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	<title>Migration &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Migration &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>Am Ende dieser Straße</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/am-ende-dieser-strasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Melis Sivasli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 18 Oct 2024 08:55:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
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		<category><![CDATA[Kampa]]></category>
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		<category><![CDATA[Wohnen]]></category>
		<category><![CDATA[zds]]></category>
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					<description><![CDATA[#92 H.-H.-MEIER-ALLEE. In den Kampa-Häusern leben seit Jahrzehnten Geflüchtete immer neuer Kriege und Konflikte. Was für die Behörden eine Übergangslösung ist, nennen andere ihr Zuhause]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#00965c" class="has-inline-color">#92 H.-H.-MEIER-ALLEE. In den Kampa-Häusern leben seit Jahrzehnten Geflüchtete immer neuer Kriege und Konflikte. Was für die Behörden eine Übergangslösung ist, nennen andere ihr Zuhause</mark></h2>



<p>Beim nachträglichen Zählen beginnt man doch zu staunen: 2, 3, …, 6, 7, 8, …, 17 – mehr als 20 Kinder und Jugendliche sind uns beim Besuch der „Kampa-Häuser“ begegnet. Als wir weggehen, wuseln mindestens zehn der Jüngeren auf dem kleinen Gehweg herum, sprechen uns an und sind so unbefangen neugierig und fröhlich, dass es doch noch kein Tschüss geben kann. Wie alt bist du? Und du? Kannst du von mir ein Foto machen? Von mir auch! Kann ich auch mal ein Foto machen? Und damit geht’s erst so richtig los. </p>



<p class="has-white-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-4ebbb6d14f4a6388ff7780bcf7102711" style="background-color:#00965c"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0)" class="has-inline-color has-white-color">Aber was sind „Kampa-Häuser“? Sie stehen am Ende der H.-H.-Meier-Allee, acht einstöckige Holzdoppelhäuser mit ausgebautem Dach, benannt nach ihrem Hersteller. </mark>Die Fertigbauten dienen als Übergangsunterkünfte. Die senatorische Sozialbehörde ließ sie Anfang der Neunzigerjahre aufstellen, als der Zerfall der ehemaligen Sowjetunion die sogenannten Spätaussiedler nach Deutschland führte. Die Häuser sind stabiler als Container oder Modulbauten, günstig und schnell zu errichten. </p>



<p>Und obwohl sie nicht lange stehen sollten, sind sie immer noch da. Denn kurz nach ihrer ersten Nutzungsgeneration brachten die kriegerischen Balkan-Konflikte und die Auflösung Jugoslawiens viele Geflüchtete nach Bremen. Sozialbehördensprecher Bernd Schneider erklärt zur weiteren Entwicklung: „Nach zunächst rückläufigen Migrantenzahlen stiegen sie ab 2011 durch die Ereignisse in Syrien wieder an. Seitdem stiegen sie exponentiell – bis zum Höchststand 2015.“ Zahllose Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Ländern flohen vor Kriegen, Hunger und Zerstörung nach Europa. Die Häuser wurden weiter gebraucht und ihre Standzeit verlängert. </p>



<p>Schauen wir uns ihre Lage in der H.-H.-Meier-Allee näher an: Längs zwischen den Bahngleisen der Linie 6 und der Kleingartenanlage „Kornblume“ liegen die Häuser am Straßenende für sich. Dort steht sonst nichts, weil das Gebiet eigentlich kein Bauland ist. Mit roten Dächern und in freundlichem Gelb, Hellblau und Weiß erinnern die Kampa-Häuser an hübsche Sommerbehausungen. Dabei sind sie winterfest und auf 95 Quadratmetern mit fünf Zimmern, Küche und Bad recht geräumig. Trockenplätze für Wäsche, kleinformatige Terrassen, ein schmaler Gartenstreifen sowie Schuppen gehören dazu. Autofreiheit ist garantiert, denn die Straße endet für Kfz noch vor der Siedlung. Und die große Fahrradmeile nach Horn verläuft auf der anderen Gleisseite. Vor den Häusern gibt es nur den schmalen Fußweg und einen Fahrradweg hinter dem Grünstreifen: ein Kinderparadies. </p>



