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	<title>zeitschriftderstrasse &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>zeitschriftderstrasse &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>Wir benötigen Ihre Hilfe</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/wir-benoetigen-ihre-hilfe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Cory Patterson]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Dec 2023 14:47:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Obdachlose]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesen Tagen liegt den Ausgaben der Zeitschrift der Straße ein Überweisungsträger bei. Ja, wir brauchen Geld – die Zeitschrift der Straße finanziert sich ausschließlich aus dem Verkaufserlös, den Werbepartner:innen und Spenden. Wir erhalten keinerlei behördliche Unterstützung und sind aus diesen Gründen auch auf Ihre Unterstützung angewiesen. Wir benötigen finanzielle Unterstützung, um unsere Verkaufspersonen ausstatten zu können. Dazu gehört die Ausrüstung für den Verkauf, Winterhilfen, kleinere Verpflegungsangebote und anlassbezogene Zuwendungen. Sie können für Ihre Spende auch das Spendenformular auf unserer Website nutzen oder Sie spenden an:Verein für Innere Mission in BremenBank: Sparkasse BremenIBAN: DE22 2905 0101 0001 0777 00BIC: SBREDE22XXXVerwendungszweck: Zeitschrift der Straße. Spenden sind steuerlich absetzbar! In der kalten Jahreszeit sind natürlich auch Sachspenden sehr willkommen – über heile und saubere Winterkleidung oder Schlafsäcke freuen sich z. B. die Kleiderkammern des Café Papagei (nur Männerkleidung) oder des frauenzimmer (nur Frauenkleidung). Vielen Dank!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<p class="wp-block-paragraph">In diesen Tagen liegt den Ausgaben der <em>Zeitschrift der Straße</em> ein Überweisungsträger bei. Ja, wir brauchen Geld – die <em>Zeitschrift der Straße</em> finanziert sich ausschließlich aus dem Verkaufserlös, den Werbepartner:innen und Spenden.</p>



<p class="wp-block-paragraph"><strong>Wir erhalten keinerlei behördliche Unterstützung und sind aus diesen Gründen auch auf Ihre Unterstützung angewiesen.</strong></p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir benötigen finanzielle Unterstützung, um unsere Verkaufspersonen ausstatten zu können. Dazu gehört die Ausrüstung für den Verkauf, Winterhilfen, kleinere Verpflegungsangebote und anlassbezogene Zuwendungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie können für Ihre Spende auch das <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/unterstuetzen/spenden/">Spendenformular</a> auf unserer Website nutzen oder Sie spenden an:<br />Verein für Innere Mission in Bremen<br />Bank: Sparkasse Bremen<br />IBAN: DE22 2905 0101 0001 0777 00<br />BIC: SBREDE22XXX<br />Verwendungszweck: <em>Zeitschrift der Straße</em>.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Spenden sind steuerlich absetzbar!</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der kalten Jahreszeit sind natürlich auch Sachspenden sehr willkommen – über heile und saubere Winterkleidung oder Schlafsäcke freuen sich z. B. die Kleiderkammern des Café Papagei (nur Männerkleidung) oder des frauenzimmer (nur Frauenkleidung).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Vielen Dank!</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/113-rausch/"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1250" height="834" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-1250x834.jpg" alt="" class="wp-image-10945" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-1250x834.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-1536x1024.jpg 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-2048x1366.jpg 2048w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-600x400.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_113-768x512.jpg 768w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Wir verändern unsere Vertriebsstrukturen</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/der-neue-verkaufsausweis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Cory Patterson]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Nov 2023 20:46:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenverkäufer]]></category>
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					<description><![CDATA[Neue Ausweise Auf Bremens feuchten Herbststraßen verändert sich etwas in diesen ersten November&#173;tagen – die Zeitschrift der Straße ändert ihre Vertriebs&#173;stuk&#173;turen und ihr Regelwerk. Unsere Verkaufs&#173;personen erhalten einen neuen Verkaufs&#173;aufsweis. Dieser ist mit einem Foto versehen, zeitlich befristet und u. a. durch ein Originalsiegel und einen QR-Code erheblich fälschungssicherer als die vorherige Version. Auf der Karte finden Sie auch die Verkäufernummer und die Gültigkeitsdauer. Feste Verkaufsplätze Seit dem 6. November 2023, mit Erscheinen der neuen Ausgabe stehen unsere Verkäufer:innen außerdem an festen Plätzen. Weil wir nicht wollen, dass sich unsere Verkäufer:innen aufdringlich verhalten, ist es schon lange verboten, die Zeitschrift der Straße im Gehen zu verkaufen. Wir entwickeln die Zeitschrift in engem Austausch mit anderen deutschen Straßenzeitungen. Im Gespräch mit den Kolleg:innen mussten wir feststellen, dass wir mit der freien Platzwahl die absolute Ausnahme waren. Vom festen Verkaufsplatz versprechen wir uns größere Verläss&#173;lichkeit, ein stabileres soziales Umfeld für die Verkaufenden und bessere Möglich&#173;keit, sie aufzusuchen, wenn es Probleme gibt. Alle Verkäufer:innen haben einen festen Platz, der übrigens ebenfalls auf dem Ausweis vermerkt ist. Wir werden &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">Neue Ausweise</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Auf Bremens feuchten Herbststraßen verändert sich etwas in diesen ersten November&shy;tagen – die <em>Zeitschrift der Straße</em> ändert ihre Vertriebs&shy;stuk&shy;turen und ihr Regelwerk. Unsere Verkaufs&shy;personen erhalten einen neuen Verkaufs&shy;aufsweis. Dieser ist mit einem Foto versehen, zeitlich befristet und u. a. durch ein Originalsiegel und einen QR-Code erheblich fälschungssicherer als die vorherige Version. Auf der Karte finden Sie auch die Verkäufernummer und die Gültigkeitsdauer.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="alignleft size-full"><img decoding="async" width="1194" height="721" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/11/zds_ausweis_bild_www-2.jpg" alt="" class="wp-image-10171" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/11/zds_ausweis_bild_www-2.jpg 1194w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2023/11/zds_ausweis_bild_www-2-300x181.jpg 300w" sizes="(max-width: 1194px) 100vw, 1194px" /><figcaption class="wp-element-caption">So sieht der neue Verkaufsausweis aus</figcaption></figure>
</div>


<h2 class="wp-block-heading">Feste Verkaufsplätze</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Seit dem 6. November 2023, mit Erscheinen der neuen Ausgabe stehen unsere Verkäufer:innen außerdem an festen Plätzen. Weil wir nicht wollen, dass sich unsere Verkäufer:innen aufdringlich verhalten, ist es schon lange verboten, die <em>Zeitschrift der Straße</em> im Gehen zu verkaufen. Wir entwickeln die Zeitschrift in engem Austausch mit anderen deutschen Straßenzeitungen. Im Gespräch mit den Kolleg:innen mussten wir feststellen, dass wir mit der freien Platzwahl die absolute Ausnahme waren. Vom festen Verkaufsplatz versprechen wir uns größere Verläss&shy;lichkeit, ein stabileres soziales Umfeld für die Verkaufenden und bessere Möglich&shy;keit, sie aufzusuchen, wenn es Probleme gibt. Alle Verkäufer:innen haben einen festen Platz, der übrigens ebenfalls auf dem Ausweis vermerkt ist. Wir werden das zeitnah auch um eine digitale Standortkarte ergänzen.</p>



