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	<title>Streetworker &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Streetworker &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>Die kommende Kälte lässt uns nicht kalt</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/die-kommende-kaelte-laesst-uns-nicht-kalt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2015 09:37:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlose]]></category>
		<category><![CDATA[Spenden]]></category>
		<category><![CDATA[Streetworker]]></category>
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					<description><![CDATA[Mehrere hundert Menschen in Bremen sind obdachlos, d. h. sie leben permanent auf der Straße. Daneben gibt es sehr viele Wohnungslose – Menschen ohne festen Wohnsitz, die in Notunterkünften oder Wohnheimen leben. Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, aber häufig sind es Schicksalsschläge wie Trennung, Gewalterfahrungen oder Jobverlust, in deren Folge Menschen auf der Straße landen. Dieses gravierende soziale Problem muss mehr Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft erfahren. Viele unserer Straßenverkäuferinnen und -verkäufer wissen aus eigener Erfahrung, an welchen Orten in der Stadt sich Menschen aufhalten, die kein Dach über dem Kopf haben. Nicht jeder und jedem sieht man es auf den ersten Blick an. Es ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass jemand im Sommer auf einer Bank im Bremer Bürgerpark oder den Wallanlagen übernachtet. Aber im Winter? Bereits bei Temperaturen, die deutlich über Null liegen, birgt die Nacht unter freiem Himmel die Gefahr des Auskühlens und Krankwerdens. Was also wird mit denen, die keinen geschützten Platz zum Schlafen haben? Oft bieten ein heißer Kaffee, eine Suppe und ein Schlafsack erste Hilfe in der größten Not. &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p>Mehrere hundert Menschen in Bremen sind obdachlos, d. h. sie leben permanent auf der Straße. Daneben gibt es sehr viele Wohnungslose – Menschen ohne festen Wohnsitz, die in Notunterkünften oder Wohnheimen leben.</p>



<p>Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, aber häufig sind es Schicksalsschläge wie Trennung, Gewalterfahrungen oder Jobverlust, in deren Folge Menschen auf der Straße landen. Dieses gravierende soziale Problem muss mehr Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft erfahren.</p>



<p>Viele unserer Straßenverkäuferinnen und -verkäufer wissen aus eigener Erfahrung, an welchen Orten in der Stadt sich Menschen aufhalten, die kein Dach über dem Kopf haben. Nicht jeder und jedem sieht man es auf den ersten Blick an. Es ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass jemand im Sommer auf einer Bank im Bremer Bürgerpark oder den Wallanlagen übernachtet.</p>



<p>Aber im Winter? Bereits bei Temperaturen, die deutlich über Null liegen, birgt die Nacht unter freiem Himmel die Gefahr des Auskühlens und Krankwerdens. Was also wird mit denen, die keinen geschützten Platz zum Schlafen haben? Oft bieten ein heißer Kaffee, eine Suppe und ein Schlafsack erste Hilfe in der größten Not.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/Streetworker_Jonas_Pot_d__Or_2_web.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="640" height="426" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/Streetworker_Jonas_Pot_d__Or_2_web.jpg" alt="Streetworker Jonas Pot d'Or" class="wp-image-6465" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/Streetworker_Jonas_Pot_d__Or_2_web.jpg 640w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/11/Streetworker_Jonas_Pot_d__Or_2_web-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 640px) 100vw, 640px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Bei Streetworker Jonas Pot d&#8217;Or können sich Hilfsbedürftige als Verkäufer:innen der Zeitschrift der Straße registrieren lassen</figcaption></figure>
</div>


<p>Streetworker sind Tag und Nacht unterwegs, um Menschen aufzusuchen, die auf der Straße leben, um ihnen zu helfen. Sie stellen auch Verkäuferausweise für die <em>Zeitschrift der Straße</em> aus und haben immer einige Ausgaben dabei, damit Neulinge des Straßenverkaufs gleich erste Erfahrungen sammeln können. Es steht allen offen, die Hilfsangebote anzunehmen. Wer Hilfe benötigt, bekommt sie &#8211; schnell und mit der notwendigen Zuwendung. Denn auch Menschen ohne Obdach und festen Wohnsitz gehören zu unseren Nachbarn.</p>