<p>Wer dort vorübergehend wohnen darf, entscheidet die Sozialbehörde als Eigentümerin. Sie sucht mindestens achtköpfige Familien aus Übergangswohnheimen aus, mit deren Betreuung wiederum die Arbeiterwohlfahrt (AWO) beauftragt wird. Die Wohnerlaubnis ist befristet, zurzeit auf 24 Monate. In Ausnahmefällen verlängert die Behörde zwar, aber Bernd Schneider betont: „Nutzung so kurz wie möglich!“ Denn die Menschen sollen schnellstmöglich „normal“ wohnen, um sich besser integrieren zu können.</p>



<h2 class="wp-block-heading"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#00965c" class="has-inline-color">An diesem schwülwarmen Spätsommertag möchten wir mehr über das Wohnen dort erfahren. Aufgehängte Wäsche und ein paar Kinder verraten zunächst noch wenig über das Leben hier. Aber vorsichtiges Anklopfen öffnet Türen. </mark></h2>



<p>Hier leben Menschen aus verschiedensten Nationalitäten. Wir lernen drei syrische Familien kennen. Die Verständigung ist kein Problem, denn die älteren Kinder sprechen gut Deutsch und übersetzen für die Eltern, wenn es nötig wird. Wie und wo sie das gelernt haben? In der Schule, mit anderen Kindern, draußen. Zur ersten Familie gehören sechs Kinder, in den anderen beiden leben jeweils sieben Töchter und Söhne. Alle wohnen gerne in diesen Häusern, erfahren wir. Wie ist das Leben? Die Zweitälteste ihrer Familie berichtet von ihrem Schulbesuch: Sie steht früh auf, auch wenn die Nächte nicht immer ruhig sind, weil manche [Kinder von nebenan] abends lange draußen bleiben. Die Wohnung aber findet sie: „perfekt!“ </p>



<p>Obwohl ihr Vater arbeitet und Geld verdient, wohnt die Familie noch immer hier im Kampa-Haus. Sie suchen bereits seit vier Jahren, finden aber keine andere Wohnung. „Jedes Haus hier hat viele Geschichten“, sagt die 19-jährige Shahed, das älteste von sieben Kindern der [Familie nebenan]. Bevor sie hierherkamen, lebten sie unter beengten Verhältnissen im Übergangswohnheim. Schrecklich sei es dort gewesen, ganz anders als jetzt: „Wir haben hier ein Wohlgefühl!“, sagt Shahed und strahlt. Sie steht vor dem Fachabitur. Danach möchte sie vielleicht Architektin werden, oder jedenfalls erst mal ein Praktikum in dem Bereich machen.</p>



<p>Das ist Welten entfernt vom knappen Bericht, den uns ihr Bruder Aziz über die Zeit zuvor gibt – vor der Zeit in Deutschland: Mit 10 Jahren schlug er sich 2015 aus der Türkei, wohin die Familie geflohen war, über Griechenland nach Deutschland durch: allein, in 15 Tagen. Sein schlimmstes Erlebnis war die furchtbare Überfahrt in einem überfüllten Gummiboot. Er kann sich erinnern, dass er unten lag und bei hohem Seegang immer wieder andere auf ihn fielen. Sein Auge wurde verletzt, aber er schaffte es. In der Bundersrepublik bekam er Hilfe. Als seine Familie zwei Jahre später nachkam, hatte Aziz so viel Deutsch gehört und gesprochen, dass er Arabisch erst wieder üben musste. </p>



<p>Auch der heute zwölfjährige Mustafa aus der [Familie nebenan] erinnert sich noch an den Krieg und Stationen der langen Flucht. 2015 hat die Familie Syrien über die Türkei verlassen, wo sie sich drei Jahre lang aufhielt. Mustafas Oma und ein Onkel blieben dort, die anderen leben seit 2018 in Deutschland. Sein Bruder Taim ist vier Jahre alt und stolz, dass er mitt lerweile in die AWO-Kita „Singdrossel“ gehen kann. Die befindet sich in einem der Häuser und ist auch anderen Kindern zugänglich.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1250" height="834" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1.jpg" alt="" class="wp-image-10893" title="" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1-600x400.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/92-001-1250x834-1-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></figure>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><sup>Hinter jeder Tür gibt es hier andere Familien- und Fluchtgeschichten zu hören.</sup></p>
</blockquote>



