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	<title>Leseprobe &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Leseprobe &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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		<title>Rückblick: #1 Sielwall – &#8222;Bremen 21&#8220;</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/sielwall-bremen-21/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Melis Sivasli]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Mar 2026 10:10:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
		<category><![CDATA[Sielwall]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtplanung]]></category>
		<category><![CDATA[viertel]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit 15 Jahren Zeitschrift der Straße blicken wir auf die allererste Ausgabe zurück, und starten mit einem Artikel über einen Rückblick auf die Stadtentwicklung Bremen: &#8222;Eine Bürgerinitiative stoppte 1973 den Komplettabriss des Viertels. Um ein Haar wäre Bremen zur Großstadt geworden. (&#8230;)&#8220; Foto: Marion Kliesch, Text: Kolja BurmesterFebruar 2011 Neulich war mal wieder Besuch da. Aus Berlin. Ehemalige Bremer:innen. Das ist immer besonders schlimm. Zusammen saß man – Samstagmittag – im Café an der Sielwallkreuzung, schaute durch die Fenster auf das Treiben. Fahrräder, Kinder, Omas mit Rollwägen. Einigermaßen rücksichtsvolle Autofahrer, die junge Familien, voll bepackt vom Ökomarkt zum Spielplatz strebend, geduldig über die Straße ziehen lassen. Viele kleine Gespräche auf dem Bürgersteig. Jeder scheint jeden zu kennen, und man selber fragt sich, warum man eigentlich noch immer auf dem Dorf wohnt. Diesem Dorf. Die Berliner:innen schwärmen: „Mein Gott, ist das schön hier. Und so friedlich. Wann ziehst Du endlich nach Berlin? Oder zumindest New York? Das hält man ja nur ’n paar Tage hier aus. Das ist ja ’n Riesendorf. Und die Häuser so klein!“ &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<h2 class="wp-block-heading">Mit 15 Jahren Zeitschrift der Straße blicken wir auf die allererste Ausgabe zurück, und starten mit einem Artikel über einen Rückblick auf die Stadtentwicklung Bremen: &#8222;Eine Bürgerinitiative stoppte 1973 den Komplettabriss des Viertels. Um ein Haar wäre Bremen zur Großstadt geworden. (&#8230;)&#8220;  </h2>



<p>Foto: Marion Kliesch, Text: Kolja Burmester<br />Februar 2011</p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Neulich war mal wieder Besuch da. Aus Berlin. Ehemalige Bremer:innen. Das ist immer besonders schlimm.</em></p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Zusammen saß man – Samstagmittag – im Café an der Sielwallkreuzung, schaute durch die Fenster auf das Treiben. Fahrräder, Kinder, Omas mit Rollwägen. Einigermaßen rücksichtsvolle Autofahrer, die junge Familien, voll bepackt vom Ökomarkt zum Spielplatz strebend, geduldig über die Straße ziehen lassen. Viele kleine Gespräche auf dem Bürgersteig. Jeder scheint jeden zu kennen, und man selber fragt sich, warum man eigentlich noch immer auf dem Dorf wohnt. Diesem Dorf.</em></p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Die Berliner:innen schwärmen: „Mein Gott, ist das schön hier. Und so friedlich. Wann ziehst Du endlich nach Berlin? Oder zumindest New York? Das hält man ja nur ’n paar Tage hier aus. Das ist ja ’n Riesendorf. Und die Häuser so klein!“</em></p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Es ist schon wahr. Das Viertel ist ein Dorf. Ein riesengroßes zwar. Aber ein Dorf. Ein Dorf mit Straßenbahn. Immerhin.</em></p>
</blockquote>



<p>Es hat nicht viel gefehlt, und das betuliche Bremer Viertel hätte sich mit der Frankfurter Skyline messen können. Bremen-Tenever stünde im Ostertor. Das Kottbusser Tor in Kreuzberg wäre nichts gegen den Sielwall.</p>



<p class="has-large-font-size">Am Abend des 4. Dezember 1973, ein Dienstag, ist die Sache durch. In einer hitzigen Sitzung beschließt die SPD-Bürgerschaftsfraktion mit der knappen Mehrheit von 26:24 Stimmen, das Quartier niederzureißen und fast vollständig neu zu gestalten. Die SPD regiert allein. CDU und FDP sind eh dafür.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Multifunktionale Stadtgroßform</h3>



<p>Die vierspurige „Mozarttrasse“ vom Rembertikreisel bis zum Flughafen ist dabei nur der kleinste Teil des ambitionierten Megaplans. Es geht um die neue Stadt, um Sachlichkeit, Rationalität, Moderne. Gleich mehrere Städteplaner sind auf das Projekt angesetzt. Sie wollen Leben und Freizeit und Arbeit im Stadtkonzept voneinander trennen und die einzelnen Bereiche durch Autotrassen miteinander verbinden. Vorbild sind, wie der damalige Bürgermeister Hans Koschnick (SPD) herausstellt, die Ideen von Le Corbusier, Übervater des Städtebaus der 60er Jahre. Neubaupläne gibt es viele, besonders vorangetrieben von der „Bremer Treuhand“ und der „Neuen Heimat“ – zwei Wohnungsbaugesellschaften, die nach dem Krieg anfangen, das Viertel aufzukaufen und unter sich aufzuteilen. Alte Filmaufnahmen zeigen, wie Beamt<em>:</em>innen des Bonner Bundesministeriums für Raumordnung, Bauwesen und Städteplanung in Bussen wie Tourist:innen den Ostertorsteinweg entlangchauffiert werden. Ludwig Gregord, Chefplaner der Bremer Treuhand, gibt am Mikrofon den Fremdenführer: „Sie sehen hier links und rechts, das ist nicht mehr zu halten, das wird alles dem Erdboden gleichgemacht.“</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Wir stapfen durch das Milchquartier. Die Berliner:innen lästern über die hohen Bremer Kaffeepreise und erfreuen sich an einem Kätzchen, das seelenruhig auf dem Pflaster [eines Fußgehwegs] zwischen Löwenzahn und Vergissmeinnicht döst. Hilde, die seit ein paar Jahren nicht mehr in Hastedt, sondern in einer Prenzelberger Atelierwohung lebt, schaut entzückt durch die Fenster des Wiener Hof Cafés. Drinnen hat sich seit 1973 nichts mehr verändert. Jedes Bild hängt noch an derselben Stelle. Wie Fische in einem Aquarium steuern die immergleichen Figuren durch den hell erleuchteten [Raum].</em></p>
</blockquote>



<p>Die Treuhand hätte damit Schluss gemacht. Weg mit den holperigen Gässchen, den handtuchbreiten Häuschen, den feuchten Hinterhöfen. Stattdessen: eine Asphaltpiste vom Rembertikreisel stracks nach Süden, vierspurig über die Weser, links und rechts davon bis zu 30-geschossige Türme, eine Hochhauslandschaft von der Schleifmühle bis zum Osterdeich, von den Wallanlagen bis zur Lüneburger Straße. „Multifunktionale Stadtgroßform“ betitelt das Städtebauinstitut Nürnberg sein Konzept, hinter der – „nur für den Dienstgebrauch“ – skizzierten imposanten Silhouette ragen gerade noch die Domtürme empor. Als Ost-West-Verbindung, zur Entlastung des Osterdeichs, schlagen die Planer eine weitere Straße durch das dicht bebaute Quartier, die sich über den Körnerwall bis zur Lüneburger Straße zieht. Was dafür alles weichen muss, hat das Stadtplanungsamt im Zuge einer Ortsbegehung bereits penibel kartiert.</p>



<p class="has-large-font-size">Es wird kein Zufall gewesen sein, dass die Grundlage für das große Abräumen aus Hannover kommt, der Stadt, die bis heute als Musterbeispiel für städtebaulichen Kahlschlag gilt. Professor Wilhelm Wortmann, dort ansässiger Stadtplaner, liefert im Auftrag der Treuhand ein „Gesamtkonzept“ fürs Bremer Viertel. Ergebnis: Große Teile des Ostertors und Steintors seien nicht mehr zu halten und müssten komplett erneuert werden. Wer heute von der Kreuzung Dobbenweg/Bismarckstraße zum Rembertikreisel geht, kann die ersten Umsetzungen dieser Pläne bewundern.</p>



<p>Das Bremen der 60er Jahre ist eine aufstrebende Stadt. Die Werften pumpen Geld in die Kassen. Die Einwohner:innenzahl könnte sich verdoppeln, glaubt man, Bremen sich zur norddeutschen Metropole entwickeln, mit Platz für mindestens 800.000 Menschen. Hierfür braucht es Wohnraum, am besten innenstadtnah, modern und hochgeschossig – zumal die Kriegsschäden noch immer für Wohnungsnot sorgen. Schon in den 30ern gilt das von Einzelhandel und engen Gassen geprägte Viertel als überplanbarer Bereich, als Spielwiese für [Stadtplanung]. Kurz nach Kriegsende verhängt der Senat einen Sanierungsstopp für das gesamte Ostertor/Steintor und gibt das Quartier damit bewusst dem Verfall preis. Die Alteingesessenen finden sich mehr oder weniger mit dem bevorstehenden Abriss ab.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Das wird alles dem Erdboden gleichgemacht</h3>



<p>Filmaufnahmen zeigen traurige Bilder von alten Bewohner:innen, die sich für wenig Geld haben enteignen lassen, etwas wehmütig in die Umzugswagen steigen und zum Abschied in die Kamera winken. Der Wert ihrer ehemaligen Häuser, am Rande bemerkt, vervielfacht sich in den Folgejahren. Faktisch sind die Immobilien damals für ’n Appel und ’n Ei zu haben. Manche ihrer heutigen Besitzer:innen sind erstaunlich hellsichtig gewesen.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Die Berliner:innen und ich stehen an der trüben Weser. Wer hier, mitten in der Stadt, mit dem Rücken zum Viertel auf den Stadtwerder guckt, könnte ebenso gut irgendwo in der niedersächsischen Provinz auf das andere Flussufer schauen. „Das da drüben ist die wahre Bremer City“, stichelt Markus, der schon Anfang der 90er nach Berlin geflüchtet ist: „Eine Kleingartensiedlung mit Holzhäusern und Vereinsheimen.“</em></p>
</blockquote>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Ich bin zu müde, um dem seltsamen Impuls nachzugeben, die Kleingartenanlage, in der eine befreundete Studi-WG neuerdings auch eine Parzelle mietet, zu verteidigen. Hilde springt mir bei. „Im Sommer ist es dort sehr schön“, sagt sie: „Und außerdem leben da angeblich seltene Vogelarten.“ Dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin! Wir trotten flussaufwärts zurück zum Sielwall.</em></p>
</blockquote>



<p>Borgward geht bald nach dem Krieg pleite. Der Motorisierung tut das keinen Abbruch. Bremens Antwort darauf ist die Trassentangente: eine Autobahn rings um die Innenstadt. Anfang der 70er steht die Hochstraße am Hauptbahnhof vor ihrer Vollendung. Im Westen schließt sie mit dem monströsen Nordwestknoten an die neubetonierte Weserquerung an. Im Süden sorgt die mehrspurige Neuenlander Straße für freie Fahrt. Was fehlt, ist die Spange im Osten. Da ist das Viertel im Weg.</p>



<p>Immerhin: Mit dem Rembertikreisel sind auch hier die ersten Schritte getan. Wo heute Autos ebenso lustig wie sinnlos um eine riesige Wiese im Kreis fahren, leben in den 60er Jahren noch Menschen. Dann rollen die Bagger an, fressen sich durch die Häuser. Ganze Straßenzüge fallen ihnen, wie die Wilhelmstraße, vollständig zum Opfer, andere, wie die Bohnenstraße, in Teilen. Von der Sonnenstraße stehen bloß noch Reste. An der Meinkenstraße reißen die Planer im hinteren Teil die komplette westliche Häuserfront weg. Den Bewohnern der östlichen Straßenseite, heute Eduard-Grunow-Straße, asphaltieren sie eine Autobahn vor die Wohnzimmerfenster. Diese Fakten zeigen jedem, was im Viertel nun folgen soll.</p>



<p>Niedrige Mieten und die Nähe zur Innenstadt machen das Ostertor zunehmend interessant für junge Leute. Ein Vergnügungsviertel entwickelt sich. Die Stadt schaut skeptisch auf ein sich langsam etablierendes Rotlichtmilieu und auf ein aufkeimendes Lebensgefühl, das später einmal die 68er-Bewegung genannt werden wird und das hier anfängt, sich eine neue Heimat aufzubauen. Rudi Dutschke spricht in der Lila Eule, die Fahrpreiserhöhung der Straßenbahn eskaliert zum Straßenkampf und macht bundesweit Schlagzeilen. Junge Bremer Genoss:innen um Olaf Dinné fangen an, die Kommunalpolitik für sich zu entdecken. „Sollten wir weiterhin Demos gegen die Amis in Vietnam, die Russen in der CSSR oder die Notstandsgesetze machen?“, fragt Dinné im Rückblick: „Es zeigte sich, dass wir uns im eigenen Viertel mal genauer umsehen sollten!“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Vietnam-Krieg zum Trassenkampf</h3>



