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	<title>Redaktion &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<description>Das Bremer Straßenmagazin</description>
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	<title>Redaktion &#8211; Die Zeitschrift Der Straße</title>
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	<item>
		<title>#99 Arster Heerstrasse</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/99-arster-heerstrasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 01 Aug 2022 20:18:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[arsten]]></category>
		<category><![CDATA[arster heerstrasse]]></category>
		<category><![CDATA[niedersachsen]]></category>
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					<description><![CDATA[EDITORIAL: 100 Meter vor Niedersachsen Liebe Leser:innen, es ist schon irgendwie komisch, wie wenig man von Arsten so zu sehen bekommt. Vor allem, weil das gar nicht mal nur für (Innen-)Stadtmenschen gilt, deren Bremen sich auf Zentrum, Viertel, Neustadt und Schwachhausen beschränkt. Nein, auch die zigtausend Pendler:innen aus dem südlichen Umland bekommen von Arsten nicht viel mit, obwohl der Ortsteil an der südlichen Landesgrenze ja so was wie der Eingang zur Stadt sein sollte. Die Arster Heerstraße, mit der wir uns in dieser Ausgabe der Zeitschrift der Straße beschäftigen, sieht auch genau so aus: Immer ländlicher wirkt die lange Erschließungsstraße, bis erste Bauernhöfe am Wegesrand auftauchen – und man schließlich mitten zwischen Korn und Raps im Feld steht. Dort, von Niedersachsen aus betrachtet, wird dann auch schlagartig klar, warum der alte Hauptzugangsweg heute so abgeschieden wirkt, fast wie eine Sackgasse. Denn wo hier einst die Ochtum die Grenze markierte, tut das heute faktisch die Autobahn. Und die alte Heerstraße ist kaum mehr als eine unscheinbare Abzweigung vor der Abfahrt Bremen-Arsten und dem Zubringer, der einen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-3" style="color:#04943c">EDITORIAL: 100 Meter vor Niedersachsen</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Leser:innen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">es ist schon irgendwie komisch, wie wenig man von Arsten so zu sehen bekommt. Vor allem, weil das gar nicht mal nur für (Innen-)Stadtmenschen gilt, deren Bremen sich auf Zentrum, Viertel, Neustadt und Schwachhausen beschränkt. Nein, auch die zigtausend Pendler:innen aus dem südlichen Umland bekommen von Arsten nicht viel mit, obwohl der Ortsteil an der südlichen Landesgrenze ja so was wie der Eingang zur Stadt sein sollte. Die Arster Heerstraße, mit der wir uns in dieser Ausgabe der <em>Zeitschrift der Straße </em>beschäftigen, sieht auch genau so aus: Immer ländlicher wirkt die lange Erschließungsstraße, bis erste Bauernhöfe am Wegesrand auftauchen – und man schließlich mitten zwischen Korn und Raps im Feld steht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dort, von Niedersachsen aus betrachtet, wird dann auch schlagartig klar, warum der alte Hauptzugangsweg heute so abgeschieden wirkt, fast wie eine Sackgasse. Denn wo hier einst die Ochtum die Grenze markierte, tut das heute faktisch die Autobahn. Und die alte Heerstraße ist kaum mehr als eine unscheinbare Abzweigung vor der Abfahrt Bremen-Arsten und dem Zubringer, der einen in die Neustadt bringt, zum Flughafen, zu den Brücken über die Weser &#8230; aber eben nicht nach Arsten.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Umso spannender war es für uns, diese fast schon ländliche Gegend kennenzulernen, und die Menschen, die hier einen Freizeitverein gegründet haben (Seite 8), ein eigenes Museum über ihren Ortsteil betreiben (Seite 22) – oder Autos verkaufen, die auch als Zeitmaschinen funktionieren (Seite 14). Also: Herzlich willkommen in Arsten. Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-4 wp-block-paragraph" id="block-363641eb-9ea0-404f-acbf-738c73fdf35a" style="color:#04943c">Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann<br />und das Team der<em> Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img fetchpriority="high" decoding="async" width="1153" height="750" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png" alt="" class="wp-image-13154" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png 1153w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich-300x195.png 300w" sizes="(max-width: 1153px) 100vw, 1153px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph" id="block-0101cd49-7ac3-4454-9e64-7b35fec55cf1">Aus dem Inhalt:</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-5c5ddfaf-ef23-4197-8df6-8ed6ad863f4c">8 – Boule ist nur der Anfang</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein Verein bringt Menschen in Arsten zusammen</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-9ce9ed29-db77-4924-b553-ad9233dfef73">12 – In der Mitte des Dorfes</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Nach 130 Jahren schließt das Gasthaus „Zur Börse“</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b3653286-5e1c-497d-9251-1b9af727ec88">14 – Monte Carlo an der Ochtum</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bildstrecke</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-a3602e5b-2874-49d5-bc11-1822a26a5be2">20 – Was von Bello übrig bleibt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wohin mit den sterblichen Überresten von Haustieren?