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	<title>Ziegenmarkt &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Ziegenmarkt &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>Tritt ins Leere</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2015 07:26:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Mythos]]></category>
		<category><![CDATA[Schuhe]]></category>
		<category><![CDATA[Ziegenmarkt]]></category>
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					<description><![CDATA[#25 ZIEGENMARKT – Ein Zei­chen für den ers­ten Sex, für Mord und Tot­schlag oder ein­fach für nichts? Eine Suche nach der Wahr­heit über die Schu­he an der Leine „Viel­leicht ist es ja auch ein­fach eine Fies­heit unter ver­fein­de­ten Schü­lern und so“, ver­mu­tet das Mäd­chen. „Also, man klaut einem die Schu­he und wirft sie hoch, dass sie hän­gen blei­ben, und sagt: ‚Hol sie dir!‘“ Neun sind es an der Zahl. Sport­li­che Ver­sio­nen, an den Schnür­sen­keln zu­sam­men­ge­bun­den, immer paar­wei­se. Man muss den Kopf schon ziem­lich in den Na­cken legen, um sie zu sehen. Sie hän­gen un­term Bre­mer Him­mel, ge­nau­er: über dem Draht­seil, an dem auch die Stra­ßen­la­ter­ne hoch über der Kreu­zung be­fes­tigt ist. Und nicht nur hier. „Shoefi­ti“, zu­sam­men­ge­setzt aus den eng­li­schen Wör­tern „shoe“ und „graf­fi­ti“. Wie auch Graf­fi­ti und „Urban Knit­ting“, das Um­hä­keln von Park­pol­lern, Mas­ten und an­de­rem, ist die Schuh­in­stal­la­ti­on eine Form, in den öf­fent­li­chen Raum ge­stal­tend ein­zu­grei­fen – Gue­ril­lakunst also. Unter In­si­dern gilt schon das Wer­fen an sich, im Fach­jar­gon „Shoetos­sing“ ge­nannt, als Per­for­mance. Dass Schu­he an Ka­beln, Bäu­men, Am­peln und La­ter­nen bau­meln, ist &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#25 ZIEGENMARKT – Ein Zei­chen für den ers­ten Sex, für Mord und Tot­schlag oder ein­fach für nichts? Eine Suche nach der Wahr­heit über die Schu­he an der Leine</h2>



<figure class="wp-block-image alignnone"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/01/Hängende-Schuhe-Tinka-Lehn-AS1-2014-05-25-21.24.46.jpg"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1078" height="788" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/01/Hängende-Schuhe-Tinka-Lehn-AS1-2014-05-25-21.24.46.jpg" alt="Schuhe baumeln am Kabel einer Straßenlaterne über einer Kreuzung" class="wp-image-5230" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/01/Hängende-Schuhe-Tinka-Lehn-AS1-2014-05-25-21.24.46.jpg 1078w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/01/Hängende-Schuhe-Tinka-Lehn-AS1-2014-05-25-21.24.46-300x219.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/01/Hängende-Schuhe-Tinka-Lehn-AS1-2014-05-25-21.24.46-1024x748.jpg 1024w" sizes="(max-width: 1078px) 100vw, 1078px" /></a><figcaption class="wp-element-caption">Nach Hause geht’s barfuß</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">„Viel­leicht ist es ja auch ein­fach eine Fies­heit unter ver­fein­de­ten Schü­lern und so“, ver­mu­tet das Mäd­chen. „Also, man klaut einem die Schu­he und wirft sie hoch, dass sie hän­gen blei­ben, und sagt: ‚Hol sie dir!‘“ Neun sind es an der Zahl. Sport­li­che Ver­sio­nen, an den Schnür­sen­keln zu­sam­men­ge­bun­den, immer paar­wei­se. Man muss den Kopf schon ziem­lich in den Na­cken legen, um sie zu sehen. Sie hän­gen un­term Bre­mer Him­mel, ge­nau­er: über dem Draht­seil, an dem auch die Stra­ßen­la­ter­ne hoch über der Kreu­zung be­fes­tigt ist. Und nicht nur hier. „Shoefi­ti“, zu­sam­men­ge­setzt aus den eng­li­schen Wör­tern „shoe“ und „graf­fi­ti“. Wie auch Graf­fi­ti und „Urban Knit­ting“, das Um­hä­keln von Park­pol­lern, Mas­ten und an­de­rem, ist die Schuh­in­stal­la­ti­on eine Form, in den öf­fent­li­chen Raum ge­stal­tend ein­zu­grei­fen – Gue­ril­lakunst also. Unter In­si­dern gilt schon das Wer­fen an sich, im Fach­jar­gon „Shoetos­sing“ ge­nannt, als Per­for­mance. Dass Schu­he an Ka­beln, Bäu­men, Am­peln und La­ter­nen bau­meln, ist längst ein welt­wei­tes Phä­no­men.