<p>Bitte ermöglichen und unterstützen Sie diese Arbeit, speziell in der kälteren Jahreszeit, und <strong><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/unterstuetzen/spenden/">spenden Sie hier</a></strong>.</p>



<p>Vielen Dank sagen die Verkäuferinnen, Verkäufer und das gesamte Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>



<p></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Reinhard &#8222;Cäsar&#8220; Spöring</em></td><td>Fotos: <br /><em>Mat Hayward/Fotolia; </em><br /><em>Verein für Innere Mission in Breme</em>n</td></tr></tbody></table></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Stopp Elend</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/stopp-elend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2015 21:28:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Streetworker]]></category>
		<category><![CDATA[Ziegenmarkt]]></category>
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					<description><![CDATA[#25 ZIEGENMARKT – Sie wollten die Verelendung aufhalten – die einen die der Junkies, die anderen die des Viertels. Ein Rückblick auf das Ende einer der größten Drogenszenen Deutschlands „Meine Damen und Her­ren, liebe Jun­kies, heute ver­tei­len wir sau­be­re Sprit­zen, wer tut es mor­gen?“, steht auf den gro­ßen Schil­dern, die sich die Stu­die­ren­den um­ge­hängt haben. Sie ste­hen auf dem Markt­platz und im Vier­tel, rund ums Siel­walleck. Sie haben Eimer dabei für die Sprit­zen. Vor allem aber in­for­mie­ren sie dar­über, wie man Dro­gen­ab­hän­gi­gen hel­fen kann. Es ist 1991 und die of­fe­ne Dro­gen­sze­ne im Bre­mer Stein­tor­vier­tel gilt als eine der größ­ten in ganz Deutsch­land. Fast alle der Süch­ti­gen sind ob­dach­los und kon­su­mie­ren auf of­fe­ner Straße. Die Jun­kies und ihre Hin­ter­las­sen­schaf­ten sind über­all zu fin­den: in Vor­gär­ten, in Haus­ein­gän­gen, auf Spiel­plät­zen. Schul­hö­fe blei­ben wäh­rend der Pau­sen wegen her­um­lie­gen­den Sprit­zen oder be­nutz­ten Kon­do­men ge­schlos­sen. Dieb­stäh­le, Ein­brü­che, Dea­le­rei und Pro­sti­tu­ti­on sind an der Ta­ges­ord­nung – ir­gend­wo­her muss das Geld für die gan­zen Dro­gen kom­men. Bil­der von aus­ge­mer­gel­ten Ge­sich­tern und sprit­zen­über­sä­ten Vor­gär­ten schmü­cken die Zei­tungs­co­ver bun­des­weit. 23 Jahre spä­ter: Im Kon­takt-Café &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#25 ZIEGENMARKT – Sie wollten die Verelendung aufhalten – die einen die der Junkies, die anderen die des Viertels. Ein Rückblick auf das Ende einer der größten Drogenszenen Deutschlands</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege.jpg"><img decoding="async" width="379" height="417" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege.jpg" alt="Zeichnung einer Ziege, Umrandung aus Spritzen" class="wp-image-6190" style="object-fit:cover" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege.jpg 379w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege-273x300.jpg 273w" sizes="(max-width: 379px) 100vw, 379px" /></a></figure>
</div>


<p>„Meine Damen und Her­ren, liebe Jun­kies, heute ver­tei­len wir sau­be­re Sprit­zen, wer tut es mor­gen?“, steht auf den gro­ßen Schil­dern, die sich die Stu­die­ren­den um­ge­hängt haben. Sie ste­hen auf dem Markt­platz und im Vier­tel, rund ums Siel­walleck. Sie haben Eimer dabei für die Sprit­zen. Vor allem aber in­for­mie­ren sie dar­über, wie man Dro­gen­ab­hän­gi­gen hel­fen kann.</p>