</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-6f7b9fda-641a-4a3d-bb05-e89404686bad">22 – Im Rhythmus der Steine</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ein kleines Museum erzählt in Arsten von den Steinsetzern</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b01fd6a8-e065-4747-9795-7e0cdd729901">28 – „Wenn man die Sprache nicht spricht, ist es sehr schwer&#8220;</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Petre und seine Familie verkaufen die Zeitschrift in Bremerhaven</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-large"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/100-hundert/"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover-1250x833.jpg" alt="" class="wp-image-12219" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover-1536x1024.jpg 1536w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/04/100_cover.jpg 1667w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<title>ZWISCHEN DEN WELTEN</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/zwischen-den-welten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2022 19:24:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[bischofsnadel]]></category>
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					<description><![CDATA[#98 BISCHOFSNADEL – Die Bischofsnadel ist Tunnel, Durchgangsweg sowie Park- und Stadteingang. Und manchmal vergisst man bei all diesen Übergängen fast, dass sie auch selbst ein Ort ist. Nur eben einer dazwischen. Ein leichter Wind weht durch die Bäume in den Wallanlagen: ein angenehmer Wind an einem der ersten milden Frühlingstage in diesem Jahr. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Wasserflächen und sorgt für ein stimmungsvolles Glitzern. An&#160;den Bäumen sind erste Knospen zu erkennen, die zusehends das winterliche Grau verdrängen. Dazu sorgen die singenden Vögel für eine liebliche Idylle mitten im Herzen der Stadt. Auf dem Weg entlang der Bischofsnadel begegnen mir viele Men­schen, die genau diese Entspannung von der Hektik des Alltags zu suchen schei­nen: Spaziergänger:innen, die Hand in Hand am Wasser schlendern, spie­lende Kinder, oder die vielen Fahrräder – sie alle scheinen in Ruhe das Wetter zu genießen. Auch unter den großen roten Sonnenschirmen an der Unterführung am Wall haben viele Menschen Platz genommen und genießen, in Gespräche vertieft, Kaffee, Pizza oder andere Kleinigkeiten, die dort angeboten werden. Es dauert nicht lange &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#98 BISCHOFSNADEL – Die Bischofsnadel ist Tunnel, Durchgangsweg sowie Park- und Stadteingang. Und manchmal vergisst man bei all diesen Übergängen fast, dass sie auch selbst ein Ort ist. Nur eben einer dazwischen.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Ein leichter Wind weht durch die Bäume in den Wallanlagen: ein angenehmer Wind an einem der ersten milden Frühlingstage in diesem Jahr. Die Sonne wirft ihre Strahlen auf die Wasserflächen und sorgt für ein stimmungsvolles Glitzern. An&nbsp;den Bäumen sind erste Knospen zu erkennen, die zusehends das winterliche Grau verdrängen. Dazu sorgen die singenden Vögel für eine liebliche Idylle mitten im Herzen der Stadt. Auf dem Weg entlang der Bischofsnadel begegnen mir viele Men­schen, die genau diese Entspannung von der Hektik des Alltags zu suchen schei­nen: Spaziergänger:innen, die Hand in Hand am Wasser schlendern, spie­lende Kinder, oder die vielen Fahrräder – sie alle scheinen in Ruhe das Wetter zu genießen. Auch unter den großen roten Sonnenschirmen an der Unterführung am Wall haben viele Menschen Platz genommen und genießen, in Gespräche vertieft, Kaffee, Pizza oder andere Kleinigkeiten, die dort angeboten werden. Es dauert nicht lange an diesem Ort und auch ich verfalle in eine entspannte Grundstimmung. Bis&nbsp;auf wenige vorbeifahrende Autos und gelegentliche Polizeisirenen könnte man fast vergessen, sich mitten in Bremen nahe Hauptbahnhof und Altstadt zu befinden.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Unter der Stadt: Die kurze Unterführung am Wall</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen Café und Pizzeria offenbart sich eine kurze Unterführung, die eine schnelle Verbindung in die Innenstadt schafft, ohne die Straße am Wall überqueren zu müssen. Nach dem hellen Tageslicht in den Wallanlagen wirkt der Tunnel dun­kel. Gelbes, spärliches Licht beleuchtet die kleinen Geschäfte, die sich dicht an dicht reihen. Viele Menschen sind hier unterwegs. Einige besuchen Kiosk, Schnei­derei oder Schuster, die meisten aber nutzen die Unterführung nur als schnellen Durchgang. Die Verweilstimmung in dem engen, hallenden Tunnel ist verflogen. Kaum jemand hält sich hier länger auf. Am Ende führen 15 Stufen wieder aus der Unterführung heraus.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1250x833.jpg" alt="" class="wp-image-9483" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1250x833.