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Kreu­zung auf der Frie­sen­stra­ße ist wenig be­fah­ren. Ab und an kom­men Pas­san­ten vor­bei, we­ni­ger schlen­dernd als mit einem si­che­ren Ziel. Sie wir­ken ge­schäf­tig und die Frage nach den Schu­hen da oben über ihnen und was es damit auf sich hat, ir­ri­tiert sie. „Viel­leicht waren sie alt und je­mand woll­te nur sei­nen Müll los­wer­den“, ver­mu­tet ein Mann um die 40, die le­der­ne Ak­ten­ta­sche un­term Arm; dann eilt er wei­ter Rich­tung In­nen­stadt. Le­der­schu­he, wie er sie trägt, ge­hö­ren bis­her nicht zum Re­per­toire der hän­gen­den neun. Mög­li­cher­wei­se habe es etwas mit Ban­den zu tun, die ihr Re­vier mar­kie­ren, ver­mu­ten an­de­re. Oder: „Hei­mat­lo­se, die hier woh­nen.“ Wobei ei­ni­ge der Schu­he noch fast un­ge­tra­gen aus­se­hen. „Even­tu­ell sind die Be­sit­zer auch tot, blei­ben so aber in Er­in­ne­rung.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">So­li-Ak­ti­on für Kurz­kriegs­hel­den</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf den Stu­fen der Eck­knei­pe sitzt einer mit sei­nem Nach­mit­tags­bier, ge­dan­ken­ver­lo­ren. Seine ka­mel­brau­ne Jacke, die lange Hose, die Mütze und die Woll­so­cken in sei­nen Turn­schu­hen sind viel zu warm für die spä­ten Son­nen­strah­len des Tages. Er folgt dem Blick nach oben und ver­zieht keine Miene. Mehr als die Schu­he selbst ver­wun­dert ihn das In­ter­es­se an dem Phä­no­men. Die Frage hat er er­war­tet. Mit einer Ant­wort je­doch lässt er sich Zeit, zün­det sich erst ein­mal eine Zi­ga­ret­te an. Sehr leise, mit be­leg­ter Stim­me, sagt er dann, dass er nichts dar­über wisse, außer dass es ein Trend aus Ame­ri­ka sei. Das je­den­falls er­zähl­ten die Me­di­en. Er ist schon sehr lange re­gel­mä­ßi­ger Gast im „Hor­ner Eck“, sitzt immer hier, mit Blick auf die Kreu­zung. Seit wann die Schu­he dort oben hän­gen, kann er al­ler­dings auch nicht sagen. „Ir­gend­wann waren sie ein­fach da.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">„Even­tu­ell sind die Be­sit­zer tot, blei­ben so aber in Er­in­ne­rung“, ver­mu­tet einer</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Er rät, den Wirt zu be­fra­gen. Der schießt ge­ra­de mit vol­lem Ta­blett nach drau­ßen. Am Tre­sen ist noch ein Platz frei. Es ist recht dun­kel hier drin­nen und von allen Sei­ten blickt, neben ei­ni­gen an­de­ren be­kann­ten Ge­sich­tern, Frank Zappa von den Wän­den, in den ver­rück­tes­ten Posen. Man­che der Bil­der sind hand­si­gniert. Auf sei­nem Rück­weg hin­ter den Tre­sen schnackt der Wirt kurz mit ei­ni­gen Stamm­gäs­ten. Mich be­ach­tet er nicht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ich be­stel­le ein Bier und schie­be mein An­lie­gen di­rekt hin­ter­her: Was hat es mit den Schu­hen da drau­ßen an der Leine auf sich? Die stren­ge Miene des Alt-68ers mit weiß-grau me­lier­tem Pfer­de­schwanz, Hut und run­der Bril­le er­hellt sich. Er be­ginnt di­rekt vol­ler Be­geis­te­rung von dem US-Film „Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund we­delt“ zu er­zäh­len. „Ein Klas­si­ker mit den ganz Gro­ßen – den muss man doch ken­nen!“ Die Schu­he da drau­ßen hät­ten „auf jeden Fall“ damit zu tun, ist er über­zeugt. In dem Film von Barry Le­vin­son aus dem Jahr 1997 geht es um Ge­rüch­te, die Ma­ni­pu­la­ti­on von Me­di­en und Scharf­ma­che­rei im US- Prä­si­den­ten­wahl­kampf. Um einen Skan­dal um den Prä­si­den­ten zu ver­tu­schen, in­sze­niert einer sei­ner Be­ra­ter einen fik­ti­ven Kurz­krieg gegen Al­ba­ni­en und er­fin­det einen Hel­den. Die­ser Wil­li­am Schu­mann alias „Old Shoe“ bleibt am Ende des Krie­ges an­geb­lich als Ge­fan­ge­ner hin­ter den feind­li­chen Li­ni­en zu­rück. Die US-Be­völ­ke­rung setzt sich dar­auf­hin für eine Be­frei­ungs­ak­ti­on ein und hängt als Zei­chen der An­teil­nah­me alte Schu­he an Bäu­men und Strom­mas­ten auf. „Eine echt coole Story“, wie­der­holt der Wirt und zapft dabei blind ein Bier nach dem an­de­ren. „Des­we­gen, denke ich, hin­gen die ers­ten Schu­he hier. Das war wohl die In­spi­ra­ti­on durch den Film. Also im Prin­zip nur aus Jux – ohne eine ei­ge­ne Ideo­lo­gie. Und an­de­re Schu­he kamen dann ganz ohne Grund hinzu.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die neugierigen Blicke auf die Schuhgirlande</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die drei Män­ner, die drau­ßen an dem Tisch di­rekt neben der Schuh­gir­lan­de ge­müt­lich bei Wei­zen­bier und gutem Essen zu­sam­men­sit­zen, ver­mu­ten nicht viel hin­ter dem Schuh-Trend. Sie be­mer­ken die Fuß­be­klei­dung über ihren Köp­fen auch erst jetzt. „Ja, stimmt, die hän­gen ja in­zwi­schen über­all.