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	<title>Wohnraum &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Wohnraum &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>Von Lernprojekt zu Lernprojekt</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/von-lernprojekt-zu-lernprojekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 10 Feb 2018 07:13:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Lernprojekt]]></category>
		<category><![CDATA[Reihersiedlung]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtentwicklung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnraum]]></category>
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					<description><![CDATA[Nachdem sie in der Zeitschrift der Straße von der Reihersiedlung gelesen hatten, entwickelten Studierende aus Oldenburg eigene Konzepte für die Schlichtbauten Viele Menschen machen sich derzeit Gedanken über die Zukunft der Reihersiedlung, einem Ensemble von Schlichtbauten in Bremen-Oslebshausen. Nur die Vonovia nicht so richtig – der sie aber gehören. Nachdem die Zeitschrift der Straße der Reihersiedlung im vergangenen April eine eigene Ausgabe gewidmet hatte, haben nun zehn studentische Teams der Jade-Hochschule aus Oldenburg städtebauliche Entwürfe zur Zukunft der Siedlung entwickelt: ein Lernprojekt bringt ein Lernprojekt hervor. Die Ergebnisse sind bis Ende Februar in der Stadtteilbibliothek West in Gröpelingen zu sehen. „Es geht nicht darum, Lösungen zu finden“, sagt Hartmut Stechow, Professor für Städtebau an der Jade-Hochschule, der für seine Studierenden einen professionellen Wettbewerb mit Fachjury und Geldpreisen organisiert hatte. Er will Ideen für soziale Stadtentwicklung ausarbeiten. In der Reihersiedlung gab es ursprünglich 52 Wohnungen, doch ein Großteil steht mittlerweile leer. Wer hier noch in einem der Häuschen lebt, hat noch einen Holzofen, dafür zahlt er für knapp 40 Quadratmeter aber auch nur 170 Euro Kaltmiete. &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">Nachdem sie in der Zeitschrift der Straße von der Reihersiedlung gelesen hatten, entwickelten Studierende aus Oldenburg eigene Konzepte für die Schlichtbauten</h2>



<p>Viele Menschen machen sich derzeit Gedanken über die Zukunft der Reihersiedlung, einem Ensemble von Schlichtbauten in Bremen-Oslebshausen. Nur die Vonovia nicht so richtig – der sie aber gehören. <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/47-reihersiedlung/">Nachdem die <em>Zeitschrift der Straße </em>der Reihersiedlung im vergangenen April eine eigene Ausgabe gewidmet hatte</a>, haben nun zehn studentische Teams der Jade-Hochschule aus Oldenburg städtebauliche Entwürfe zur Zukunft der Siedlung entwickelt: ein Lernprojekt bringt ein Lernprojekt hervor. Die Ergebnisse sind bis Ende Februar in der Stadtteilbibliothek West in Gröpelingen zu sehen.</p>



<p>„Es geht nicht darum, Lösungen zu finden“, sagt Hartmut Stechow, Professor für Städtebau an der Jade-Hochschule, der für seine Studierenden einen professionellen Wettbewerb mit Fachjury und Geldpreisen organisiert hatte. Er will Ideen für soziale Stadtentwicklung ausarbeiten. In der Reihersiedlung gab es ursprünglich 52 Wohnungen, doch ein Großteil steht mittlerweile leer. Wer hier noch in einem der Häuschen lebt, hat noch einen Holzofen, dafür zahlt er für knapp 40 Quadratmeter aber auch nur 170 Euro Kaltmiete. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Studentische Entwürfe für eine soziale Nachbarschaft</h3>



<p>Die Bewohner:innen haben allesamt nur wenig Geld zum Leben, sind aber auch mit wenig Komfort zufrieden. Der Politik gelten sie zumeist als „nicht geschosswohnungsfähig“ und eine Sanierung ihrer Häuschen der Vonovia als „wirtschaftlich nicht darstellbar“. Noch immer ist Zukunft der Reihersiedlung offen – obwohl auch im Bremer Westen mancher in den vergangenen Monaten Pläne für sie gemacht hat. Keiner von ihnen wurde bisher umgesetzt. Für die Studierenden bedeute das, sie könnten „offener und leidenschaftlicher“ planen, so Stechow, zugleich sei ihr Lernprojekt „nicht so abstrakt“. Es ist die Chance, sich eine realitätsnahe Utopie auszudenken – und das schon im 5. Semester, im allerersten städtebaulichen Entwurf des Studiums.</p>