<p>Und sie sehen sich um. Als erstes unterwandern sie den für das Viertel zuständigen SPD-Ortsverein Altstadt und machen Front gegen das Stadtumbauprojekt. Zwar sitzt kein Heiner Geißler mit am Küchentisch der Mozartstraße 5 – hier hat der Ortsverein seinen Sitz –, es gibt weder Wasserwerfereinsatz noch Großdemonstrationen. Die Parallelen zu Stuttgart 21 sind dennoch offenkundig. Hier wie dort weisen die Befürworter auf die demokratische Legitimation der seit langem verfolgten Planungen hin. Sie führen infrastrukturelle Notwendigkeiten ins Feld. Nicht zuletzt wird offenbar, wie viel Geld schon geflossen ist und wer welche Gewinne einberechnet hat. Wie beim Konflikt um Stuttgart 21 sind große Teile der Bevölkerung gegen das Projekt. Ludwig Gregor von der Treuhand bringt dies in einer Fernsehdebatte auf den Punkt, als er die Unwilligkeit der Eigentümer:innen beklagt: „Das Grundproblem im Ostertor ist doch zweifellos: Wir müssen in den Besitz der Grundstücke kommen.“</p>



<p>Die Stimmung im Viertel kippt. Mehr und mehr gehen die Anwohner:innen auf Konfrontationskurs. Nach einer Umfrage des Arbeitskreises Ostertor sind 95 Prozent von ihnen gegen das Projekt. Ein Umbau-Plan folgt auf den nächsten, begleitet jeweils von Widerstandsaktionen seitens der Gegenseite. Jahrelang geht das so. Legendär eine Bürger:innenversammlung im Chorprobensaal des Goethe-Theaters im Juli 1973 mit über 800 Teilnehmende: Spätestens jetzt ist klar, dass die Bewohner:innen des Viertels keines der Großbauvorhaben akzeptieren. Dessen ungeachtet bestätigt die SPD-Fraktion das Projekt – an ebenjenem Dienstagabend, dem 4. Dezember 1973.</p>



<p>Das Viertel ist geschockt. Es gibt viele Theorien darüber, was in der Nacht nach diesem Beschluss geschieht. Die populärste besagt, dass der damalige Fraktionsvorsitzende Walter Franke zuhause beim Abendbrot von seiner Frau dermaßen zusammengefaltet wird, dass er am nächsten Tag seine Fraktion ein weiteres Mal einberuft und zur Umkehr zwingt. Die wahrscheinlichere ist, dass die Abgeordneten und der Senat noch in der Nacht realisieren, dass sie diesen Beschluss gegen die Bevölkerung nicht durchhalten können, und kalte Füße bekommen. Wie auch immer: Jedenfalls tagt die Fraktion am Mittwoch erneut. Um 15 Uhr hat sie das erst am Vorabend beschlossene Projekt wieder vollständig gekippt – einstimmig, bei elf Enthaltungen.</p>



<p class="has-large-font-size">Offiziell behaupten die Abgeordneten, die Kosten hätten sich über Nacht verdoppelt, womit sich eine neue Beschlussgrundlage ergeben habe. Den Wohnungsbaugesellschaften stellt der Senat unbürokratisch die Wiesen in Tenever zur Verfügung – wo diese sich umgehend an die Umsetzung ihrer Ideen machen.</p>



<p class="has-large-font-size">Die Party in dieser Nacht im Ortsverein in der Mozartstraße 5 endet in einem grandiosen Besäufnis. Das Viertel ist gerettet.</p>



<p>Nicht so die SPD. 1979 zieht Dinné mit der Grünen Liste in die Bürgerschaft ein – das erste Landesparlament der Grünen –, macht der SPD die Macht streitig und fällt mit zum Teil überraschend konservativer Politik auf – bestrebt, das Viertel zu dem Hort der Ruhe und des Friedens zu machen, das es schlussendlich geworden ist: ganz ohne Hochhäuser, mit kleinen Läden, verkehrsberuhigten Spielstraßen, schicken Geschäften, Einkaufsgenossenschaften und Biosupermärkten. Aneinander geraten die Viertel-Schützer immer wieder mit Punks, McDonalds, Autonomen, Junkies und anderen, die nun ihrerseits versuchen, sich das Ostertor zu eigen zu machen.</p>



<p>Seit jeher gibt es im Viertel unterschiedliche Meinungen über die Gestaltung des öffentlichen Raumes. Ende 2010 startet eine neue Initiative mit dem richtungsweisenden Namen „Business Improvement District“. Initiatoren sind Geschäftsinhaber, die das Quartier in ihrem Sinne aufwerten wollen. Unter anderem ziehen sie gegen Graffiti zu Feld, wollen das Viertel sauber und attraktiv für auswärtige Kundschaft machen: Das Dorf soll sich rausputzen, um konkurrenzfähig zu bleiben. Die Mieten steigen. Wer sie nicht zahlen kann, flüchtet nach Walle oder in die Neustadt. Mit dem „Planet Boy“ schließt im Sommer 2009 das letzte alternative Café. Das subkulturelle Image des Viertels ist endgültig nur noch Legende.</p>



<p class="has-large-font-size">Einzig der Gründungsmythos lebt weiter: Der Widerstand gegen die Mozarttrasse ist nach wie vor identitätsstiftend. Das Viertel versteht sich noch heute als gallisches Dorf gegen ein übermächtiges Rom. Wo sonst in Bremen kippen Bürger einen Drive-In und spielen nachts auf einer Straßenkreuzung Fußball?</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p><em>Wir sitzen wieder im selben Lokal und trinken den zweiten Kaffee. Draußen laufen immer noch alte Bekannte vorüber. Es fängt an zu regnen. Die Lichter der Geschäfte spiegeln sich in den schmutzigen Pfützen. Der Sielwall leert sich. Wir reden über Werder und das Wetter und darüber, dass ein paar 30-stöckige Hochhäuser vielleicht doch so schlecht nicht wären. Denn vielleicht wäre Bremen dann eine richtige Großstadt geworden. Und nicht ein großes Dorf mit Straßenbahn.</em></p>
</blockquote>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-large is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1250" height="813" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1250x813.png" alt="Roter Stern mit spitzen Zacken und Text 'Diese Ausgabe ist ausverkauft. Du kannst sie hier online lesen!' in schwarzer und weißer Schrift." class="wp-image-13361" style="width:250px" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1250x813.png 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-300x195.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1536x999.png 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-2048x1332.png 2048w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></figure>
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<p></p>
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		<title>„Mit Menschen zu reden, ist mir sehr wichtig“</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/heinz-franz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Melis Sivasli]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Feb 2026 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
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		<category><![CDATA[Auf der Muggenburg]]></category>
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		<category><![CDATA[Verkaufsportrait]]></category>
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					<description><![CDATA[#134 Auf der Muggenburg: Heinz Franz trifft man meist hinter dem Bahnhof. Hier verkauft er die Zeitschrift der Straße und beobachtet, wie sich die Stimmung in der Stadt verändert Protokoll: Ulrike Plappert Fotos: Norbert Schmacke Ich lebe hinterm Bahnhof, Ausgang Bürgerweide, und schlafe an verschiedenen Orten. Einfach frei. Bei Regen stelle ich mich unter. Man kann auch von nachts um zwölf bis morgens um sechs im Bahnhof schlafen. Dann wird man aber deutlich aufgefordert, zu gehen. Auch bei der Winterkälte: Raus! Der Wärmeraum im Bahnhof geht nicht, wir sind keine Fahrgäst[:innen] – also raus. Aufwärmen kann man sich bis Mittag im Tivoli. Es gibt noch einen Raum in der Nähe, der vormittags aufmacht. Da gibt’s zu essen, du kannst dich unterhalten, schlafen gehen. Eigentlich bin ich bei der Oma groß geworden, weil meine Mutter arbeiten musste. Ich war im Grundschulinternat und ein superguter Schüler. Nach der sechsten Klasse hatte ich mich auf zu Hause gefreut. Dann haben meine Mutter und ihr Mann gebaut und ich kam wieder ins Internat. Sie hatten ja keine Zeit. Zu &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#134 Auf der Muggenburg: <em>Heinz Franz</em> trifft man meist hinter dem Bahnhof. Hier verkauft er <em>die Zeitschrift der Straße</em> und beobachtet, wie sich die Stimmung in der Stadt verändert</h2>



<p><mark style="background-color:#fcb900" class="has-inline-color"> Protokoll: <em>Ulrike Plappert</em> <br /> Fotos: <em>Norbert Schmacke</em> </mark> </p>



<p>Ich lebe hinterm Bahnhof, Ausgang Bürgerweide, und schlafe an verschiedenen Orten. Einfach frei. Bei Regen stelle ich mich unter. Man kann auch von nachts um zwölf bis morgens um sechs im Bahnhof schlafen. Dann wird man aber deutlich aufgefordert, zu gehen. Auch bei der Winterkälte: Raus! Der Wärmeraum im Bahnhof geht nicht, wir sind keine Fahrgäst[:innen] – also raus. Aufwärmen kann man sich bis Mittag im Tivoli. Es gibt noch einen Raum in der Nähe, der vormittags aufmacht. Da gibt’s zu essen, du kannst dich unterhalten, schlafen gehen.</p>



<p>Eigentlich bin ich bei der Oma groß geworden, weil meine Mutter arbeiten musste. Ich war im Grundschulinternat und ein superguter Schüler. Nach der sechsten Klasse hatte ich mich auf zu Hause gefreut. Dann haben meine Mutter und ihr Mann gebaut und ich kam wieder ins Internat. Sie hatten ja keine Zeit. Zu meiner Geschichte gehört auch, dass ich nur kurz mit meinem Vater aufgewachsen bin. Ich habe ihn später mal aufgesucht und viel Hoffnung da reingesetzt. Aber das war zu viel erwartet. </p>



<p>Nach Bremen gezogen bin ich vor ein paar Jahren wegen einer Drogentherapie, war in Loxstedt auf einem Hof und in Vegesack in der Klinik. Ich hatte Arbeit als Dachdecker. Leider bin ich dann weit weg in die falsche Richtung gezogen und kam durch die Baustelle in Vegesack nicht mehr pünktlich zur Arbeit. Das ging dann zu Ende und die Beziehung mit der Freundin auch. Dann hat das Jobcenter Briefe wegen der Miete an die falsche Adresse geschickt. Ich hab nachgefragt, aber ich sollte warten, das würde in Bremen immer ein bisschen dauern, hieß es. Die Miete kam also nicht und Arbeit war auch nicht mehr. Der Vermieter hat mich dann einfach rausgeworfen: Kalträumung. Das wurde zwar vom Gericht aufgehoben, aber so kam eins zum andern und nichts hat funktioniert. Die Zahlungen vom Jobcenter kamen nicht, dafür der Gerichtsvollzieher und ich musste raus. Es war Januar.</p>



<blockquote class="wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow">
<p data-wp-context---core-fit-text="core/fit-text::{&quot;fontSize&quot;:&quot;&quot;}" data-wp-init---core-fit-text="core/fit-text::callbacks.init" data-wp-interactive data-wp-style--font-size="core/fit-text::context.fontSize" class="has-fit-text" style="font-style:normal;font-weight:600">„Wenn erst das Schlechte zum Guten wird, dann kommt das Chaos“</p>
</blockquote>



<p>Dann bin ich nach Bremen zum Bahnhof, wo man Essen kriegt. Da hab ich die Leute vom Café Papagei kennengelernt, die mich unterstützt haben. So bin ich auch an<em>die Zeitschrift der Straße</em> gekommen. Ich bin ja nicht der Faule oder Schnorrer oder Bettler, wie Leute draußen öfter sagen. Sie wissen ja gar nicht, was da los ist. Zum Beispiel: Ohne Arbeit keinen festen Wohnsitz und ohne Wohnung keine feste Arbeit. Das ist ein Teufelskreis. Hier in Bremen ist das mit Notunterkünften zwar alles gut organisiert. </p>



