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	<title>Wohnungslose &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Wohnungslose &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>Winterhilfe beginnt im Sommer</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/winterhilfe-beginnt-im-sommer/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Aug 2017 14:41:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Schlafsäcke]]></category>
		<category><![CDATA[Spenden]]></category>
		<category><![CDATA[Winterhilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungslose]]></category>
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					<description><![CDATA[Schon seit einigen Jahren sammeln wir Spenden, um wohnungslose Menschen im Bedarfsfall unbürokratisch mit dem Nötigsten ausstatten zu können und um die Streetworker des Vereins für Innere Mission in Bremen mit Material zu unterstützen. Beides kommt auch unseren StraßenverkäuferInnen zugute. Dabei zeigt sich Jahr für Jahr das gleiche Muster: im Herbst und Winter ist der Hilfebedarf um ein Vielfaches größer als im Frühjahr und Sommer. Nässe, Wind und niedrige Temperaturen lassen den Bedarf vor allem an warmen, trockenen und regenfesten Schlafsäcken sprunghaft steigen. Angesichts des aktuell unsommerlichen Wetters haben wir schon mal angefangen, Vorräte anzulegen und 100 Schlafsäcke für 2010 Euro gekauft, von denen 1526 Euro aus gesammelten Spenden der Zeitschrift der Straße stammen. Bei einem plötzlichen Kälteeinbruch sind die Schlafsäcke innerhalb von zwei oder drei Tagen vergriffen und retten dabei wahrscheinlich Leben. Wir danken allen Spenderinnen und Spendern und laden gleichzeitig ein, nicht damit aufzuhören. Denn auch die Not auf Bremens Straßen hört nicht auf. Zu unseren aktuellen Spendenkampagnen auf Betterplace.org gelangen Sie über diesen Link. Text: Michael Vogel Fotos: Rüdiger Mantei]]></description>
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<p>Schon seit einigen Jahren sammeln wir Spenden, um wohnungslose Menschen im Bedarfsfall unbürokratisch mit dem Nötigsten ausstatten zu können und um die Streetworker des Vereins für Innere Mission in Bremen mit Material zu unterstützen. Beides kommt auch unseren StraßenverkäuferInnen zugute.</p>



<p>Dabei zeigt sich Jahr für Jahr das gleiche Muster: im Herbst und Winter ist der Hilfebedarf um ein Vielfaches größer als im Frühjahr und Sommer. Nässe, Wind und niedrige Temperaturen lassen den Bedarf vor allem an warmen, trockenen und regenfesten Schlafsäcken sprunghaft steigen.</p>



<p>Angesichts des aktuell unsommerlichen Wetters haben wir schon mal angefangen, Vorräte anzulegen und 100 Schlafsäcke für 2010 Euro gekauft, von denen 1526 Euro aus gesammelten Spenden der Zeitschrift der Straße stammen. Bei einem plötzlichen Kälteeinbruch sind die Schlafsäcke innerhalb von zwei oder drei Tagen vergriffen und retten dabei wahrscheinlich Leben.</p>



<p>Wir danken allen Spenderinnen und Spendern und laden gleichzeitig ein, nicht damit aufzuhören. Denn auch die Not auf Bremens Straßen hört nicht auf.<strong><span style="color: #ff0000;"> </span></strong><a href="https://www.betterplace.org/de/projects/35784-die-zeitschrift-der-strasse-bremens-strassenmagazin" target="_blank" rel="noopener"><strong><span style="color: #ff0000;">Zu unseren aktuellen Spendenkampagnen auf Betterplace.org gelangen Sie über diesen Link.</span></strong></a></p>



<figure class="wp-block-image alignnone size-full wp-image-7986"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="450" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/08/Schlafsäcke-2.jpg" alt="" class="wp-image-7986" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/08/Schlafsäcke-2.jpg 450w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2017/08/Schlafsäcke-2-169x300.jpg 169w" sizes="(max-width: 450px) 100vw, 450px" /><figcaption class="wp-element-caption">100 Schlafsäcke auf dem Weg ins Lager der Zeitschrift der Straße</figcaption></figure>