<p>Den meisten Entwürfen ist gemein, dass sie jedenfalls einen Teil der bestehenden Häuser erhalten wollen und Wohnungen nicht nur für die aktuellen BewohnerInnen, sondern auch für SeniorInnen, Studierende, Familien und Wohngemeinschaften bauen wollen. In der Regel wird niedrig und flach gebaut, ein Entwurf plant eine „Wasserstadt“, denn: „Wer am Wasser lebt, ist glücklicher“. Dazu gibt es stets allerlei Gemeinschaftsanlagen, mal mehr, mal weniger Grün, dazu Raum für Gewerbe – und oft sehr viel Parkplätze, obwohl kaum einer der derzeitigen BewohnerInnen ein Auto hat.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Von Hochbau bis Gemeinschaftsgärten</h3>



<p>Gewonnen hat den Wettbewerb ein Entwurf von Kim-Nadine Bahr, Leah Weimer und Fabian Fritsche, der als einziger eher hoch- als städtebaulich denkt. Er plant mit 44 Wohneinheiten in „ortstypischem Klinker“ – 28 Einzelappartments mit je 42 Quadratmetern, dazu acht Häusern für WGs, die doppelt so groß sind sowie für Familien, die vier Mal so groß sind. Es gibt verkehrsberuhigte Bereiche und hinten, an der Bahn, etwas Platz für Gewerbe – Werkstätten, einzelne Büros, Werkstätten. </p>



<p>Auf Platz zwei rangiert das Konzept „Gemeinschaft durch Grün“, das neben 56 Wohnungen für unterschiedliches Klientel auch Gewächshäuser, Gemüsebeete und Obstgärten für die Selbstversorgung vorsieht, aber auch einen Grillplatz, Outdoor-Fitnessanlagen und selbst organisiertes Café. Auch hier bliebe ein Teil der derzeitigen Schlichtbauten bestehen. Im drittplazierten Entwurf gibt es neben den Wohn-Appartments einen Tante-Emma-Laden, eine Bäckerei, eine Kita und einen Arzt, dazu Raum für Gemeinschschaft und für Sport. Und wer mehr Lärm abbekommt, weil er näher an der Bahn wohnt, bekommt dafür besseren Lärmschutz, so die Idee. „Die Menschen dort haben keine hohen Ansprüche“, sagt eine der Studentinnen, „aber sie fühlen sich nicht als Teil der Gemeinschaft“. Mit Hilfe von besserer Infrastruktur wollen sie die BewohnerInnen integrieren, aber auch neue anlocken.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-8226 size-full"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="800" height="533" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/02/Leah-Weimer_ThomasStefes_JanZier_klein.jpg" alt="" class="wp-image-8226" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/02/Leah-Weimer_ThomasStefes_JanZier_klein.jpg 800w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/02/Leah-Weimer_ThomasStefes_JanZier_klein-300x200.jpg 300w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Leah Weimer vom Gewinnerteam mit Bau-Unternehmer Thomas Stefes</figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Widerstand gegen den Stillstand</h3>



<p>Mit zur Jury gehörte auch der Bau-Unternehmer und Projektentwickler Thomas Stefes, der die Reihersiedlung selbst „komplettsanieren“ wollte, wie er sagt. Es sollte „keine Luxussanierung“ werden, aber die Häuser energetisch und bauphysikalisch „auf die Höhe der Zeit“ bringen, wie er sagt. Er wollte „den Menschen eine Chance geben“, sagt er – und kalkulierte nach eigenen Angaben mit Mieten von fünf bis sechs Eure pro Quadratmeter. Das ist zumindest weniger als jene 6,50 Euro, die üblicherweise für Sozialwohnungen gelten. Seine Idee, sagt Stefes, sei aber am Widerstand der Vonovia gescheitert. Den Studierenden ruft er zu: „Lassen Sie sich in ihren Ideen nicht demotivieren“.</p>



<p>Auch die Nachbarn aus der Tucholskystrasse wollen Konzepte für die Be- und AnwohnerInnen entwickeln, wie sie in einem offenen Brief schreiben, und zwar schon „seit mehr als einem Jahr“ – ihr Ziel: die „unhaltbaren und zum Teil menschenunwürdigen Unterbringungszustände“ in der Reihersiedlung zu beenden. Wobei die BewohnerInnen ihre Häuser durchaus nicht  menschenunwürdig finden. Von der <em>Zeitschrift der Straße </em>danach gefragt, antwortete eine von ihnen: „Gar nicht! Die kennen das nicht, und die haben auch einen ganz anderen Lebensstandard als unsereiner“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vonovia will sich langsam zurückziehen, Anwohner protestieren</h3>