<p>Aber sie helfen einem nicht weiter, wenn man dann Arbeit hat. Dass man eine WG oder ein Zimmer bekommt, wo man sich anmelden kann, dass sie gucken, wie man zurechtkommt. Es ist ja so: Wenn man so lange kein Geld hatte und auf einmal eine Nachzahlung vom Jobcenter über dreizehnhundert Euro auf einen Schlag kommt oder Geld von einer Arbeit – Rauschzustand! Damit ist man voll überfordert und verballert das ganz schnell. Weg. Bamm! Da wird man nicht rausgeholt – dabei bräuchte man Betreuung.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img decoding="async" width="600" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web.jpg" alt="Mann mit Mütze und Jacke hält eine Zeitung mit dem Titel 'DIE ZEITSCHRIFT DER STRASSE' vor einem geparkten Auto hoch" class="wp-image-15229" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/02/Heinz_web-420x560.jpg 420w" sizes="(max-width: 600px) 100vw, 600px" /><figcaption class="wp-element-caption">Ein Experte des Alltags: unser Verkäufer <em>Heinz Franz</em>.</figcaption></figure>
</div>


<p></p>



<p>Von der Notunterkunft bin ich wieder auf die Straße. Zur Familie gibt es keinen Kontakt mehr. Freundschaften sind schwierig. Mit Menschen zu reden und in Kontakt zu bleiben, ist mir aber sehr wichtig. Das verlernt man nicht nur auf der Straße: Wenn man zwei Jahre in der Bude vor dem Fernseher sitzt, verändert man sich ja, geht immer mehr in sich rein, kann irgendwann gar nicht mehr mit Menschen reden. </p>



<p>Es gibt schon Leute, denen ich gelegentlich begegne, zum Beispiel Sozialarbeiter[:innen] vom Papagei oder vom Bus. Es gibt auch andere, die ich nicht immer einordnen kann. Aber das sind oberflächliche Kontakte. Wenn ich morgen weg bin, dann bin ich weg. Vielleicht denkt höchstens noch mal jemand: „Wo ist denn der Heinz? Den haben wir ja lange nicht mehr gesehen.“</p>



<p><em>Die Zeitschrift der Straße</em> verkaufe ich, weil man da einen anderen Blickwinkel auf die Menschen hat und die auch auf einen. Die meisten finden das toll. Feste Kundschaft ist am Bahnhof schwierig, weil es jeden Tag so viele, viele Gesichter gibt. Aber mit dem Geld ist es immer noch okay hier. Aber die allgemeine Stimmung ist getrübter, es gibt weniger gut Gelaunte als früher. Und das wirkt sich natürlich auch auf einen selbst aus. Es mischt sich auch keiner ein, wenn was schiefläuft. Und wenn erst das Schlechte zum Guten wird, dann kommt das Chaos. Aber das wollen wir nicht hoffen.</p>



<p>Ich würde schon gern noch mal in die Welt: mit dem Bus oder mit dem Rucksack. Dahin, wo man weniger Klamotten braucht. Erst mal nach Spanien, das kenne ich noch nicht, aber ich habe einen Kollegen da. Ich könnte mir auch vorstellen, mich hier ins System reinzuarbeiten, vielleicht eine kleine Führung zu machen und was bewirken. Die Unterstützung muss sich ändern – nicht die Sozialarbeiter[:innen], sondern das Ganze. Das wäre auf jeden Fall eine schöne Sache für meine Nachwelt.</p>



<p></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/134-auf-der-muggenburg/"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1250x833.jpg" alt="Schwarz-weiße Panoramaaufnahme einer Stadtlandschaft mit Fluss und Brücken im Hintergrund und einem Magazincover mit der Überschrift 'Auf der Muggenburg' im Vordergrund" class="wp-image-15135" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1536x1024.jpg 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2026/01/134_cover.jpg 1667w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>



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		<title>ZWISCHEN DEN WELTEN</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/zwischen-den-welten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2022 19:24:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[bischofsnadel]]></category>
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					<description><![CDATA[#98 BISCHOFSNADEL – Die Bischofsnadel ist Tunnel, Durchgangsweg sowie Park- und Stadteingang. Und manchmal vergisst man bei all diesen Übergängen fast, dass sie auch selbst ein Ort ist. Nur eben einer dazwischen. Ein leichter Wind weht durch die Bäume in den Wallanlagen: ein angenehmer Wind an einem der ersten milden Frühlingstage in diesem Jahr. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Wasserflächen und sorgt für ein stimmungsvolles Glitzern. An&#160;den Bäumen sind erste Knospen zu erkennen, die zusehends das winterliche Grau verdrängen. Dazu sorgen die singenden Vögel für eine liebliche Idylle mitten im Herzen der Stadt. Auf dem Weg entlang der Bischofsnadel begegnen mir viele Men­schen, die genau diese Entspannung von der Hektik des Alltags zu suchen schei­nen: Spaziergänger:innen, die Hand in Hand am Wasser schlendern, spie­lende Kinder, oder die vielen Fahrräder – sie alle scheinen in Ruhe das Wetter zu genießen. Auch unter den großen roten Sonnenschirmen an der Unterführung am Wall haben viele Menschen Platz genommen und genießen, in Gespräche vertieft, Kaffee, Pizza oder andere Kleinigkeiten, die dort angeboten werden. Es dauert nicht lange &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#98 BISCHOFSNADEL – Die Bischofsnadel ist Tunnel, Durchgangsweg sowie Park- und Stadteingang. Und manchmal vergisst man bei all diesen Übergängen fast, dass sie auch selbst ein Ort ist. Nur eben einer dazwischen.</h2>



<p>Ein leichter Wind weht durch die Bäume in den Wallanlagen: ein angenehmer Wind an einem der ersten milden Frühlingstage in diesem Jahr. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Wasserflächen und sorgt für ein stimmungsvolles Glitzern. An&nbsp;den Bäumen sind erste Knospen zu erkennen, die zusehends das winterliche Grau verdrängen. Dazu sorgen die singenden Vögel für eine liebliche Idylle mitten im Herzen der Stadt. Auf dem Weg entlang der Bischofsnadel begegnen mir viele Men­schen, die genau diese Entspannung von der Hektik des Alltags zu suchen schei­nen: Spaziergänger:innen, die Hand in Hand am Wasser schlendern, spie­lende Kinder, oder die vielen Fahrräder – sie alle scheinen in Ruhe das Wetter zu genießen. Auch unter den großen roten Sonnenschirmen an der Unterführung am Wall haben viele Menschen Platz genommen und genießen, in Gespräche vertieft, Kaffee, Pizza oder andere Kleinigkeiten, die dort angeboten werden. Es dauert nicht lange an diesem Ort und auch ich verfalle in eine entspannte Grundstimmung. Bis&nbsp;auf wenige vorbeifahrende Autos und gelegentliche Polizeisirenen könnte man fast vergessen, sich mitten in Bremen nahe Hauptbahnhof und Altstadt zu befinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unter der Stadt: Die kurze Unterführung am Wall</h3>



<p>Zwischen Café und Pizzeria offenbart sich eine kurze Unterführung, die eine schnelle Verbindung in die Innenstadt schafft, ohne die Straße am Wall überqueren zu müssen. Nach dem hellen Tageslicht in den Wallanlagen wirkt der Tunnel dun­kel. Gelbes, spärliches Licht beleuchtet die kleinen Geschäfte, die sich dicht an dicht reihen. Viele Menschen sind hier unterwegs. Einige besuchen Kiosk, Schnei­derei oder Schuster, die meisten aber nutzen die Unterführung nur als schnellen Durchgang. Die Verweilstimmung in dem engen, hallenden Tunnel ist verflogen. Kaum jemand hält sich hier länger auf. Am Ende führen 15 Stufen wieder aus der Unterführung heraus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1250x833.jpg" alt="" class="wp-image-9483" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Tunnel, Park und Häuserschlucht: Die Bischofsnadel ist alles zugleich.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Die stille Gasse zur Altstadt</h3>



<p>Zurück im Tageslicht stehe ich in einer kurzen Gasse, die zur Innenstadt führt. Durch die fünfstöckigen Gebäude auf beiden Seiten ist der Weg größtenteils in Schatten gehüllt. Rechts von mir wartet eine kurze Schlange darauf, eine kleine Bäckerei betreten zu können. Davor stehen einige Menschen an Stehtischen und trinken Kaffee. Gegenüber tritt eine Person aus einem Laden für Fischspezialitäten und verlässt die Gasse in Richtung Altstadt. Es herrscht reges Treiben. Der Blick fällt geradeaus direkt auf den Dom, der jedoch teilweise von Büro- und Geschäfts­gebäuden verdeckt wird. Manche Gebäude wirken wie verblichen, verlassen und wenig einladend. Mit ihren sandsteinfarbenen und grauen Fassaden verschmelzen sie fast nahtlos mit den Straßen und Wegen ringsherum. Kaum jemand schenkt diesen Gebäuden echte Aufmerksamkeit. Sie wirken belanglos und das Flair der Altstadt weit entfernt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Markt, Café und Mobilität – Das pulsierende Herz der Stadt</h3>



<p>Anders sieht es gleich daneben aus. Hier erstrecken sich viele bunte Wagen des Woche­nmarktes mit ihren verschiedenen Angeboten. Das Ensemble wirkt mit den Menschen dazwischen auf eine sympathische Weise unaufgeräumt. Davor befindet sich ein kleiner Platz mit eckigem Glasquader, in dem sich Café und Bar befinden. Überspannt wird das Ganze von einem riesigen</p>



<p>Glasdach. Mit dem historischen Rathausgebäude und Dom im Hintergrund könnte der Kontrast kaum größer sein. Während ich auf die Menschen auf dem Wochen­markt oder im Café blicke, fahren im Minutentakt Busse und Bahnen an mir vorbei. Schnell eilen einige noch zur Haltestelle, um ihre Bahn zu bekommen, bevor sich die Türen mit lautem Piepen schließen. Der Alltag scheint die Menschen hier zu bestimmen: Erledigungen machen oder von einem Ort zum anderen gelangen. Obwohl sich auch hier Menschen treffen und miteinander reden, strahlt dieser Ort für mich Anonymität aus. Genauso schnell, wie viele gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden – einige in die Unterführung in Richtung Wall, andere weiter in Richtung Innenstadt.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Joshua Köhler</em></td><td>Foto: <br /><em>Beate C. Köhler</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/98-bischofsnadel/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png" alt="" class="wp-image-10961" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>Mission Bagel</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/mission-bagel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 May 2022 19:53:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[juedischegemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[#97 JÜDISCHE GEMEINDE Zu den Aufgaben von Rabbinern wie Natanael Teitelbaum gehört, die Einhaltung der Regeln in der koscheren Küche zu kontrollieren. Wir begleiten ihn zu Bäckermeister Holger Groth – mitten in der Nacht. Drei Uhr, das ist eine unwirkliche Zeit. Zwischen gestern und morgen, wache ich wie gerädert nach wenigen Stunden Schlaf auf. Zwei Wecker klingeln im Fünf-Minuten-Takt, die Snooze-Taste hat keine Chance. Auf keinen Fall will ich mein Date mit dem Rabbi verpassen: Um Viertel vor vier sind wir verabredet an diesem unwirtlichen Freitagmorgen im April. Überpünktlich stehe ich schließlich in der Kälte vor der Bäckerei am Sielwall, es schneit sachte, in der Ferne grölen Besoffene am Eck, von denen man hofft, sie blieben, wo sie sind. Dann, nach endlosen Minuten in der Kälte, blitzen zwei Scheinwerfer auf, ein Mercedes-Bus nimmt Kurs auf die Bäckerei. „Sie haben ja Arbeitszeiten“, sage ich matt, als Rabbiner Natanel Teitelbaum aus dem Auto steigt. Er lacht freundlich und zuckt mit den Schultern. Was muss, das muss. Die Hintertür steht offen an diesem dunklen Freitagmorgen, wir treten ein &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#97 JÜDISCHE GEMEINDE  Zu den Aufgaben von Rabbinern wie Natanael Teitelbaum gehört, die Einhaltung der Regeln in der koscheren Küche zu kontrollieren. Wir begleiten ihn zu Bäckermeister Holger Groth – mitten in der Nacht.</h2>



<p>Drei Uhr, das ist eine unwirkliche Zeit. Zwischen gestern und morgen, wache ich wie gerädert nach wenigen Stunden Schlaf auf. Zwei Wecker klingeln im Fünf-Minuten-Takt, die Snooze-Taste hat keine Chance. Auf keinen Fall will ich mein Date mit dem Rabbi verpassen: Um Viertel vor vier sind wir verabredet an diesem unwirtlichen Freitagmorgen im April.</p>