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/06/c_Beate_C._Koehler_ZdS_Bischofsnadel-6.jpg 1280w" sizes="(max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Tunnel, Park und Häuserschlucht: Die Bischofsnadel ist alles zugleich.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Die stille Gasse zur Altstadt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zurück im Tageslicht stehe ich in einer kurzen Gasse, die zur Innenstadt führt. Durch die fünfstöckigen Gebäude auf beiden Seiten ist der Weg größtenteils in Schatten gehüllt. Rechts von mir wartet eine kurze Schlange darauf, eine kleine Bäckerei betreten zu können. Davor stehen einige Menschen an Stehtischen und trinken Kaffee. Gegenüber tritt eine Person aus einem Laden für Fischspezialitäten und verlässt die Gasse in Richtung Altstadt. Es herrscht reges Treiben. Der Blick fällt geradeaus direkt auf den Dom, der jedoch teilweise von Büro- und Geschäfts­gebäuden verdeckt wird. Manche Gebäude wirken wie verblichen, verlassen und wenig einladend. Mit ihren sandsteinfarbenen und grauen Fassaden verschmelzen sie fast nahtlos mit den Straßen und Wegen ringsherum. Kaum jemand schenkt diesen Gebäuden echte Aufmerksamkeit. Sie wirken belanglos und das Flair der Altstadt weit entfernt.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Markt, Café und Mobilität – Das pulsierende Herz der Stadt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Anders sieht es gleich daneben aus. Hier erstrecken sich viele bunte Wagen des Woche­nmarktes mit ihren verschiedenen Angeboten. Das Ensemble wirkt mit den Menschen dazwischen auf eine sympathische Weise unaufgeräumt. Davor befindet sich ein kleiner Platz mit eckigem Glasquader, in dem sich Café und Bar befinden. Überspannt wird das Ganze von einem riesigen</p>



<p class="wp-block-paragraph">Glasdach. Mit dem historischen Rathausgebäude und Dom im Hintergrund könnte der Kontrast kaum größer sein. Während ich auf die Menschen auf dem Wochen­markt oder im Café blicke, fahren im Minutentakt Busse und Bahnen an mir vorbei. Schnell eilen einige noch zur Haltestelle, um ihre Bahn zu bekommen, bevor sich die Türen mit lautem Piepen schließen. Der Alltag scheint die Menschen hier zu bestimmen: Erledigungen machen oder von einem Ort zum anderen gelangen. Obwohl sich auch hier Menschen treffen und miteinander reden, strahlt dieser Ort für mich Anonymität aus. Genauso schnell, wie viele gekommen sind, sind sie auch wieder verschwunden – einige in die Unterführung in Richtung Wall, andere weiter in Richtung Innenstadt.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text: <br /><em>Joshua Köhler</em></td><td>Foto: <br /><em>Beate C. Köhler</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/98-bischofsnadel/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png" alt="" class="wp-image-10961" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>#98 Bischofsnadel</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/98-bischofsnadel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jun 2022 19:17:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[bischofsnadel]]></category>
		<category><![CDATA[Durchgang]]></category>
		<category><![CDATA[Tunnel]]></category>
		<category><![CDATA[Tunnelblick]]></category>
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					<description><![CDATA[EDITORIAL: Die mit dem Tunnel Liebe Leser:innen, ein bisschen Angst hatten wir vor dieser Ausgabe ja ehrlich gesagt schon. Schon als die Straße in der Redaktionskonferenz zum ersten Mal auf dem Tisch lag, war die Stimmung nicht gerade euphorisch. „Ist das nicht dieser Tunnel unterm Wall?“, meinte die eine Kollegin. „Wie viele Häuser gibt’s da?“, der andere, „vier?“ Und auch wenn es natürlich doch ein paar mehr sind, ist diese Straße anders als viele andere, mit denen wir es bisher zu tun hatten. Die Bischofsnadel ist halb Park, halb Innenstadt. Sie hat diesen sonderbaren Tunnel, der auf seine Art eher Hindernis als Abkürzung zu sein scheint. Und für die allermeisten Bremer:innen ist sie vor allem Durchgangsstation. Tausende Menschen kommen hier durch, kaum einer bleibt da. Und wahrscheinlich ahnen Sie es schon: Gerade weil die Bischofsnadel so sonderbar ist, haben wir ihr diese Ausgabe gewidmet. Hier im Tunnel haben wir die Kunstgalerie „Tunnelblick“ besucht, die von Künstler:innen gegründet wurde, um ihre Arbeiten selbst und ohne profitorientierte Händler:innen verkaufen zu können (Seite 20). Und wo wir schon &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-8" style="color:#aa5879">EDITORIAL: Die mit dem Tunnel</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Leser:innen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">ein bisschen Angst hatten wir vor dieser Ausgabe ja ehrlich gesagt schon. Schon als die Straße in der Redaktionskonferenz zum ersten Mal auf dem Tisch lag, war die Stimmung nicht gerade euphorisch. „Ist das nicht dieser Tunnel unterm Wall?“, meinte die eine Kollegin. „Wie viele Häuser gibt’s da?“, der andere, „vier?