“ – „In der Zei­tung hat letz­tens davon mal was ge­stan­den in Ver­bin­dung mit dem Viet­nam­krieg“, er­in­nert sich der mit der Glat­ze, den seine Tisch­nach­barn als „Herr Pro­fes­sor“ vor­stel­len, kau­end. Sie seien als eine Art Grab­denk­mal be­schrie­ben wor­den. Die Tre­ter hier seien aber wohl eher ein Scherz, fügt er noch hinzu, bevor der nächs­te Bis­sen in sei­nem Mund lan­det: „Von ‚Splas­hern‘, die zu viel Geld haben.“ Sein jün­ge­rer Kol­le­ge tippt auf Kin­der, eine be­son­de­re Idee ste­cke nicht da­hin­ter: „Ich habe mal einen be­ob­ach­tet, der war kaum 1,60 groß.“ Dem­entspre­chend lange habe es ge­dau­ert, bis das Schuh­paar oben ge­blie­ben sei. Das Wer­fen habe be­stimmt sei­nen Reiz. „Man hat ja keine Lei­ter oder so.“ Für man­che sei das si­cher eine Art Sport. Die ei­gent­lich in­ter­es­san­te Frage aber sei doch, wirft er la­chend ein: „Bringt man die Schu­he extra mit oder geht man dann bar­fuß heim?“ Ein­stim­mi­ges Ge­läch­ter. Der Herr Pro­fes­sor er­gänzt, es sei eine Mode. „Wie die hän­gen­den Hosen: Die kamen ja auch von ir­gend­wo­her und dann hat­ten sie plötz­lich nichts mehr mit Knast und so zu tun.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Fuß­ab­drü­cke hin­ter­las­sen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es liege in der Natur des Men­schen, der Be­deu­tungs­lo­sig­keit des Le­bens etwas ent­ge­gen­stel­len und Fuß­ab­drü­cke hin­ter­las­sen zu wol­len, er­klä­ren Psy­cho­lo­gen, Zei­chen zu set­zen, selbst wenn nie­mand wisse, wofür. Es gibt ganze In­ter­net­fo­ren, die sich mit dem Schuh-Phä­no­men be­schäf­ti­gen, und Filme, die ihm nach­ge­hen. Die Ur­sprün­ge lie­gen dem­nach in den USA und in Schott­land. In den USA ste­hen die Luft-Tre­ter vor allem mit Ban­den­kri­mi­na­li­tät in Ver­bin­dung, die­nen als Re­vier­mar­kie­rung und er­in­nern an To­des­op­fer. In Schott­land ist der Brauch an­geb­lich noch älter und ein stol­zes Zei­chen für den ers­ten Sex. Im Stein­tor-Vier­tel tippt die Freun­din des Mäd­chens, das einen bösen Streich unter Mit­schü­lern ver­mu­tet, eher auf eine Mut­pro­be. Die Auf­ga­be be­ste­he darin, die Schu­he wie­der run­ter zu holen. Aber, wen­det sie dann selbst ein: „Dabei kann man si­cher leicht kre­pie­ren.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ge­fähr­lich? Quatsch!“, kom­men­tiert der Wirt spöt­tisch und si­gna­li­siert mit einer Hand­be­we­gung, wie be­schränkt er diese An­nah­me fin­det. „Wer will denn da oben dran­kom­men?“ Au­ßer­dem hin­gen diese neun Schuh­paa­re nun schon eine ganze Weile dort. Wie lange genau, weiß er aber auch nicht. Die hän­gen­den Schu­he küm­mer­ten of­fen­sicht­lich nie­mand. „Mögen oder nicht mögen? Ich habe keine Mei­nung dazu“, sagt er schließ­lich. „Ohne die Schu­he wäre es ja auch nicht schö­ner.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Die Frage ist doch: Bringt man die Schu­he extra mit oder geht man dann bar­fuß heim?</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Er­fah­re man von Schu­hen, die an Ka­beln oder Lei­tun­gen hin­gen, heißt es bei der SWB, so prüfe man, ob da­durch Schä­den ent­stan­den seien oder eine Ge­fähr­dung von Leib und Leben vor­lie­ge. Ge­ge­be­nen­falls wür­den Mit­ar­bei­ter die Tre­ter dann ent­fer­nen. Die Bre­mer Po­li­zei teilt mit, dass das Wer­fen von Schu­hen auf Kabel, Am­peln oder Bäume nach dem Kreis­lauf­wirt­schafts- und Ab­fall­ge­setz als Ord­nungs­wid­rig­keit gelte; es drohe ein Ver­war­nungs­geld von 35 Euro. Ob die hän­gen­den Schu­he dar­über hin­aus eine Ge­fähr­dung dar­stell­ten, müsse je­weils im Ein­zel­fall ge­prüft wer­den; zu­stän­dig sei in ers­ter Linie das Stadt­amt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Turn­schu­he der jun­gen, groß ge­wach­se­nen Frau, die mit ihrem Hund ge­ra­de die Kreu­zung am Hor­ner Eck über­que­ren möch­te, sehen einem der Schuh­paa­re, die hoch über ihr bau­meln, sehr ähn­lich: „Chucks“ der Marke „Con­ver­se“. Weiß sie viel­leicht, was es mit dem omi­nö­sen Luft­schmuck auf sich hat? „Das ist so, wie ir­gend­was an die Häu­ser sprü­hen oder wie die­ses Hä­keln, glau­be ich“, sagt sie, und dass es wohl aus den USA komme. „Aber genau ver­ste­he ich das auch nicht.“ Sie lä­chelt ent­schul­di­gend.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Foto: </td><td><em>Tinka Lehn.</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/25-ziegenmarkt/"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25.jpg" alt="" class="wp-image-11793" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-1200x800.jpg 1200w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Stopp Elend</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/stopp-elend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 09 Feb 2015 21:28:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Drogen]]></category>