<h2 class="wp-block-heading"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#00965c" class="has-inline-color">Aber die Zeit läuft weiter: In vier Monaten sollen zwei der Familien ihre Wohnung geräumt haben. Nicht nur Mustafa träumt davon, statt dessen bald ein schönes Haus zu finden. </mark></h2>



<p>Das derzeit größte Problem aller Familien dort ist wohl, dass ihre Wohnfrist zwar längst abgelaufen ist, sie aber entweder keine Wohnungen finden oder sie dann nicht bekommen. Shahed erzählt, dass sie einmal sehr gerne eine Wohnung von ungefähr 94 Quadratmetern genommen hätt en. „Uns hätte das gereicht, aber die wollen uns nicht.“ Die Wohnung sei zu klein für so eine große Familie. Auch ihre [Nachbar:innen] sind unsicher, wie es weitergeht. Alle haben Angst, ins Wohnheim zurück müssen, wenn sie nichts anderes finden.</p>



<p class="has-white-color has-text-color has-background has-link-color wp-elements-275990b9e4120fb3ef71c5d725821627" style="background-color:#00965c">Aber wie sieht es überhaupt aus mit Wohnraum in der Stadt? Auch urbremische Familien mit vier Kindern suchen oft jahrelang. Und weil es kaum große Wohnungen gibt, steigen die Preise immer weiter. Wie sollen da erst große Migrantenfamilien etwas finden? Das ist die zentrale offene Frage zum sozialen Wohnungsbau – und zwar für alle Suchenden unabhängig von Herkunft und Geschichte. Im „Wohnungsbaukonzept Bremen 2020“ des Bausenats von 2009 heißt es programmatisch, Bremen solle bis „2020 eine grüne Stadt am Wasser mit hohen Erholungs- und Umweltqualitäten“ werden „und eine sozial gerechtere“. Es lässt sich darüber streiten, ob das erreicht ist.</p>



<p>Das Problem ist bei der Sozialbehörde grundsätzlich bekannt. Tatsächlich gab es ja auch immer wieder Verlängerungen, was aber naturgemäß nur eine vorübergehende Lösung sein kann. Man versucht es aber an allen möglichen Ecken und Enden: „Seit 2015 vermittelt die AWO jährlich aus sämtlichen Übergangswohnheimen und unterstützt Geflüchtete bei der Wohnraumsuche“, sagt Sprecher Bernd Schneider. Außerdem verweist er auf die AiQ-Beratungsstellen „Ankommen im Quartier“, die es inzwischen in acht Bremer Stadtteilen gibt.</p>



<p>Doch zurück zu den Suchenden am Ende der H.-H.-Meier-Allee: Alle, mit denen wir hier sprachen, haben Unbeschreibliches erlebt. Als Zuhörende können wir nur eine leise Ahnung dieser Lebenswirklichkeit bekommen. Was zum Beispiel bedeutet es für Shaheds Familie, dass das einst schöne und hochkultivierte ar-Raqqa mit seinen 8.000 Jahre alten Siedlungswurzeln heute zu 80 Prozent zerstört ist? Dass zivilisiertes Leben dort kaum mehr existiert? Shahed ist eine von vielen, die in ihr Land zurückkehren wollen. Sie möchte in Deutschland etwas lernen, womit sie dann beim Wiederaufbau ihrer Stadt helfen kann. Auch dazu muss sie hier wohnen können.</p>