<p>Die Nachbarn fürchten, dass die Vonovia neue Leute in die leer stehenden Schlichtbauten ziehen lässt, etwa durch Zuzüge aus den beiden anderen Schlichtbau-Siedlungen der Vonovia, deren Abriss schon fest steht. „Die Strategie, sozial schwierig zu integrierende Menschen über Stadteilgrenzen hinweg zu gettoisieren um andere Bremer Immobilien der Vonovia aufzuwerten, verschärft das soziale und materielle Problem für den Stadtteil Oslebshauen“, schreiben die NachbarInnen, die beklagen, dass der Wohnungsbau-Konzern sie „abblockt“. Zugleich betonen sie, dass sie die derzeitigen BewohnerInnen der Reihersiedlung „nicht wegsiedeln“ wollten. Eine Sanierung der Schlichtbauten macht aus ihrer Sicht indes „keinen Sinn“.</p>



<p>Die Vonovia wolle sich zwar „langfristig“ von der Reihersiedlung trennen, erklärte ein Unternehmenssprecher auf Nachfrage – das wollte der Wohnungsbaukonzern aber auch schon vor einem Jahr. Man sei „im Gespräch“ und führe Verhandlungen, habe aber „noch keinen passenden Partner“ gefunden, heißt es. In Eile ist die Vonovia nicht, vielmehr will sie sich zunächst um ihre beiden anderen Schlichtbau-Siedlungen in Bremen kümmern, die Neubauten weichen müssen. Ein Abriss der Reihersiedlung sei nicht geplant, so die Vonovia, weitere Zuzüge aber auch nicht. Es bleibt also alles offen.</p>



<p><em>Die Ausstellung ist bis 28. Februar in der Stadteilbibliothek West (Lindenhofstraße 53) zu sehen.</em></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text &amp; Fotos:<em> </em></td><td><em>Jan Zier </em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/59-lindenhof/"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/06/cover_59.jpg" alt="" class="wp-image-11921" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/06/cover_59.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/06/cover_59-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2018/06/cover_59-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>&#8222;Ich bin auch für radikalere Maßnahmen offen&#8220;</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/ich-bin-auch-fuer-radikalere-massnahmen-offen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 01 Apr 2017 07:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Armut]]></category>
		<category><![CDATA[Widerstand]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnraum]]></category>
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					<description><![CDATA[#47 REIHERSIEDLUNG – Ein Gespräch über Schlichtwohnungen, Hausbesetzungen und die Ohnmacht der Bremer Politik – mit Joachim Barloschky vom Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“ Zeitschrift der Straße: Brauchen wir mehr Schlichtwohnungen in Bremen? Joachim Barloschky: Gegenwärtig sieht es so aus, also ob wir bald gar keine mehr haben. Eben! Unser Aktionsbündnis tritt dafür ein, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt gibt. Der muss natürlich einen ordentlichen Standard haben und gewisse ökologische Kriterien erfüllen. Dafür kämpfen wir. Die Menschen in den Schlichtbausiedlungen sind oft mit wenig zufrieden. Ich wurde neulich von einem Freund angegriffen: Barlo, bist du jetzt auch noch einer, der sich für die Scheiß-Wohnungen einsetzt? Nein. Aber im Gegensatz zur Vonovia haben wir mit den Bewohnern geredet, während die Politiker nur mit der Vonovia geredet haben. Die Bewohner:innen wollen bleiben, eine einfache Sanierung und Mitbestimmung. Was würde das konkret heißen? Es müsste dort zumindest Warmwasser und eine Heizung geben. Das kann man machen. Das haben ja die Bewohner:innen in der Holsteiner Straße in Walle alles selbst organisiert. Die haben richtige Investitionen getätigt! Das &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">#47 REIHERSIEDLUNG<span style="color: #000000;"> –</span> Ein Gespräch über Schlichtwohnungen, Hausbesetzungen und die Ohnmacht der Bremer Politik – mit Joachim Barloschky vom Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“</span></h2>