“ Und auch wenn es natürlich doch ein paar mehr sind, ist diese Straße anders als viele andere, mit denen wir es bisher zu tun hatten. Die Bischofsnadel ist halb Park, halb Innenstadt. Sie hat diesen sonderbaren Tunnel, der auf seine Art eher Hindernis als Abkürzung zu sein scheint. Und für die allermeisten Bremer:innen ist sie vor allem Durchgangsstation. Tausende Menschen kommen hier durch, kaum einer bleibt da. Und wahrscheinlich ahnen Sie es schon: Gerade weil die Bischofsnadel so sonderbar ist, haben wir ihr diese Ausgabe gewidmet.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Hier im Tunnel haben wir die Kunstgalerie „Tunnelblick“ besucht, die von Künstler:innen gegründet wurde, um ihre Arbeiten selbst und ohne profitorientierte Händler:innen verkaufen zu können (Seite 20). Und wo wir schon bei der Kunst waren, haben wir draußen an der frischen Luft Bernd Altensteins Skulptur, „Das Ende“ in den Blick genommen (Seite 12). Wir haben gelernt, dass man auch mit Modekollektionen die Welt besser machen kann (Seite 8), und wir haben uns die Zeit genommen, auch die Straße selbst – diesen Ort des Übergangs – auf uns wirken zu lassen (Seite 24).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir waren gerne in der kleinen Straße mit dem Tunnel und hoffen, Sie haben nun auch viel Spaß daran und eine spannende Lektüre!</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-9 wp-block-paragraph" id="block-363641eb-9ea0-404f-acbf-738c73fdf35a" style="color:#aa5879">Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann<br />und das Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1153" height="750" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png" alt="" class="wp-image-13154" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png 1153w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich-300x195.png 300w" sizes="auto, (max-width: 1153px) 100vw, 1153px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph" id="block-0101cd49-7ac3-4454-9e64-7b35fec55cf1">Aus dem Inhalt:</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-5c5ddfaf-ef23-4197-8df6-8ed6ad863f4c">8 – Mode der Straße</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Klamotten soll Geld für Obdachlose gesammelt werden</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-9ce9ed29-db77-4924-b553-ad9233dfef73">12 – Das Ende am Anfang</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bernd Altensteins Skulptur am Rande der Bischofsnadel irritiert. Und das soll sie auch</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b3653286-5e1c-497d-9251-1b9af727ec88">14 – Nur auf der Durchreise</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bildstrecke</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-a3602e5b-2874-49d5-bc11-1822a26a5be2">20 – „Einfach mal Kunst kaufen“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Galerie „Tunnelblick“ verkaufen Künstler:innen ihre Arbeiten einfach selbst</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-10" id="block-6f7b9fda-641a-4a3d-bb05-e89404686bad" style="color:#aa5879">24 – Zwischen den Welten <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/zwischen-den-welten/">(online lesen)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Ob die Bischofsnadel nun Tunnel, Ein- oder Ausgang ist: Sie ist auf jeden Fall ein Ort der Kontraste</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b01fd6a8-e065-4747-9795-7e0cdd729901">28 – „Kommt drauf an, was man daraus macht&#8220;</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Helmut hat als Zeitungsverkäufer angefangen, um für seinen Hund zu sorgen</p>



<p class="wp-block-paragraph"></p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/99-arster-heerstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_99.png" alt="" class="wp-image-10958" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_99.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_99-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_99-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_99-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_99-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>Mission Bagel</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/mission-bagel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 May 2022 19:53:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
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					<description><![CDATA[#97 JÜDISCHE GEMEINDE Zu den Aufgaben von Rabbinern wie Natanael Teitelbaum gehört, die Einhaltung der Regeln in der koscheren Küche zu kontrollieren. Wir begleiten ihn zu Bäckermeister Holger Groth – mitten in der Nacht. Drei Uhr, das ist eine unwirkliche Zeit. Zwischen gestern und morgen, wache ich wie gerädert nach wenigen Stunden Schlaf auf. Zwei Wecker klingeln im Fünf-Minuten-Takt, die Snooze-Taste hat keine Chance. Auf keinen Fall will ich mein Date mit dem Rabbi verpassen: Um Viertel vor vier sind wir verabredet an diesem unwirtlichen Freitagmorgen im April. Überpünktlich stehe ich schließlich in der Kälte vor der Bäckerei am Sielwall, es schneit sachte, in der Ferne grölen Besoffene am Eck, von denen man hofft, sie blieben, wo sie sind. Dann, nach endlosen Minuten in der Kälte, blitzen zwei Scheinwerfer auf, ein Mercedes-Bus nimmt Kurs auf die Bäckerei. „Sie haben ja Arbeitszeiten“, sage ich matt, als Rabbiner Natanel Teitelbaum aus dem Auto steigt. Er lacht freundlich und zuckt mit den Schultern. Was muss, das muss. Die Hintertür steht offen an diesem dunklen Freitagmorgen, wir treten ein &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#97 JÜDISCHE GEMEINDE  Zu den Aufgaben von Rabbinern wie Natanael Teitelbaum gehört, die Einhaltung der Regeln in der koscheren Küche zu kontrollieren. Wir begleiten ihn zu Bäckermeister Holger Groth – mitten in der Nacht.