<p>Natürlich müssen sie Kompromisse eingehen und sich anpassen. Das beginnt bereits beim neuen Nachnamen, der dieser Familie auf dem Irrweg hierher sozusagen zugefallen ist. „Wir heißen jetzt K. mit Nachnamen. Aber das ist eigentlich nicht unser Name“, sagt Shahed, „doch jetzt heißen wir so.“ Wie kam das? Auf dem langen Weg nach Deutschland hat man den Namen dieser Familie mit dem einer anderen vertauscht. Die Familie nimmt es gelassen, sie haben Schlimmeres erlebt. Nur haben sie jetzt Schwierigkeiten, entferntere Verwandte besuchen zu dürfen, weil diese sie wegen des Namens nicht mehr Verwandte nennen. „Wenn wir von Familie sprechen, meinen wir mehr Menschen, als man hier meint. Nicht nur die Eltern und Kinder. Auch die Großeltern, Tanten und Onkel“, erklärt Shahed. In ar-Raqqa haben sie noch mit vielen in einem großen Haus gewohnt.</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-79f073cf44e66df39892ac430a27f5d2" style="color:#00965c">Namen haben Bedeutungen. Shahed bedeutet „Honig“ und Nurhan, der Name ihrer Mutter, gleicht einem Gemälde ihrer Ausstrahlung: „Sonnenlicht“. Vor den Häusern ist es nach zwei Stunden belebter. „Kommt ihr wieder?“, ruft ein Mädchen zum Abschied. Klar. Das muss bald sein, damit wir sie hier noch antreffen – den Honig, das Sonnenlicht und die vielen anderen mit den poetischen Namen.</h2>



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<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p>Text: Ulrike Plappert<br /><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#00965c" class="has-inline-color"><em>Nach ihrem Besuch in den Kampa-Häusern sagt sie: „Wir schaffen das“ ist wesentlich komplexer als gedacht. Sie dankt den Familien für ihre Offenheit</em>.</mark></p>
</div>



<div class="wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow">
<p class="has-black-color has-text-color has-link-color wp-elements-3fde734e0a52cb85646a40b779070a96">Fotos: Wolfgang Everding<br /><em><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#00965c" class="has-inline-color">Kennt die Kampa-Häuser von Baubeginn an. Auf so engem Raum mit neun Personen zu leben, erfordert große Disziplin und Rücksichtnahme.</mark></em></p>
</div>
</div>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/92-h-h-meier-allee/"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee.jpg" alt="" class="wp-image-11103" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-1200x800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>



<p></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Herr Fan hatte einen Plan</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/herr-fan-hatte-einen-plan/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 30 Apr 2016 16:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Chemie]]></category>
		<category><![CDATA[China]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[#38 HORNER KIRCHE – Er kam aus China, machte in Bremen seinen Doktor und träumte von einer Karriere in der Chemieindustrie. Heute verkauft er asiatische Lebensmittel in Horn Ping Fan (Foto) sitzt auf einer kleinen Bank an der Tür und wartet. Er beugt sich vor zu seinem Laptop, der der neben ihm auf einem Hocker steht, und tippt etwas hinein. Und wartet weiter. Ein älterer Herr betritt den Laden, geht an Fan vorbei und steuert auf einen Raum zu, indem dutzende Säcke Reis in den verschiedensten Größen liegen. Er nimmt einen und geht damit zur Kasse. Er hat einen Jutebeutel dabei und versucht, den Reissack hinein zu stecken. „Das sieht ganz schön klein aus“, sagt Fan zu seinem Kunden. „Meine Frau meinte, das passt.“ – „Na, dann wird das wohl stimmen, Frauen haben ja immer Recht“, antwortet Fan. Die Männer lachen, als der Reis schließlich tatsächlich in den Beutel passt. Seine Kunden zu beraten und mit ihnen zu scherzen, das ist für Fan das Schönste an seiner Arbeit. Im Sommer vor bald drei Jahren hat &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#38 HORNER KIRCHE – Er kam aus China, machte in Bremen seinen Doktor und träumte von einer Karriere in der Chemieindustrie. Heute verkauft er asiatische Lebensmittel in Horn</h2>