<p>Überpünktlich stehe ich schließlich in der Kälte vor der Bäckerei am Sielwall, es schneit sachte, in der Ferne grölen Besoffene am Eck, von denen man hofft, sie blieben, wo sie sind. Dann, nach endlosen Minuten in der Kälte, blitzen zwei Scheinwerfer auf, ein Mercedes-Bus nimmt Kurs auf die Bäckerei. „Sie haben ja Arbeitszeiten“, sage ich matt, als Rabbiner Natanel Teitelbaum aus dem Auto steigt. Er lacht freundlich und zuckt mit den Schultern. Was muss, das muss.</p>



<p>Die Hintertür steht offen an diesem dunklen Freitagmorgen, wir treten ein in eine arbeitsame, aber warme Welt: Holger Groth, der Bäckermeister, glasiert gerade Back­waren mit einem Pinsel auf einem großen Blech.</p>



<p>Die Begrüßung ist freundlich, fast nebensächlich, wie selbstverständlich. Über­raschung jedenfalls ist Groth nicht anzumerken. „Ich&nbsp;hab’ nix zu verbergen“, sagt&nbsp;er. Er macht seinen Job. Die Bagels sind schon fertig und kühlen gerade ab. Die Challot sind geflochten und mit Mohn bestreut: Die Hefezöpfe warten auf den Ofen, sie werden für Schabbat gebraucht. Der Rabbi nimmt einen Rundum-Blick. Begutachtet die Challot. Schaut auf den Ofen. Scheint zufrieden. Sie kennen sich schon lange, der Rabbiner und der Bäcker. „Wir sind nicht nur Partner, sondern auch Freunde geworden“, sagt der Rabbi. „Oder?“ – „Na logo!“, ruft Holger Groth, der unterdessen schon das nächste Blech für den Ofen vorbereitet hat. Es ist ein ungleiches Freundespaar: Hier der ehrwürdige Rabbiner mit seiner Kippa, dort der tätowierte Norddeutsche mit seinem Schnack, nicht minder standesbewusst: „Bäckermeister der Zunft!“, sagt er, „nicht, dass Sie aus mir noch einen Friseur machen!“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4.jpg" alt="" class="wp-image-9473" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4.jpg 767w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><figcaption class="wp-element-caption">Backt koscher für die jüdische Gemeinde: Bäckermeister Holger Groth.</figcaption></figure>



<p>Ursprünglich hatte Groth zwei Filialen, eine ganz in der Nähe der jüdischen Gemeinde in der Schwachhauser Heerstraße. Seit ein Bäcker gekündigt hat, lohnte das nicht mehr: „Wir sind jetzt nur noch zwei Bäcker, damit kannst du keine zwei Filialen betreiben“, sagt er. Also konzentriert er sich jetzt ganz auf seine Bäcke­rei im Viertel. Auch wenn die Wege nun weiter sind, sind die jüdische Gemeinde und ihre Mitglieder weiterhin treue Kunden.</p>



<p>„Koscher, das hat nicht nur mit den Zutaten zu tun. Das hat auch mit Vertrauen zu&nbsp;tun“, sagt Rabbiner Natanel Teitelbaum. Groth’s Backstube verkauft koschere Waren, er ist hier, um alles zu kontrollieren. Seit wann sie zusammenarbeiten? „Ich&nbsp;hab’ mir das nicht aufgeschrieben“, sagt Holger Groth, der Pragmatiker, wäh­rend er das nächste Blech in den Ofen schiebt.</p>



<p>Die jüdische Gemeinde ist auf ihn zugekommen, vor einigen Jahren. Groth begann zunächst mit Brot und Brötchen, dann habe sich das Sorti­ment sukzessive erwei­tert. Gemeinde­mit­glieder bestellen dort Backwaren für Schabbat, aber auch für Geburtstage oder andere Feierlichkeiten. Die Gemeinde selbst bestellt belegte Brötchen oder Kuchen für Veranstaltungen.</p>



<p>Wer es ernst meint mit den jüdischen Speisevorschriften, hat es hier in der Dia­spora nicht so leicht. Vieles kann man online bestellen, sicher. Aber frische Backwaren etwa sind schwer zu bekommen, auch wenn es inzwischen weitere Interessenten für die Koscher-Zertifizierung in Bremen gibt.</p>



<p>Und koscher zu essen, das ist für viele der orthodoxen Mitglieder essenziell. Koscher, das bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem: Parve, ohne Milch. Denn Milch und Fleisch vertragen sich nicht in der koscheren Küche. Wird ein Fleisch­gericht serviert und soll danach ein süßer Nachtisch gereicht werden, muss&nbsp;er ohne Milch sein. Zum Beispiel ein Berliner: Der Teig muss ohne Milch sein, und auch das Fett in der Fritteuse muss im Zweifel getauscht werden: pflanzliches Fett statt tierischem.</p>



<p>Für Groth bedeutet das alles in der Praxis: Ein Extrafach im Ofen, Extrableche, keine Milch in Teig und Glasur und bestimmte Farbstoffe und Emulgatoren auch nicht. Und: Eine Zeitschaltuhr. Denn eigentlich muss – streng genommen – ein Jude den Ofen an- und ausschalten. Weil der Rabbiner verständlicherweise nicht ständig in der Backstube sein kann, ist dieses Hilfsmittel unerlässlich.</p>



<p>Auch bestimmte Farbstoffe sind tabu: Karmin etwa, das aus Läuseblut gewonnen wird. Denn Läuse sind nicht koscher. „Und selbst, wenn sie koscher wären, würde ich sie nicht essen“, sagt der Rabbiner: „Ich meine: Läuse!“ Er schüttelt sich und lacht.</p>



<p>Sie sind ein eingespieltes Team, der Rabbi und der Bäcker. Zu Pessach, während dem die Juden kein gesäuertes Brot essen, sagt Groth scherzhaft: „Da hab’ ich eine Woche Ruhe vor Euch!“ In Wahrheit ist die Situation eine gute für beide Seiten: Die Gemeinde­mit­glieder haben eine zertifizierte Anlaufstelle mit koscheren Backwaren, in der sie bedenkenlos einkaufen und bestellen können, der Bäcker garantierte Abnahmen für seine Produkte. Beide Seiten: zufrieden miteinander.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3.jpg" alt="" class="wp-image-9474" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3.jpg 767w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><figcaption class="wp-element-caption">Koscher hat nicht nur mit den Zutaten zu tun, sagt der Rabbiner – sondern auch mit Vertrauen.</figcaption></figure>
</div>


<p>Auch Sonderbestellungen sind kein Problem für Bäcker Groth. Vor einiger Zeit etwa brauchte Rabbiner Teitel­baum Challot ohne Mohn: „Ich wollte jemanden im Gefängnis besuchen“, erzählt er, und dem Inhaftierten – kein Bremer Gemeinde­mitglied, wie er betont – zum Schabbat Challot mitbringen. Allerdings ist Mohn im Gefängnis nicht erlaubt, wie er auf Nachfrage erstaunt erfuhr. So buk Bäcker Groth einen Hefezopf ohne Mohn fürs Gefängnis – und der Häftling hatte dank Groth und Teitelbaum einen Hauch von Schabbat in seiner mutmaßlichen Tristesse.</p>



<p>Aber woher weiß man eigentlich als Rabbiner, auf was man alles achten muss? Immerhin ist ein Rabbiner ein Religionsgelehrter und kein Ernährungs­wissen­schaftler, und trotz fundierter Ausbildung bleiben vielleicht praktische Fragen offen. Teitelbaum hat seine Mentoren zu solchen Besuchen begleitet: „Ein verant­wort­licher Rabbiner wird nie allein entscheiden“, sagt er. Manche Menschen dächten, ein Rabbiner, der um Rat frage, sei schwach: „Das Gegenteil ist der Fall.“</p>



<p>Inzwischen weiß er längst, worauf es bei den Kontrollen ankommt. Wie oft er sie durchführt, will er nicht sagen: „Sonst weiß er Bescheid.“ Er, Bäcker Groth, scheint sich indessen recht wenig um die Kontrollen zu scheren. Sein Gewissen ist rein, er&nbsp;backt, wie es sich gehört, für die reguläre Kundschaft ebenso wie für jene, die&nbsp;auf&nbsp;koschere Backwaren Wert legen. Als vorerst alles im Ofen und für den Moment nichts weiter zu tun ist, atmet er kurz durch: „Jetzt ist Zeit für eine Ziga­rette!“ Der&nbsp;Rabbiner begleitet ihn nach draußen, vor der Backstube reden sie im Morgengrauen über dies und das.</p>



<p>Nach der kurzen Pause geht es für Holger Groth weiter, die Challots sind dran: Am&nbsp;Freitagabend, also in wenigen Stunden, beginnt der Schabbat. Der Rabbiner hat seine Kontrolle beendet, er wird später wiederkommen und einige Hefezöpfe abholen. „Willst jetzt noch was mitnehmen?“, fragt der Bäcker. Rabbiner Teitelbaum lehnt ab und verweist scherzhaft auf seinen Bauch. „Ach was“, sagt&nbsp;Bäcker Groth, „das ist die Wohlfühlzone! Frauen lieben das!“ Der Rabbiner ist&nbsp;nicht überzeugt. „Ich bringe das nächste Mal meine Frau mit, dann kannst du ihr das noch mal sagen“, sagt er und lacht.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Fotos: </td><td><em>Karolina Meyer-Schilf</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/97-juedische-gemeinde/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png" alt="" class="wp-image-10960" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Köchin durch Zufall</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/koechin-durch-zufall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Apr 2022 10:04:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[catering]]></category>
		<category><![CDATA[überseestadt]]></category>
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					<description><![CDATA[#96 KONSUL-SMIDT-STRASSE – Evrim Arslan wollte ein kleines Restaurant, so was wie einen Tante-Emma-Laden ohne viel Stress und Hype. Geklappt hat immerhin das Erstere Im Laden von Evrim Arslan trifft traditionelle türkische Küche auf moderne Einflüsse. So findet man zum Beispiel einen Spinatsalat mit Mandeln und Datteln auf der Karte: eine Kombination, die zwar ungewöhnlich klingt, aber wirklich extrem gut funktioniert. Evrim ist mit ihrem Laden vor gut fünf Jahren in die Konsul-Smidt-Straße gezogen. Wir haben sie dort besucht. Olivenöl, Zitrone, Knoblauch, Kräuter. Das sind die Gerüche, die einem als Erstes in die Nase steigen, wenn man Evrims Laden „Meze by Evrim“ betritt. Die Inneneinrichtung ist, genau wie das Essen, ein Mix aus Tradition und Modernität. Und was den Laden noch einmal besonders abhebt, ist die spezielle Art von Essen: die Meze. Das sind kleine Portionen unterschiedlicher Vorspeisen, vergleichbar mit spanischen Tapas. So kann man sich mittags seinen eigenen Teller aus verschiedenen, regelmäßig wechselnden Meze zusammenstellen und bezahlt dabei nach Anzahl der Portionen. Und: Wer seine eigene Verpackung mitbringt, bekommt eine Meze umsonst. Mittagspause bei &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#96 KONSUL-SMIDT-STRASSE – Evrim Arslan wollte ein kleines Restaurant, so was wie einen Tante-Emma-Laden ohne viel Stress und Hype. Geklappt hat immerhin das Erstere</h2>



<p>Im Laden von Evrim Arslan trifft traditionelle türkische Küche auf moderne Einflüsse. So findet man zum Beispiel einen Spinatsalat mit Mandeln und Datteln auf der Karte: eine Kombination, die zwar ungewöhnlich klingt, aber wirklich extrem gut funktioniert. Evrim ist mit ihrem Laden vor gut fünf Jahren in die Konsul-Smidt-Straße gezogen. Wir haben sie dort besucht.</p>



<p>Olivenöl, Zitrone, Knoblauch, Kräuter. Das sind die Gerüche, die einem als Erstes in die Nase steigen, wenn man Evrims Laden „Meze by Evrim“ betritt. Die Inneneinrichtung ist, genau wie das Essen, ein Mix aus Tradition und Modernität. Und was den Laden noch einmal besonders abhebt, ist die spezielle Art von Essen: die Meze. Das sind kleine Portionen unterschiedlicher Vorspeisen, vergleichbar mit spanischen Tapas. So kann man sich mittags seinen eigenen Teller aus verschiedenen, regelmäßig wechselnden Meze zusammenstellen und bezahlt dabei nach Anzahl der Portionen. Und: Wer seine eigene Verpackung mitbringt, bekommt eine Meze umsonst.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="831" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2-1250x831.jpg" alt="" class="wp-image-9462" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2-1250x831.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2-300x199.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Die Chefin bei der Arbeit: Meze für den Mittagstisch.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Mittagspause bei Evrim</h3>