<p></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;"><em>Zeitschrift der Straße:</em> </span><br /><span style="color: #000000;">Brauchen wir mehr Schlichtwohnungen in Bremen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;"><em>Joachim Barloschky:</em> </span><br /><span style="color: #000000;">Gegenwärtig sieht es so aus, also ob wir bald gar keine mehr haben.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Eben!</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Unser Aktionsbündnis tritt dafür ein, dass es mehr bezahlbaren Wohnraum in der Stadt gibt. Der muss natürlich einen ordentlichen Standard haben und gewisse ökologische Kriterien erfüllen. Dafür kämpfen wir.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Menschen in den Schlichtbausiedlungen sind oft mit wenig zufrieden.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ich wurde neulich von einem Freund angegriffen: Barlo, bist du jetzt auch noch einer, der sich für die Scheiß-Wohnungen einsetzt? Nein. Aber im Gegensatz zur Vonovia haben wir mit den Bewohnern geredet, während die Politiker nur mit der Vonovia geredet haben. Die Bewohner<span style="color: #000000;">:innen</span> wollen bleiben, eine einfache Sanierung und Mitbestimmung.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Was würde das konkret heißen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es müsste dort zumindest Warmwasser und eine Heizung geben. Das kann man machen. Das haben ja die Bewohner<span style="color: #000000;">:innen</span> in der Holsteiner Straße in Walle alles selbst organisiert. Die haben richtige Investitionen getätigt! Das ist sehr beeindruckend.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die rot-grüne Landesregierung verweist lieber auf neue Sozialwohnungen.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Das ist ja auch ein Erfolg, der auch auf unseren Druck zustande kam. Aber die ruhen sich darauf aus! Aber aus der Sicht der Wohnungsunternehmen ist das nur eine soziale Zwischennutzung. Jetzt müssen sie sich 20 Jahre zu einer bestimmten Miete verpflichten. Danach ist das gesamte Eigentum ohne Auflagen in der Hand von privaten Rendite-Interessen. Wenn man schaut, wo die neuen Wohnungen gebaut werden, dann sind das in der Regel gute Wohnlagen. Dort bauen sie in einer Qualität, die sie später am Markt auch wesentlich teurer loswerden.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Neue Sozialwohnungen reichen also nicht aus. Welche andere Lösungen siehst du?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Was die Schlichtwohnungen betrifft, hätte die Stadt auch sagen können: Das wird erst einmal gekauft oder für zehn Jahre gepachtet. Die Gewoba wird da nicht viel dran verdienen, aber sie könnte mit Mieter<span style="color: #000000;">:innen</span>-Mitbestimmung und leichten Verbesserungen Einfachwohnen erhalten – für Menschen, die ganz wenig Geld haben. Das wären in der Holsteiner Straße vielleicht 40 und am Sacksdamm noch mal 30 bis 40 Wohnungen. Das Grundproblem ist: Es wird immer argumentiert, die Siedlungen stünden ja völlig leer, die Leute wollten da ja gar nicht hin. Das ist doch lächerlich!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Warum?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Das ganze Thema ist ein Beleg für die verfehlte Wohnungspolitik in Bremen. Die Bremische wurde von Bremen verscherbelt an Finanzinvestoren, dort wurden sie von einem zum nächsten weitergereicht. Die haben alle eine aktive Entmietungspolitik betrieben. Die haben gesagt: Wir lassen niemanden mehr einziehen. Dabei haben die Leute Schlange gestanden!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Rund 500 Menschen in Bremen haben gar keine Wohnung.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es geht nicht darum, zu sagen: Schlichtwohnungen sind per se für Obdachlose. Das ist Blödsinn. Auch Obdachlose wollen eine normale Wohnung. Für einige aber sind die Schlichtquartiere eine bessere Möglichkeit.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Warum?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Der Unterschied ist: Dort ist alles schön verteilt. Da hat jeder seine Wohnung und seinen eigenen Außenbereich, auch für all die Hunde. Das ist das Geile! Natürlich wird es auch da Stress geben – aber das kommt auch in Oberneuland vor. In den Schlichtbausiedlungen kann man das nachbarschaftlich regeln.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Das ist ein politisches Schlagwort: „Die sind nicht geschosswohnungsfähig“. Ist es erstrebenswert, dass alle in gestapelten Hamsterkäfigen wohnen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ich habe ja positive Erfahrungen mit Hochhaussiedlungen gemacht. Aber das ist schon speziell, denn was will der Deutsche? Ein eigenes Haus, einen Garten drumherum und einen Zaun. Das ist sehr unökologisch und würde ganz Deutschland zersiedeln. Verdichtetes Bauen muss schon sein. Was sie damals in Tenever gemacht hatten, ist eine städtebauliche Sünde. Aber es gibt auch bessere Formen des verdichteten Bauens. Das Schwärmen für die Natur kommt, wie Bertolt Brecht sagte, von der Unwirtlichkeit der Städte – deshalb sollte man die Städte wirtlicher machen.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Aber kann es das Ziel sein, dass die Leute aus den Schlichtbauten in der Grohner Düne untergebracht werden können?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es geht nicht ums Unterbringen, es geht darum, dass Menschen eine bezahlbare Wohnung haben. Und damit ihr Recht auf Selbstentfaltung halbwegs verwirklichen können.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">In den Schlichtbauten können arme Leute wohnen, ohne zum Amt zu müssen.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Richtig. Die sagen: Anderswo arbeiten wir für die Miete, und am Ende des Monats gehen wir zum Jobcenter, weil es nicht reicht, um die Kinder durchzubringen. Davor haben sie einen Horror – was ich nachvollziehen kann.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wo sollen die Menschen hin, wenn die Schlichtbauten abgerissen werden?