<p>Ping Fan (Foto) sitzt auf einer kleinen Bank an der Tür und wartet. Er beugt sich vor zu seinem Laptop, der der neben ihm auf einem Hocker steht, und tippt etwas hinein. Und wartet weiter. Ein älterer Herr betritt den Laden, geht an Fan vorbei und steuert auf einen Raum zu, indem dutzende Säcke Reis in den verschiedensten Größen liegen. Er nimmt einen und geht damit zur Kasse. Er hat einen Jutebeutel dabei und versucht, den Reissack hinein zu stecken. „Das sieht ganz schön klein aus“, sagt Fan zu seinem Kunden. „Meine Frau meinte, das passt.“ – „Na, dann wird das wohl stimmen, Frauen haben ja immer Recht“, antwortet Fan. Die Männer lachen, als der Reis schließlich tatsächlich in den Beutel passt. Seine Kunden zu beraten und mit ihnen zu scherzen, das ist für Fan das Schönste an seiner Arbeit.</p>



<p>Im Sommer vor bald drei Jahren hat Fan den Laden von seinen beiden Tanten übernommen, als sie in Rente gingen. „Asia Shopping Bremen – Dong Fan“ ist ein Lebensmittelladen, in dem es alles gibt, was zur asiatischen Küche gehört. Auf 200 Quadratmetern, in Regalen, Tiefkühltruhen und Kühlschränken, finden sich Tees, getrocknete Früchte, Bier aus Shanghai, Schmuck, Tintenfisch speziell für Sushi, Enteneier, Soßen, Nudeln und jede Menge Reis. 2004 eröffneten Fans Tanten den Laden in Horn, weil hier im Studentenheim so viele asiatische Studenten lebten. Doch es kommen schon lange nicht mehr nur Studenten, erzählt Fan. Er habe viele Stammkunden und momentan kämen immer mehr neue Kunden dazu.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie Fan aus China in Bremen ein neues Leben begann – und nie den Plan hatte, einen Laden zu übernehmen</h3>



<p>Zwei kleine Jungen rennen in den Laden und direkt weiter zum Regal mit den Instantnudeln. Jeder nimmt sich eine kleine Packung und dann gehen sie schnell zur Kasse. Sie legen ihr Geld passend auf den Tisch, schon sind sie in der Straßenbahn verschwunden, die direkt vorm Laden hält. Fan hatte nie den Plan, den Laden zu übernehmen. Vor zwölf Jahren kam er aus ganz anderen Gründen nach Deutschland. Fan wuchs in einer Kleinstadt im Nordwesten Chinas auf. Zum Studieren zog er 1996 nach Hunan in den Süden Chinas. Hier machte er seinen Bachelor als Chemieingenieur und arbeitete vier Jahre in diesem Beruf. „Aber ich hatte noch nicht genug Kenntnisse in Chemie“, sagt Fan, daher entschloss er sich, erneut zu studieren. Aber nicht China. „Deutschland ist sehr gut in meinem Fachgebiet und ich fand das Land schon immer toll“, erklärt Fan. Und weil ein Teil seiner Familie bereits in Bremen lebte, schrieb er sich an der Uni Bremen ein, um seinen Master als Chemieingenieur zu machen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Chemieingenieur zum Familienvater: Fans Weg zwischen Studium, Job und Heimatliebe</h3>



<p>Obwohl er in China einen Abendkurs besucht hatte, fiel es ihm anfangs schwer, Deutsch zu lernen. Das ging seiner heutigen Frau Ying Xin genauso. Sie kommt auch aus China, die beiden lernten sich während ihres Chemiestudiums in Bremen kennen. Mittlerweile haben sie eine zweijährige Tochter und im Herbst erwarten sie ihr zweites Kind.</p>



<p>Nach seinem Masterstudium promovierte Fan in analytischer Chemie. Einen Job als Chemieingenieur fand Dr. Fan aber nie. Anders als seine Frau. „Ich habe zwölf Jahre studiert und trotzdem keinen vernünftigen Job gefunden. Das finde ich schon sehr schade“, sagt Fan, der dieses Jahr 39 Jahre alt wird. Das läge auch daran, dass im Norden Deutschlands weniger Chemiker gesucht würden als im Süden.</p>



<p>Einfach wegzuziehen kommt für ihn aber nicht in Frage: „Ich liebe Bremen! Meine Frau hat einen guten Job und meine Tochter viele Freunde im Kindergarten. Wegzuziehen wäre viel zu umständlich. Ein Job in meinem Fachgebiet wäre natürlich besser … Aber auch mehr Stress. Es gibt immer Vorteile und Nachteile.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fans Rückblick auf seinen Weg nach Bremen</h3>