<h2 class="wp-block-heading">Ihre Mithilfe</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Sollten Sie zukünftig noch Menschen mit alten Ausweisen antreffen, sagen Sie uns bitte unbedingt Bescheid. Es liegt auch im Interesse der ehrlichen Verkäufer:innen, solche Probleme umgehend zu lösen. Denn immerhin fallen die Störungen durch Einzelne über kurz oder lang auf alle anderen zurück – und belasten so das ganze Projekt. Auch wenn unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen regelmäßig in der Stadt unterwegs sind, können wir nicht immer und überall vor Ort sein. Zögern Sie nicht, uns anzusprechen, wenn Sie Zweifel an der Rechtmäßigkeit von Verkaufs&shy;personen haben – oder bei Fragen zu unserem Regelwerk. Sie erreichen uns in solchen Fällen telefonisch unter <strong>0421 17 52 16 27</strong> oder per E-Mail an: <strong><a href="mailto:zeitschrift@inneremission-bremen.de">zeitschrift@inneremission-bremen.de</a></strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warnung vor falscher Straßenzeitschrift auf Bremens Straßen</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/warnung-vor-falscher-strassenzeitschrift-auf-bremens-strassen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Cory Patterson]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Nov 2022 13:19:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meldung]]></category>
		<category><![CDATA[Online-Artikel]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[Querkopf]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenverkäufer]]></category>
		<category><![CDATA[zeitschriftderstrasse]]></category>
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					<description><![CDATA[ACHTUNG, ACHTUNG! Warnung: Uns erreichen Mitteilungen, dass Verkäufer:innen des Magazins Querkopf sich als Verkäufer:innen der Zeitschrift der Straße ausgeben. Die Zeitschrift der Straße distanziert sich von diesem Magazin und allen Personen, die dieses in unserem Namen verkaufen. Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer erkennen Sie immer an unseren Verkaufsausweisen und der Zeitschrift der Straße. Auf unseren Zeitschriften im Verkauf auf Bremens Straßen befindet sich immer ein Stempel mit der Verkäufer:innennummer, beides muß zusammen passen, damit Sie sicher seinkönnen, dass es sich um eine:n bei uns registrierte:n Verkäufer:in handelt. Bitte bleiben Sie uns treu. Unterstützen Sie weiter unsere Verkäuferinnen und Verkäufer und das Original Bremens. Wir und viele Menschen, die die Zeitschrift der Straße verkaufen, danken Ihnen! Ihre Zeitschrift der Straße]]></description>
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<p class="wp-block-paragraph"><a href="https://s.uicdn.com/ooe/viewer/2.0.102/viewer/web/viewer.html?file=from-parent-iframe&amp;locale=de-DE&amp;parent=https://ooviewer.web.de#page=1"></a></p>



<h3 class="wp-block-heading">ACHTUNG, ACHTUNG!</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Warnung: Uns erreichen Mitteilungen, dass Verkäufer:innen des Magazins Querkopf sich als Verkäufer:innen der <em>Zeitschrift der Straße</em> ausgeben. Die <em>Zeitschrift der Straße</em> distanziert sich von diesem Magazin und allen Personen, die dieses in unserem Namen verkaufen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Verkäuferinnen und Verkäufer erkennen Sie immer an unseren Verkaufsausweisen und der <em>Zeitschrift der Straße</em>. Auf unseren Zeitschriften im Verkauf auf Bremens Straßen befindet sich immer ein Stempel mit der Verkäufer:innennummer, beides muß zusammen passen, damit Sie sicher sein<br />können, dass es sich um eine:n bei uns registrierte:n Verkäufer:in handelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Bitte bleiben Sie uns treu. Unterstützen Sie weiter unsere Verkäuferinnen und Verkäufer und das Original Bremens. Wir und viele Menschen, die die <em>Zeitschrift der Straße</em> verkaufen, danken Ihnen!</p>



<p class="wp-block-paragraph"><br />Ihre <em>Zeitschrift der Straße</em></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/68-muenchener-strasse/"><img decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/05/cover_68.jpg" alt="" class="wp-image-8644" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/05/cover_68.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/05/cover_68-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2019/05/cover_68-840x560.jpg 840w" sizes="(max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>ZWISCHEN DEN WELTEN</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/zwischen-den-welten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2022 19:24:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[bischofsnadel]]></category>
		<category><![CDATA[meinbremen]]></category>
		<category><![CDATA[zds]]></category>
		<category><![CDATA[zeitschriftderstrasse]]></category>
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					<description><![CDATA[#98 BISCHOFSNADEL – Die Bischofsnadel ist Tunnel, Durchgangsweg sowie Park- und Stadteingang. Und manchmal vergisst man bei all diesen Übergängen fast, dass sie auch selbst ein Ort ist. Nur eben einer dazwischen. Ein leichter Wind weht durch die Bäume in den Wallanlagen: ein angenehmer Wind an einem der ersten milden Frühlingstage in diesem Jahr. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Wasserflächen und sorgt für ein stimmungsvolles Glitzern. An&#160;den Bäumen sind erste Knospen zu erkennen, die zusehends das winterliche Grau verdrängen. Dazu sorgen die singenden Vögel für eine liebliche Idylle mitten im Herzen der Stadt. Auf dem Weg entlang der Bischofsnadel begegnen mir viele Men­schen, die genau diese Entspannung von der Hektik des Alltags zu suchen schei­nen: Spaziergänger:innen, die Hand in Hand am Wasser schlendern, spie­lende Kinder, oder die vielen Fahrräder – sie alle scheinen in Ruhe das Wetter zu genießen. Auch unter den großen roten Sonnenschirmen an der Unterführung am Wall haben viele Menschen Platz genommen und genießen, in Gespräche vertieft, Kaffee, Pizza oder andere Kleinigkeiten, die dort angeboten werden. Es dauert nicht lange &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#98 BISCHOFSNADEL – Die Bischofsnadel ist Tunnel, Durchgangsweg sowie Park- und Stadteingang. Und manchmal vergisst man bei all diesen Übergängen fast, dass sie auch selbst ein Ort ist. Nur eben einer dazwischen.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein leichter Wind weht durch die Bäume in den Wallanlagen: ein angenehmer Wind an einem der ersten milden Frühlingstage in diesem Jahr. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Wasserflächen und sorgt für ein stimmungsvolles Glitzern. An&nbsp;den Bäumen sind erste Knospen zu erkennen, die zusehends das winterliche Grau verdrängen. Dazu sorgen die singenden Vögel für eine liebliche Idylle mitten im Herzen der Stadt. Auf dem Weg entlang der Bischofsnadel begegnen mir viele Men­schen, die genau diese Entspannung von der Hektik des Alltags zu suchen schei­nen: Spaziergänger:innen, die Hand in Hand am Wasser schlendern, spie­lende Kinder, oder die vielen Fahrräder – sie alle scheinen in Ruhe das Wetter zu genießen. Auch unter den großen roten Sonnenschirmen an der Unterführung am Wall haben viele Menschen Platz genommen und genießen, in Gespräche vertieft, Kaffee, Pizza oder andere Kleinigkeiten, die dort angeboten werden. Es dauert nicht lange an diesem Ort und auch ich verfalle in eine entspannte Grundstimmung. Bis&nbsp;auf wenige vorbeifahrende Autos und gelegentliche Polizeisirenen könnte man fast vergessen, sich mitten in Bremen nahe Hauptbahnhof und Altstadt zu befinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unter der Stadt: Die kurze Unterführung am Wall</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Café und Pizzeria offenbart sich eine kurze Unterführung, die eine schnelle Verbindung in die Innenstadt schafft, ohne die Straße am Wall überqueren zu müssen. Nach dem hellen Tageslicht in den Wallanlagen wirkt der Tunnel dun­kel. Gelbes, spärliches Licht beleuchtet die kleinen Geschäfte, die sich dicht an dicht reihen. Viele Menschen sind hier unterwegs. Einige besuchen Kiosk, Schnei­derei oder Schuster, die meisten aber nutzen die Unterführung nur als schnellen Durchgang. Die Verweilstimmung in dem engen, hallenden Tunnel ist verflogen. Kaum jemand hält sich hier länger auf. Am Ende führen 15 Stufen wieder aus der Unterführung heraus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1250x833.jpg" alt="" class="wp-image-9483" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Tunnel, Park und Häuserschlucht: Die Bischofsnadel ist alles zugleich.