<p>Das kommt besonders denen entgegen, die sich hier in ihrer Pause ihr Mittagessen holen. Denn wer aufgrund der Lage davon ausgeht, dass bei Evrim nur schicke Geschäftsleute essen, der irrt sich: „Ich bemerke, dass es eher junge Leute sind. Ich vermute mal, das sind mehr die Auszubildenden, deswegen haben wir unsere Preise auch lange so gelassen und erst zum Jahreswechsel das erste Mal etwas erhöht. Ich wollte beim Mittagstisch immer unter der Zehn-Euro-Grenze bleiben, da sind wir immer noch weit drunter. Wir kommen den Leuten ja auch gerne entgegen, zum Beispiel mit der Gratis-Meze beim eigenen Teller.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kochen aus Verantwortung – und aus Liebe</h3>



<p>Die Leidenschaft zum Kochen beginnt bei Evrim bereits als Kind, als sie und ihre Zwillingsschwester aufgrund zweier arbeitender Elternteile oft selbst für ihr Mittagessen sorgen. „Mit 15 habe ich dann schon den traditionellen türkischen Reis gekocht. Also ich habe wirklich immer schon gekocht. Und auch immer sehr gerne.“ Mit 24 führen einige Zufälle dazu, dass Evrim anfängt, auch beruflich zu kochen. Nach der Trennung von ihrem Mann sucht sie nach einer Möglichkeit, für ihre zwei Kinder sorgen zu können. Über eine Freundin kommt sie als Putzkraft zu einer Firma in Huchting. Dort hört sie, dass die Firmenkantine schließen muss: „Die haben keinen gefunden, der da kochen wollte. Also hab ich gesagt, dann versuch ich’s. Und dann war ich von 2006 bis 2011 da und habe gekocht.“ Danach übernimmt Evrim die Leitung der Pressekantine des Weser-Kuriers.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Nebenjob zur Selbstständigkeit</h3>



<p>„Nach zwei Jahren wurde das aber etwas langweilig – nur Kantine ist einfach eintönig.“ Als sie nach Bremen zog, habe ihr damaliger Freund sie dann auf einen freien Laden aufmerksam gemacht: Richard-Wagner-Straße, Ecke Hollerallee. „Er hat gesagt: ‚Du kannst so gut kochen, mach doch einfach einen kleinen Laden auf, so als Ausgleich.‘ Ich wollte auch nie groß werden, ich wollte so einen kleinen Tante-Emma-Laden.“ Aber nach zwei, drei Jahren wurde es dann doch immer mehr: mehr Catering, mehr Veranstaltungen. Ihr Vorgänger hier in der Überseestadt habe sie gefragt, ob sie die Fläche nicht übernehmen wolle. Ihr Konzept passe doch gut in die Überseestadt. Und: „Dann hab ich hier aufgemacht. Das war mir allerdings wieder zu viel, also habe ich den Standort in der Hollerallee abgegeben. Jetzt habe ich den Laden hier und mache nach wie vor die Pressekantine beim Weser-Kurier. Das reicht mir insgesamt auch. Wir machen ja auch viele Veranstaltungen, zum Beispiel im Pier 2, da haben wir schon für viele Konzerte das Catering gemacht.“</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="681" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-3.jpg" alt="" class="wp-image-9464" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-3.jpg 681w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-3-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Die Leidenschaft zum Kochen beginnt bei Evrim (links) bereits als Kind</em></figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Veränderung braucht Zeit</h3>



<p>Dass sich der Standortwechsel vom alteingesessenen Schwachhausen in die gerade erst entstehende Überseestadt auch auf die Kundschaft auswirkt, hat Evrim schnell gemerkt: „Hier ist es eben noch nicht so nachbarschaftlich und eingewohnt wie in Schwachhausen. Wir haben zum Glück viel Stammkundschaft aus der Hollerallee, die kommen dann manchmal mit dem Fahrrad hierher. Mittlerweile haben wir natürlich auch hier Stammkunden, aber generell sind die meisten hier schon ganz anders als am alten Standort. Am Anfang war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Die Leute hier sind irgendwie etwas unpersönlicher. An der Hollerallee wollten die meisten auch ein bisschen schnacken, wenn sie da waren, das ist hier eher selten. Aber wir haben bisher auch nur mittags geöffnet. Da kommen eben meist nur diejenigen, die nicht so viel Zeit haben, das verstehe ich dann ja auch. Deshalb haben wir ab diesem Frühjahr von Donnerstag bis Samstag auch abends geöffnet, da kann man dann hier auf der Terrasse sitzen.“ Außerdem hat Evrim kurz vor Pandemiebeginn damit angefangen, Tanzabende mit DJ in ihrem Laden zu veranstalten. Vieles musste in den letzten zwei Jahren abgesagt werden, soll dieses Jahr aber nachgeholt werden.</p>



<p>Und dass ein Sommerabend auf der Terrasse, mit Blick auf den Europahafen, bei Getränken und Meze, auch dort, in einem so jungen und eigentlich eher „unbremischen“ Stadtteil wie der Überseestadt, den gleichen Bremer Flair wie ein Abend an der Schlachte haben kann, ist sehr gut vorstellbar.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Recherche: <br /><em>Annika Schöll</em></td><td>Fotos: <br /><em>Wolfgang Everding</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/96-konsul-smidt-strasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse.jpg" alt="" class="wp-image-11106" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<title>Die halbe Straße</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/die-halbe-strasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2022 17:21:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[altbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[fuhrken]]></category>
		<category><![CDATA[Schwachhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[#95 BULTHAUPTSTRASSE – Die Firma Fuhrken hat einst die halbe Bulthauptstraße gebaut. Heute saniert sie Altbauten – und öffnet für uns ihr Firmenarchiv Wer mit offenen Augen durch Bremen geht, sieht sie manchmal, die blau-gelben Fuhrken-Lkws: &#8222;Bauunternehmung&#8220; steht darauf und: Altbausanierung. Die Firma J. H. Fuhrken ist ein Traditionsbetrieb, seit dem Jahr 1900 besteht die Firma schon, und die kleine, ein bisschen lustige Pointe: Viele der Gebäude, die die Firma jetzt saniert, hat sie früher einmal selbst gebaut. Zeit also für einen Ortsbesuch: Wir sind verabredet mit Urda Blohm-Sudholz, der Großnichte des Firmengründers. Sie öffnet für uns ihr Archiv. Das Geschäftsgelände der Firma Fuhrken befindet sich seit über 50 Jahren an der Stresemannstraße: ein relativ unscheinbares, weißes Industriegebäude in zweiter Reihe und dahinter eine große Halle, in der Baumaterialien gelagert werden. Im Hausflur hängt eine Luftaufnahme, auch schon ein paar Jahrzehnte alt, die das Gelände von oben zeigt: Auf den ersten Blick hat sich dort bis heute nicht viel verändert. In der Nachbarschaft dafür umso mehr: Rund um das Grundstück befanden sich damals hauptsächlich Grünflächen &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#95 BULTHAUPTSTRASSE – Die Firma Fuhrken hat einst die halbe Bulthauptstraße gebaut. Heute saniert sie Altbauten – und öffnet für uns ihr Firmenarchiv</h2>



<p>Wer mit offenen Augen durch Bremen geht, sieht sie manchmal, die blau-gelben Fuhrken-Lkws: &#8222;Bauunternehmung&#8220; steht darauf und: Altbausanierung. Die Firma J. H. Fuhrken ist ein Traditionsbetrieb, seit dem Jahr 1900 besteht die Firma schon, und die kleine, ein bisschen lustige Pointe: Viele der Gebäude, die die Firma jetzt saniert, hat sie früher einmal selbst gebaut. Zeit also für einen Ortsbesuch: Wir sind verabredet mit Urda Blohm-Sudholz, der Großnichte des Firmengründers. Sie öffnet für uns ihr Archiv.</p>



<p>Das Geschäftsgelände der Firma Fuhrken befindet sich seit über 50 Jahren an der Stresemannstraße: ein relativ unscheinbares, weißes Industriegebäude in zweiter Reihe und dahinter eine große Halle, in der Baumaterialien gelagert werden. Im Hausflur hängt eine Luftaufnahme, auch schon ein paar Jahrzehnte alt, die das Gelände von oben zeigt: Auf den ersten Blick hat sich dort bis heute nicht viel verändert. In der Nachbarschaft dafür umso mehr: Rund um das Grundstück befanden sich damals hauptsächlich Grünflächen – im Laufe der Jahre haben sich dort auch viele andere Firmen angesiedelt, das Grün ist zu großen Teilen einem Betongrau gewichen. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Einblick in die Familientradition</h3>



<p>Das Büro der Firma Fuhrken selbst wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein Büro, sondern eher wie ein gemütliches, immer noch weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer, in das sich zufällig auch ein großer Schreibtisch verirrt hat. An den Wänden hängen gerahmte Bilder der Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen, viele davon noch in Schwarz-Weiß. Besonders auffällig sind auch die vielen Sammelobjekte, die in Regalen stehen und wie eine kleine Ausstellung wirken: Fein bemalte Holz- und Porzellaneier, bunte Matroschka-Puppen und kleine, aufwendig verzierte Porzellanglöckchen. „Alles Sammlungen meiner Mutter“, sagt Urda Blohm-Sudholz beim Blick auf die Wände, die einem einen ersten Einblick in die Familiengeschichte von Johann Heinrich Fuhrken bieten. Sie ist die Tochter von Günther Blohm, der 1949 von seinem Onkel Johann Heinrich Fuhrken die Leitung des Unternehmens übernahm. Und mit ihrer Tochter Daniela Sudholz ist nun bereits die vierte Familiengeneration in der Geschäftsführung tätig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Einzigartige Altbremer Häuser und ihre prägende Rolle in Bremen</h3>



<p>J. H. Fuhrken war es, der das Unternehmen 1900 gründete und sich im Laufe der Jahre einen Namen in der Bremer Baulandschaft machte. Unter seinen Projekten befanden sich einzelne Gebäude wie das Roselius-Haus in der Böttcherstraße, teilweise aber auch ganze Straßenzüge – auch die rechte Seite der Bulthauptstraße gehörte dazu. Zwischen 1906 und 1913 wurden, bis auf zwei Ausnahmen (Nr. 24 und Nr. 26–28), alle Häuser mit geraden Hausnummern unter Fuhrkens Leitung gebaut. Und das wird auch in ihrer Optik deutlich: Die Häuser wirken alle wie aus einem Guss. Der Aufbau ist überall der eines klassischen Altbremer Hauses: schmal gehalten, meist dreigeschossig, kleine Treppen zu Hochparterre- und Souterrain-Wohnung. </p>



<p>Sie sind im sogenannten Reformstil gebaut, haben Satteldächer, Erker und fast alle noch die gleichen, schmiedeeisernen Zäune wie zur Zeit ihrer Entstehung. Auch die Anordnung von Fenstern und Türen ist oft ähnlich, teilweise identisch. So normal diese Art von Reihenhausbauweise heute ist, so ungewöhnlich war sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deutschlandweit gab es sie ausschließlich in Bremen – und Fuhrken mischte fleißig mit. Neben der Bulthauptstraße bebaute er auch die Benquestraße, die Arnold-Böcklin-Straße und diverse andere, besonders häufig in Schwachhausen gelegene Grundstücke.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig.jpg" alt="" class="wp-image-9450" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig.jpg 768w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Blättern im Archiv: Urda Blohm-Sudholz auf der Suche nach Fotos.</em> </figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Traditioneller Hausbau im frühen 20. Jahrhundert</h3>



<p>Gebaut wurde in der Regel nach Auftrag und nicht schon im Voraus, dafür sei schließlich kein Geld da gewesen: „Heute hat man das viele Geld nicht, das es dafür braucht, früher hatte man eben das wenige Geld nicht. Sie können sich das vorstellen wie bei den Malern früher: die hatten auch kein Geld, die haben nach Auftrag gemalt und damit ihr Geld verdient. Natürlich haben die auch für sich alleine gemalt, dann waren sie aber auch darauf angewiesen, dass die Bilder jemand gekauft hat, die mussten ja schließlich davon leben. So ähnlich war das hier mit den Häusern auch“, erzählt Urda Blohm-Sudholz. </p>



<p>„Und es hat sich eben auch Stück für Stück rumgesprochen: Es wurde gebaut, dann hat das jemand anderes gesehen und sich gedacht ‚Ach, schick‘ und dann wollte der das auch – insofern hat sich das nach und nach entwickelt mit den Aufträgen. Und es kam ja auch vor, dass Fuhrken erst mal selbst in ein Haus eingezogen und dann wieder ausgezogen ist, wenn es Käufer dafür gab. Also frei in den Himmel gebaut hat er nicht, dafür war das einfach zu teuer.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Reihenhausbau damals: Ein echtes Handwerk</h3>



