. Doch Konsum, Arbeiten und Wohnen vertrugen sich für ihn nicht.</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Warum sind Sie in die Sögestraße gezogen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als
meine Lebenspartnerin und ich damals gesucht haben in Bremen, war es nicht so
einfach, überhaupt etwas zu finden, das bezahlbar und auch akzeptabel von der
Lage war. Die Sögestraße fanden wir erstmal sehr verrückt. Wir dachten dann
aber: „Okay, cool, ist halt mitten im Zentrum.“ Wir haben uns da einfach drauf
beworben und hatten Glück. Was die Kaltmiete anging, war es relativ bezahlbar.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie war es, in einer Einkaufszone zu wohnen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Weil
es der dritte Stock war, war der normale Trubel nicht so zu hören. Aber wir
hatten die Musiker direkt unter dem Fenster. Wenn man so durch die Stadt
schlendert, ist das schön. Aber wenn man irgendwann die Lieder – und es sind
nicht so viele, die die drauf haben – zum 50. Mal hört, ist das eher störend.
Nachts war es sehr ruhig. Hier ist eigentlich nichts los, was auch schade ist.
Bis auf die pöbelnden Party-Leute, die aus den Clubs kamen. Die haben wenig
Rücksicht genommen, weil es eben auch so wirkt, als würden hier keine Menschen
wohnen.&nbsp; Hier sind wenige Wohnungen,
dafür super viele Büros über den ganzen Geschäften. Das war durchgängiges
Gefühl: Man ist eher Fremdkörper hier.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Und an den Wochenenden?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Sehr
ausgestorben. Wobei Sonntags dann auch eben viele Touristen unterwegs sind. Was
ja auch total schön ist an sich. Aber es kein schönes Gefühl nach Hause zu
kommen, sich erstmal durch die Menge schlagen, um dann an der Haustür
irgendwelche Leute zu bitten, zur Seite zu gehen. Das war irgendwann nervig und
anstrengend.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hat sich Ihr Verhältnis zu Konsum durch das Wohnen in der Sögestraße geändert?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ich
bin ein totaler Konsum-Kritiker. Für mich war es eine Bestärkung, noch weniger
und noch bewusster zu konsumieren. Es hat mich noch mehr abgeschreckt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum sind Sie wieder weggezogen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Letztendlich,
weil es viel zu wenig Grün gab.&nbsp; Hier ist
keine Möglichkeit, in irgendeinen Hintergarten zu gucken. Wir haben hinten auf
die die Klimaanlagen geguckt und auf Dächer. Es ist einfach nur eine
Betonwüste. Keine Natur. Irgendwann hat man das Gefühl, man ist hier so
alleine.&nbsp; Nach vier oder fünf Monaten
haben wir gemerkt: Das ist es nicht. Und haben dann angefangen zu suchen.
Letztendlich haben wir nur ein Jahr dort gewohnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Würdest Sie noch mal ähnlich wohnen wollen?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf
gar keinen Fall. Die Sögestraße und die Obernstraße sind voll mit Büros und mit
Einkaufsläden, aber für Anwohner ist es im Grunde überhaupt nicht annehmbar.
Übrigens, die Stadt riecht gerne mal nach Kanalisation. Das hat auch damit zu
tun, wer hier wie lebt. Wenn man wenig Anwohner hat, wird wenig gespült. Und
Kanalisationen müssen durchgespült werden. Wenn man irgendwann dann
Kanalisation in der Wohnung riecht, das ist nicht geil. Da will man nicht
wohnen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Gehen Sie heute noch gerne in die Sögestraße?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nein.
Vielleicht hat sich das sogar verstärkt, vielleicht hat sich die Bereitschaft
in der Innenstadt zu sein, noch mehr abgeschwächt. Ich hab weniger Lust auf den
Trubel in der Innenstadt und die Massen, die konsumieren. Oder aber eben zur
Arbeit gehen in die Büros.</p>



<h3 class="wp-block-heading">In der Sögstraße leben auch einige Wohnungs- und Obdachlose. Gab es Kontakt?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Man kennt sich irgendwann und es war eher ein normales Grüßen. Es ist dann vielleicht die einzige Konstante, die irgendwann bleibt. Wie Nachbarn, die man kennen lernt. Aber wir hatten dann nicht viel Kontakt. Ich weiß auch nicht, wie sie uns überhaupt wahrgenommen haben als Anwohner. Vielleicht hätte das noch ein paar Jahre gebraucht. Die Vormieter haben erzählt, dass sie sowohl mit den Obdachlosen als auch mit den Security-Leuten viel Kontakt hatten.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Lisa Böcking</em></td><td>Foto: <br /><em>Norbert Schmacke</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/69-soegestrasse/"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69.jpg" alt="" class="wp-image-11945" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/06/cover_69-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>


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