</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Drei Uhr, das ist eine unwirkliche Zeit. Zwischen gestern und morgen, wache ich wie gerädert nach wenigen Stunden Schlaf auf. Zwei Wecker klingeln im Fünf-Minuten-Takt, die Snooze-Taste hat keine Chance. Auf keinen Fall will ich mein Date mit dem Rabbi verpassen: Um Viertel vor vier sind wir verabredet an diesem unwirtlichen Freitagmorgen im April.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Überpünktlich stehe ich schließlich in der Kälte vor der Bäckerei am Sielwall, es schneit sachte, in der Ferne grölen Besoffene am Eck, von denen man hofft, sie blieben, wo sie sind. Dann, nach endlosen Minuten in der Kälte, blitzen zwei Scheinwerfer auf, ein Mercedes-Bus nimmt Kurs auf die Bäckerei. „Sie haben ja Arbeitszeiten“, sage ich matt, als Rabbiner Natanel Teitelbaum aus dem Auto steigt. Er lacht freundlich und zuckt mit den Schultern. Was muss, das muss.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Hintertür steht offen an diesem dunklen Freitagmorgen, wir treten ein in eine arbeitsame, aber warme Welt: Holger Groth, der Bäckermeister, glasiert gerade Back­waren mit einem Pinsel auf einem großen Blech.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Begrüßung ist freundlich, fast nebensächlich, wie selbstverständlich. Über­raschung jedenfalls ist Groth nicht anzumerken. „Ich&nbsp;hab’ nix zu verbergen“, sagt&nbsp;er. Er macht seinen Job. Die Bagels sind schon fertig und kühlen gerade ab. Die Challot sind geflochten und mit Mohn bestreut: Die Hefezöpfe warten auf den Ofen, sie werden für Schabbat gebraucht. Der Rabbi nimmt einen Rundum-Blick. Begutachtet die Challot. Schaut auf den Ofen. Scheint zufrieden. Sie kennen sich schon lange, der Rabbiner und der Bäcker. „Wir sind nicht nur Partner, sondern auch Freunde geworden“, sagt der Rabbi. „Oder?“ – „Na logo!“, ruft Holger Groth, der unterdessen schon das nächste Blech für den Ofen vorbereitet hat. Es ist ein ungleiches Freundespaar: Hier der ehrwürdige Rabbiner mit seiner Kippa, dort der tätowierte Norddeutsche mit seinem Schnack, nicht minder standesbewusst: „Bäckermeister der Zunft!“, sagt er, „nicht, dass Sie aus mir noch einen Friseur machen!“</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4.jpg" alt="" class="wp-image-9473" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4.jpg 767w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-4-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><figcaption class="wp-element-caption">Backt koscher für die jüdische Gemeinde: Bäckermeister Holger Groth.</figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Ursprünglich hatte Groth zwei Filialen, eine ganz in der Nähe der jüdischen Gemeinde in der Schwachhauser Heerstraße. Seit ein Bäcker gekündigt hat, lohnte das nicht mehr: „Wir sind jetzt nur noch zwei Bäcker, damit kannst du keine zwei Filialen betreiben“, sagt er. Also konzentriert er sich jetzt ganz auf seine Bäcke­rei im Viertel. Auch wenn die Wege nun weiter sind, sind die jüdische Gemeinde und ihre Mitglieder weiterhin treue Kunden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Koscher, das hat nicht nur mit den Zutaten zu tun. Das hat auch mit Vertrauen zu&nbsp;tun“, sagt Rabbiner Natanel Teitelbaum. Groth’s Backstube verkauft koschere Waren, er ist hier, um alles zu kontrollieren. Seit wann sie zusammenarbeiten? „Ich&nbsp;hab’ mir das nicht aufgeschrieben“, sagt Holger Groth, der Pragmatiker, wäh­rend er das nächste Blech in den Ofen schiebt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die jüdische Gemeinde ist auf ihn zugekommen, vor einigen Jahren. Groth begann zunächst mit Brot und Brötchen, dann habe sich das Sorti­ment sukzessive erwei­tert. Gemeinde­mit­glieder bestellen dort Backwaren für Schabbat, aber auch für Geburtstage oder andere Feierlichkeiten. Die Gemeinde selbst bestellt belegte Brötchen oder Kuchen für Veranstaltungen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer es ernst meint mit den jüdischen Speisevorschriften, hat es hier in der Dia­spora nicht so leicht. Vieles kann man online bestellen, sicher. Aber frische Backwaren etwa sind schwer zu bekommen, auch wenn es inzwischen weitere Interessenten für die Koscher-Zertifizierung in Bremen gibt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und koscher zu essen, das ist für viele der orthodoxen Mitglieder essenziell. Koscher, das bedeutet in diesem Zusammenhang vor allem: Parve, ohne Milch. Denn Milch und Fleisch vertragen sich nicht in der koscheren Küche. Wird ein Fleisch­gericht serviert und soll danach ein süßer Nachtisch gereicht werden, muss&nbsp;er ohne Milch sein. Zum Beispiel ein Berliner: Der Teig muss ohne Milch sein, und auch das Fett in der Fritteuse muss im Zweifel getauscht werden: pflanzliches Fett statt tierischem.