<p>Zwischen und 30.000 und 50.000 Mark, je nach Ausstattung, kostete der Bau eines Altbremer Reihenhauses um 1900. Außerdem musste man deutlich mehr Zeit einplanen: Rund ein bis zwei Jahre Bauzeit – für ein einziges Haus, nicht für die ganze Reihe – wenn täglich „mindestens 30 Personen, wenn nicht sogar mehr“ auf der Baustelle arbeiteten. Grund dafür waren in erster Linie natürlich die noch nicht erfundenen technischen Hilfsmittel, die den Hausbau heute erleichtern. Und auch die Art und Weise, wie gebaut wurde, war eine andere: „Heute gibt es ja auch schon viele Fertigteile für den Hausbau, aber damals haben die ja noch gemauert von Hand, das war ja richtiges Handwerk“, sagt Frau Blohm-Sudholz, während sie in einem kleinen Holzkasten nach Fotografien sucht, die eine klassische Baustellensituation zeigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Neubau zur Altbausanierung</h3>



<p>Der Kasten ist eine Art kleines Archiv, das zum 100-jährigen Jubiläum zusammengestellt wurde. Leider gibt es nicht allzu viele Fotos aus der Zeit – auch Fotografieren bedeutete damals natürlich einen höheren Aufwand und mehr Kosten. Sie findet schließlich ein Bild von zwei Männern, die einen großen Pfeiler mithilfe eines Flaschenzugs anheben. Beim ersten Blick wird sofort das (fehlende) Bewusstsein über Arbeitssicherheit deutlich: Die beiden tragen etwa keine Sicherheitshelme. Außerdem bekommt man eine leise Ahnung vom großen Arbeitsaufwand, den der Hausbau damals verlangte. Trotzdem sieht man das Schild mit dem Namen Fuhrken Anfang des 20. Jahrhunderts überall, die Firma läuft. Auch als J. H. Fuhrkens Neffe, Diplomingenieur Günther Blohm, 1949 die Geschäftsführung übernimmt, reißt der Erfolg nicht ab.</p>



<p>Ab Mitte der 1980er-Jahre beginnt die Firma, sich besonders auf das Sanieren von Altbauten zu spezialisieren, heute sind Sanierung und Reparatur das Hauptgeschäft. Neu bauen ist laut Urda Blohm-Sudholz weder rentabel noch realistisch: „Das lohnt sich einfach nicht mehr, darauf sind wir auch gar nicht mehr ausgerichtet. Wir haben nur die klassischen Maurer und sind nur zu acht – für so etwas braucht man ja ganze Kolonnen. Dafür haben wir einfach nicht die Kapazitäten. Wir haben ja auch unsere Stammkundschaft und die soll immer möglichst schnell bedient werden können. Das ginge bei so einem großen Projekt nicht.“ Stattdessen werde also das, was bereits da ist, wieder aufbereitet oder repariert. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Die nachhaltige Pflege der Bulthauptstraße</h3>



<p>Hin und wieder komme mal ein neuer Balkon oder eine Dachterrasse, und auch sonst gebe es fast nichts, was die Firma nicht macht: „Alles, was an Reparatur- und Sanierungsarbeiten gemacht werden muss, machen wir.“ Dass die Firma heute die ‚eigenen“, also die damals von Fuhrken gebauten Häuser saniert, komme natürlich auch vor, sei aber nicht die Regel: „Das hängt ja immer von den Eigentümern ab, wer da engagiert wird. Wir haben allerdings auch ein paar Kunden in der Bulthauptstraße. Was genau da normalerweise saniert wird, kann man so aber gar nicht sagen. Das ist wie beim Menschen: Mal ist hier was kaputt, mal muss da was gemacht werden. Immer unterschiedlich.“</p>



<p>Dass Sanierung in einer denkmalgeschützten Straße wie der Bulthauptstraße ein Thema ist, das besonders groß geschrieben wird, sieht man sofort: Alle Häuser sind in einem tadellosen Zustand und haben seit ihrem Bau weder an Glanz noch an Wirkung verloren. Man könnte beinahe vergessen, wie alt sie sind. Heutzutage Häuser in diesem Stil zu bauen, das wäre zwar schön – deutlich schöner als die glatten, unverzierten Neubau-Klötze, die aktuell überall aus dem Boden sprießen – allerdings auch sehr teuer. Umso schöner also, dass die bereits existierenden Altbremer Häuser häufig unter Denkmalschutz stehen und dementsprechend sorgsam behandelt werden. So kann man auch heute noch durch Straßen spazieren, in denen sich in den letzten 100 Jahren nicht viel verändert hat. So wie in der Bulthauptstraße.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Recherche:<br /><em>Annika Schöll</em></td><td>Fotos:<br /><em>Hartmuth Bendig</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/95-bulthauptstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse.jpg" alt="" class="wp-image-11104" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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			</item>
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		<title>Fachhandel der Sterne</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/fachhandel-der-sterne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Feb 2022 20:26:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[edelstein]]></category>
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					<description><![CDATA[#94 BISMARCKSTRASSE – Ein bisschen verwunschen wirkt er ja schon: der Edelsteinladen Kassiopeia. Dabei ging es hier anfangs nur um das Geschäft mit Kaffee aus aussortierten Bohnen Der Name „Kassiopeia“ lässt zunächst an Sternbilder und Mythologie denken. Auch der kleine Laden an der Bismarckstraße hat auf den ersten Blick etwas Magisches an sich, mit seinen dezenten, aber kunstvollen Verzierungen und seiner schweren Holztür. Dabei ging es bei der Gründung 1952 zunächst vor allem um Kaffee, erst später kamen Schmuck und Edelsteine dazu. Begonnen hat die Geschichte in der zwei Kilometer entfernten Weberstraße. Dort gründeten Josef und Ursula John ihre Firma. Auch der Name hatte für Josef John nicht viel mit Magie oder Mystik zu tun. Er war U-Boot-Fahrer im Krieg und hat oft in den nächtlichen Sternenhimmel geblickt. Dabei hat er besonderes Gefallen an dem Sternbild der Kassiopeia gefunden und sich schließlich entschieden, seine Firma nach ihm zu benennen. Auch in der Einrichtung des kleinen Geschäftes lassen sich die maritimen Einflüsse wiederfinden. Der vom Licht der Vitrinen ausgeleuchtete Verkaufsraum ist gefüllt mit solchen Andenken: die &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#94 BISMARCKSTRASSE – Ein bisschen verwunschen wirkt er ja schon: der Edelsteinladen Kassiopeia. Dabei ging es hier anfangs nur um das Geschäft mit Kaffee aus aussortierten Bohnen</h2>



<p>Der Name „Kassiopeia“ lässt zunächst an Sternbilder und Mythologie denken. Auch der kleine Laden an der Bismarckstraße hat auf den ersten Blick etwas Magisches an sich, mit seinen dezenten, aber kunstvollen Verzierungen und seiner schweren Holztür. Dabei ging es bei der Gründung 1952 zunächst vor allem um Kaffee, erst später kamen Schmuck und Edelsteine dazu.</p>



<p>Begonnen hat die Geschichte in der zwei Kilometer entfernten Weberstraße. Dort gründeten Josef und Ursula John ihre Firma. Auch der Name hatte für Josef John nicht viel mit Magie oder Mystik zu tun. Er war U-Boot-Fahrer im Krieg und hat oft in den nächtlichen Sternenhimmel geblickt. Dabei hat er besonderes Gefallen an dem Sternbild der Kassiopeia gefunden und sich schließlich entschieden, seine Firma nach ihm zu benennen. Auch in der Einrichtung des kleinen Geschäftes lassen sich die maritimen Einflüsse wiederfinden. Der vom Licht der Vitrinen ausgeleuchtete Verkaufsraum ist gefüllt mit solchen Andenken: die Schiffsglocke etwa oder eine Galionsfigur. Gemütlich ist es. Und die heimelige Atmosphäre macht Lust, es sich beim Tee auf dem Sofa bequem zu machen.</p>



<p>Nach Kriegsende vor 70 Jahren hat das Ehepaar John vor allem Kaffee verkauft. Der war damals sehr gefragt, erzählt Ursula John. Allein in Bremen habe es über 400 Kaffeeversandhäuser gegeben und die beiden stiegen ein in das aufblühende Geschäft: „Die Menschen sind ja hinter jeder Kaffeebohne hergerannt.“ Angefangen haben sie mit sogenanntem Verlesekaffee. „Bohnen, die nicht so schön aussahen, hat man ja damals rausgenommen aus dem Kaffee“, berichtet Ursula John. Mit ihrem Mann hat sie diese Kaffeebohnen gezielt aufgekauft.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="932" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04-1250x932.png" alt="" class="wp-image-9435" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04-1250x932.png 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04-300x224.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04.png 1314w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Ursula John betreibt ein Traditionsgeschäft, das sich erst selbst erfinden musste.</em></figcaption></figure>



<p>Der Umzug aus der Weberstraße stand gleich nach zwei Jahren an. Das hatte mit der Hochzeit von Josef und Ursula John zu tun. „Früher war es ja so, dass man nicht zusammenleben durfte, wenn man nicht verheiratet war“, erzählt sie. „Selbst als diese Wohnung hier gemietet wurde, haben alle Menschen darauf geachtet, dass wir ja nicht zusammen hier übernachten.“</p>



<p>Zum Kaffee wurden nach und nach immer mehr Produkte in das Sortiment aufgenommen und mittlerweile hat sich der Schwerpunkt auf Tee verschiedenster Sorten verlagert. Man findet schwarzen Tee, Rooibos oder auch grüne Tees. Ins Auge springt allerdings etwas völlig anderes: Die Vitrinen im vorderen Teil des Ladens sind gefüllt mit Edelsteinen, Schmuck und Perlen. „In unseren Anfangsjahren wurden wir nach Perlen gefragt. So etwas gab es nach dem Krieg alles gar nicht“, sagt Ursula John, „und wir haben dann rumgehorcht und unsere ersten aus Japan importiert.“ Später kamen die Edelsteine dazu. „Dann wollten die Leute Jadeketten haben, dann andere und so ist das immer mehr geworden mit den Edelsteinen.“</p>



<p>Die Johns haben sich umgehört und immer neue Quellen aufgetan. Das habe sich eben so ergeben, über Kontakte zu Menschen, „die drüben gewesen sind und Steine mitgebracht haben.“ Schließlich kamen sie auf Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz, einen zentralen Umschlagplatz für Edelsteine aus aller Welt.</p>



<p>Und da kommt auch die Esoterik wieder ins Spiel. Denn auch wenn die Johns selbst nicht an die magischen Kräfte von Edelsteinen glaubten, legten sie doch Flyer aus, auf denen die übernatürlichen Bedeutungen der Steine beschrieben wird: ihre Auswirkungen auf das Gefühlsleben, mutmaßliche Heilkräfte und die Zusammenhänge einzelner Steine mit den Tierkreiszeichen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="834" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-1250x834.jpg" alt="" class="wp-image-9433" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-1250x834.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Kassiopeia könnte auch ins Geschäft mit Erinnerungen einsteigen, wenn Tee mal aus der Mode kommt.</em></figcaption></figure>



<p>Mit dem Infomaterial kamen die Johns dem Interesse ihrer Kundschaft entgegen. Die erzählten beim Einkauf, dieser Stein hier sei für dieses gut, der da für jenes, „&#8230; und da haben wir uns Bücher gekauft, haben das Wissen den Kunden zur Verfügung gestellt.“ Ursula John kommentiert das mit einem Lächeln: „Wir haben immer gesagt, ein Stein tut gut, wenn er dir auch gefällt. Edelsteine sind eben etwas Besonderes.“</p>



<p>Mit Vorurteilen oder Ein- wänden gegenüber Tierkreiszeichen und übernatürlichen Heilkräften von Edelsteinen wurde Ursula John in der gesamten Zeit, die Kassiopeia nun besteht, noch nie konfrontiert. „Wenn jemand das nicht glaubt, interessiert er sich gar nicht dafür. Dann kommen die auch nicht zu uns“, erzählt sie lapidar.</p>



<p>„Die Kunden finden die Steine schön und sagen: Wenn die mir dann guttun, ist das ja eine schöne Sache.“ Ursula John betont allerdings auch, dass sie nie etwas in esoterischer Richtung aktiv angestoßen habe. „Wir wollten keinen Aberglauben fördern. Wir fanden die Steine auch schön. Es hat uns Spaß gemacht, damit zu arbeiten.“ Freude macht ihr auch der Austausch mit den interessierten Kunden, „die oft auch viel mehr davon wussten als wir“.</p>