<p>Es ist 1991 und die of­fe­ne Dro­gen­sze­ne im Bre­mer Stein­tor­vier­tel gilt als eine der größ­ten in ganz Deutsch­land. Fast alle der Süch­ti­gen sind ob­dach­los und kon­su­mie­ren auf of­fe­ner Straße. Die Jun­kies und ihre Hin­ter­las­sen­schaf­ten sind über­all zu fin­den: in Vor­gär­ten, in Haus­ein­gän­gen, auf Spiel­plät­zen. Schul­hö­fe blei­ben wäh­rend der Pau­sen wegen her­um­lie­gen­den Sprit­zen oder be­nutz­ten Kon­do­men ge­schlos­sen. Dieb­stäh­le, Ein­brü­che, Dea­le­rei und Pro­sti­tu­ti­on sind an der Ta­ges­ord­nung – ir­gend­wo­her muss das Geld für die gan­zen Dro­gen kom­men. Bil­der von aus­ge­mer­gel­ten Ge­sich­tern und sprit­zen­über­sä­ten Vor­gär­ten schmü­cken die Zei­tungs­co­ver bun­des­weit.</p>



<p>23 Jahre spä­ter: Im Kon­takt-Café der „Drobs“ – das steht für „Dro­gen­be­ra­tungs­stel­le“ – im Ti­vo­li-Hoch­haus sitzt eine Hand­voll So­zi­al­ar­bei­te­rIn­nen um den Tisch. Nach­mit­tags kriegt man hier ’nen Kaf­fee, vor­mit­tags nut­zen die Mit­ar­bei­te­rIn­nen den Raum für Be­spre­chun­gen. Sie sind alle um die 50 und alle seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten an dem Thema dran. „Heute ist im Vier­tel nix“, sagen sie, und auch der ein­zi­ge junge Street­wor­ker-Kol­le­ge, der mit da­bei­sitzt, nickt. Ins Vier­tel geht er gar nicht mehr auf sei­nen Tou­ren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">At­trak­ti­ves Flair für Süch­ti­ge</h3>



<p>Da­mals ge­hö­ren die Frau­en mit zu den Ers­ten über­haupt, die sich hier in Bremen um Jun­kies küm­mern. „Dro­gen­ar­beit und Ka­pi­tal“ heißt ihre stu­den­ti­sche Ar­beits­grup­pe, die sich, un­ter­stützt von ein paar Pro­fes­so­ren, kun­dig macht und Kon­takt zu den Süch­ti­gen sucht. Sie fah­ren nach Hol­land, wo die Dro­gen­sze­ne schon län­ger groß ist, um sich zu in­for­mie­ren, ler­nen Sprit­zen­au­to­ma­ten und Druck­räu­me ken­nen. Ihr Ziel: „Die Ver­elen­dung der Jun­kies auf­hal­ten.“</p>



<p>An­de­re wol­len eher die „Ver­elen­dung des Vier­tels“ auf­hal­ten. Wäh­rend der 1950er- und 1960er-Jah­ren lebt hier ein bunt ge­misch­ter Hau­fen, Hip­pies, Wohn­ge­mein­schaf­ten, Stu­die­ren­de, Im­mi­gran­ten und Jun­kies. Viele Ge­bäu­de sind her­un­ter­ge­kom­men, die Miet­prei­se dem­entspre­chend güns­tig. Hier fin­den alle Platz, die To­le­ranz un­ter­ein­an­der ist ziem­lich groß – auch ge­gen­über der Dro­gen­sze­ne. „Man hatte seine Dea­ler, seine Ab­hän­gi­gen und seine Pen­ner und man kann­te sie“, drückt es ein An­woh­ner aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Viertel wird herausgeputzt</h3>