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Für Groth bedeutet das alles in der Praxis: Ein Extrafach im Ofen, Extrableche, keine Milch in Teig und Glasur und bestimmte Farbstoffe und Emulgatoren auch nicht. Und: Eine Zeitschaltuhr. Denn eigentlich muss – streng genommen – ein Jude den Ofen an- und ausschalten. Weil der Rabbiner verständlicherweise nicht ständig in der Backstube sein kann, ist dieses Hilfsmittel unerlässlich.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Auch bestimmte Farbstoffe sind tabu: Karmin etwa, das aus Läuseblut gewonnen wird. Denn Läuse sind nicht koscher. „Und selbst, wenn sie koscher wären, würde ich sie nicht essen“, sagt der Rabbiner: „Ich meine: Läuse!“ Er schüttelt sich und lacht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sind ein eingespieltes Team, der Rabbi und der Bäcker. Zu Pessach, während dem die Juden kein gesäuertes Brot essen, sagt Groth scherzhaft: „Da hab’ ich eine Woche Ruhe vor Euch!“ In Wahrheit ist die Situation eine gute für beide Seiten: Die Gemeinde­mit­glieder haben eine zertifizierte Anlaufstelle mit koscheren Backwaren, in der sie bedenkenlos einkaufen und bestellen können, der Bäcker garantierte Abnahmen für seine Produkte. Beide Seiten: zufrieden miteinander.</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="767" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3.jpg" alt="" class="wp-image-9474" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3.jpg 767w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/05/Koscher_razzia_Strassenansicht_KarolinaMeyer-Schilf-3-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 767px) 100vw, 767px" /><figcaption class="wp-element-caption">Koscher hat nicht nur mit den Zutaten zu tun, sagt der Rabbiner – sondern auch mit Vertrauen.</figcaption></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph">Auch Sonderbestellungen sind kein Problem für Bäcker Groth. Vor einiger Zeit etwa brauchte Rabbiner Teitel­baum Challot ohne Mohn: „Ich wollte jemanden im Gefängnis besuchen“, erzählt er, und dem Inhaftierten – kein Bremer Gemeinde­mitglied, wie er betont – zum Schabbat Challot mitbringen. Allerdings ist Mohn im Gefängnis nicht erlaubt, wie er auf Nachfrage erstaunt erfuhr. So buk Bäcker Groth einen Hefezopf ohne Mohn fürs Gefängnis – und der Häftling hatte dank Groth und Teitelbaum einen Hauch von Schabbat in seiner mutmaßlichen Tristesse.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber woher weiß man eigentlich als Rabbiner, auf was man alles achten muss? Immerhin ist ein Rabbiner ein Religionsgelehrter und kein Ernährungs­wissen­schaftler, und trotz fundierter Ausbildung bleiben vielleicht praktische Fragen offen. Teitelbaum hat seine Mentoren zu solchen Besuchen begleitet: „Ein verant­wort­licher Rabbiner wird nie allein entscheiden“, sagt er. Manche Menschen dächten, ein Rabbiner, der um Rat frage, sei schwach: „Das Gegenteil ist der Fall.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Inzwischen weiß er längst, worauf es bei den Kontrollen ankommt. Wie oft er sie durchführt, will er nicht sagen: „Sonst weiß er Bescheid.“ Er, Bäcker Groth, scheint sich indessen recht wenig um die Kontrollen zu scheren. Sein Gewissen ist rein, er&nbsp;backt, wie es sich gehört, für die reguläre Kundschaft ebenso wie für jene, die&nbsp;auf&nbsp;koschere Backwaren Wert legen. Als vorerst alles im Ofen und für den Moment nichts weiter zu tun ist, atmet er kurz durch: „Jetzt ist Zeit für eine Ziga­rette!“ Der&nbsp;Rabbiner begleitet ihn nach draußen, vor der Backstube reden sie im Morgengrauen über dies und das.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach der kurzen Pause geht es für Holger Groth weiter, die Challots sind dran: Am&nbsp;Freitagabend, also in wenigen Stunden, beginnt der Schabbat. Der Rabbiner hat seine Kontrolle beendet, er wird später wiederkommen und einige Hefezöpfe abholen. „Willst jetzt noch was mitnehmen?“, fragt der Bäcker. Rabbiner Teitelbaum lehnt ab und verweist scherzhaft auf seinen Bauch. „Ach was“, sagt&nbsp;Bäcker Groth, „das ist die Wohlfühlzone! Frauen lieben das!“ Der Rabbiner ist&nbsp;nicht überzeugt. „Ich bringe das nächste Mal meine Frau mit, dann kannst du ihr das noch mal sagen“, sagt er und lacht.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Fotos: </td><td><em>Karolina Meyer-Schilf</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/97-juedische-gemeinde/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png" alt="" class="wp-image-10960" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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			</item>
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		<title>#97 Jüdische Gemeinde</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/97-juedische-gemeinde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 May 2022 19:43:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[Bistro Hamitbach]]></category>