<p>Und ein bisschen steckt das an, wenn man im Gespräch mit der sympathischen Dame ihr ungewöhnliches Geschäft kennenlernt. Zumindest für den Blick auf diese besondere Sparte Einzelhandel gilt: Die Bismarckstraße hat durchaus ihre bezaubernden Seiten.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Recherche: <br /><em>Lara Nagel, Eileen Stoffers, Katharina Witkabel</em></td><td>Fotos: <br /><em>Beate C. Köhler </em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/94-bismarckstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse.jpg" alt="" class="wp-image-11101" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<title>Bremens Orkus</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/93-bremens-orkus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2021 19:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[bunker]]></category>
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					<description><![CDATA[#93 BAHNHOFSVORPLATZ – Unter dem Bahnhofsvorplatz liegt ein Bunker, der für die Öffentlichkeit nur auf Führungen zugänglich ist. Seine Geschichte war mit dem Kriegsende noch lange nicht vorbei. Beim Intercity Hotel am Hauptbahnhof, noch vor den Straßenbahngleisen und Busspuren, geht es hinab. Der Eingang des Bunkers endet bald an einem gebogenen Gittertor und sieht ganz harmlos aus: wie die Einfahrt einer Tiefgarage. Und das ist auch kein Wunder, denn die Nazis planten bereits beim Bau, den Bunker nach dem „Endsieg“ als Garage zu nutzen. Diese und andere geschichtliche Tatsachen erzählt Historiker Andreas Calic, der hier für den Verein StattReisen Führungen durchführt. Er hat die Schlüssel für die Unterwelt. Hinter Gitter und Rolltor empfängt uns eine nicht sonderlich angenehme Geruchswolke. Der Gestank von Ammoniak mischt sich mit der intensiven, abgestandenen Moderluft aus dem Inneren der Anlage. Calic erklärt, dass seit einiger Zeit, auf Anregung des StattReisen-Teams, regelmäßig von der Stadtreinigung vor dem Eingang sauber gemacht wird. Der Eingangsbereich wird dann mit Hochdruckreinigern abgespritzt und was die so wegschwemmen, sammelt sich hinter dem Rolltor: Dosen, Unrat und &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#93 BAHNHOFSVORPLATZ – Unter dem Bahnhofsvorplatz liegt ein Bunker, der für die Öffentlichkeit nur auf Führungen zugänglich ist. Seine Geschichte war mit dem Kriegsende noch lange nicht vorbei. </h2>



<p>Beim Intercity Hotel am Hauptbahnhof, noch vor den Straßenbahngleisen und Busspuren, geht es hinab. Der Eingang des Bunkers endet bald an einem gebogenen Gittertor und sieht ganz harmlos aus: wie die Einfahrt einer Tiefgarage. Und das ist auch kein Wunder, denn die Nazis planten bereits beim Bau, den Bunker nach dem „Endsieg“ als Garage zu nutzen. Diese und andere geschichtliche Tatsachen erzählt Historiker Andreas Calic, der hier für den Verein StattReisen Führungen durchführt. Er hat die Schlüssel für die Unterwelt.</p>



<p>Hinter Gitter und Rolltor empfängt uns eine nicht sonderlich angenehme Geruchswolke. Der Gestank von Ammoniak mischt sich mit der intensiven, abgestandenen Moderluft aus dem Inneren der Anlage. Calic erklärt, dass seit einiger Zeit, auf Anregung des StattReisen-Teams, regelmäßig von der Stadtreinigung vor dem Eingang sauber gemacht wird. Der Eingangsbereich wird dann mit Hochdruckreinigern abgespritzt und was die so wegschwemmen, sammelt sich hinter dem Rolltor: Dosen, Unrat und ein Berg von Einwegspritzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein versteckter Ort voller Geschichten</h3>



<p>Hin und wieder liegen auch Menschen vor dem Tor, weshalb vor Führungsbeginn manchmal auch die Polizei verständigt wird, um gegebenenfalls Hilfe zu holen. Die Stadtführer:innen haben hier auch schon Menschen beim Sex überrascht, gerade als sich Gruppen zur Führung am Eingang einfanden.</p>



<p>Wir passieren ein Tor – und was für eins: etwa einen halben Meter dick und rund zweieinhalb Meter im Quadrat. Stahlbeton. Das ist allerdings kein Überbleibsel des Weltkriegs: Es wurde eingebaut, als der Bunker im Kalten Krieg zum ABC-Bunker umfunktioniert wurde. Der Blick ins Innere lässt hingegen wieder die Ursprungsidee von der Tiefgarage erkennen. Der Raum ist wohl hundert Meter lang und dreißig breit. </p>



<p>Im Krieg sollten hier 900 Menschen Platz finden. Laut Calic geht man aber davon aus, dass hier sehr viel mehr vor den Bomben der Alliierten Deckung suchten – aber wirklich gezählt hat das damals natürlich niemand. Es ist warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es riecht streng nach Schimmel.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="873" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2-1250x873.jpg" alt="" class="wp-image-9417" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2-1250x873.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2-300x210.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2.jpg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Am Eingang zur Unterwelt warten zwei Tore – und jede Menge Müll.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Einblick in die unterirdischen Zugänge und ihre Schicksale</h3>



<p>Anfang der 1990er-Jahre, beim Umbau des Bahnhofvorplatzes, wurde die Ausfahrt verschlossen. Man könnte sie wieder aufgraben, sie ist nicht für die Ewigkeit versiegelt worden. Auch einer der Personenzugänge wurde damals geschlossen. Direkt darauf steht heute eine Straßenlaterne, deren Befestigung im Betondeckel sich von unten bestaunen lässt. Neben der Treppe befindet sich eine Rinne zum Schieben von Fahrrädern. Die wurde tatsächlich bereits von den Nazis angelegt: für die besagte Zukunftsgarage.</p>



<p>Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der zweite Personenzugang. Tageslicht schimmert durch die Ritzen und oben läuft hörbar jemand mit einem Rollkoffer über das Pflaster, das auf einer Metallplatte liegt. Diese Platte ist mit Scharnieren versehen und hat hydraulische Säulen zum öffnen. Diese Anlage ist allerdings stillgelegt, weil die Feuerwehr den Notausgang nicht mehr zugelassen hat, nachdem 2003 klar war, dass der Bunker keine Funktion als Schutzraum mehr erfüllen wird. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Geschichte von Zwangsarbeit, Notunterkünften und gesellschaftlichem Widerstand</h3>



<p>Die Geschichte des Bunkers ist also lang und geht weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus. Gebaut wurde er 1940 und 1942 von Zwangsarbeiter- Innen und einer Arbeitskolonne aus Italien. Beim Richtfest wehte neben der Hakenkreuzflagge die italienische Trikolore. Bunkerbau ist harte Arbeit: 7.000 Kubikmeter Beton, 15.000 Kubikmeter Erde und 2,5 Millionen Liter Grundwasser wurden dafür bewegt. Aus Sicht einiger Bremer:innen soll die Baufirma die Zwangsarbeiter dabei zu gut behandelt haben. Es gab Beschwerden von „anständigen Deutschen“ und tatsächlich wurden der Firma daraufhin Folgeaufträge entzogen.</p>



<p>Nach dem Krieg wurde der Bunker, wie eigentlich alle dieser Anlagen in Bremen, für die ausgebombte Bevölkerung kurzzeitig als Notquartier genutzt. Doch der Bahnhofsbunker blieb weiter Wohnraum. In den 1950er-Jahren wurde er zum Wohnheim für wohnungslose Männer. Es dauerte bis 1977, bis die Innere Mission ein Grundstück fand, um das Jakobushaus (heute besser bekannt als Papageienhaus) fertigzustellen. Immer wieder fanden potenzielle Anwohner:innen genug Energie und scheinbar gute Argumente, die Wohnungslosen von ihrer Nachbarschaft fernzuhalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vergessene Stimmen</h3>



<p>Andreas Calic erzählt von Briefen mit Inhalten wie diesem: Man wolle kein „asoziales, arbeitsscheues Gesindel, das den ganzen Tag Alkohol trinkt, in unserer Nachbarschaft.“ Die Männer lebten hier unten in den Nischen, den Parkplätzen für die Autos an beiden Seiten des Tiefbaus. Damals waren sie durch Gitter vom Mittelteil abgegrenzt. Wenn man da unter der Erde steht und Calic für kurze Zeit das Licht ausschaltet, sind nur noch die phosphoreszierenden Streifen und Beschriftungen an den Wänden zu sehen. Sie leuchten in einem gespenstischen grün. Man denkt unwillkürlich an die Kriegszeit, wie sich wohl die Menschen hier fühlten, wenn der Strom plötzlich aus war. Wenn die Sirenen heulten, wenn Erde und Wände beim Einschlag der Bomben erzitterten.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Heiko Lenthe</em></td><td>Fotos: <br /><em>Hartmuth Bendig</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93.jpg" alt="" class="wp-image-10963" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-600x400.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure>
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		<title>Mein Block(Land)</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/mein-blockland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Nov 2021 16:28:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Schwachhausen]]></category>
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					<description><![CDATA[#92 H.-H.-MEIER-ALLEE – Sie war eine der Ersten: Die 96-jährige Holde S. lebt seit 1964 in Schwachhausens einzigem Hochhaus „Hier war früher nur Blockland&#8220;, erinnert sich Holde S., „und hinten im Westen sahen wir in der Ferne die Sonne untergehen. Auch der schöne Baumbestand hier kommt noch aus dieser Zeit. Durch die Feuchtigkeit gedeiht hier alles so gut.“ Ein Hauch Wehmut schwingt noch mit in diesen Sätzen. Sie erzählen von einer Zeit, in der an Neu-Schwachhausen mit seinen mehrstöckigen Gebäuden aus den 1960er-Jahren noch lange nicht zu denken war. Holde S. hat diese Zeit selbst miterlebt und darf mit ihren 96 Jahren wohl als ein Urgestein des Stadtteils bezeichnet werden. In der von Mehrparteienhäusern gesäumten H.-H.-Meier-Allee bewohnt sie eines der prägnantesten Gebäude, vielleicht des ganzen Stadtteils. Sie nennt eine Wohnung mit eineinhalb Zimmern im 15-stöckigen Wohnblock mit der Hausnummer 51 ihr Eigen. Mit der schmucklos grauen Fassade und diesem Verbotsschild auf der anliegenden Grünfläche, das Kindern das Spielen auf dem Rasen verbietet, wirkt das Areal ein bisschen aus der Zeit gefallen. „Damals fuhren auf der &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#92 H.-H.-MEIER-ALLEE – Sie war eine der Ersten: Die 96-jährige Holde S. lebt seit 1964 in Schwachhausens einzigem Hochhaus</h2>



<p>„Hier war früher nur Blockland&#8220;, erinnert sich Holde S., „und hinten im Westen sahen wir in der Ferne die Sonne untergehen. Auch der schöne Baumbestand hier kommt noch aus dieser Zeit. Durch die Feuchtigkeit gedeiht hier alles so gut.“ Ein Hauch Wehmut schwingt noch mit in diesen Sätzen. Sie erzählen von einer Zeit, in der an Neu-Schwachhausen mit seinen mehrstöckigen Gebäuden aus den 1960er-Jahren noch lange nicht zu denken war. Holde S. hat diese Zeit selbst miterlebt und darf mit ihren 96 Jahren wohl als ein Urgestein des Stadtteils bezeichnet werden.</p>



<p>In der von Mehrparteienhäusern gesäumten H.-H.-Meier-Allee bewohnt sie eines der prägnantesten Gebäude, vielleicht des ganzen Stadtteils. Sie nennt eine Wohnung mit eineinhalb Zimmern im 15-stöckigen Wohnblock mit der Hausnummer 51 ihr Eigen. Mit der schmucklos grauen Fassade und diesem Verbotsschild auf der anliegenden Grünfläche, das Kindern das Spielen auf dem Rasen verbietet, wirkt das Areal ein bisschen aus der Zeit gefallen.</p>



<p>„Damals fuhren auf der Weser noch Dampfschiffe. Die müssten heute eigentlich im Museum stehen“, schweift Holde S. ein weiteres Mal in die Vergangenheit. Es sind vor allem solche sprachlichen Bilder, mit denen sie die alten Zeiten beschwört. Es ist nicht ganz leicht, diesen Gedanken zu folgen. Ob das eine bessere Zeit für sie war? Vielleicht. Immer wieder jedenfalls schwingen nachdenkliche Töne im Gespräch mit. Mal ganz leise, mal auch sehr laut. „Das gibt es heute alles nicht mehr“, sagt sie kopfschüttelnd, „das war früher alles ganz anders“, „heute ist alles viel zu anonym“ – so klingen große Teile des Gesprächs, die natürlich auch eine gewisse Schublade bedienen. Dass aber nicht alles besser war, das weiß Holde S. auch aus eigener Erfahrung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Widerstand und Wohnungssuche</h3>