		<category><![CDATA[Streetworker]]></category>
		<category><![CDATA[Ziegenmarkt]]></category>
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					<description><![CDATA[#25 ZIEGENMARKT – Sie wollten die Verelendung aufhalten – die einen die der Junkies, die anderen die des Viertels. Ein Rückblick auf das Ende einer der größten Drogenszenen Deutschlands „Meine Damen und Her­ren, liebe Jun­kies, heute ver­tei­len wir sau­be­re Sprit­zen, wer tut es mor­gen?“, steht auf den gro­ßen Schil­dern, die sich die Stu­die­ren­den um­ge­hängt haben. Sie ste­hen auf dem Markt­platz und im Vier­tel, rund ums Siel­walleck. Sie haben Eimer dabei für die Sprit­zen. Vor allem aber in­for­mie­ren sie dar­über, wie man Dro­gen­ab­hän­gi­gen hel­fen kann. Es ist 1991 und die of­fe­ne Dro­gen­sze­ne im Bre­mer Stein­tor­vier­tel gilt als eine der größ­ten in ganz Deutsch­land. Fast alle der Süch­ti­gen sind ob­dach­los und kon­su­mie­ren auf of­fe­ner Straße. Die Jun­kies und ihre Hin­ter­las­sen­schaf­ten sind über­all zu fin­den: in Vor­gär­ten, in Haus­ein­gän­gen, auf Spiel­plät­zen. Schul­hö­fe blei­ben wäh­rend der Pau­sen wegen her­um­lie­gen­den Sprit­zen oder be­nutz­ten Kon­do­men ge­schlos­sen. Dieb­stäh­le, Ein­brü­che, Dea­le­rei und Pro­sti­tu­ti­on sind an der Ta­ges­ord­nung – ir­gend­wo­her muss das Geld für die gan­zen Dro­gen kom­men. Bil­der von aus­ge­mer­gel­ten Ge­sich­tern und sprit­zen­über­sä­ten Vor­gär­ten schmü­cken die Zei­tungs­co­ver bun­des­weit. 23 Jahre spä­ter: Im Kon­takt-Café &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#25 ZIEGENMARKT – Sie wollten die Verelendung aufhalten – die einen die der Junkies, die anderen die des Viertels. Ein Rückblick auf das Ende einer der größten Drogenszenen Deutschlands</h2>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege.jpg"><img decoding="async" width="379" height="417" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege.jpg" alt="Zeichnung einer Ziege, Umrandung aus Spritzen" class="wp-image-6190" style="object-fit:cover" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege.jpg 379w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/Ziege-273x300.jpg 273w" sizes="(max-width: 379px) 100vw, 379px" /></a></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">„Meine Damen und Her­ren, liebe Jun­kies, heute ver­tei­len wir sau­be­re Sprit­zen, wer tut es mor­gen?“, steht auf den gro­ßen Schil­dern, die sich die Stu­die­ren­den um­ge­hängt haben. Sie ste­hen auf dem Markt­platz und im Vier­tel, rund ums Siel­walleck. Sie haben Eimer dabei für die Sprit­zen. Vor allem aber in­for­mie­ren sie dar­über, wie man Dro­gen­ab­hän­gi­gen hel­fen kann.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist 1991 und die of­fe­ne Dro­gen­sze­ne im Bre­mer Stein­tor­vier­tel gilt als eine der größ­ten in ganz Deutsch­land. Fast alle der Süch­ti­gen sind ob­dach­los und kon­su­mie­ren auf of­fe­ner Straße. Die Jun­kies und ihre Hin­ter­las­sen­schaf­ten sind über­all zu fin­den: in Vor­gär­ten, in Haus­ein­gän­gen, auf Spiel­plät­zen. Schul­hö­fe blei­ben wäh­rend der Pau­sen wegen her­um­lie­gen­den Sprit­zen oder be­nutz­ten Kon­do­men ge­schlos­sen. Dieb­stäh­le, Ein­brü­che, Dea­le­rei und Pro­sti­tu­ti­on sind an der Ta­ges­ord­nung – ir­gend­wo­her muss das Geld für die gan­zen Dro­gen kom­men. Bil­der von aus­ge­mer­gel­ten Ge­sich­tern und sprit­zen­über­sä­ten Vor­gär­ten schmü­cken die Zei­tungs­co­ver bun­des­weit.</p>



<p class="wp-block-paragraph">23 Jahre spä­ter: Im Kon­takt-Café der „Drobs“ – das steht für „Dro­gen­be­ra­tungs­stel­le“ – im Ti­vo­li-Hoch­haus sitzt eine Hand­voll So­zi­al­ar­bei­te­rIn­nen um den Tisch. Nach­mit­tags kriegt man hier ’nen Kaf­fee, vor­mit­tags nut­zen die Mit­ar­bei­te­rIn­nen den Raum für Be­spre­chun­gen. Sie sind alle um die 50 und alle seit meh­re­ren Jahr­zehn­ten an dem Thema dran. „Heute ist im Vier­tel nix“, sagen sie, und auch der ein­zi­ge junge Street­wor­ker-Kol­le­ge, der mit da­bei­sitzt, nickt. Ins Vier­tel geht er gar nicht mehr auf sei­nen Tou­ren.</p>