<p>Montags bis samstags ist Fan ab neun Uhr morgens im Laden und bestückt die Regale, bevor die Kunden kommen. Unter der Woche hat er bis sechs geöffnet, samstags bis vier. Mittags macht er sich meist eine Instantsuppe warm, mehr Zeit bleibt nicht. Selbst sonntags ist er im Laden und schreibt Bestelllisten für die Großhändler. So sehen seine Tage aus. Erst nach kurzem Zögern sagt Fan, er sei zufrieden.</p>



<p>Ob er alles noch einmal so machen würde in seinem Leben? „Ich kann nicht mehr zurückgehen. Aber wenn, würde ich mehr Praktika bei Firmen machen, um leichter einen Job zu finden. Vielleicht würde ich auch etwas ganz anderes studieren. Aber nach Deutschland auswandern, das würde ich wieder genauso machen.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Sophie Sommer</em></td><td>Bild: <br /><em>Norbert Schmacke</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/38-horner-kirche/"><img decoding="async" width="1875" height="1250" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38.jpg" alt="" class="wp-image-11854" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38.jpg 1875w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38-1536x1024.jpg 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/04/cover_38-1200x800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1875px) 100vw, 1875px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>„Es ist ein Teufelskreis“</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/es-ist-ein-teufelskreis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Apr 2016 19:34:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Bulgarien]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
		<category><![CDATA[Roma]]></category>
		<category><![CDATA[Rumänien]]></category>
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					<description><![CDATA[Neben deutschen Obdachlosen und von Armut Betroffenen verkaufen auch einige Rumänen und Bulgaren die Zeitschrift der Straße. Bernd Buhrdorf, Migrationsberater der AWO, kennt ihre Situation Herr Buhrdorf, wie ist die rechtliche Lage von Rumänen und Bulgaren in Deutschland? Wir sind ja eigentlich ein vereinigtes Europa. Und in der EU haben alle Bürger das Recht, in einem anderen EU-Land nach Arbeit zu suchen und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Das nennt sich Freizügigkeit. Bis Ende 2013 galt für Rumänien und Bulgarien aber eine eingeschränkte Freizügigkeit – für Kroatien sogar bis Juli 2015. Personen aus diesen Ländern mussten eine gesonderte Arbeitserlaubnis beantragen, Deutsche wurden in den meisten Fällen vorrangig eingestellt. Diese Einschränkungen lockern sich jedoch allmählich. Das klingt aufwendig. In der Zeit bis 2014 habe ich persönlich kaum Rumänen oder Bulgaren getroffen, die die Chance hatten, mit Arbeitserlaubnis in Arbeit zu kommen. Heute, wo sie keiner Arbeitserlaubnis mehr bedürfen, ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt etwas erleichtert worden. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Zum einen natürlich die fehlenden Sprachkenntnisse. Dann haben viele &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Neben deutschen Obdachlosen und von Armut Betroffenen verkaufen auch einige Rumänen und Bulgaren die Zeitschrift der Straße. Bernd Buhrdorf, Migrationsberater der AWO, kennt ihre Situation</h2>



<h3 class="wp-block-heading">Herr Buhrdorf, wie ist die rechtliche Lage von Rumänen und Bulgaren in Deutschland?</h3>



<p>Wir sind ja eigentlich ein vereinigtes Europa. Und in der EU haben alle Bürger das Recht, in einem anderen EU-Land nach Arbeit zu suchen und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Das nennt sich Freizügigkeit. Bis Ende 2013 galt für Rumänien und Bulgarien aber eine eingeschränkte Freizügigkeit – für Kroatien sogar bis Juli 2015. Personen aus diesen Ländern mussten eine gesonderte Arbeitserlaubnis beantragen, Deutsche wurden in den meisten Fällen vorrangig eingestellt. Diese Einschränkungen lockern sich jedoch allmählich.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das klingt aufwendig.</h3>