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Die stille Gasse zur Altstadt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück im Tageslicht stehe ich in einer kurzen Gasse, die zur Innenstadt führt. Durch die fünfstöckigen Gebäude auf beiden Seiten ist der Weg größtenteils in Schatten gehüllt. Rechts von mir wartet eine kurze Schlange darauf, eine kleine Bäckerei betreten zu können. Davor stehen einige Menschen an Stehtischen und trinken Kaffee. Gegenüber tritt eine Person aus einem Laden für Fischspezialitäten und verlässt die Gasse in Richtung Altstadt. Es herrscht reges Treiben. Der Blick fällt geradeaus direkt auf den Dom, der jedoch teilweise von Büro- und Geschäfts­gebäuden verdeckt wird. Manche Gebäude wirken wie verblichen, verlassen und wenig einladend. Mit ihren sandsteinfarbenen und grauen Fassaden verschmelzen sie fast nahtlos mit den Straßen und Wegen ringsherum. Kaum jemand schenkt diesen Gebäuden echte Aufmerksamkeit. Sie wirken belanglos und das Flair der Altstadt weit entfernt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Markt, Café und Mobilität – Das pulsierende Herz der Stadt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es gleich daneben aus. Hier erstrecken sich viele bunte Wagen des Woche­nmarktes mit ihren verschiedenen Angeboten. Das Ensemble wirkt mit den Menschen dazwischen auf eine sympathische Weise unaufgeräumt. Davor befindet sich ein kleiner Platz mit eckigem Glasquader, in dem sich Café und Bar befinden. Überspannt wird das Ganze von einem riesigen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glasdach. Mit dem historischen Rathausgebäude und Dom im Hintergrund könnte der Kontrast kaum größer sein. Während ich auf die Menschen auf dem Wochen­markt oder im Café blicke, fahren im Minutentakt Busse und Bahnen an mir vorbei. Schnell eilen einige noch zur Haltestelle, um ihre Bahn zu bekommen, bevor sich die Türen mit lautem Piepen schließen. Der Alltag scheint die Menschen hier zu bestimmen: Erledigungen machen oder von einem Ort zum anderen gelangen. Obwohl sich auch hier Menschen treffen und miteinander reden, strahlt dieser Ort für mich Anonymität aus. Genauso schnell, wie viele gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden – einige in die Unterführung in Richtung Wall, andere weiter in Richtung Innenstadt.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Joshua Köhler</em></td><td>Foto: <br /><em>Beate C. Köhler</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/98-bischofsnadel/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png" alt="" class="wp-image-10961" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Mission Bagel</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/mission-bagel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 May 2022 19:53:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[juedischegemeinde]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
		<category><![CDATA[zds]]></category>
		<category><![CDATA[zeitschriftderstrasse]]></category>
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					<description><![CDATA[#97 JÜDISCHE GEMEINDE Zu den Aufgaben von Rabbinern wie Natanael Teitelbaum gehört, die Einhaltung der Regeln in der koscheren Küche zu kontrollieren. Wir begleiten ihn zu Bäckermeister Holger Groth – mitten in der Nacht. Drei Uhr, das ist eine unwirkliche Zeit. Zwischen gestern und morgen, wache ich wie gerädert nach wenigen Stunden Schlaf auf. Zwei Wecker klingeln im Fünf-Minuten-Takt, die Snooze-Taste hat keine Chance. Auf keinen Fall will ich mein Date mit dem Rabbi verpassen: Um Viertel vor vier sind wir verabredet an diesem unwirtlichen Freitagmorgen im April. Überpünktlich stehe ich schließlich in der Kälte vor der Bäckerei am Sielwall, es schneit sachte, in der Ferne grölen Besoffene am Eck, von denen man hofft, sie blieben, wo sie sind. Dann, nach endlosen Minuten in der Kälte, blitzen zwei Scheinwerfer auf, ein Mercedes-Bus nimmt Kurs auf die Bäckerei. „Sie haben ja Arbeitszeiten“, sage ich matt, als Rabbiner Natanel Teitelbaum aus dem Auto steigt. Er lacht freundlich und zuckt mit den Schultern. Was muss, das muss. Die Hintertür steht offen an diesem dunklen Freitagmorgen, wir treten ein &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#97 JÜDISCHE GEMEINDE  Zu den Aufgaben von Rabbinern wie Natanael Teitelbaum gehört, die Einhaltung der Regeln in der koscheren Küche zu kontrollieren. Wir begleiten ihn zu Bäckermeister Holger Groth – mitten in der Nacht.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Uhr, das ist eine unwirkliche Zeit. Zwischen gestern und morgen, wache ich wie gerädert nach wenigen Stunden Schlaf auf. Zwei Wecker klingeln im Fünf-Minuten-Takt, die Snooze-Taste hat keine Chance. Auf keinen Fall will ich mein Date mit dem Rabbi verpassen: Um Viertel vor vier sind wir verabredet an diesem unwirtlichen Freitagmorgen im April.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überpünktlich stehe ich schließlich in der Kälte vor der Bäckerei am Sielwall, es schneit sachte, in der Ferne grölen Besoffene am Eck, von denen man hofft, sie blieben, wo sie sind. Dann, nach endlosen Minuten in der Kälte, blitzen zwei Scheinwerfer auf, ein Mercedes-Bus nimmt Kurs auf die Bäckerei. „Sie haben ja Arbeitszeiten“, sage ich matt, als Rabbiner Natanel Teitelbaum aus dem Auto steigt. Er lacht freundlich und zuckt mit den Schultern. Was muss, das muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hintertür steht offen an diesem dunklen Freitagmorgen, wir treten ein in eine arbeitsame, aber warme Welt: Holger Groth, der Bäckermeister, glasiert gerade Back­waren mit einem Pinsel auf einem großen Blech.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Begrüßung ist freundlich, fast nebensächlich, wie selbstverständlich. Über­raschung jedenfalls ist Groth nicht anzumerken. „Ich&nbsp;hab’ nix zu verbergen“, sagt&nbsp;er. Er macht seinen Job. Die Bagels sind schon fertig und kühlen gerade ab. Die Challot sind geflochten und mit Mohn bestreut: Die Hefezöpfe warten auf den Ofen, sie werden für Schabbat gebraucht. Der Rabbi nimmt einen Rundum-Blick. Begutachtet die Challot. Schaut auf den Ofen. Scheint zufrieden. Sie kennen sich schon lange, der Rabbiner und der Bäcker. „Wir sind nicht nur Partner, sondern auch Freunde geworden“, sagt der Rabbi. „Oder?“ – „Na logo!“, ruft Holger Groth, der unterdessen schon das nächste Blech für den Ofen vorbereitet hat. Es ist ein ungleiches Freundespaar: Hier der ehrwürdige Rabbiner mit seiner Kippa, dort der tätowierte Norddeutsche mit seinem Schnack, nicht minder standesbewusst: „Bäckermeister der Zunft!“, sagt er, „nicht, dass Sie aus mir noch einen Friseur machen!“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4.jpg" alt="" class="wp-image-9473" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4.jpg 767w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><figcaption class="wp-element-caption">Backt koscher für die jüdische Gemeinde: Bäckermeister Holger Groth.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich hatte Groth zwei Filialen, eine ganz in der Nähe der jüdischen Gemeinde in der Schwachhauser Heerstraße. Seit ein Bäcker gekündigt hat, lohnte das nicht mehr: „Wir sind jetzt nur noch zwei Bäcker, damit kannst du keine zwei Filialen betreiben“, sagt er. Also konzentriert er sich jetzt ganz auf seine Bäcke­rei im Viertel. Auch wenn die Wege nun weiter sind, sind die jüdische Gemeinde und ihre Mitglieder weiterhin treue Kunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Koscher, das hat nicht nur mit den Zutaten zu tun. Das hat auch mit Vertrauen zu&nbsp;tun“, sagt Rabbiner Natanel Teitelbaum. Groth’s Backstube verkauft koschere Waren, er ist hier, um alles zu kontrollieren. Seit wann sie zusammenarbeiten? „Ich&nbsp;hab’ mir das nicht aufgeschrieben“, sagt Holger Groth, der Pragmatiker, wäh­rend er das nächste Blech in den Ofen schiebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüdische Gemeinde ist auf ihn zugekommen, vor einigen Jahren. Groth begann zunächst mit Brot und Brötchen, dann habe sich das Sorti­ment sukzessive erwei­tert. Gemeinde­mit­glieder bestellen dort Backwaren für Schabbat, aber auch für Geburtstage oder andere Feierlichkeiten. Die Gemeinde selbst bestellt belegte Brötchen oder Kuchen für Veranstaltungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer es ernst meint mit den jüdischen Speisevorschriften, hat es hier in der Dia­spora nicht so leicht. Vieles kann man online