<h3 class="wp-block-heading">At­trak­ti­ves Flair für Süch­ti­ge</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Da­mals ge­hö­ren die Frau­en mit zu den Ers­ten über­haupt, die sich hier in Bremen um Jun­kies küm­mern. „Dro­gen­ar­beit und Ka­pi­tal“ heißt ihre stu­den­ti­sche Ar­beits­grup­pe, die sich, un­ter­stützt von ein paar Pro­fes­so­ren, kun­dig macht und Kon­takt zu den Süch­ti­gen sucht. Sie fah­ren nach Hol­land, wo die Dro­gen­sze­ne schon län­ger groß ist, um sich zu in­for­mie­ren, ler­nen Sprit­zen­au­to­ma­ten und Druck­räu­me ken­nen. Ihr Ziel: „Die Ver­elen­dung der Jun­kies auf­hal­ten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">An­de­re wol­len eher die „Ver­elen­dung des Vier­tels“ auf­hal­ten. Wäh­rend der 1950er- und 1960er-Jah­ren lebt hier ein bunt ge­misch­ter Hau­fen, Hip­pies, Wohn­ge­mein­schaf­ten, Stu­die­ren­de, Im­mi­gran­ten und Jun­kies. Viele Ge­bäu­de sind her­un­ter­ge­kom­men, die Miet­prei­se dem­entspre­chend güns­tig. Hier fin­den alle Platz, die To­le­ranz un­ter­ein­an­der ist ziem­lich groß – auch ge­gen­über der Dro­gen­sze­ne. „Man hatte seine Dea­ler, seine Ab­hän­gi­gen und seine Pen­ner und man kann­te sie“, drückt es ein An­woh­ner aus.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Viertel wird herausgeputzt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dass es ir­gend­wann zum Kon­flikt kommt, der ab den 1980ern rich­tig es­ka­liert, hängt in den Augen der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen mit der schon da­mals ein­set­zen­den Gen­tri­fi­zie­rung zu­sam­men: Nach dem Aus für die vier­spu­ri­ge „Mo­zart­tras­se“ quer durchs Quar­tier und die Hoch­haus-Plä­ne wird das Vier­tel wie­der her­aus­ge­putzt. Die Haus­be­sit­zer, man­che ehe­mals Haus­be­set­zer, wer­den älter, be­kom­men Kin­der, wün­schen sich schö­ne Vor­gär­ten und eine „si­che­re“ Um­ge­bung. „Die woll­ten schon, dass das Vier­tel span­nend ist, aber nicht so“, drückt es eine der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen aus.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Stadt­bild wan­delt sich – nur die Jun­kies, die blei­ben. Haupt­dro­ge ist He­ro­in, ein Gramm be­reits für 60 DM zu be­kom­men. Ge­fahr, von der der Po­li­zei „auf­ge­knöpft“ zu wer­den, be­steht erst ab zehn Gramm. Nir­gend­wo an­ders sind die Prei­se so güns­tig und die Ge­setz­ge­bung so li­be­ral; das Flair zieht wei­te­re Dro­gen­ab­hän­gi­ge an. Die vor­mals so to­le­ran­te Nach­bar­schaft spal­tet sich in zwei Lager, die sich ge­gen­sei­tig in die Quere kom­men. Flug­blät­ter von „Jun­kie-Ak­ti­ons­wo­chen“ wet­tern gegen die „ver­kack­ten Arsch­gei­gen die­ser Welt“: „Kommt ihr euch über­haupt nicht doof vor, auf die Straße zu gehen ‚für sau­be­re Stra­ßen‘?“</p>



<h2 class="wp-block-heading has-text-align-left">Flug­blät­ter von „Jun­kie-Ak­ti­ons­wo­chen“ wet­tern gegen die<br />„ver­kack­ten Arsch­gei­gen die­ser Welt“</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Rich­ti­ge Ori­gi­na­le“ seien das da­mals ge­we­sen, die Jun­kies, er­zäh­len die So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. Es klingt wie: Nicht so be­ne­belt vom Me­tha­don wie die Sub­sti­tu­ier­ten heute. Die Stu­die­ren­den und So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen er­grei­fen da­mals nicht nur Par­tei für die Süch­ti­gen. Weil es staat­li­che An­ge­bo­te bis dato kaum gibt, or­ga­ni­sie­ren die Ak­ti­vis­tIn­nen auch ganz prak­ti­sche Hilfe, etwa durch Haus­be­set­zun­gen, um Un­ter­künf­te und Druck­räu­me zu schaf­fen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Erst als 1988 im Ge­sund­heits­res­sort nicht mehr Hen­ning Scherf das Zep­ter in der Hand hält, be­kom­men die Street­wor­ke­rin­nen auch mehr staat­li­che Un­ter­stüt­zung für ihre Ar­beit. Ein VW-Bus dient als „Schutz­raum“ für die bis zu 50 Pro­sti­tu­ier­ten auf dem Dro­gen­strich in der Frie­sen­stra­ße. Die haben nicht nur Stress mit den Frei­ern, son­dern auch mit den Pro­sti­tu­ier­ten aus der He­le­nen­stra­ße, denen sie das Ge­schäft ver­mie­sen. Im Bus wer­den Wun­den ver­sorgt, Ein­weg­sprit­zen und Kon­do­me ver­teilt. Ein ähn­li­ches An­ge­bot schafft das neue Drobs-Café in der Bau­ern­stra­ße und der „Kon­takt­la­den“ in der We­ber­stra­ße. Hilfe gegen Hun­ger, Kälte und Ver­let­zun­gen – das lin­dert das Elend. Und na­tür­lich gibt es immer auch