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die meisten haben ja einen Mietvertrag mit der Vonovia. Und die wird ihnen Angebote machen müssen. Neulich hat Adem Hacikerimoglu aus der Holsteiner Straße gesagt: Seine Familie umfasst acht Personen, in Walle zahlen sie ungefähr 560 Euro warm. Der hat Angebote für andere Wohnungen bekommen, die alle über 1.000 Euro lagen, eines sogar bei 1.400 Euro. Wovon soll er das bezahlen? Er arbeitet 30 Stunden pro Woche als Erzieher in Huchting. Sie wissen, es ist nicht alles schön in der Holsteiner Straße, aber sie haben es sich schön gemacht. Und sie haben den Zusammenhalt dort. Das ist ganz wichtig.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wo soll bezahlbarer Wohnraum herkommen, wenn neue Sozialwohnungen mindestens 6,10 Euro pro Quadratmeter kosten?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die rot-grüne Politik gibt sich ohnmächtig gegenüber der Macht der Wohnungsunternehmen. Ich verstehe nicht, warum sie da nicht mehr Selbstbewusstsein haben! Unser Vorschlag: Sie bauen 5.000 Wohnungen, in kommunaler Aufsicht, mit Mieten, die bezahlbar für Arbeitnehmer:innen sind und auch Hartz-IV-kompatibel. Damit würde man einen Beitrag zur Entspannung auf dem Wohnungsmarkt leisten und hätte Hunderttausenden geholfen – die Mietpreisexplosion betrifft ja alle Mieter:innen. Aber Bremen folgt der neoliberalen Marktlogik: Der Markt wird es schon richten.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Er richtet es auch, nur anders, als man sich das wünscht.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ja, er richtet! Aber sie haben es selbst herbeigeführt. Sie haben den sozialen Wohnungsbau auf null reduziert, das Gemeinnützigkeitsgesetz abgeschafft, das früher die Profitabilität gedrückt hatte: Vier Prozent Rendite durfte man machen, mehr nicht. Die ganze Baupolitik war nur am Markt orientiert. Dafür haben sie das gesamte Tafelsilber verscherbelt. Das ist die größte Katastrophe!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Wovon sollen die 5.000 Wohnungen bezahlt werden?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Eine Vermögensabgabe von einem Prozent für die 10.000 Bremer Vermögensmillionäre, und wir hätten 300 Millionen Euro zur Hand. Pro Jahr.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Rot-Grün sagt: Ja, das mit der Privatisierung ist blöd gelaufen damals. Aber jetzt können wir da nichts mehr machen.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die Selbstkritik ist schon mal gut, aber zu sagen: „Wir können nichts tun“, ist ganz schlecht – das ist eine Ohnmachtsäußerung. Man muss als Politiker das Volk ermutigen, zu kämpfen! Und nicht die Argumente der Vonovia auch noch nachplappern!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die argumentiert: Das muss sich rechnen!</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Die Politik könnte sagen: Das ist eine soziale Notwendigkeit! Andere Dinge rechnen sich betriebswirtschaftlich ja auch nicht, Schulbauten etwa.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Der grüne Bausenator würde jetzt sagen: „Wir sind auf einem guten Weg.“</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Lieber Herr Bausenator, es ist durchaus anzuerkennen, dass Bremen aus seinen Fehlern einen Millimeter gelernt hat. Allerdings muss ich Ihnen sagen: Wenn es städtischen Besitz an Wohnungen gäbe, hätte man einen viel größeren Einfluss – heute, aber auch noch in 20 Jahren. Nur noch 30 Prozent von Bremens Fläche gehören der Stadt. Das ist für die Demokratie nicht gut. Bis Ende 2017 werden nur 517 Sozialwohnungen fertig. Seit 2012 hätten aber 1.700 Sozialwohnungen gebaut werden müssen. Das ist total peinlich. Wir brauchen eine grundlegende Änderung der Wohnungspolitik! Und vielleicht müssen andere, neue Formen des Kampfes kommen.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Hausbesetzungen?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Ich habe nichts gegen Besetzungen. Weil sie deutlich machen, dass es ein Widersinn ist, dass es Leerstände gibt, weil Eigentümer<span style="color: #000000;">:innen</span> warten, das Objekt besser vermarkten zu können. Die Vonovia fängt jetzt an – auch aufgrund des öffentlichen Drucks – den Bewohner<span style="color: #000000;">:innen</span> dort Mietangebote zu machen, die gut sind. Eine Familie hat eine Wohnung bekommen, die sonst 750 Euro kostet. Sie zahlen 500 Euro, für fünf Jahre festgeschrieben. Dieser Familie werde ich nicht sagen: Nein, die dürft ihr nicht nehmen, aus Solidarität!</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Die Menschen in den Schlichtbauten haben keine Lobby.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es ist ein Grundproblem der Grünen und auch der autonomen Szene, dass ihre wichtigen Themen sich am gesellschaftlichen Bewusstsein orientieren, an der sozialen Frage aber ganz selten. Das ist auch das Problem mit der AfD. Sie ist ein Ausdruck des Alltagsrassismus in Deutschland. Aber sie stellen sich ja, obwohl sie das nicht erfüllen, auch als sozial dar. Deswegen bin ich dafür, dass man mehr radikale Auseinandersetzungen zur sozialen Frage führt, aber mit fortschrittlichen Positionen besetzt.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Manche Leute finden: In Bremen wird auf hohem Niveau gejammert.</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Es stimmt, dass es auf den Wohnungsmarkt in anderen Städten noch schwieriger ist. Es gibt hier 500 bis 700 Leute, die die unter erbärmlichsten Bedingungen leben müssen. Aber es sind Tausende, die keine eigene Wohnung haben und stattdessen bei Verwandten oder Freunden unterkommen, Tausende, die mit ihren Wohnverhältnissen nicht zufrieden sind. Wenn wir nicht für mehr bezahlbaren Wohnraum sorgen, werden wir jeden Tag mehr Tränen und Sorgen von Leuten erleben, die verzweifeln. Ich wünsche mir, dass mehr Leute Widerstandsgeist haben. Dann bin ich auch für radikalere Maßnahmen offen. Mein Lebensmotto ist: Es ist die Pflicht eines jeden Revolutionärs, die Revolution zu machen.</span></p>