<p></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Michael Vogel</em></td><td>Fotos: <br /><em>Rüdiger Mantei</em></td></tr></tbody></table></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Kälte, Hilfe, Wohnungslose, Flüchtlinge</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/kaelte-hilfe-wohnungslose-fluechtlinge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 07 Jan 2017 13:11:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Facebook]]></category>
		<category><![CDATA[Flüchtlinge]]></category>
		<category><![CDATA[Hilfe]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungslose]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 5. Januar posteten wir auf Facebook und Twitter einen Aufruf, besonders in der kalten Jahreszeit mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, auf ausgekühlte Menschen und Draußenschläfer zu achten und ihnen ggf. Hilfe zu leisten. Der Aufruf, den wir eigentlich schon im November letztes Jahr verfasst und auf unserer Website veröffentlicht hatten, wurde innerhalb von zwei Tagen über 5000 Mal aufgerufen. Für unsere Verhältnisse ist das eine hohe Zahl, die wohl dadurch zustande kam, dass wir dem Aufruf den Bericht über eine erfrorene obdachlose Frau in Düsseldorf beigefügt hatten (siehe Foto oben). Es liegt nicht nur am Wohnraum In der Folge erreichten uns einige Nachfragen und Kommentare zu dem Aufruf. Sinngemäß ging es darum, warum im reichen Deutschland eigentlich noch immer Menschen auf der Straße leben (müssen) und ob der Staat da nicht genug tue, weil er zu sehr mit Flüchtlingen beschäftigt sei. Zur Frage, warum Menschen auf der Straße leben, ist im Magazin &#8218;brand eins&#8216; im Jahr 2012 ein Artikel erschienen, der einige der Gründe darlegt und vor allem deutlich macht, warum &#8230;]]></description>
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<p>Am 5. Januar posteten wir auf <a href="https://www.facebook.com/Zeitschrift-der-Stra%C3%9Fe-111023512301750/" target="_blank" rel="noopener">Facebook </a>und <a href="https://twitter.com/ZdStrasse" target="_blank" rel="noopener">Twitter </a>einen Aufruf, besonders in der kalten Jahreszeit mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen, auf ausgekühlte Menschen und Draußenschläfer zu achten und ihnen ggf. Hilfe zu leisten.</p>



<p>Der Aufruf, den wir eigentlich schon im November letztes Jahr verfasst und <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/geht-durch-bremen-mit-offenen-augen/" target="_blank" rel="noopener">auf unserer Website veröffentlicht hatten</a>, wurde innerhalb von zwei Tagen über 5000 Mal aufgerufen. Für unsere Verhältnisse ist das eine hohe Zahl, die wohl dadurch zustande kam, dass wir dem Aufruf den Bericht über eine erfrorene obdachlose Frau in Düsseldorf beigefügt hatten (siehe Foto oben).</p>



<h3 class="wp-block-heading">Es liegt nicht nur am Wohnraum</h3>



<p>In der Folge erreichten uns einige Nachfragen und Kommentare zu dem Aufruf. Sinngemäß ging es darum, warum im reichen Deutschland eigentlich noch immer Menschen auf der Straße leben (müssen) und ob der Staat da nicht genug tue, weil er zu sehr mit Flüchtlingen beschäftigt sei.</p>



<p>Zur Frage, warum Menschen auf der Straße leben, <a href="https://www.brandeins.de/archiv/2012/zweite-chance/warum-gibt-es-eigentlich-immer-noch-obdachlose/" target="_blank" rel="noopener">ist im Magazin &#8218;brand eins&#8216; im Jahr 2012 ein Artikel erschienen</a><span class="text_exposed_show">, der einige der Gründe darlegt und vor allem deutlich macht, warum Wohnungslosigkeit nur&nbsp; unzureichend mit fehlendem Wohnraum zu erklären ist. In erster Linie ist Wohnungslosigkeit das Ergebnis einer Kombination aus Lebensumständen und persönlicher Verfassung. Die Bereitstellung von günstigem Wohnraum hilft, keine Frage. Jedoch ist darüber hinaus viel Veränderung im Leben der Betroffenen nötig. Der Staat bzw. Wohlfahrseinrichtungen und ihre Sozialarbeiter können den langwierigen Veränderungsprozess unterstützen, aber ohne die Einsicht, den Willen und die aktive Mitarbeit der Betroffenen geht nichts.<br /></span></p>



<h3 class="wp-block-heading">Hilfe kennt keine Grenzen</h3>



<p><span class="text_exposed_show">Die zweite Frage, die mal mehr und mal weniger agressiv an uns gerichtet wurde, ist leichter zu beantworten. Einen negativen Zusammenhang zwischen Wohnungslosenhilfe und Flüchtlingshilfe sehen wir überhaupt nicht. In Bremen haben sich <a href="http://www.inneremission-bremen.de/wohnungslosenhilfe/unser_konzept/" target="_blank" rel="noopener">die Angebote der Wohnungslosenhilfe</a> in den letzten Jahren tendenziell verbessert und dürften von der Flüchtlingshife sogar profitieren. </span></p>