<p>In der Zeit bis 2014 habe ich persönlich kaum Rumänen oder Bulgaren getroffen, die die Chance hatten, mit Arbeitserlaubnis in Arbeit zu kommen. Heute, wo sie keiner Arbeitserlaubnis mehr bedürfen, ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt etwas erleichtert worden. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Zum einen natürlich die fehlenden Sprachkenntnisse. Dann haben viele der Leute zu Hause in Berufen gearbeitet, die war toll sind, die man hier aber nicht mehr braucht, etwa als Messerschleifer oder fahrende Landleute. Und zum dritten sind Rumänien und Bulgarien zwei Länder, aus denen viele Roma zu uns kommen – und diesem Personenkreis gegenüber haben Arbeitgeber sehr große Vorbehalte. Da gibt’s noch immer dieses Vorurteil: Wenn die Zigeuner kommen, dann müssen Sie die Wäsche in Sicherheit bringen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was passiert, wenn Menschen aus anderen EU-Ländern bei uns sind und keine Arbeit finden?</h3>



<p>Erst einmal haben alle EU-Bürger sechs Monate Zeit, eine sozial­versicherungs­pflichtige Arbeit zu finden. Wenn ihnen das nicht gelingt, müssen sie eigentlich zurückgeschickt werden. Aber das habe ich ehrlich gesagt noch nicht erlebt. Die Grenzen sind ja auch offen, die Leute können hin- und herpendeln.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Haben die Menschen denn in dieser Zeit Anspruch auf staatliche Unterstützung?</h3>



<p>Nein. Um Ansprüche zu erwerben nach dem Sozialgesetzbuch, muss man mindestens einen Tag versicherungs­pflichtig tätig gewesen sein. Dann bekommt man maximal ein halbes Jahr SGB-2-Leistungen, also Hartz IV. Eine weitere Hürde ist, dass man, um Hartz IV zu bekommen, ein Wohnung haben und einen Mietvertag vorweisen muss.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Aber eine Wohnung zu bekommen, wenn man keine Arbeit hat, ist schwer.</h3>



<p>Ja, das ist ein Teufelskreis. Ich kenne einige Rumänen und Bulgaren, die dann bei Freunden und Bekannten unterkommen, mit mehreren Leuten in einer kleinen Zweizimmerwohnung zum Beispiel. Die kriegen dann irgendwann vom Vermieter die Räumungsklage, und dann war es das wieder. Selbst Roma, die sozial­versicherungs­pflichtig arbeiten, tun sich sehr schwer damit, eine Wohnung zu finden. Während es für Flüchtlinge zum Beispiel Wohnraum-Kontingente gibt und sogar manche Privatleute freiwillig Wohnungen anbieten, liegt die Chance für die Roma nahezu bei Null. So werden viele obdachlos.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Können die Menschen denn in Notunterkünften unterkommen?</h3>



<p>Kurzfristig ja. Aber wenn sie keine Ansprüche auf Hartz IV erworben haben, weil sie noch nicht sozial­versicherungs­pflichtig gearbeitet haben, dürfen sie nicht länger in der Notunterkunft bleiben und müssen wieder auf die Straße. Ähnlich geht es diesen Menschen übrigens auch mit der Krankenversorgung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wie ist die geregelt?</h3>



<p>Die Personen, die zu uns kommen, sind ja nicht über das Jobcenter kranken­versichert. Und das heißt meist: Die sind dann gar nicht kranken­versichert. Manche bringen zwar eine Reise­kranken­versicherung mit, die greift aber in den seltensten Fällen. Im Gesundheitsamt gibt es eine humanitäre Sprechstunde, da werden die Menschen teilweise erstversorgt. Und um Krankenhilfen zu erhalten, etwa einen Zahnersatz, muss man erst mal ein Jahr lang hier sein und Gelder vom Amt für Soziale Dienste beziehungs­weise vom Jobcenter bezogen haben – die man ja nur bekommt, wenn man schon mal sozial­versicherungs­pflichtig gearbeitet hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Was sind denn dann die Optionen dieser Menschen bei uns?</h3>