Be­ra­tung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Überlastung durch die wachsende Nachfrage</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das An­ge­bot der Street­wor­ker kann dem An­sturm nicht stand­hal­ten. Ge­ra­de in den Win­ter­mo­na­ten sind der Frau­en­bus und die Be­ra­tungs­stel­le in der Bau­ern­stra­ße für viele le­bens­not­wen­dig. Was als An­ge­bot mit viel per­sön­li­chem Kon­takt und of­fe­nem Ohr für eine über­schau­ba­re An­zahl an Dro­gen­ab­hän­gi­gen ge­dacht war, wird von den un­zäh­li­gen Jun­kies re­gel­recht über­flu­tet. Die Mit­ar­bei­ter kön­nen das kaum noch be­wäl­ti­gen, 86 Dro­gen­to­te in einem Jahr schrei­ben einen neuen Re­kord. „Da die Ab­hän­gi­gen immer mehr ver­elen­den, war un­se­re Ar­beit zu­neh­mend auf die Ver­sor­gung re­du­ziert. Mit un­se­rem bis­he­ri­gen Kon­zept sind wir ge­schei­tert“, ge­steht Anton Bart­ling, der da­ma­li­ge Lei­ter des Drobs-Cafés, im De­zem­ber 1991 in einem In­ter­view.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In den Win­ter­mo­na­ten 1990/1991 sind die Lo­ka­le in der Bau­ern- und We­ber­stra­ße zeit­wei­lig so über­lau­fen, dass es zu re­gel­rech­ten Aus­schrei­tun­gen kommt. Den Street­wor­kern bleibt nichts an­de­res übrig, als beide An­lauf­stel­len zeit­wei­se zu schlie­ßen, um sich selbst nicht zu ge­fähr­den. Der Ver­such, die Räume zu er­wei­tern, schei­tert am star­ken Pro­test von An­woh­nern und La­den­be­sit­zern. Auch all­ge­mein wächst der Druck: Mit De­mons­tra­tio­nen, Flug­blät­tern und öf­fent­li­chen Dis­kus­sio­nen macht sich eine Bür­ger­be­we­gung rund um den Os­ter­tor­stein­weg gegen die Dro­gen­sze­ne stark. „Die woll­ten, dass das alles ein­fach ver­schwin­det“, er­in­nert sich eine der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. „Die Angst vor HIV war grö­ßer als die Angst vor zu vie­len Dro­gen­to­ten.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Jun­kie-Sitz­blo­cka­de auf der Kreu­zung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auch die Po­li­tik ist unter Druck. Im Sep­tem­ber 1992 be­schließt der Senat die „Rück­bil­dung der of­fe­nen Dro­gen­sze­ne mit dem Ziel ihrer Auf­lö­sung“. Viele neh­men das zu­nächst nicht ernst. Die Jun­kies ge­hör­ten zum Vier­tel, rund um die Uhr. „Kei­ner konn­te sich vor­stel­len, dass sich das je än­dert“, sagt eine der So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen. „Da hing ja auch eine kom­plet­te In­fra­struk­tur dran.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Doch neben der Be­reit­stel­lung von de­zen­tral über die ganze Stadt ver­teil­tem Wohn­raum be­deu­tet der Se­nats­be­schluss auch mas­si­ve Re­pres­sio­nen gegen Süch­ti­ge und Pro­sti­tu­ier­te sowie einen Abbau der be­ste­hen­den Hilfs­an­ge­bo­te im Vier­tel. Von „Er­pres­sung“ spre­chen die So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen: Zwar gibt es mehr Mit­tel für ein frau­en­spe­zi­fi­sches Me­tha­don­pro­gramm. Der Bus, der als An­lauf­stel­le für die Dro­gen­pro­sti­tu­ier­ten in der Frie­sen­stra­ße dien­te, muss aber im Ge­gen­zug sein An­ge­bot ein­stel­len. Der Sprit­zen­au­to­mat am Eck wird im Ok­to­ber 1992 ab­ge­baut. Und auch die Jun­kie-Sitz­blo­cka­de auf der Siel­wall­kreu­zung kann das Aus für die An­lauf­stel­len in der Bau­ern- und We­ber­stra­ße nicht ver­hin­dern.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dro­gen­ab­hän­gi­ge, die beim Kon­su­mie­ren er­wischt wer­den, be­kom­men nun Buß­gel­der, Platz­ver­wei­se oder wer­den di­rekt aufs Po­li­zei­re­vier ge­bracht. Die ört­li­chen Zel­len sind so über­füllt, dass die Be­am­ten die Ab­hän­gi­gen manch­mal ein­fach nur in einem an­de­ren Stadt­teil ab­set­zen. Mit Kon­trol­len und Buß­gel­dern geht die Po­li­zei auch gegen die Pro­sti­tu­ier­ten und Frei­er in der Frie­sen­stra­ße vor – nicht, um die Dro­gen­pro­sti­tu­ti­on zu ver­hin­dern, son­dern, um sie an den Holz­ha­fen zu ver­le­gen. In „Bür­ger-In­for­ma­tio­nen“, die sich an Frei­er rich­ten, kün­digt der In­nen­se­na­tor „Vor­la­dun­gen an Ihre Woh­nungs­an­schrift“ an und warnt vor „pein­li­chen Si­tua­tio­nen“. Dro­gen­ab­hän­gi­ge Pro­sti­tu­ier­te, die wei­ter­hin im Sperr­ge­biet ihre Diens­te an­bie­ten, lan­den rei­hen­wei­se im Ge­wahr­sam – 35 Frau­en täg­lich sind es Mitte der 1990er.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Die Angst vor HIV war grö­ßer als die Angst vor zu vie­len Dro­gen­to­ten</h2>