<p><span class="text_exposed_show">Denn im Rahmen der Flüchtlingsarbeit ist Infrastruktur entstanden, die sich auch für die Arbeit mit Wohnungslosen eignet. Durch einen gemeinsamen Bereich in der Verwaltung des Vereins für Innere Mission konnten Durchschnittskosten gesenkt werden. Und einige der vielen Bremer:innen, die sich zunächst in der Flüchtlingshilfe engagiert hatten, sind inzwischen in der Wohnungslosenhilfe und bei der <em>Zeitschrift der Straße</em> im Einsatz, was uns sehr freut.<br /></span></p>



<p>PS: Hier ein kurzes Video des WDR zu den Möglichkeiten, Obdachlosen auf der Straße zu helfen:</p>



<p><a href=""></a>https://www.facebook.com/aktuellestunde/videos/1151324064916141</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: </td><td><em>Michael Vogel</em></td></tr></tbody></table></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Selbst wenn dir blaue Tentakel wachsen</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/selbst-wenn-dir-blaue-tentakel-wachsen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Nov 2016 17:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Café Papagei]]></category>
		<category><![CDATA[Sozialarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Suchtkranke]]></category>
		<category><![CDATA[Wohnungslose]]></category>
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					<description><![CDATA[#43 AUF DER BRAKE – Im Café Papagei treffen sich Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld. Hier sind alle willkommen. Nur bei einem Thema kennt das Team keine Toleranz „Junger Mann, Sie wollten duschen“, sagt Karin zu dem schlaksigen Mittzwanziger. „Stimmt, Sie haben recht. Wollte ich nicht, aber ich sollte“, antwortet er. Und trägt sich in die Liste für die Duschen ein. „Kann ich einen Rasierer haben? Ist ja Montag“, fragt der junge Mann. „Es ist Dienstag“, entgegnet Cory und überreicht ihm Handtuch und Rasierer. Karin und Cory, Angestellte der Inneren Mission, arbeiten im Café Papagei, einem Treffpunkt für Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld. Hier gibt es günstigen Kaffee, belegte Brötchen, Bockwurst und auch ein warmes Mittagsessen. Die Gäste können hier duschen, ihre Wäsche waschen oder sich eine Postadresse einrichten. Das Café Papagei als Ort der Begegnung und Unterstützung für Wohnungslose Etwa ein Drittel der Besucher ist ohne Wohnung, ansonsten mischen sich die Szenen. Das liegt vor allem an der Lage – früher, als die Wohnungslosenhilfe noch im Jakobushaus am Breitenweg war, kamen überwiegend &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#43 AUF DER BRAKE – Im Café Papagei treffen sich Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld. Hier sind alle willkommen. Nur bei einem Thema kennt das Team keine Toleranz</h2>



<p>„Junger Mann, Sie wollten duschen“, sagt Karin zu dem schlaksigen Mittzwanziger. „Stimmt, Sie haben recht. Wollte ich nicht, aber ich sollte“, antwortet er. Und trägt sich in die Liste für die Duschen ein. „Kann ich einen Rasierer haben? Ist ja Montag“, fragt der junge Mann. „Es ist Dienstag“, entgegnet Cory und überreicht ihm Handtuch und Rasierer.</p>



<p>Karin und Cory, Angestellte der Inneren Mission, arbeiten im Café Papagei, einem Treffpunkt für Wohnungslose und Menschen mit wenig Geld. Hier gibt es günstigen Kaffee, belegte Brötchen, Bockwurst und auch ein warmes Mittagsessen. Die Gäste können hier duschen, ihre Wäsche waschen oder sich eine Postadresse einrichten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Café Papagei als Ort der Begegnung und Unterstützung für Wohnungslose</h3>



<p>Etwa ein Drittel der Besucher ist ohne Wohnung, ansonsten mischen sich die Szenen. Das liegt vor allem an der Lage – früher, als die Wohnungslosenhilfe noch im Jakobushaus am Breitenweg war, kamen überwiegend Obdachlose, erzählt Karin, während ihre Augen den Raum absuchen.Ihr Gesicht ist freundlich, an den Händen trägt sie blaue Gummihandschuhe, mit denen sie sich auf dem Tresen abstützt. Sie arbeitet seit mehr als zehn Jahren bei der Inneren Mission und seit über einem Jahr im Café Papagei. „Ich kenne zwar nicht alle hier mit Namen, aber ich weiß, was sie trinken“, erzählt sie. Wenn einer der Stammgäste nicht kommt, macht Karin sich schon mal Sorgen. „Ich bin gerne im Kontakt mit den Menschen“, sagt sie und setzt sich während ihrer Zigarettenpause zu den Gästen an den Tisch.</p>