<p>Manche finden Arbeit als Bauhelfer, andere als Putzkräfte. Oft nur für kurze Zeit. Einige machen sich auch selbstständig, etwa als Schrotthändler, die können dann aufstockende Leistungen nach dem sogenannten Hartz IV beantragen. Der Regelsatz bei Hartz IV liegt derzeit bei 404 Euro. Wenn also jemand durch die Selbstständigkeit Einnahmen von 300 Euro hat, werden nach Abzug eines Freibetrages in Höhe von 140 Euro die verbleibenden 160 Euro als Einkommen gegengerechnet, so dass er nur noch einen Anspruch auf ergänzende Leistungen von 244 Euro hat – und zusätzlich die Miete bezahlt bekommt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Nicht wenige der Menschen kommen ja mit ihrer Familie. Haben sie denn Anspruch zum Beispiel auf Kindergeld?</h3>



<p>Kindergeld bekommen die Menschen, wenn die Kinder hier sind und sie nachweisen können, dass die Kinder zu Hause auch Kindergeld­anspruch gehabt hätten. Leben die Kinder etwa in Rumänien bei den Großeltern, bekommen die Eltern, die hier arbeiten, nichts. Man muss auch bedenken: Alles, was die Leute zusätzlich bekommen, wird beim Jobcenter gegengerechnet. Das Kindergeld gilt dort nämlich als Einkommen. Damit wird man also nicht „reich“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sie erwähnten als eine große Hürde mangelnde Deutschkenntnisse. Gibt es denn Möglichkeiten, entsprechende Kurse zu besuchen?</h3>



<p>Nein. Für diesen Personenkreis gibt es in Bremen derzeit keine Deutschkurse, es sei denn, sie sind in Arbeit und bekommen ergänzende Hilfen vom Jobcenter. Dann wird der Integrationskurs finanziert. Das war mal anders, aber derzeit hat Bremen einfach kein Geld für solche Kurse.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Hürden sind also sehr hoch.</h3>



<p>Das kann man sagen. Die meisten laufen unter den Hürden durch. Viele, die ich kennengelernt habe, sammeln einfach Flaschen und leben von dem Pfand. Andere gehen schwarzarbeiten, wieder andere verkaufen zum Beispiel die Zeitschrift der Straße.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wobei der Verkauf der Zeitschrift der Straße laut einem aktuellen Bescheid der Rentenversicherung nicht als sozial­versicherungs­pflichtiges Beschäftigungs­verhältnis gilt – und wegen der geringen Einkünfte auch nicht als selbstständige Tätigkeit funktioniert, sondern nur ein Zubrot sein kann.</h3>



<p>In Bremen dürfen diese Menschen übrigens nicht einmal zur Bremer Tafel gehen. Denn wenn sie keine Leistungen vom Jobcenter beziehen, haben sie auch dort keinen Anspruch.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Sie erleben regelmäßig solche Schicksale. Wie ist das für Sie persönlich?</h3>



<p>Die Roma sind ein Personenkreis, der mir leidtut.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Warum?</h3>



<p>Weil wir hier in der Integrationsberatung zu wenig machen können. Natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, bei denen ich mich ärgere. Weil sich manche der Roma auch schwer damit tun, sich an gewisse Regeln zu halten. Treffen klappen oft nicht, mangelnde Pünktlichkeit ist ein großes Thema. Andere lernen einfach die Sprache nicht, auch wenn sie es theoretisch könnten. Aber viele wollen sich gern integrieren. Sie bekommen nur von der Gesellschaft zu wenig Chancen hierzu – und werden ganz einfach ausgesiebt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Wenn die Aussichten hier so schlecht sind: Warum bleiben die Leute hier?</h3>



<p>Weil es ihnen da, wo sie herkommen, noch schlechter gehen würde. Als Roma werden sie in den Heimatländern diskriminiert und verfolgt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Herr Buhrdorf, vielen Dank für das Gespräch.</h3>



<p>Bernd Buhrdorf arbeitet bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Bremen als Berater im Fachdienst für Migration und Integration.<br /></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Tanja Krämer</em></td><td>Foto: <br /><em>Kimmo Räisänen</em>/<em>flickr.com</em></td></tr></tbody></table></figure>
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