<p>Dass es ir­gend­wann zum Kon­flikt kommt, der ab den 1980ern rich­tig es­ka­liert, hängt in den Augen der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen mit der schon da­mals ein­set­zen­den Gen­tri­fi­zie­rung zu­sam­men: Nach dem Aus für die vier­spu­ri­ge „Mo­zart­tras­se“ quer durchs Quar­tier und die Hoch­haus-Plä­ne wird das Vier­tel wie­der her­aus­ge­putzt. Die Haus­be­sit­zer, man­che ehe­mals Haus­be­set­zer, wer­den älter, be­kom­men Kin­der, wün­schen sich schö­ne Vor­gär­ten und eine „si­che­re“ Um­ge­bung. „Die woll­ten schon, dass das Vier­tel span­nend ist, aber nicht so“, drückt es eine der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen aus.</p>



<p>Das Stadt­bild wan­delt sich – nur die Jun­kies, die blei­ben. Haupt­dro­ge ist He­ro­in, ein Gramm be­reits für 60 DM zu be­kom­men. Ge­fahr, von der der Po­li­zei „auf­ge­knöpft“ zu wer­den, be­steht erst ab zehn Gramm. Nir­gend­wo an­ders sind die Prei­se so güns­tig und die Ge­setz­ge­bung so li­be­ral; das Flair zieht wei­te­re Dro­gen­ab­hän­gi­ge an. Die vor­mals so to­le­ran­te Nach­bar­schaft spal­tet sich in zwei Lager, die sich ge­gen­sei­tig in die Quere kom­men. Flug­blät­ter von „Jun­kie-Ak­ti­ons­wo­chen“ wet­tern gegen die „ver­kack­ten Arsch­gei­gen die­ser Welt“: „Kommt ihr euch über­haupt nicht doof vor, auf die Straße zu gehen ‚für sau­be­re Stra­ßen‘?“</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-left">Flug­blät­ter von „Jun­kie-Ak­ti­ons­wo­chen“ wet­tern gegen die<br />„ver­kack­ten Arsch­gei­gen die­ser Welt“</h2>



<p>„Rich­ti­ge Ori­gi­na­le“ seien das da­mals ge­we­sen, die Jun­kies, er­zäh­len die So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. Es klingt wie: Nicht so be­ne­belt vom Me­tha­don wie die Sub­sti­tu­ier­ten heute. Die Stu­die­ren­den und So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen er­grei­fen da­mals nicht nur Par­tei für die Süch­ti­gen. Weil es staat­li­che An­ge­bo­te bis dato kaum gibt, or­ga­ni­sie­ren die Ak­ti­vis­tIn­nen auch ganz prak­ti­sche Hilfe, etwa durch Haus­be­set­zun­gen, um Un­ter­künf­te und Druck­räu­me zu schaf­fen.</p>



<p>Erst als 1988 im Ge­sund­heits­res­sort nicht mehr Hen­ning Scherf das Zep­ter in der Hand hält, be­kom­men die Street­wor­ke­rin­nen auch mehr staat­li­che Un­ter­stüt­zung für ihre Ar­beit. Ein VW-Bus dient als „Schutz­raum“ für die bis zu 50 Pro­sti­tu­ier­ten auf dem Dro­gen­strich in der Frie­sen­stra­ße. Die haben nicht nur Stress mit den Frei­ern, son­dern auch mit den Pro­sti­tu­ier­ten aus der He­le­nen­stra­ße, denen sie das Ge­schäft ver­mie­sen. Im Bus wer­den Wun­den ver­sorgt, Ein­weg­sprit­zen und Kon­do­me ver­teilt. Ein ähn­li­ches An­ge­bot schafft das neue Drobs-Café in der Bau­ern­stra­ße und der „Kon­takt­la­den“ in der We­ber­stra­ße. Hilfe gegen Hun­ger, Kälte und Ver­let­zun­gen – das lin­dert das Elend. Und na­tür­lich gibt es immer auch Be­ra­tung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Überlastung durch die wachsende Nachfrage</h3>