<p>Das Café hat von neun bis 16 Uhr geöffnet, der Raucherraum ist um halb zehn schon ordentlich gefüllt. Es ist laut. Manche umarmen oder küssen sich zur Begrüßung, andere sitzen allein und murmeln vor sich hin. Im Nichtraucherraum, wo auch der Tresen steht, ist es ruhiger. Hier sitzt eine Gruppe älterer Herren und liest Zeitung, geredet wird kaum. Bei allem Trubel achten alle, die rein oder rausgehen, penibel darauf, dass die Tür zum Raucherraum immer geschlossen wird.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Ort der Ablenkung und Hilfe für Menschen mit Lebensgeschichten</h3>



<p>Michael sitzt mit seinem Laptop im Raucherzimmer, an seinem Stammplatz: in Steckdosennähe. Er hat kurze weiße Haare und sieht irgendwie ordentlich aus hinter seinem Rechner, fast unauffällig. Er kommt nur dienstags hierher, ansonsten geht er ins „comeback“, ein Treffpunkt für Menschen, die von Drogen gefährdet oder abhängig sind. Michael ist 53 und wenn er erzählt, wie und warum er hierhergekommen ist, muss er weit ausholen. Er hat viel erlebt, sagt er, „genug für mehrere Leben“. Das sieht man ihm nicht an, und fast glaubt man, er könnte einem alles erzählen, wenn ihm der Schalk so aus den blauen Augen blitzt. Was immer geblieben ist, ist das Interesse an Computern. </p>



<p>Angefangen hat er mit dem Commodore 16, „das ist heute ein Kultgerät“, sagt er und lacht. Michael ist arbeitslos und wird als „schwer vermittelbar“ eingestuft. Nach verschiedenen Ausbildungen und gesundheitlichen Problemen kamen private dazu, schließlich geriet er in die Abhängigkeit. Heute kommt er ins Café, weil er sich zu Hause langweilen würde: „Natürlich ist meine Arbeit hier Ablenkung von den anderen Sachen. Aber wenn jemand Probleme mit seinem PC hat, dann helfe ich.“ So arbeitet er in seinem Traumberuf, zumindest ein bisschen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein wichtiger Service für die Menschen ohne festen Wohnsitz</h3>



<p>Vom Raucherraum gelangt man über eine Treppe nach oben. Vor der Poststelle drängen sich die Menschen, manche stehen in Gruppen, andere allein. Es ist eine bunte Mischung, verschiedene Sprachen sind zu hören. Eine alte Frau mit weißen, zusammengebundenen Haaren wird von einem großen, jungen Mann begleitet. Er stützt sie und erzählt ihr Dinge, über die sie lacht. Drei Stunden täglich ist die Poststelle geöffnet, die Besucher können sich hier eine Adresse einrichten und täglich ihre Post abholen. Derzeit haben im Café Papagei 480 Menschen eine Postadresse. </p>



<p>Die Post, gesammelt und sortiert, liegt hinter dem Schreibtisch von Conni, in einem weißen, halbhohen Schrank, der für so viele Postadressen viel zu klein wirkt. Conni erledigt die Post allein, manchmal bekommt sie Hilfe von Praktikanten. Sie trägt auffällige Ohrringe und ihre asymmetrisch geschnittenen Haare lenken die Blicke hin und her. Conni, die ihre Gesprächspartner mit einem klaren, aber freundlichen Blick fokussiert, registriert jeden Brief im Computer, für manche müssen die Adressaten sogar unterschreiben. „Damit nachgewiesen werden kann, dass die Klienten ihre Post tatsächlich erhalten“, sagt Conni. Gerade bei Briefen vom Jobcenter sei das wichtig.</p>



<figure class="wp-block-image alignnone wp-image-7434 size-full"><img decoding="async" width="800" height="533" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/Papagei-2.png" alt="Kaffee schenken sie im Café Papagei gern und viel aus, Alkohol nie." class="wp-image-7434" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/Papagei-2.png 800w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/Papagei-2-300x200.png 300w" sizes="(max-width: 800px) 100vw, 800px" /><figcaption class="wp-element-caption">Kaffee schenken sie im Café Papagei gern und viel aus, Alkohol nie.</figcaption></figure>