bestellen, sicher. Aber frische Backwaren etwa sind schwer zu bekommen, auch wenn es inzwischen weitere Interessenten für die Koscher-Zertifizierung in Bremen gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und koscher zu essen, das ist für viele der orthodoxen Mitglieder essenziell. Koscher, das bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem: Parve, ohne Milch. Denn Milch und Fleisch vertragen sich nicht in der koscheren Küche. Wird ein Fleisch­gericht serviert und soll danach ein süßer Nachtisch gereicht werden, muss&nbsp;er ohne Milch sein. Zum Beispiel ein Berliner: Der Teig muss ohne Milch sein, und auch das Fett in der Fritteuse muss im Zweifel getauscht werden: pflanzliches Fett statt tierischem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Groth bedeutet das alles in der Praxis: Ein Extrafach im Ofen, Extrableche, keine Milch in Teig und Glasur und bestimmte Farbstoffe und Emulgatoren auch nicht. Und: Eine Zeitschaltuhr. Denn eigentlich muss – streng genommen – ein Jude den Ofen an- und ausschalten. Weil der Rabbiner verständlicherweise nicht ständig in der Backstube sein kann, ist dieses Hilfsmittel unerlässlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bestimmte Farbstoffe sind tabu: Karmin etwa, das aus Läuseblut gewonnen wird. Denn Läuse sind nicht koscher. „Und selbst, wenn sie koscher wären, würde ich sie nicht essen“, sagt der Rabbiner: „Ich meine: Läuse!“ Er schüttelt sich und lacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sind ein eingespieltes Team, der Rabbi und der Bäcker. Zu Pessach, während dem die Juden kein gesäuertes Brot essen, sagt Groth scherzhaft: „Da hab’ ich eine Woche Ruhe vor Euch!“ In Wahrheit ist die Situation eine gute für beide Seiten: Die Gemeinde­mit­glieder haben eine zertifizierte Anlaufstelle mit koscheren Backwaren, in der sie bedenkenlos einkaufen und bestellen können, der Bäcker garantierte Abnahmen für seine Produkte. Beide Seiten: zufrieden miteinander.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3.jpg" alt="" class="wp-image-9474" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3.jpg 767w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><figcaption class="wp-element-caption">Koscher hat nicht nur mit den Zutaten zu tun, sagt der Rabbiner – sondern auch mit Vertrauen.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Auch Sonderbestellungen sind kein Problem für Bäcker Groth. Vor einiger Zeit etwa brauchte Rabbiner Teitel­baum Challot ohne Mohn: „Ich wollte jemanden im Gefängnis besuchen“, erzählt er, und dem Inhaftierten – kein Bremer Gemeinde­mitglied, wie er betont – zum Schabbat Challot mitbringen. Allerdings ist Mohn im Gefängnis nicht erlaubt, wie er auf Nachfrage erstaunt erfuhr. So buk Bäcker Groth einen Hefezopf ohne Mohn fürs Gefängnis – und der Häftling hatte dank Groth und Teitelbaum einen Hauch von Schabbat in seiner mutmaßlichen Tristesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber woher weiß man eigentlich als Rabbiner, auf was man alles achten muss? Immerhin ist ein Rabbiner ein Religionsgelehrter und kein Ernährungs­wissen­schaftler, und trotz fundierter Ausbildung bleiben vielleicht praktische Fragen offen. Teitelbaum hat seine Mentoren zu solchen Besuchen begleitet: „Ein verant­wort­licher Rabbiner wird nie allein entscheiden“, sagt er. Manche Menschen dächten, ein Rabbiner, der um Rat frage, sei schwach: „Das Gegenteil ist der Fall.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen weiß er längst, worauf es bei den Kontrollen ankommt. Wie oft er sie durchführt, will er nicht sagen: „Sonst weiß er Bescheid.“ Er, Bäcker Groth, scheint sich indessen recht wenig um die Kontrollen zu scheren. Sein Gewissen ist rein, er&nbsp;backt, wie es sich gehört, für die reguläre Kundschaft ebenso wie für jene, die&nbsp;auf&nbsp;koschere Backwaren Wert legen. Als vorerst alles im Ofen und für den Moment nichts weiter zu tun ist, atmet er kurz durch: „Jetzt ist Zeit für eine Ziga­rette!“ Der&nbsp;Rabbiner begleitet ihn nach draußen, vor der Backstube reden sie im Morgengrauen über dies und das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der kurzen Pause geht es für Holger Groth weiter, die Challots sind dran: Am&nbsp;Freitagabend, also in wenigen Stunden, beginnt der Schabbat. Der Rabbiner hat seine Kontrolle beendet, er wird später wiederkommen und einige Hefezöpfe abholen. „Willst jetzt noch was mitnehmen?“, fragt der Bäcker. Rabbiner Teitelbaum lehnt ab und verweist scherzhaft auf seinen Bauch. „Ach was“, sagt&nbsp;Bäcker Groth, „das ist die Wohlfühlzone! Frauen lieben das!“ Der Rabbiner ist&nbsp;nicht überzeugt. „Ich bringe das nächste Mal meine Frau mit, dann kannst du ihr das noch mal sagen“, sagt er und lacht.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Fotos: </td><td><em>Karolina Meyer-Schilf</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/97-juedische-gemeinde/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png" alt="" class="wp-image-10960" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>Bremens Orkus</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/93-bremens-orkus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 06 Dec 2021 19:54:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[bunker]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[#93 BAHNHOFSVORPLATZ – Unter dem Bahnhofsvorplatz liegt ein Bunker, der für die Öffentlichkeit nur auf Führungen zugänglich ist. Seine Geschichte war mit dem Kriegsende noch lange nicht vorbei. Beim Intercity Hotel am Hauptbahnhof, noch vor den Straßenbahngleisen und Busspuren, geht es hinab. Der Eingang des Bunkers endet bald an einem gebogenen Gittertor und sieht ganz harmlos aus: wie die Einfahrt einer Tiefgarage. Und das ist auch kein Wunder, denn die Nazis planten bereits beim Bau, den Bunker nach dem „Endsieg“ als Garage zu nutzen. Diese und andere geschichtliche Tatsachen erzählt Historiker Andreas Calic, der hier für den Verein StattReisen Führungen durchführt. Er hat die Schlüssel für die Unterwelt. Hinter Gitter und Rolltor empfängt uns eine nicht sonderlich angenehme Geruchswolke. Der Gestank von Ammoniak mischt sich mit der intensiven, abgestandenen Moderluft aus dem Inneren der Anlage. Calic erklärt, dass seit einiger Zeit, auf Anregung des StattReisen-Teams, regelmäßig von der Stadtreinigung vor dem Eingang sauber gemacht wird. Der Eingangsbereich wird dann mit Hochdruckreinigern abgespritzt und was die so wegschwemmen, sammelt sich hinter dem Rolltor: Dosen, Unrat und &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#93 BAHNHOFSVORPLATZ – Unter dem Bahnhofsvorplatz liegt ein Bunker, der für die Öffentlichkeit nur auf Führungen zugänglich ist. Seine Geschichte war mit dem Kriegsende noch lange nicht vorbei. </h2>



<p class="wp-block-paragraph">Beim Intercity Hotel am Hauptbahnhof, noch vor den Straßenbahngleisen und Busspuren, geht es hinab. Der Eingang des Bunkers endet bald an einem gebogenen Gittertor und sieht ganz harmlos aus: wie die Einfahrt einer Tiefgarage. Und das ist auch kein Wunder, denn die Nazis planten bereits beim Bau, den Bunker nach dem „Endsieg“ als Garage zu nutzen. Diese und andere geschichtliche Tatsachen erzählt Historiker Andreas Calic, der hier für den Verein StattReisen Führungen durchführt. Er hat die Schlüssel für die Unterwelt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hinter Gitter und Rolltor empfängt uns eine nicht sonderlich angenehme Geruchswolke. Der Gestank von Ammoniak mischt sich mit der intensiven, abgestandenen Moderluft aus dem Inneren der Anlage. Calic erklärt, dass seit einiger Zeit, auf Anregung des StattReisen-Teams, regelmäßig von der Stadtreinigung vor dem Eingang sauber gemacht wird. Der Eingangsbereich wird dann mit Hochdruckreinigern abgespritzt und was die so wegschwemmen, sammelt sich hinter dem Rolltor: Dosen, Unrat und ein Berg von Einwegspritzen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Ein versteckter Ort voller Geschichten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hin und wieder liegen auch Menschen vor dem Tor, weshalb vor Führungsbeginn manchmal auch die Polizei verständigt wird, um gegebenenfalls Hilfe zu holen. Die Stadtführer:innen haben hier auch schon Menschen beim Sex überrascht, gerade als sich Gruppen zur Führung am Eingang einfanden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir passieren ein Tor – und was für eins: etwa einen halben Meter dick und rund zweieinhalb Meter im Quadrat. Stahlbeton. Das ist allerdings kein Überbleibsel des Weltkriegs: Es wurde eingebaut, als der Bunker im Kalten Krieg zum ABC-Bunker umfunktioniert wurde. Der Blick ins Innere lässt hingegen wieder die Ursprungsidee von der Tiefgarage erkennen. Der Raum ist wohl hundert Meter lang und dreißig breit. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Im Krieg sollten hier 900 Menschen Platz finden. Laut Calic geht man aber davon aus, dass hier sehr viel mehr vor den Bomben der Alliierten Deckung suchten – aber wirklich gezählt hat das damals natürlich niemand. Es ist warm, die Luftfeuchtigkeit ist hoch und es riecht streng nach Schimmel.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="873" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2-1250x873.jpg" alt="" class="wp-image-9417" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2-1250x873.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2-300x210.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/Bunker2.jpg 1320w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Am Eingang zur Unterwelt warten zwei Tore – und jede Menge Müll.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Einblick in die unterirdischen Zugänge und ihre Schicksale</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Anfang der 1990er-Jahre, beim Umbau des Bahnhofvorplatzes, wurde die Ausfahrt verschlossen. Man könnte sie wieder aufgraben, sie ist nicht für die Ewigkeit versiegelt worden. Auch einer der Personenzugänge wurde damals geschlossen. Direkt darauf steht heute eine Straßenlaterne, deren Befestigung im Betondeckel sich von unten bestaunen lässt. Neben der Treppe befindet sich eine Rinne zum Schieben von Fahrrädern. Die wurde tatsächlich bereits von den Nazis angelegt: für die besagte Zukunftsgarage.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich der zweite Personenzugang. Tageslicht schimmert durch die Ritzen und oben läuft hörbar jemand mit einem Rollkoffer über das Pflaster, das auf einer Metallplatte liegt. Diese Platte ist mit Scharnieren versehen und hat hydraulische Säulen zum öffnen. Diese Anlage ist allerdings stillgelegt, weil die Feuerwehr den Notausgang nicht mehr zugelassen hat, nachdem 2003 klar war, dass der Bunker keine Funktion als Schutzraum mehr erfüllen wird. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Eine Geschichte von Zwangsarbeit, Notunterkünften und gesellschaftlichem Widerstand</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Geschichte des Bunkers ist also lang und geht weit über den Zweiten Weltkrieg hinaus. Gebaut wurde er 1940 und 1942 von Zwangsarbeiter- Innen und einer Arbeitskolonne aus Italien. Beim Richtfest wehte neben der Hakenkreuzflagge die italienische Trikolore. Bunkerbau ist harte Arbeit: 7.000 Kubikmeter Beton, 15.000 Kubikmeter Erde und 2,5 Millionen Liter Grundwasser wurden dafür bewegt. Aus Sicht einiger Bremer:innen soll die Baufirma die Zwangsarbeiter dabei zu gut behandelt haben. Es gab Beschwerden von „anständigen Deutschen“ und tatsächlich wurden der Firma daraufhin Folgeaufträge entzogen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Krieg wurde der Bunker, wie eigentlich alle dieser Anlagen in Bremen, für die ausgebombte Bevölkerung kurzzeitig als Notquartier genutzt. Doch der Bahnhofsbunker blieb weiter Wohnraum. In den 1950er-Jahren wurde er zum Wohnheim für wohnungslose Männer. Es dauerte bis 1977, bis die Innere Mission ein Grundstück fand, um das Jakobushaus (heute besser bekannt als Papageienhaus) fertigzustellen. Immer wieder fanden potenzielle Anwohner:innen genug Energie und scheinbar gute Argumente, die Wohnungslosen von ihrer Nachbarschaft fernzuhalten.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vergessene Stimmen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Andreas Calic erzählt von Briefen mit Inhalten wie diesem: Man wolle kein „asoziales, arbeitsscheues Gesindel, das den ganzen Tag Alkohol trinkt, in unserer Nachbarschaft.“ Die Männer lebten hier unten in den Nischen, den Parkplätzen für die Autos an beiden Seiten des Tiefbaus. Damals waren sie durch Gitter vom Mittelteil abgegrenzt. Wenn man da unter der Erde steht und Calic für kurze Zeit das Licht ausschaltet, sind nur noch die phosphoreszierenden Streifen und Beschriftungen an den Wänden zu sehen. Sie leuchten in einem gespenstischen grün. Man denkt unwillkürlich an die Kriegszeit, wie sich wohl die Menschen hier fühlten, wenn der Strom plötzlich aus war. Wenn die Sirenen heulten, wenn Erde und Wände beim Einschlag der Bomben erzitterten.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Heiko Lenthe</em></td><td>Fotos: <br /><em>Hartmuth Bendig</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93.jpg" alt="" class="wp-image-10963" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-600x400.jpg 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/12/ZdS_www_ankuendigung_93-768x512.jpg 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Mein Block(Land)</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/mein-blockland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 07 Nov 2021 16:28:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Schwachhausen]]></category>
		<category><![CDATA[zds]]></category>
		<category><![CDATA[zeitschriftderstrasse]]></category>
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					<description><![CDATA[#92 H.-H.-MEIER-ALLEE – Sie war eine der Ersten: Die 96-jährige Holde S. lebt seit 1964 in Schwachhausens einzigem Hochhaus „Hier war früher nur Blockland&#8220;, erinnert sich Holde S., „und hinten im Westen sahen wir in der Ferne die Sonne untergehen. Auch der schöne Baumbestand hier kommt noch aus dieser Zeit. Durch die Feuchtigkeit gedeiht hier alles so gut.“ Ein Hauch Wehmut schwingt noch mit in diesen Sätzen. Sie erzählen von einer Zeit, in der an Neu-Schwachhausen mit seinen mehrstöckigen Gebäuden aus den 1960er-Jahren noch lange nicht zu denken war. Holde S. hat diese Zeit selbst miterlebt und darf mit ihren 96 Jahren wohl als ein Urgestein des Stadtteils bezeichnet werden. In der von Mehrparteienhäusern gesäumten H.-H.-Meier-Allee bewohnt sie eines der prägnantesten Gebäude, vielleicht des ganzen Stadtteils. Sie nennt eine Wohnung mit eineinhalb Zimmern im 15-stöckigen Wohnblock mit der Hausnummer 51 ihr Eigen. Mit der schmucklos grauen Fassade und diesem Verbotsschild auf der anliegenden Grünfläche, das Kindern das Spielen auf dem Rasen verbietet, wirkt das Areal ein bisschen aus der Zeit gefallen. „Damals fuhren auf der &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#92 H.-H.-MEIER-ALLEE – Sie war eine der Ersten: Die 96-jährige Holde S. lebt seit 1964 in Schwachhausens einzigem Hochhaus</h2>



<p class="wp-block-paragraph">„Hier war früher nur Blockland&#8220;, erinnert sich Holde S., „und hinten im Westen sahen wir in der Ferne die Sonne untergehen. Auch der schöne Baumbestand hier kommt noch aus dieser Zeit. Durch die Feuchtigkeit gedeiht hier alles so gut.“ Ein Hauch Wehmut schwingt noch mit in diesen Sätzen. Sie erzählen von einer Zeit, in der an Neu-Schwachhausen mit seinen mehrstöckigen Gebäuden aus den 1960er-Jahren noch lange nicht zu denken war. Holde S. hat diese Zeit selbst miterlebt und darf mit ihren 96 Jahren wohl als ein Urgestein des Stadtteils bezeichnet werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der von Mehrparteienhäusern gesäumten H.-H.-Meier-Allee bewohnt sie eines der prägnantesten Gebäude, vielleicht des ganzen Stadtteils. Sie nennt eine Wohnung mit eineinhalb Zimmern im 15-stöckigen Wohnblock mit der Hausnummer 51 ihr Eigen. Mit der schmucklos grauen Fassade und diesem Verbotsschild auf der anliegenden Grünfläche, das Kindern das Spielen auf dem Rasen verbietet, wirkt das Areal ein bisschen aus der Zeit gefallen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Damals fuhren auf der Weser noch Dampfschiffe. Die müssten heute eigentlich im Museum stehen“, schweift Holde S. ein weiteres Mal in die Vergangenheit. Es sind vor allem solche sprachlichen Bilder, mit denen sie die alten Zeiten beschwört. Es ist nicht ganz leicht, diesen Gedanken zu folgen. Ob das eine bessere Zeit für sie war? Vielleicht. Immer wieder jedenfalls schwingen nachdenkliche Töne im Gespräch mit. Mal ganz leise, mal auch sehr laut. „Das gibt es heute alles nicht mehr“, sagt sie kopfschüttelnd, „das war früher alles ganz anders“, „heute ist alles viel zu anonym“ – so klingen große Teile des Gesprächs, die natürlich auch eine gewisse Schublade bedienen. Dass aber nicht alles besser war, das weiß Holde S. auch aus eigener Erfahrung.