		<category><![CDATA[Israel]]></category>
		<category><![CDATA[jüdische gemeinde]]></category>
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					<description><![CDATA[EDITORIAL: Mehr Alltag wagen Liebe Leser:innen, Sie haben natürlich recht: Wir haben ein bisschen gemogelt und die jüdische Gemeinde ist in Wirklichkeit gar keine Straße. Dass sie aber ein bisschen so funktioniert, haben wir spätestens bei der Recherche für diese Ausgabe gelernt: Sie ist Lebensraum für eine Gruppe von Menschen, die sie miteinander verbindet. Sie hat ihre Zentren wie etwa die Synagoge, in deren Inneres wir einen neugierigen Blick werfen durften (Seite 14). Sie hat natürlich auch ihre informelleren und alltäglicheren Treffpunkte wie das Bistro Hamitbach, dessen Eigentümerin wir kennengelernt haben (Seite 8). Die Gemeinde hat auch ihre eigenen Verkehrswege und -formen, ihre Regeln, für deren Einhaltung der Rabbiner zuständig ist. Wir wollten wissen, wie so eine „Koscherkontrolle“ abläuft, und haben uns des Nachts mit ihm auf den Weg gemacht (Seite 10). Und natürlich hat auch diese Straße, die keine ist, ihren Anteil an der Stadtgeschichte (Seite 22). Aber klar: Diese Ähnlichkeiten waren nicht der eigentliche Grund dafür, dass wir uns an eine Zeitschrift der Straße über die jüdische Gemeinde gesetzt haben. Es war vielmehr &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-14" style="color:#035b91">EDITORIAL: Mehr Alltag wagen</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Leser:innen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie haben natürlich recht: Wir haben ein bisschen gemogelt und die jüdische Gemeinde ist in Wirklichkeit gar keine Straße. Dass sie aber ein bisschen so funktioniert, haben wir spätestens bei der Recherche für diese Ausgabe gelernt: Sie ist Lebensraum für eine Gruppe von Menschen, die sie miteinander verbindet. Sie hat ihre Zentren wie etwa die Synagoge, in deren Inneres wir einen neugierigen Blick werfen durften (Seite 14). Sie hat natürlich auch ihre informelleren und alltäglicheren Treffpunkte wie das Bistro Hamitbach, dessen Eigentümerin wir kennengelernt haben (Seite 8). Die Gemeinde hat auch ihre eigenen Verkehrswege und -formen, ihre Regeln, für deren Einhaltung der Rabbiner zuständig ist. Wir wollten wissen, wie so eine „Koscherkontrolle“ abläuft, und haben uns des Nachts mit ihm auf den Weg gemacht (Seite 10). Und natürlich hat auch diese Straße, die keine ist, ihren Anteil an der Stadtgeschichte (Seite 22).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Aber klar: Diese Ähnlichkeiten waren nicht der eigentliche Grund dafür, dass wir uns an eine <em>Zeitschrift der Straße </em>über die jüdische Gemeinde gesetzt haben. Es war vielmehr unsere Neugier auf das Leben hinter den Fassaden – auf ein Stück Bremen, das bald 80 Jahre nach der Shoa noch immer von der Polizei beschützt werden muss. Und auf einen Alltag, den wahnhafte AntisemitInnen unterschiedlichster Couleur partout nicht zur Normalität werden lassen wollen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir sind froh über diesen Einblick in ein gar nicht mal so kleines – und stetig wachsendes – Stück Bremen. Und wir freuen uns, Sie nun daran teilhaben zu lassen. Wir wünschen Ihnen dabei viel Spaß und eine spannende Lektüre!</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-15 wp-block-paragraph" id="block-363641eb-9ea0-404f-acbf-738c73fdf35a" style="color:#035b91">Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann<br />und das Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1153" height="750" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png" alt="" class="wp-image-13154" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png 1153w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich-300x195.png 300w" sizes="auto, (max-width: 1153px) 100vw, 1153px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph" id="block-0101cd49-7ac3-4454-9e64-7b35fec55cf1">Aus dem Inhalt:</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-5c5ddfaf-ef23-4197-8df6-8ed6ad863f4c">8 – „Mir ist die Tradition wichtiger als die Einhaltung aller Regeln“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Bistro Hamitbach bringt einen Hauch Israel nach Bremen</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-16" id="block-9ce9ed29-db77-4924-b553-ad9233dfef73" style="color:#035b91">10 – Mission: Bagel <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/mission-bagel/">(online lesen)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir begleiten den Rabbiner auf seiner nächtlichen Koscherkontrolle bei Bäcker Groth im Viertel</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b3653286-5e1c-497d-9251-1b9af727ec88">14 – Hinter verschlossenen Türen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bildstrecke</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-a3602e5b-2874-49d5-bc11-1822a26a5be2">20 – Purim Sameach!</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Purim ist vergleichbar mit Karneval und damit das lustigste Fest des Judentums</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-6f7b9fda-641a-4a3d-bb05-e89404686bad">22 – Grabungen in Bremens Sportgeschichte</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Werder-Fans erinnern an die Geschichte jüdischen Sports in Bremen</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b01fd6a8-e065-4747-9795-7e0cdd729901">26 – „Ich möchte wieder tanzen&#8220;</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unsere Verkäuferin Nicole sagt, ihr helfe die Zeitschrift dabei, ehrlich zu überleben</p>