<p>An drei Tagen in der Woche sind Ärzte vom Verein für medizinische Notversorgung vor Ort, die Patienten in Notlagen ehrenamtlich untersuchen und behandeln. Manche der Patienten leiden unter Ekzemen und anderen Hautkrankheiten, auch Krätze sei schon mal vorgekommen. „Kleiderläuse sind auch immer ein Problem“, erzählt Conni. Aber für den Fall gibt es neue Kleidung und eine Dusche. „Wenn sich jemand in unsere Hände begibt, dann kriegen wir alles hin.“ Problematisch wird es, wenn nach einem Parasitenbefall nicht alle Textilien weggeworfen werden, weil sich die Besitzer nicht davon trennen können. Dann kann es schon mal dauern, bis das Problem behoben ist. Ekel gibt es hier kaum. Solange man nicht zu stark riecht oder aufdringlich ist, ist hier alles in Ordnung, sagt Conni. „Hier können dir blaue Tentakel wachsen, das ist ganz egal.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein Ort der Ruhe und Begegnung</h3>



<p>Im Nichtraucherraum, etwas zurückgezogen gegenüber dem Tresen, sitzt Uwe und trinkt einen Kaffee. Seine Haare haben helle Spitzen, fast als hätten Sonne und Meer sie aufgehellt. Er schaut einmal in der Woche herein, „einfach, um einen günstigen Kaffee zu trinken“. Außerdem seien die Leute hier sehr nett, die Mitarbeiter empfindet er als engagiert. „Da kann man sich schon mal wohlfühlen.“ Obwohl das Essen gut riecht und vergleichsweise billig ist, nimmt er das nicht in Anspruch, weil er selber gerne kocht. Und weil es ihm hier auch schnell zu anstrengend wird: Es gibt „Kandidaten“, wie er sie nennt, die ihm zu stressig sind. „Die aggressive Atmosphäre ist manchmal spürbar“, sagt er, vor allem im Raucherzimmer. Aber Uwe hat auch ein paar nette Bekannte hier, „Sympathisanten“ nennt er sie, und die trifft er gern.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Leben auf der Straße zu einem festen Platz in Bremen</h3>



<p>Uwe bestellt sich einen kleinen Saft und sitzt ruhig auf seinem Platz am Fenster. Er war nie obdachlos, lediglich wohnungslos, in Bremen hat er direkt ein möbliertes Zimmer vermittelt bekommen. Hier will er bleiben. Obwohl er immer wieder mit dem Gedanken spielt, in ein anderes Land zu ziehen. Das hat er vor Jahren schon mal probiert: Damals hat Uwe in Frankreich gelebt, bis ihm irgendwann das Geld ausging – und er wieder zurückgekommen ist. </p>



<p>Auch in Holland hat er schon gelebt, in Amsterdam. Damals war es die Mentalität der Menschen, die ihm irgendwann nicht mehr gefiel und ihn zurückkehren ließ. Die Mentalität, sagt Uwe, lernt man am besten auf der Straße kennen. Deshalb hat er in Amsterdam, Köln und Hamburg Straßenzeitungen verkauft. Auch in Bremen hat er eine Zeit lang die <em>Zeitschrift</em> <em>der Straße</em> verkauft: „Nur kurz, nur um die Stadt kennenzulernen“, sagt er. Hierhergekommen zu sein, war eine gute Entscheidung, hier fühlt er sich wohl – „Bremen hat was“.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Für alle, die eine Pause vom Alltag brauchen</h3>



<p>„Habt ihr einen Strohhalm?“ Ein junger Mann kommt gehetzt an den Tresen und verschwindet gleich wieder, ohne Strohhalm. „Nichts, womit du dir die Nase machen kannst“, murmelt ein tätowierter Mann, der allein an einem Tisch sein Frühstück isst. Ins Café Papagei kommen nicht nur Wohnungslose, auch Menschen mit Drogenproblemen Drogenproblemen treffen sich hier. Seit dem Umbau des Hauptbahnhofs verschiebt sich die Drogenszene. Im Hinterhof, heißt es, bekommt man alles. Das schreckt manche der alten Stammklienten aus dem Jakobushaus ab. </p>



<p>Um das Problem in den Griff zu bekommen, soll der Eingang des Cafés verlegt werden, in den Hinterhof – so wird er vom Tresen aus einsehbar, und Menschen mit Hausverbot können direkt wieder rausgeschickt werden. Hausverbot bekommt hier, wer Alkohol oder Drogen ins Café mitbringt oder versucht, diese zu verkaufen. „Hier können sich alle treffen, aber nur, wenn sie es schaffen, die Drogen während dieser Zeit aus dem Kopf zu lassen“, sagt Conni. Denn das Café ist vor allem ein Treffpunkt für Wohnungslose und das soll so bleiben.</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text:<br /><em>Frauke Kuffel</em></td><td>Fotos: <br /><em>Norbert Schmacke</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/43-auf-der-brake/"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/cover_43.jpg" alt="" class="wp-image-11867" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/cover_43.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/cover_43-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2016/11/cover_43-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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