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Widerstand und Wohnungssuche</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Trotz Wirtschaftswunder und Rekordwachstum in der jungen Bundesrepublik war bezahlbarer Wohnraum auch Anfang der 1960er-Jahre vielerorts ein rares Gut. So auch in Bremen und seinen stark wachsenden Stadtteilen. Dennoch regte sich vehementer Widerstand in der Nachbarschaft, als erste Pläne für den bis heute polarisierenden Gebäudekomplex bekannt wurden. Architekt Siegfried A. Morschel hatte es entworfen, der auch mit seinem Engagement für die sogenannte „Mozarttrasse“ aneckte: einer Schnellstraße durchs Ostertorviertel an der Weser, die Widerstände in der Bevölkerung schürte, welche viele bis heute für die Blaupause des linksalternativen Aktivismus des „Viertels“ halten. „Passt auf, wie man hier baut“, wurde Holde S. schon in der Schulzeit von einer ermahnt. Anders als die Mozarttrasse wurde dieses Haus aber gebaut. Und aller Skepsis zum Trotz versuchte schließlich auch Holde S., inzwischen bei der Post verbeamtet, mit Erfolg ihr Glück bei der Ausschreibung, um an eine der begehrten Wohnungen zu gelangen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Ich suchte eben eine Wohnung. Das war alles sehr schwer damals“, erläutert sie und das klingt fast eine Entschuldigung für eine pragmatische Entscheidung vor beinahe 60 Jahren. Aber nur kurz. Tatsächlich ärgere sie sich heute eigentlich nur noch darüber, nicht früher zugeschlagen zu haben, wie ihr eine gute Freundin damals eindringlich geraten hatte: „Ich habe leider ein bisschen zu lange gezögert. Dann blieb nur noch die kleine Wohnung zur Nord-West-Seite. Das war nicht ideal, aber man war zufrieden.“ Immerhin war Holde S. nun erstmals Eigentümerin einer Wohnung. Dass dazu auch eine „reiche Tante“ beigetragen hat, lässt sie nicht unerwähnt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Lebensqualität im Alter</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach dem Umzug aus dem nur einen Steinwurf entfernten Hauptmann-Böse-Weg in die neue Bleibe waren es fortan nicht mehr die Farben und Düfte der Flora des Blocklands, dafür aber der Blick auf den Dom, welcher der Ur-Bremerin beim Gang auf ihren eigenen Balkon seit 1964 täglich große Freude bereitete. Auch die in der Folge wachsende Infrastruktur des jungen Neu-Schwachhausens gefiel ihr zunehmend besser: Schlachter, Bäcker, Post, Apotheke und später auch der Wochenmarkt – alles vor der Haustür.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und nicht zu vergessen: die Nähe zur St. Remberti-Kirche sowie die Tram-Haltestelle unten, von der sie schon unzählige Male zum Gottesdienst in den Dom gestartet ist. Holde S. weiß zu schätzen, was sie an ihren eigenen vier Wänden in diesem Quartier hat: „Hier habe ich doch alles, was ich zum Leben brauche.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Welche Rolle das heute für sie spielt? „Ohne den Schlachter und diese Lage w.re ich schon längst im Altenheim. Aber das hält mich hier und das brauche ich auch für meine Selbstständigkeit.“ Und die ist ihr heilig – darum packt sie die Dinge gern selbst mit an, wo es ihr im Alter noch möglich ist. Zwar wisse sie auch um die Vorzüge, zum Beispiel im traditionellen Café Knigge direkt nebenan einen Mittagstisch zu bekommen, aber am liebsten koche sie sich ihre Kartoffeln und das Gemüse aber doch selbst. Die Unterstützung vom Paritätischen benötige sie zwar ebenfalls in einigen Lebensbereichen, aber immerhin die Krankengymnastik habe sie nach einer Weile wieder abbestellt: „Das belastet doch die Krankenkassen“, sagt sie, „außerdem beziehe ich meine Betten noch selbst – das ist genug Bewegung und hält jung.“</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Tim Lachmann</em></td><td>Fotos: <br /><em>Wolfgang Everding</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/92-h-h-meier-allee/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee.jpg" alt="" class="wp-image-11103" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/11/92-H-H-Meier-Allee-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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			</item>
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		<title>Die unsichtbare Kreuzung</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/die-unsichtbare-kreuzung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Oct 2021 09:17:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
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					<description><![CDATA[#91 HEMELINGER BAHNHOFSTRASSE – Der mit Abstand meiste Verkehr um die Hemelinger Bahnhofstraße ist an der Oberfläche gar nicht zu sehen. Er wird seit Jahren untendurch geleitet]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#91 HEMELINGER BAHNHOFSTRASSE – Der mit Abstand meiste Verkehr um die Hemelinger Bahnhofstraße ist an der Oberfläche gar nicht zu sehen. Er wird seit Jahren untendurch geleitet</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wenn man etwas hören oder fühlen könnte, dann müsste es an dieser Stelle sein: exakt unter der Bushaltestelle „Hemelinger Bahnhofstraße“ an der Nordwestecke des kleinen Wilkensparks. Hier kreuzt unterirdisch der Hemelinger Straßentunnel. Aber weder vibriert es unter den Füßen, noch hört man leisestes Rauschen. Ganz anders vor der Tunnelöffnung an der Sebaldsbrücker Heerstraße: Die frühere Belastung der Straßen lässt sich hier erahnen. Welch ein immenses Autoaufkommen ergießt sich tagtäglich hinein und wälzt hinaus! Lkw verschiedenen Kalibers rattern, Pkw fahren zügig um die Kurven, oben kreuzt die Straßenbahn. An der Fußgängerampel vor der Tunnelöffnung ist eine Verständigung im Lärm kaum möglich. Im Auto jedoch ist es ein angenehmeres Erlebnis. Der mit knapp 600 Metern längste Straßentunnel Bremens leitet Kraftfahrzeuge unter zwei Eisenbahntrassen und der ganzen Godehardstraße durch. Radfahrer und Fußgänger können abgetrennt neben der Fahrbahn die Bahntrassen unterfahren – begleitet von Lärm, aber sicher.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Hemelingen in den 70ern: Als der Verkehr das Viertel veränderte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Es ist schon klar, warum in Hemelingen viele bereits in den Siebzigerjahren ohne Tunnel den Schwerlast- und Durchgangsverkehr satt hatten. Durch die Großansiedlung von Mercedes-Benz 1978 in Sebaldsbrück mit zunächst rund 6.000 Beschäftigten verschärfte sich die Lage. Erwartet wurden täglich 16.000 Fahrzeuge auf dem Weg ins Werk und hinaus, darunter 8.000 Lkw Die neuen Anforderungen waren enorm. Vor allem Brügge weg, Schlengstraße und Bruchweg waren durch Lärm, Abgase und Staus extrem belastet. Auch die Hemelinger Bahnhofstraße blieb nicht verschont. Frau Riedemann-Schmitz vom traditionsreichen Schuhgeschäft erinnert sich: „Beim Daimler-Schichtwechsel abends um zehn war der Brüggeweg voll und die Autos wälzten sich Stoßstange an Stoßstange da durch. Wenn der Brüggeweg dann dicht war, sind alle hier durchgefahren. Manche Bewohner sind auch weggezogen, weil sie es mit der Verkehrsentwicklung nicht mehr aushielten.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">175 Millionen unter dem Grundwasserspiegel</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Um 1988 kam die Tunnel-Idee in Gang, wurde aber Mitte der Neunziger wegen hanseatischer Sparsamkeit in schwieriger Haushaltslage wieder ausgebremst. Ein mehrfach zitierter Satz des damaligen Ortsamtsleiters beleuchtet die Stimmung: „Eine Verarschung aller Hemelinger ist das.“ Heftige Debatten über die Sanierung Hemelingens fanden in diesen Zeiten statt . Erst 1999 begann der Tunnelbau. 2003 wurde die unterirdische Straße zum Preis von rund 175 Millionen Euro eingeweiht. Eine Filmdokumentation der damals für den Bau verantwortlichen Gesellschaft für Projektmanagement und Verkehrswegebau verdeutlicht den Aufwand, etwa die Arbeiten unter dem Grundwasserspiegel, die unter Druckluft statt fanden. Heute kaum denkbar: Alles entstand in der vorgesehenen Bauzeit.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Enteignung und Entschädigung: Der Preis für den Bau</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Verlustfrei ging das nicht vonstatten. So mussten vor dem Bau Wohnhäuser „abgeräumt“ werden, wie es in einem Beiratsprotokoll von 1997 heißt. „In der Godehardstraße waren es acht oder neun, in unserer Straße zwei“, so Frau Riedemann-Schmitz. „Dazu gehörte auch der Wilkens-Bungalow, der auf dem Villengrundstück für einen der Söhne gebaut worden war.“ Diese Vorgänge waren zwar rechtens, aber mit Schicksalen verbunden. Die Entschädigung dürfte für eine neunzigjährige Frau, die ihr Haus am Lebensende verlassen musste, kein Trost gewesen sein.</p>