<p class="wp-block-paragraph">1995 zieht die Drobs von der Bau­ern­stra­ße ins Ti­vo­li-Hoch­haus um. Die Zahl der Süch­ti­gen, die mit Me­tha­don sub­sti­tu­iert wer­den, steigt von 200 im Jahr 1991 auf 1.000. „Im Stein­tor ist es so ruhig wie seit zehn Jah­ren nicht mehr“, kon­sta­tiert der Po­li­zei­re­vier­lei­ter. Die Lei­te­rin der Drobs zieht 1996, ein Jahr nach dem Umzug, eine ge­misch­te Bi­lanz: Zwei Drit­tel ihrer Kli­en­tIn­nen aus dem Vier­tel kämen wei­ter­hin vor­bei, dafür such­ten nun auch Ab­hän­gi­ge Rat, die zuvor das Um­feld der of­fe­nen Szene im Vier­tel ge­scheut hät­ten. Die Si­tua­ti­on der Jun­kies im Vier­tel aber habe sich mas­siv ver­schlech­tert: Das Klima sei rück­sichts­lo­ser ge­wor­den, die Ver­elen­dung habe zu­ge­nom­men.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die So­zi­al­ar­bei­te­rin­nen, die einst im VW-Bus in der Frie­sen­stra­ße hal­fen und in­zwi­schen bei der Come­back GmbH im Ti­vo­li-Hoch­haus ar­bei­ten, sind bis heute wü­tend über das ra­bia­te Vor­ge­hen von Po­li­tik und Po­li­zei da­mals. Das Wohl der Süch­ti­gen habe keine Rolle mehr ge­spielt, ur­tei­len sie: „Un­se­re Be­mü­hun­gen wur­den zer­schla­gen.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Char­lett Wenig</em></td><td>Bild: <br /><em>Susan Buckow</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/25-ziegenmarkt/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25.jpg" alt="" class="wp-image-11793" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/cover_25-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>
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		<title>#25 Ziegenmarkt</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/25-ziegenmarkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michael Vogel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 01 Feb 2015 09:07:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Geburtstag]]></category>
		<category><![CDATA[viertel]]></category>
		<category><![CDATA[Ziegenmarkt]]></category>
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					<description><![CDATA[Hintergrundfoto: Hans-Jörg Aleff/flickr.com EDITORIAL: Happy Birthday Zum Geburtstag gibt’s Überraschungen, das gilt auch für die Zeitschrift der Straße. Vier Jahre ist das Bremer Straßenmagazin nun alt, im Schnitt sind sechs Ausgaben pro Jahr erschienen. Künftig, Überraschung Nummer eins, werden es zehn pro Jahr sein. Freuen Sie sich mit uns auf mehr Orte, mehr Geschichten und mehr Einblicke in das einzigartige Zeitschriftenprojekt, das unlängst auch vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet wurde (Seite 28). Zweitens gibt sich die Zeitschrift der Straße zu ihrem Geburtstag ein neues Gewand. Was es damit auf sich hat und welche Neuerungen das mit sich bringt, lesen Sie auf Seite 27. Neu ist drittens unsere Adresse. Statt im Lloydhof finden Sie uns nun hinterm Siemens-Hochhaus Auf der Brake 10–12, fußläufig zwischen Hauptbahnhof und City gelegen – schauen Sie gerne einmal vorbei. Was bleiben wird, sind spannende Geschichten, nach denen wir an jedem Ort aufs Neue suchen. Am Ziegenmarkt wimmelte es nur so davon. Acht haben wir aufgeschrieben; die eine Hälfte hier im Heft, die andere auf www.zeitschrift-der-strasse.de, unserer (ebenfalls neu gestalteten) &#8230;]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><em>Hintergrundfoto: Hans-Jörg Aleff/flickr.com</em></p>



<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-7" style="color:#ec4a4d">EDITORIAL: Happy Birthday</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Geburtstag gibt’s Überraschungen, das gilt auch für die Zeitschrift der Straße. Vier Jahre ist das Bremer Straßenmagazin nun alt, im Schnitt sind sechs Ausgaben pro Jahr erschienen. Künftig, Überraschung Nummer eins, werden es zehn pro Jahr sein. Freuen Sie sich mit uns auf mehr Orte, mehr Geschichten und mehr Einblicke in das einzigartige Zeitschriftenprojekt, das unlängst auch vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet wurde (Seite 28).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zweitens gibt sich die Zeitschrift der Straße zu ihrem Geburtstag ein neues Gewand. Was es damit auf sich hat und welche Neuerungen das mit sich bringt, lesen Sie auf Seite 27.