<p>Das An­ge­bot der Street­wor­ker kann dem An­sturm nicht stand­hal­ten. Ge­ra­de in den Win­ter­mo­na­ten sind der Frau­en­bus und die Be­ra­tungs­stel­le in der Bau­ern­stra­ße für viele le­bens­not­wen­dig. Was als An­ge­bot mit viel per­sön­li­chem Kon­takt und of­fe­nem Ohr für eine über­schau­ba­re An­zahl an Dro­gen­ab­hän­gi­gen ge­dacht war, wird von den un­zäh­li­gen Jun­kies re­gel­recht über­flu­tet. Die Mit­ar­bei­ter kön­nen das kaum noch be­wäl­ti­gen, 86 Dro­gen­to­te in einem Jahr schrei­ben einen neuen Re­kord. „Da die Ab­hän­gi­gen immer mehr ver­elen­den, war un­se­re Ar­beit zu­neh­mend auf die Ver­sor­gung re­du­ziert. Mit un­se­rem bis­he­ri­gen Kon­zept sind wir ge­schei­tert“, ge­steht Anton Bart­ling, der da­ma­li­ge Lei­ter des Drobs-Cafés, im De­zem­ber 1991 in einem In­ter­view.</p>



<p>In den Win­ter­mo­na­ten 1990/1991 sind die Lo­ka­le in der Bau­ern- und We­ber­stra­ße zeit­wei­lig so über­lau­fen, dass es zu re­gel­rech­ten Aus­schrei­tun­gen kommt. Den Street­wor­kern bleibt nichts an­de­res übrig, als beide An­lauf­stel­len zeit­wei­se zu schlie­ßen, um sich selbst nicht zu ge­fähr­den. Der Ver­such, die Räume zu er­wei­tern, schei­tert am star­ken Pro­test von An­woh­nern und La­den­be­sit­zern. Auch all­ge­mein wächst der Druck: Mit De­mons­tra­tio­nen, Flug­blät­tern und öf­fent­li­chen Dis­kus­sio­nen macht sich eine Bür­ger­be­we­gung rund um den Os­ter­tor­stein­weg gegen die Dro­gen­sze­ne stark. „Die woll­ten, dass das alles ein­fach ver­schwin­det“, er­in­nert sich eine der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. „Die Angst vor HIV war grö­ßer als die Angst vor zu vie­len Dro­gen­to­ten.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jun­kie-Sitz­blo­cka­de auf der Kreu­zung</h3>



<p>Auch die Po­li­tik ist unter Druck. Im Sep­tem­ber 1992 be­schließt der Senat die „Rück­bil­dung der of­fe­nen Dro­gen­sze­ne mit dem Ziel ihrer Auf­lö­sung“. Viele neh­men das zu­nächst nicht ernst. Die Jun­kies ge­hör­ten zum Vier­tel, rund um die Uhr. „Kei­ner konn­te sich vor­stel­len, dass sich das je än­dert“, sagt eine der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. „Da hing ja auch eine kom­plet­te In­fra­struk­tur dran.“</p>



<p>Doch neben der Be­reit­stel­lung von de­zen­tral über die ganze Stadt ver­teil­tem Wohn­raum be­deu­tet der Se­nats­be­schluss auch mas­si­ve Re­pres­sio­nen gegen Süch­ti­ge und Pro­sti­tu­ier­te sowie einen Abbau der be­ste­hen­den Hilfs­an­ge­bo­te im Vier­tel. Von „Er­pres­sung“ spre­chen die So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen: Zwar gibt es mehr Mit­tel für ein frau­en­spe­zi­fi­sches Me­tha­don­pro­gramm. Der Bus, der als An­lauf­stel­le für die Dro­gen­pro­sti­tu­ier­ten in der Frie­sen­stra­ße dien­te, muss aber im Ge­gen­zug sein An­ge­bot ein­stel­len. Der Sprit­zen­au­to­mat am Eck wird im Ok­to­ber 1992 ab­ge­baut. Und auch die Jun­kie-Sitz­blo­cka­de auf der Siel­wall­kreu­zung kann das Aus für die An­lauf­stel­len in der Bau­ern- und We­ber­stra­ße nicht ver­hin­dern.</p>