<p>Trotz Wirtschaftswunder und Rekordwachstum in der jungen Bundesrepublik war bezahlbarer Wohnraum auch Anfang der 1960er-Jahre vielerorts ein rares Gut. So auch in Bremen und seinen stark wachsenden Stadtteilen. Dennoch regte sich vehementer Widerstand in der Nachbarschaft, als erste Pläne für den bis heute polarisierenden Gebäudekomplex bekannt wurden. Architekt Siegfried A. Morschel hatte es entworfen, der auch mit seinem Engagement für die sogenannte „Mozarttrasse“ aneckte: einer Schnellstraße durchs Ostertorviertel an der Weser, die Widerstände in der Bevölkerung schürte, welche viele bis heute für die Blaupause des linksalternativen Aktivismus des „Viertels“ halten. „Passt auf, wie man hier baut“, wurde Holde S. schon in der Schulzeit von einer ermahnt. Anders als die Mozarttrasse wurde dieses Haus aber gebaut. Und aller Skepsis zum Trotz versuchte schließlich auch Holde S., inzwischen bei der Post verbeamtet, mit Erfolg ihr Glück bei der Ausschreibung, um an eine der begehrten Wohnungen zu gelangen.</p>



<p>„Ich suchte eben eine Wohnung. Das war alles sehr schwer damals“, erläutert sie und das klingt fast eine Entschuldigung für eine pragmatische Entscheidung vor beinahe 60 Jahren. Aber nur kurz. Tatsächlich ärgere sie sich heute eigentlich nur noch darüber, nicht früher zugeschlagen zu haben, wie ihr eine gute Freundin damals eindringlich geraten hatte: „Ich habe leider ein bisschen zu lange gezögert. Dann blieb nur noch die kleine Wohnung zur Nord-West-Seite. Das war nicht ideal, aber man war zufrieden.“ Immerhin war Holde S. nun erstmals Eigentümerin einer Wohnung. Dass dazu auch eine „reiche Tante“ beigetragen hat, lässt sie nicht unerwähnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensqualität im Alter</h3>



<p>Nach dem Umzug aus dem nur einen Steinwurf entfernten Hauptmann-Böse-Weg in die neue Bleibe waren es fortan nicht mehr die Farben und Düfte der Flora des Blocklands, dafür aber der Blick auf den Dom, welcher der Ur-Bremerin beim Gang auf ihren eigenen Balkon seit 1964 täglich große Freude bereitete. Auch die in der Folge wachsende Infrastruktur des jungen Neu-Schwachhausens gefiel ihr zunehmend besser: Schlachter, Bäcker, Post, Apotheke und später auch der Wochenmarkt – alles vor der Haustür.</p>



<p>Und nicht zu vergessen: die Nähe zur St. Remberti-Kirche sowie die Tram-Haltestelle unten, von der sie schon unzählige Male zum Gottesdienst in den Dom gestartet ist. Holde S. weiß zu schätzen, was sie an ihren eigenen vier Wänden in diesem Quartier hat: „Hier habe ich doch alles, was ich zum Leben brauche.“</p>



<p>Welche Rolle das heute für sie spielt? „Ohne den Schlachter und diese Lage w.re ich schon längst im Altenheim. Aber das hält mich hier und das brauche ich auch für meine Selbstständigkeit.“ Und die ist ihr heilig – darum packt sie die Dinge gern selbst mit an, wo es ihr im Alter noch möglich ist. Zwar wisse sie auch um die Vorzüge, zum Beispiel im traditionellen Café Knigge direkt nebenan einen Mittagstisch zu bekommen, aber am liebsten koche sie sich ihre Kartoffeln und das Gemüse aber doch selbst. Die Unterstützung vom Paritätischen benötige sie zwar ebenfalls in einigen Lebensbereichen, aber immerhin die Krankengymnastik habe sie nach einer Weile wieder abbestellt: „Das belastet doch die Krankenkassen“, sagt sie, „außerdem beziehe ich meine Betten noch selbst – das ist genug Bewegung und hält jung.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Tim Lachmann</em></td><td>Fotos: <br /><em>Wolfgang Everding</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/92-h-h-meier-allee/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee.jpg" alt="" class="wp-image-11103" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<item>
		<title>Die unsichtbare Kreuzung</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/die-unsichtbare-kreuzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Oct 2021 09:17:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[hemelingen]]></category>
		<category><![CDATA[hemelingertunnel]]></category>
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		<category><![CDATA[zeitschriftderstrasse]]></category>
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					<description><![CDATA[#91 HEMELINGER BAHNHOFSTRASSE – Der mit Abstand meiste Verkehr um die Hemelinger Bahnhofstraße ist an der Oberfläche gar nicht zu sehen. Er wird seit Jahren untendurch geleitet]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#91 HEMELINGER BAHNHOFSTRASSE – Der mit Abstand meiste Verkehr um die Hemelinger Bahnhofstraße ist an der Oberfläche gar nicht zu sehen. Er wird seit Jahren untendurch geleitet</h2>



<p>Wenn man etwas hören oder fühlen könnte, dann müsste es an dieser Stelle sein: exakt unter der Bushaltestelle „Hemelinger Bahnhofstraße“ an der Nordwestecke des kleinen Wilkensparks. Hier kreuzt unterirdisch der Hemelinger Straßentunnel. Aber weder vibriert es unter den Füßen, noch hört man leisestes Rauschen. Ganz anders vor der Tunnelöffnung an der Sebaldsbrücker Heerstraße: Die frühere Belastung der Straßen lässt sich hier erahnen. Welch ein immenses Autoaufkommen ergießt sich tagtäglich hinein und wälzt hinaus! Lkw verschiedenen Kalibers rattern, Pkw fahren zügig um die Kurven, oben kreuzt die Straßenbahn. An der Fußgängerampel vor der Tunnelöffnung ist eine Verständigung im Lärm kaum möglich. Im Auto jedoch ist es ein angenehmeres Erlebnis. Der mit knapp 600 Metern längste Straßentunnel Bremens leitet Kraftfahrzeuge unter zwei Eisenbahntrassen und der ganzen Godehardstraße durch. Radfahrer und Fußgänger können abgetrennt neben der Fahrbahn die Bahntrassen unterfahren – begleitet von Lärm, aber sicher.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hemelingen in den 70ern: Als der Verkehr das Viertel veränderte</h3>



<p>Es ist schon klar, warum in Hemelingen viele bereits in den Siebzigerjahren ohne Tunnel den Schwerlast- und Durchgangsverkehr satt hatten. Durch die Großansiedlung von Mercedes-Benz 1978 in Sebaldsbrück mit zunächst rund 6.000 Beschäftigten verschärfte sich die Lage. Erwartet wurden täglich 16.000 Fahrzeuge auf dem Weg ins Werk und hinaus, darunter 8.000 Lkw Die neuen Anforderungen waren enorm. Vor allem Brügge weg, Schlengstraße und Bruchweg waren durch Lärm, Abgase und Staus extrem belastet. Auch die Hemelinger Bahnhofstraße blieb nicht verschont. Frau Riedemann-Schmitz vom traditionsreichen Schuhgeschäft erinnert sich: „Beim Daimler-Schichtwechsel abends um zehn war der Brüggeweg voll und die Autos wälzten sich Stoßstange an Stoßstange da durch. Wenn der Brüggeweg dann dicht war, sind alle hier durchgefahren. Manche Bewohner sind auch weggezogen, weil sie es mit der Verkehrsentwicklung nicht mehr aushielten.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">175 Millionen unter dem Grundwasserspiegel</h3>



<p>Um 1988 kam die Tunnel-Idee in Gang, wurde aber Mitte der Neunziger wegen hanseatischer Sparsamkeit in schwieriger Haushaltslage wieder ausgebremst. Ein mehrfach zitierter Satz des damaligen Ortsamtsleiters beleuchtet die Stimmung: „Eine Verarschung aller Hemelinger ist das.“ Heftige Debatten über die Sanierung Hemelingens fanden in diesen Zeiten statt . Erst 1999 begann der Tunnelbau. 2003 wurde die unterirdische Straße zum Preis von rund 175 Millionen Euro eingeweiht. Eine Filmdokumentation der damals für den Bau verantwortlichen Gesellschaft für Projektmanagement und Verkehrswegebau verdeutlicht den Aufwand, etwa die Arbeiten unter dem Grundwasserspiegel, die unter Druckluft statt fanden. Heute kaum denkbar: Alles entstand in der vorgesehenen Bauzeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Enteignung und Entschädigung: Der Preis für den Bau</h3>



<p>Verlustfrei ging das nicht vonstatten. So mussten vor dem Bau Wohnhäuser „abgeräumt“ werden, wie es in einem Beiratsprotokoll von 1997 heißt. „In der Godehardstraße waren es acht oder neun, in unserer Straße zwei“, so Frau Riedemann-Schmitz. „Dazu gehörte auch der Wilkens-Bungalow, der auf dem Villengrundstück für einen der Söhne gebaut worden war.“ Diese Vorgänge waren zwar rechtens, aber mit Schicksalen verbunden. Die Entschädigung dürfte für eine neunzigjährige Frau, die ihr Haus am Lebensende verlassen musste, kein Trost gewesen sein.</p>



<p>In der Hemelinger Bahnhofstraße zeigt Frau Zaun von der Firma Seekamp Metall rüber zum anliegenden Parkplatz: Diese Fläche musste der Betrieb für den Tunnelbau hergeben. Und bis heute teilen Beschäftigte und Firmenleitung dort das Innenleben der angrenzenden Röhrenöffnung, denn „gelegentlich riecht es daraus. Und oft hören wir die lauten Krankenwagensirenen“, beschreibt Frau Zaun die Lage. Die Röhre ist hier ein akustischer Verstärker.</p>



<h3 class="wp-block-heading">20.000 Fahrzeuge täglich – und ein Viertelmillion Euro Betriebskosten</h3>



<p>Unbestreitbar ist aber die deutliche Entlastung des Durchgangsverkehrs. Bereits kurz nach Eröffnung 2003 nutzten durchschnittlich 12.422 Fahrzeuge den Tunnel t.glich. Stefan Last, Projektingenieur beim Amt für Straßen und Verkehr, erklärt: „Heute sind es rund 20.000 Fahrzeuge, davon 14 Prozent Lkw.“ Last spricht über Folgekosten: „Für den Unterhalt reicht eine Viertel Million pro Jahr nicht.“ Wofür? Allein die Stromkosten belaufen sich jährlich auf 100.000 Euro. Er ergänzt Wartungs- und Sicherheitsmaßnahmen, dazu einige Beispiele: Für frühzeitiges Erkennen von Problemen im Tunnel kontrolliert die Polizei 17 Kameras rund um die Uhr. Sichttrübung und CO2-Werte werden gemessen, Strahlventilatoren sorgen für Frischluft zufuhr, aufwendige Feuerwehrübungen finden alle sechs Jahre nächtlich bei Vollsperrung statt . Mit hohem Sicherheitsstandard werden die anspruchsvollen EU-Anforderungen an einen Tunnelbetrieb erfüllt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Engagement der Nachbarschaft sichert Grünflächen und historische Bauten</h3>



<p>Bedeutsam für Planung und Folgen des Tunnelbaus waren noch andere wichtige Bewegungen. Im Stadtteil mobilisierten sich damals Kräfte, die sich für die Lebensqualität über der Trasse starkmachten, besonders für eine anwohnerfreundliche und grüne Gestaltung. Unter anderem wurde vor Baubeginn durchgesetzt, dass in der Hemelinger Bahnhofstraße die Wilkens-Villa und der Park mit dem alten Baumbestand nicht, wie es der Plan vorsah, der Untertunnelung geopfert wurden. „Es handelt sich dabei um sehr alte, kapitale Blume, deren Erhalt von hervorragender Bedeutung ist“, schrieb Ortsamtsleiter Rissland 1996 nach einer einstimmigen Beiratsentscheidung an Bausenator Hattig. Eine Verlegung der Tunnelachse unter die Godehardstraße wurde erreicht. Heute ist das Ensemble ein optischer Glücksmoment der Straße.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Ulrike Plappert</em></td><td>Foto: <br /><em>Volker Busch</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/91-hemelinger-bahnhofstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf.jpg" alt="" class="wp-image-9360" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf-840x560.jpg 840w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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