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Neu ist drittens unsere Adresse. Statt im Lloydhof finden Sie uns nun hinterm Siemens-Hochhaus Auf der Brake 10–12, fußläufig zwischen Hauptbahnhof und City gelegen – schauen Sie gerne einmal vorbei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Was bleiben wird, sind spannende Geschichten, nach denen wir an jedem Ort aufs Neue suchen. Am Ziegenmarkt wimmelte es nur so davon. Acht haben wir aufgeschrieben; die eine Hälfte hier im Heft, die andere auf www.zeitschrift-der-strasse.de, unserer (ebenfalls neu gestalteten) Internetseite.</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-8 wp-block-paragraph" style="color:#ec4a4d">Viel Spaß beim Lesen wünscht Armin Simon<br />und das ganze Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="2306" height="1500" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3.png" alt="" class="wp-image-13361" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3.png 2306w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-300x195.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1250x813.png 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1536x999.png 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-2048x1332.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 2306px) 100vw, 2306px" /></figure>
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<p class="wp-block-paragraph"></p>


<div class="_df_book df-lite" id="df_12528"  _slug="12528" data-title="25-ziegenmarkt-online-lesen" wpoptions="true" thumb="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/02/ziegenmarkt_klein.jpg" thumbtype="" ></div><script class="df-shortcode-script" nowprocket type="application/javascript">window.option_df_12528 = {"outline":[],"autoEnableOutline":"false","autoEnableThumbnail":"false","overwritePDFOutline":"false","enableDownload":"false","direction":"1","pageSize":"0","controlsPosition":"bottom","autoPlay":"false","autoPlayStart":"false","source":"https:\/\/zeitschrift-der-strasse.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/25-Ziegenmarkt.pdf","wpOptions":"true"}; if(window.DFLIP && window.DFLIP.parseBooks){window.DFLIP.parseBooks();}</script>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-9" style="color:#ec4a4d"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/fremdkoerper-mit-parkverbot/">@ – FREMDKÖRPER MIT PARKVERBOT (<span style="text-decoration: underline;">online lesen</span>)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zu sauber, zu teuer, zu groß – der Neubau überm „Rewe“ ärgert viele. Hält nur Dreck Gentrifizierung auf? Die Geschichte von „Ziegenmarkt 21“</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-10" style="color:#ec4a4d"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/die-leichtigkeit-des-buddha/">@&nbsp;– DIE LEICHTIGKEIT DES BUDDHA (<span style="text-decoration: underline;">online lesen</span>)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Als Hippie suchte er das Neue. Ostasien ließ ihn nicht mehr los. Eine Teezeremonie mit Harald Lührs in seiner „Buddhawelt“</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-11" style="color:#ec4a4d"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/tritt-ins-leere/">@&nbsp;– TRITT INS LEERE (<span style="text-decoration: underline;">online lesen</span>)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Zeichen für den ersten Sex, für Mord und Totschlag oder einfach für nichts? Eine Suche nach der Wahrheit über die Schuhe an der Leine</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-12" style="color:#ec4a4d"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/stopp-elend/">@ – STOPP ELEND (<span style="text-decoration: underline;">online lesen</span>)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Sie wollten die Verelendung aufhalten – die einen die der Junkies, die anderen die des Viertels. Ein Rückblick auf das Ende der größten Drogenszene Deutschlands</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/26-walfischhof/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/03/cover_26.jpg" alt="" class="wp-image-11795" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/03/cover_26.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/03/cover_26-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/03/cover_26-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2015/03/cover_26-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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