<h3 class="wp-block-heading"><span style="color: #000000;">Aber was können die bürgerlichen Leser<span style="color: #000000;">:innen</span> tun, die wir auch haben?</span></h3>



<p><span style="color: #000000;">Widerstand heißt heute, dass man sich gegen die Rechten wehrt, gegen Mieterhöhungen, und sich für einen humaneren Umgang mit Flüchtlingen einsetzt. Das ist eine tägliche humanistische Aufgabe für jeden Bürger. Es ist systembedingt, dass der Profit vor allen anderen Dingen rangiert, die für jeden wichtig sind: Wohnen, Menschenrechte, Gesundheit, Bildung. Acht Leute besitzen heute so viel wie die Hälfte der Weltbevölkerung. Welche Lösung gibt es da? 500.000 Euro im Jahr, das reicht. Alles andere muss man wegbesteuern. Da bin ich Marxist geblieben, mein Leben lang.</span><br /></p>



<p><span style="color: #000000;"><mark style="background-color:rgba(0, 0, 0, 0);color:#3d7c45" class="has-inline-color"><a href="https://barloschky.de/" target="_blank" rel="noreferrer noopener"><em>Joachim „Barlo“ Barloschky</em></a> </mark>1952 in Bremen geboren, ist Betriebswirt und Sprecher des Aktionsbündnis „Menschenrecht auf Wohnen“. Er wuchs in der Gartenstadt Vahr auf, wurde 1967 Aktivist der Bremer Schülerbewegung und trat 1970 in die DKP ein (später aber wieder aus). Von 1990 bis 2011 war er Quartiersmanager und Gemeinwesenarbeiter in Tenever. Er ist Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen.</span></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td><span style="color: #000000;">Interview: </span><br /><span style="color: #000000;"><em>Jan Zier &amp; Philipp Jarke</em></span></td><td><span style="color: #000000;">Foto: </span><br /><span style="color: #000000;"><em>Jan Zier</em></span></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47.jpg" alt="" class="wp-image-11882" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/04/cover_47-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure>
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		<title>Fluch der guten Tat</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/fluch-der-guten-tat/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 03 Sep 2016 16:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Kündigung]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlose]]></category>
		<category><![CDATA[Verdrängung]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnraum]]></category>
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					<description><![CDATA[#41 OSTERSTRASSE – In einem Altbau in der Rückertstraße sollen Wohnungslose untergebracht werden – die Mieter mussten deshalb weichen Die Feuerschutztür liegt schon im Treppenhaus bereit. Für die Bewohner der letzten Wohn­gemeinschaft in der Rückertstraße 2 wirkt sie wie eine Drohung. Seit Monaten tauschen Handwerker alle Holztüren des Altbaus gegen graue Metalltüren aus. Das Treppenhaus ist nun halbhoch gefliest, das Geländer an manchen Stellen bereits grau gestrichen. Überall liegt feiner Staub. „Das war eine wandernde Baustelle“, sagt Ariane im Frühsommer 2016. Sie ist eine der letzten festen Mieterinnen des Hauses. Alle anderen haben es bereits verlassen – darunter eine Wohn­gemeinschaft mit zwei kleinen Kindern, der Lärm und Staub zu viel wurden. In dem Haus an der Ecke zur Osterstraße soll eine private Herberge für Obdachlose entstehen. Seit Juli 2015 mietet das Land Bremen hier bereits eine der Vierzimmer­wohnungen als temporäre Unterkunft für Menschen, die sonst auf der Straße leben müssten. Jetzt sollen im gesamten Haus weitere wohnungslose Menschen einziehen. Die bisherigen Mieter fühlen sich mutwillig verdrängt, und das nicht nur durch den Baulärm. Was bisher &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#41 OSTERSTRASSE – In einem Altbau in der Rückertstraße sollen Wohnungslose untergebracht werden – die Mieter mussten deshalb weichen</h2>