<p class="wp-block-paragraph">In der Hemelinger Bahnhofstraße zeigt Frau Zaun von der Firma Seekamp Metall rüber zum anliegenden Parkplatz: Diese Fläche musste der Betrieb für den Tunnelbau hergeben. Und bis heute teilen Beschäftigte und Firmenleitung dort das Innenleben der angrenzenden Röhrenöffnung, denn „gelegentlich riecht es daraus. Und oft hören wir die lauten Krankenwagensirenen“, beschreibt Frau Zaun die Lage. Die Röhre ist hier ein akustischer Verstärker.</p>



<h3 class="wp-block-heading">20.000 Fahrzeuge täglich – und ein Viertelmillion Euro Betriebskosten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unbestreitbar ist aber die deutliche Entlastung des Durchgangsverkehrs. Bereits kurz nach Eröffnung 2003 nutzten durchschnittlich 12.422 Fahrzeuge den Tunnel t.glich. Stefan Last, Projektingenieur beim Amt für Straßen und Verkehr, erklärt: „Heute sind es rund 20.000 Fahrzeuge, davon 14 Prozent Lkw.“ Last spricht über Folgekosten: „Für den Unterhalt reicht eine Viertel Million pro Jahr nicht.“ Wofür? Allein die Stromkosten belaufen sich jährlich auf 100.000 Euro. Er ergänzt Wartungs- und Sicherheitsmaßnahmen, dazu einige Beispiele: Für frühzeitiges Erkennen von Problemen im Tunnel kontrolliert die Polizei 17 Kameras rund um die Uhr. Sichttrübung und CO2-Werte werden gemessen, Strahlventilatoren sorgen für Frischluft zufuhr, aufwendige Feuerwehrübungen finden alle sechs Jahre nächtlich bei Vollsperrung statt . Mit hohem Sicherheitsstandard werden die anspruchsvollen EU-Anforderungen an einen Tunnelbetrieb erfüllt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Engagement der Nachbarschaft sichert Grünflächen und historische Bauten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bedeutsam für Planung und Folgen des Tunnelbaus waren noch andere wichtige Bewegungen. Im Stadtteil mobilisierten sich damals Kräfte, die sich für die Lebensqualität über der Trasse starkmachten, besonders für eine anwohnerfreundliche und grüne Gestaltung. Unter anderem wurde vor Baubeginn durchgesetzt, dass in der Hemelinger Bahnhofstraße die Wilkens-Villa und der Park mit dem alten Baumbestand nicht, wie es der Plan vorsah, der Untertunnelung geopfert wurden. „Es handelt sich dabei um sehr alte, kapitale Blume, deren Erhalt von hervorragender Bedeutung ist“, schrieb Ortsamtsleiter Rissland 1996 nach einer einstimmigen Beiratsentscheidung an Bausenator Hattig. Eine Verlegung der Tunnelachse unter die Godehardstraße wurde erreicht. Heute ist das Ensemble ein optischer Glücksmoment der Straße.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Ulrike Plappert</em></td><td>Foto: <br /><em>Volker Busch</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/91-hemelinger-bahnhofstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf.jpg" alt="" class="wp-image-9360" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/10/Teaser_Hemelinger-Bhf-840x560.jpg 840w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>„SIE SIND SCHWEIGEND VERSCHWUNDEN&#8220;</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/sie-sind-schweigend-verschwunden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 02 May 2021 19:52:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[nordstrasse]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[#87 NORDSTRASSE – In der Nordstraße führte der jüdische Kaufmann Sally Silbermann ein Bekleidungsgeschäft. Dann musste er vor den NationalsozialistInnen nach Uruguay fliehen]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#87 NORDSTRASSE – In der Nordstraße führte der jüdische Kaufmann Sally Silbermann ein Bekleidungsgeschäft. Dann musste er vor den Nationalsozialist:innen nach Uruguay fliehen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">In den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts war Walle noch ein zentraler Ort jüdischen Lebens in Bremen. Etliche kleine Geschäfte säumten die Nordstraße, jüdische Kaufleute prägten das Viertel. Fast alles konnte man hier kaufen, ohne Walle zu verlassen: Obst und Gemüse, exotische Früchte, Zigarren, Hüte und Mützen, Eisenwaren, Drogerieartikel. Walle war der Lebensmittelpunkt der kleinen Leute, vor allem der Hafen- und Werftarbeiter:innen. Zwischen Schuhmacher:innen, Bäcker:innen, Schlachter:innen und der Jute-Spinnerei fand sich auch das Herrenbekleidungsgeschäft von Sally Silbermann an der Nordstraße, Ecke Schönebecker Straße. Sein Laden zählte seinerzeit zu einem der größten und beliebtesten des Stadtteils. Drei große Schaufenster gaben den Blick in sein Geschäft und auf die Straße frei.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Geboren 1889 im niedersächsischen Lemförde, kam Sally Silbermann der Liebe wegen nach Bremen. 1913 heiratete er Gretchen Neuberg, die Tochter des jüdischen Bremer Kaufmanns Milius Neuberg. Der wiederum führte damals ein Herrenbekleidungsgeschäft in der Faulenstraße in der Innenstadt. Schnell bekam Silbermann Arbeit in der Firma seines Schwiegervaters und übernahm schließlich die Gesch.ftsführung. Schon bald eröffnete er die neue Filiale an der Nordstraße 193/95 – die erst mal noch den Namen seines Schwiegervaters trug. 1921 verstarb Milius Neuberg. Sein Tod führte zur Schließung der Filiale in der Faulenstraße, doch das Geschäft in der Nordstraße lief gut. Die lag vor ihrer Zerstörung 1944 noch an anderer Stelle als heute, nämlich zwischen der Grenzstraße und der Schulze-Delitzsch-Straße.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Silbermanns Geschäft: Beliebter Treffpunkt in Walle trotz Nazi-Boykott</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ganz Walle kaufte damals gerne bei Sally Silbermann ein: Man habe dort gute und günstige Ware bekommen, hei.t es in den Aufzeichnungen des Kulturhauses Walle-Brodelpott. Vor allem für die anstehende Konfirmation sei man bei Silbermann an der richtigen Adresse gewesen. Seiner Kundschaft gegenüber sei er zuerst kulant gewesen und ließ seine Kleidung auch auf Raten abbezahlen, heißt es weiter. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten 1933 begann die strategische Entrechtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland. Ihr Auftakt war der reichsweite sogenannte „Judenboykott“ am 1. April 1933. An jenem Samstag postierten sich SA-Männer überall vor jüdischen Geschäften. Auch in Bremen, auch vor dem Laden der Silbermanns. Unter dem Motto „Deutsche! Wehrt euch! Kauft nicht bei Juden!“ propagierten die Nazis die Verfemung jüdischer Kaufleute, verunstalteten ihre Schaufenster mit Schmierereien und hielten die Kund:innen vom Betreten der Geschäfte ab. Aber noch ließ sich die Kundschaft der Silbermanns nicht an ihrem Einkauf hindern. Eine Zeitzeugin erinnert sich laut den Aufzeichnungen des Kulturhaus Walle: „Die Kunden ließen sich nicht beirren und bange machen. Im Gegenteil, mit großen Kartons verließen sie das Geschäft.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Zwischen Entrechtung und Flucht: Die letzten Jahre der Silbermann-Familie</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Aber der Druck auf die jüdische Bevölkerung wuchs weiter. Nach und nach erklärten die Nationalsozialist:innen sie zu Menschen zweiter Klasse, ihre schrittweise Entrechtung entzog den Juden jegliche wirtschaftliche Existenz. Die Nürnberger Gesetze legalisierten 1935 ihre Verfolgung und legten den Grundstein für ihre Deportation in Arbeits- und Vernichtungslager. Damit stand auch Sally Silbermann mit seinem Bekleidungsgeschäft vor dem Aus. 1937 musste er seinen Laden in der Nordstraße endgültig aufgeben. Auch ihre Wohnung direkt über dem Geschäft musste die Familie verlassen. Sie kam zunächst im Nachbarhaus unter, wohnte dort auf engstem Raum. Aber es war zwecklos. Gerade noch rechtzeitig trafen die Silbermanns eine Entscheidung, die über ihr Schicksal entscheiden sollte: Terror und Krieg, die Reichspogromnacht und die Massenvernichtung der jüdischen Bevölkerung musste Familie Silbermann nicht mehr miterleben. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Das Schicksal der Familie Silbermann und die Silbermannstraße</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Am 14. September 1938 verließ das Ehepaar gemeinsam mit seinem Sohn seine Heimat. Laut des Archivs im Kulturhaus Walle erinnerte sich ein befreundetes Ehepaar der Silbermanns so: „Sie sind unauffällig und schweigend verschwunden.“ Nach Montevideo in Uruguay. Hier verlieren sich ihre Spuren. Seit 1939 war die Firma Sally Silbermann nicht mehr im Adressbuch zu finden und das ehemalige Geschäft in der Nordstraße augenscheinlich leerstehend. Laut Focke- Museum war dort ab 1939 Kurt Hitz als Inhaber verzeichnet, er führte fortan ein „Fachgeschäft für Herren-, Knaben- und Berufskleidung“, bis das Gebäude 1944 durch einen schweren Luftangriff auf Bremen zerstört wurde. Sally Silbermann verstarb nach Angaben des Staatsarchivs am 29. September 1962. Über den Verbleib seiner Frau und seines Sohnes ist nichts bekannt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber vergessen sind sie nicht. Seit 2002 – 64 Jahre nach ihrer Flucht – erinnert die Silbermannstraße in der benachbarten Überseestadt an das Schicksal der jüdischen Kaufmannsfamilie, 150 Meter lang und kerzengerade.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text:<br /><em>Meike Große Hundrup</em></td><td>Foto: <br /><em>Kulturhaus Walle Brodelpott</em></td></tr></tbody></table></figure>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/87-nordstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/05/Teaser-Nordstrasse.jpg" alt="Nordstraße Panorama" class="wp-image-9211" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/05/Teaser-Nordstrasse.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/05/Teaser-Nordstrasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2021/05/Teaser-Nordstrasse-840x560.jpg 840w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>#81 Die Lesum</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/81-die-lesum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Cory Patterson]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 04 Oct 2020 10:55:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[bremennord]]></category>
		<category><![CDATA[lesum]]></category>
		<category><![CDATA[zds]]></category>
		<category><![CDATA[zeitschriftderstrasse]]></category>
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					<description><![CDATA[EDITORIAL: Treffen am Fluss Liebe Leser:innen, Wer versucht, die Lesum einmal menschenleer zu erleben, dürfte sich schwertun. Egal wann und wo man an ihr entlangschlendert, immer sieht man Leute: in Booten, am Ufer, am Hafen. Flüsse sind seit jeher Orte der Zusammenkunft. Und so nutzen auch wir von der Zeitschrift der Straße die Gelegenheit, Ihnen Menschen vorzustellen, die sich genau dies vorgenommen haben: Gemeinschaft zu erzeugen, das Miteinander zu zelebrieren. So wie die Aktiven der Kulturinitiative Lesum, die alle nur Kulle nennen. Seit über 40 Jahren bietet der Verein Sport- und Kreativkurse an, organisiert Feste und Veranstaltungen. Was die Menschen antreibt, lesen Sie auf Seite 12. Menschen zusammenbringen will auch die Galeristin Birgit Waller. Sie hat die Villa Lesmona in einen viel beachteten Ort für zeitgenössische Kunst verwandelt (S. 18). Ein Ort der Begegnungen ist auch der Blindengarten in Knoops Park. Wie Blinde hier Pflanzen ertasten und erriechen können, lesen Sie auf Seite 24. Eher ein Gegeneinander haben wir in unserer Bildstrecke visualisiert: Auf den Lesumwiesen streiten Naturschützer:innen, ob dort besser Blumen- oder Sumpf-Biotope gedeihen &#8230;]]></description>
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<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-4" id="block-14f786b4-cde3-4138-960f-2553e3411454" style="color:#d31117">EDITORIAL: Treffen am Fluss</h1>



<p class="wp-block-paragraph" id="block-d0782355-8957-4355-a2a2-3fc0f1084980">Liebe Leser:innen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer versucht, die Lesum einmal menschenleer zu erleben, dürfte sich schwertun. Egal wann und wo man an ihr entlangschlendert, immer sieht man Leute: in Booten, am Ufer, am Hafen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Flüsse sind seit jeher Orte der Zusammenkunft. Und so nutzen auch wir von der <em>Zeitschrift der Straße</em> die Gelegenheit, Ihnen Menschen vorzustellen, die sich genau dies vorgenommen haben: Gemeinschaft zu erzeugen, das Miteinander zu zelebrieren.</p>



<p class="wp-block-paragraph">So wie die Aktiven der Kulturinitiative Lesum, die alle nur Kulle nennen. Seit über 40 Jahren bietet der Verein Sport- und Kreativkurse an, organisiert Feste und Veranstaltungen. Was die Menschen antreibt, lesen Sie auf Seite 12. Menschen zusammenbringen will auch die Galeristin Birgit Waller. Sie hat die Villa Lesmona in einen viel beachteten Ort für zeitgenössische Kunst verwandelt (S. 18). Ein Ort der Begegnungen ist auch der Blindengarten in Knoops Park. Wie Blinde hier Pflanzen ertasten und erriechen können, lesen Sie auf Seite 24. Eher ein Gegeneinander haben wir in unserer Bildstrecke visualisiert: Auf den Lesumwiesen streiten Naturschützer:innen, ob dort besser Blumen- oder Sumpf-Biotope gedeihen sollen (S.14). Egal wie es ausgeht, dort blüht auf jeden Fall mehr als auf dem Golfplatz, den wir ebenfalls besucht haben (S. 8).</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-5 wp-block-paragraph" id="block-5da5177d-ce33-4e64-a94e-29cacb4e4d59" style="color:#d31117">Viel Spaß beim Lesen wünschen <br />Jan Zier, Tanja Krämer und das Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="2306" height="1500" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3.png" alt="" class="wp-image-13361" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3.png 2306w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-300x195.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1250x813.png 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-1536x999.png 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich_3-2048x1332.png 2048w" sizes="auto, (max-width: 2306px) 100vw, 2306px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph"></p>


<div class="_df_book df-lite" id="df_12972"  _slug="12528-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-3-2-2-2-2-4-2-2-2-2-3-2-2-3-2-2-2" data-title="81-die-lesum-online-lesen" wpoptions="true" thumbtype="" ></div><script class="df-shortcode-script" nowprocket type="application/javascript">window.option_df_12972 = {"outline":[],"autoEnableOutline":"false","autoEnableThumbnail":"false","overwritePDFOutline":"false","enableDownload":"false","direction":"1","pageSize":"0","source":"https:\/\/zeitschrift-der-strasse.de\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/81-dielesum.pdf","wpOptions":"true"}; if(window.DFLIP && window.DFLIP.parseBooks){window.DFLIP.parseBooks();}</script>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-6" id="block-cf1eafc1-5537-41c2-b090-75478111ab1e" style="color:#d31117">22 – Fahrt in die Vergangenheit <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/fahrt-in-die-vergangenheit" target="_blank" rel="noreferrer noopener">(online lesen)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Auf der „Schulschiff Deutschland“ lernten Generationen von Seemännern ihr Handwerk. Ein Blick zurück</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/82-arsterdamm/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2020/11/82_cover.jpg" alt="" class="wp-image-12026" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2020/11/82_cover.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2020/11/82_cover-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2020/11/82_cover-840x560.jpg 840w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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