<p>Dro­gen­ab­hän­gi­ge, die beim Kon­su­mie­ren er­wischt wer­den, be­kom­men nun Buß­gel­der, Platz­ver­wei­se oder wer­den di­rekt aufs Po­li­zei­re­vier ge­bracht. Die ört­li­chen Zel­len sind so über­füllt, dass die Be­am­ten die Ab­hän­gi­gen manch­mal ein­fach nur in einem an­de­ren Stadt­teil ab­set­zen. Mit Kon­trol­len und Buß­gel­dern geht die Po­li­zei auch gegen die Pro­sti­tu­ier­ten und Frei­er in der Frie­sen­stra­ße vor – nicht, um die Dro­gen­pro­sti­tu­ti­on zu ver­hin­dern, son­dern, um sie an den Holz­ha­fen zu ver­le­gen. In „Bür­ger-In­for­ma­tio­nen“, die sich an Frei­er rich­ten, kün­digt der In­nen­se­na­tor „Vor­la­dun­gen an Ihre Woh­nungs­an­schrift“ an und warnt vor „pein­li­chen Si­tua­tio­nen“. Dro­gen­ab­hän­gi­ge Pro­sti­tu­ier­te, die wei­ter­hin im Sperr­ge­biet ihre Diens­te an­bie­ten, lan­den rei­hen­wei­se im Ge­wahr­sam – 35 Frau­en täg­lich sind es Mitte der 1990er.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Angst vor HIV war grö­ßer als die Angst vor zu vie­len Dro­gen­to­ten</h2>



<p>1995 zieht die Drobs von der Bau­ern­stra­ße ins Ti­vo­li-Hoch­haus um. Die Zahl der Süch­ti­gen, die mit Me­tha­don sub­sti­tu­iert wer­den, steigt von 200 im Jahr 1991 auf 1.000. „Im Stein­tor ist es so ruhig wie seit zehn Jah­ren nicht mehr“, kon­sta­tiert der Po­li­zei­re­vier­lei­ter. Die Lei­te­rin der Drobs zieht 1996, ein Jahr nach dem Umzug, eine ge­misch­te Bi­lanz: Zwei Drit­tel ihrer Kli­en­tIn­nen aus dem Vier­tel kämen wei­ter­hin vor­bei, dafür such­ten nun auch Ab­hän­gi­ge Rat, die zuvor das Um­feld der of­fe­nen Szene im Vier­tel ge­scheut hät­ten. Die Si­tua­ti­on der Jun­kies im Vier­tel aber habe sich mas­siv ver­schlech­tert: Das Klima sei rück­sichts­lo­ser ge­wor­den, die Ver­elen­dung habe zu­ge­nom­men.</p>



<p>Die So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen, die einst im VW-Bus in der Frie­sen­stra­ße hal­fen und in­zwi­schen bei der Come­back GmbH im Ti­vo­li-Hoch­haus ar­bei­ten, sind bis heute wü­tend über das ra­bia­te Vor­ge­hen von Po­li­tik und Po­li­zei da­mals. Das Wohl der Süch­ti­gen habe keine Rolle mehr ge­spielt, ur­tei­len sie: „Un­se­re Be­mü­hun­gen wur­den zer­schla­gen.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Char­lett Wenig</em></td><td>Bild: <br /><em>Susan Buckow</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/25-ziegenmarkt/"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25.jpg" alt="" class="wp-image-11793" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-1200x800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>



<p></p>
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