<p>Die Feuerschutztür liegt schon im Treppenhaus bereit. Für die Bewohner der letzten Wohn­gemeinschaft in der Rückertstraße 2 wirkt sie wie eine Drohung. Seit Monaten tauschen Handwerker alle Holztüren des Altbaus gegen graue Metalltüren aus. Das Treppenhaus ist nun halbhoch gefliest, das Geländer an manchen Stellen bereits grau gestrichen. Überall liegt feiner Staub. „Das war eine wandernde Baustelle“, sagt Ariane im Frühsommer 2016. Sie ist eine der letzten festen Mieterinnen des Hauses. Alle anderen haben es bereits verlassen – darunter eine Wohn­gemeinschaft mit zwei kleinen Kindern, der Lärm und Staub zu viel wurden. In dem Haus an der Ecke zur Osterstraße soll eine private Herberge für Obdachlose entstehen.</p>



<p>Seit Juli 2015 mietet das Land Bremen hier bereits eine der Vierzimmer­wohnungen als temporäre Unterkunft für Menschen, die sonst auf der Straße leben müssten. Jetzt sollen im gesamten Haus weitere wohnungslose Menschen einziehen. Die bisherigen Mieter fühlen sich mutwillig verdrängt, und das nicht nur durch den Baulärm.</p>


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<figure class="alignleft"><img loading="lazy" decoding="async" width="234" height="300" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/Verdrängt2-234x300.png" alt="Renovierung in vollem Gang" class="wp-image-7329" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/Verdrängt2-234x300.png 234w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/Verdrängt2.png 800w" sizes="auto, (max-width: 234px) 100vw, 234px" /><figcaption class="wp-element-caption">Renovierung in vollem Gang</figcaption></figure>
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<p>Was bisher geschah: Im Januar 2015, das Haus ist gerade verkauft worden, schickt der neue Eigentümer Kündigungen an alle Mieter. Er will das Haus weiter­verkaufen – und zwar mieterfrei. „Der Eigentümer ist hier nie selbst aufgetreten“, sagt eine Mieterin, die nicht mit Namen genannt werden möchte. Stattdessen hätten sie schon bald den neuen Kauf­interessenten Yehya Masri im Haus angetroffen. Masri betreibt im Nachbarhaus seit 20 Jahren eine private Obdachlosen­herberge. Dort bringt die Zentrale Fachstelle Wohnen des Amts für Soziale Dienste Menschen ohne Obdach vorübergehend unter, die Kosten – laut Masri sind es 16 Euro pro Person und Nacht – trägt das Land Bremen. „Er hat recht schnell gesagt, dass er plane, hier Obdachlose und Geflüchtete unterzubringen“, erzählt die Mieterin. „Uns war klar, was mit unserem Wohnraum passieren soll.“ Sie legte, wie die anderen Mieter auch, Widerspruch gegen die Kündigung ein.</p>



<p>Nach einem weiteren Kündigungs­schreiben schließt der Eigentümer das Konto, auf das die Bewohner die Miete überweisen. „Man hat gemerkt, dass der Vermieter kein Interesse an uns hat“, sagt Jeffrey, der mit richtigem Namen anders heißt und mit seiner WG mittlerweile ausgezogen ist. Die Bewohner hinterlegen die Miete beim Amtsgericht, doch im August 2015 kommt eine Räumungsklage.</p>



<p>Der Vermieter aber scheint an einer Verhandlung gar nicht interessiert zu sein. Der erste Gerichts­termin platzt, der Anwalt des Vermieters sei erkrankt, heißt es. Einen Tag vor dem Ersatztermin wird die Räumungs­klage zurückgezogen. Dasselbe geschieht mit der zweiten Räumungs­klage im Februar 2016. Die Taktik hat Erfolg: Einige Monate später sind alle Bewohner ausgezogen, bis auf die WG im ersten Stock. Das Haus wird im Juni an Yehya Masri verkauft.</p>



<p>Masri sagt, es habe keine mutwillige Verdrängung der Mieter gegeben: „Die Leute haben eine anständige Abfindung bekommen und sind freiwillig ausgezogen.“ Auf die verbliebene Wohn­gemeinschaft angesprochen, sagt er: „Wenn sie die Wohnung behalten wollen – gerne. So lange sie sich an die Hausordnung halten, gibt es keine Probleme.“</p>



<p>Wie kommt es, dass die Unterbringung obdachloser Menschen – die ohne Zweifel nötig ist – unbeteiligte Mieter aus ihrem Zuhause drängt? 2014 waren in Deutschland etwa 335.000 Menschen wohnungslos, und es werden immer mehr: Die Bundes­arbeits­gemeinschaft Wohnungs­losen­hilfe schätzt, dass schon in zwei Jahren über eine halbe Million Menschen ohne eigene Wohnung leben müssen. Dazu zählen zwar auch Menschen in Notunter­künften, Wohnheimen und den Auffangstellen für Geflüchtete. Doch 39.000 Menschen leben in Deutschland buchstäblich auf der Straße, weil sie sich keine Wohnung leisten können.</p>



<p>Und wer auf der Straße übernachtet, begibt sich in Gefahr. Deshalb muss das Land Bremen gemäß Ortspolizei­recht obdachlosen Menschen eine kurzfristige – meist vierzehntägige – Unterkunft anbieten. Dies geschieht bevorzugt in vier Notunter­künften gemeinnütziger Träger. Weil die insgesamt 108 Plätze meist ausgelastet sind, arbeitet die Zentrale Fachstelle für Wohnen aber auch mit derzeit sieben privaten Vermietern und Einfachhotels wie der Herberge Masris zusammen. Solche Privat­unterkünfte sind in den letzten Jahren zunehmend auch mit Geflüchteten belegt. Die Auslastung ist aus Unternehmer­sicht erfreulich, weshalb mancher expandieren möchte.</p>



<p>Wie aber lässt sich temporärer Wohnraum für wohnungslose Menschen schaffen, ohne andere zu verdrängen? Jochim Barloschky, Sprecher des Aktionsbündnisses „Menschenrecht auf Wohnen“, sieht das Grundproblem in der zunehmenden Privatisierung in Bremen: „Dem Land Bremen gehört nur noch etwa ein Drittel des Stadtgebiets. Es hat sich damit der Kontrolle über seine eigene Entwicklung beraubt.“ In den 1990er-Jahren wurde beispielsweise die Bremische Wohnungs­bau­gesellschaft privatisiert – heute gehört sie Vonovia, dem größten Immobilien­konzern in Deutschland. 1991 gab es in Bremen noch 61.000 Sozial­wohnungen, 30 Jahre später waren es nur noch 8.000. Joachim Barloschky fordert daher eine Kehrtwende, mehr Wohnungen in kommunalem Eigentum: „Dann kann man solche Dinge als Stadt entscheiden und muss sie sich nicht von der privaten Wohnungs­wirtschaft vorschreiben lassen.“</p>



<p>Gert Brauer, der als Anwalt für Mietrecht für den Bremer Mieter­schutz­bund arbeitet, ist skeptisch: „In vielen Bremer Stadtteilen sind mittler­weile alle Wohnungen vergeben. Im Stadtgebiet selber wird man es nicht schaffen, Obdachlosen ohne Verdrängung Wohnraum zu gewähren.“ Daran werden auch die 40 Millionen Euro wenig ändern, die das Land Bremen privaten Bauherren als Kredite zur Verfügung stellen will.</p>



<p>Wie es in der Rückertstraße nun weitergeht, ist noch offen. „Das muss mit dem Amt noch besprochen werden“, sagt Masri. Zwar hat der Senat öffentlich zugesichert, keine Wohnungen mit Obdachlosen zu belegen, sollten sie durch eine „Räumungsklage oder eine andere Form von Zwang frei gemacht worden sein“. Doch wann fängt Zwang an? „Uns wurde damals von Vermieterseite keine andere Möglichkeit angeboten“, sagt Jeffrey. Als ein Mitglied seiner WG auszog, habe der Vermieter die Aufnahme eines Nachfolgers verweigert. „Eine Option zu bleiben, gab es so nicht.“</p>



<p>Für die letzten verbliebenen Bewohner ist ihr Wohnungskampf zu einem traurigen Hobby geworden: „Wir haben sehr viel gelernt – über Mietrecht, die Strukturen und wie in verschiedenen Stellen und Behörden zusammen­gearbeitet wird“, sagt Ariane. Ihr Plan für die Zukunft: „Ein Bewusstsein schaffen, dass so etwas passiert – nicht nur hier bei uns.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Nina Sieverding</em></td><td>Fotos: <br /><em>Sabrina Jenne</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/41-osterstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/cover_41.jpg" alt="" class="wp-image-11861" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/cover_41.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/cover_41-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/09/cover_41-840x560.jpg 840w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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