<h3 class="wp-block-heading">28 – Wir nehmen Abschied</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Todesanzeigen</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/98-bischofsnadel/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png" alt="" class="wp-image-10961" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_98-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Köchin durch Zufall</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/koechin-durch-zufall/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Apr 2022 10:04:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[catering]]></category>
		<category><![CDATA[überseestadt]]></category>
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					<description><![CDATA[#96 KONSUL-SMIDT-STRASSE – Evrim Arslan wollte ein kleines Restaurant, so was wie einen Tante-Emma-Laden ohne viel Stress und Hype. Geklappt hat immerhin das Erstere Im Laden von Evrim Arslan trifft traditionelle türkische Küche auf moderne Einflüsse. So findet man zum Beispiel einen Spinatsalat mit Mandeln und Datteln auf der Karte: eine Kombination, die zwar ungewöhnlich klingt, aber wirklich extrem gut funktioniert. Evrim ist mit ihrem Laden vor gut fünf Jahren in die Konsul-Smidt-Straße gezogen. Wir haben sie dort besucht. Olivenöl, Zitrone, Knoblauch, Kräuter. Das sind die Gerüche, die einem als Erstes in die Nase steigen, wenn man Evrims Laden „Meze by Evrim“ betritt. Die Inneneinrichtung ist, genau wie das Essen, ein Mix aus Tradition und Modernität. Und was den Laden noch einmal besonders abhebt, ist die spezielle Art von Essen: die Meze. Das sind kleine Portionen unterschiedlicher Vorspeisen, vergleichbar mit spanischen Tapas. So kann man sich mittags seinen eigenen Teller aus verschiedenen, regelmäßig wechselnden Meze zusammenstellen und bezahlt dabei nach Anzahl der Portionen. Und: Wer seine eigene Verpackung mitbringt, bekommt eine Meze umsonst. Mittagspause bei &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#96 KONSUL-SMIDT-STRASSE – Evrim Arslan wollte ein kleines Restaurant, so was wie einen Tante-Emma-Laden ohne viel Stress und Hype. Geklappt hat immerhin das Erstere</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Im Laden von Evrim Arslan trifft traditionelle türkische Küche auf moderne Einflüsse. So findet man zum Beispiel einen Spinatsalat mit Mandeln und Datteln auf der Karte: eine Kombination, die zwar ungewöhnlich klingt, aber wirklich extrem gut funktioniert. Evrim ist mit ihrem Laden vor gut fünf Jahren in die Konsul-Smidt-Straße gezogen. Wir haben sie dort besucht.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Olivenöl, Zitrone, Knoblauch, Kräuter. Das sind die Gerüche, die einem als Erstes in die Nase steigen, wenn man Evrims Laden „Meze by Evrim“ betritt. Die Inneneinrichtung ist, genau wie das Essen, ein Mix aus Tradition und Modernität. Und was den Laden noch einmal besonders abhebt, ist die spezielle Art von Essen: die Meze. Das sind kleine Portionen unterschiedlicher Vorspeisen, vergleichbar mit spanischen Tapas. So kann man sich mittags seinen eigenen Teller aus verschiedenen, regelmäßig wechselnden Meze zusammenstellen und bezahlt dabei nach Anzahl der Portionen. Und: Wer seine eigene Verpackung mitbringt, bekommt eine Meze umsonst.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="831" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2-1250x831.jpg" alt="" class="wp-image-9462" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2-1250x831.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2-300x199.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-2.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Die Chefin bei der Arbeit: Meze für den Mittagstisch.</em></figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Mittagspause bei Evrim</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das kommt besonders denen entgegen, die sich hier in ihrer Pause ihr Mittagessen holen. Denn wer aufgrund der Lage davon ausgeht, dass bei Evrim nur schicke Geschäftsleute essen, der irrt sich: „Ich bemerke, dass es eher junge Leute sind. Ich vermute mal, das sind mehr die Auszubildenden, deswegen haben wir unsere Preise auch lange so gelassen und erst zum Jahreswechsel das erste Mal etwas erhöht. Ich wollte beim Mittagstisch immer unter der Zehn-Euro-Grenze bleiben, da sind wir immer noch weit drunter. Wir kommen den Leuten ja auch gerne entgegen, zum Beispiel mit der Gratis-Meze beim eigenen Teller.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Kochen aus Verantwortung – und aus Liebe</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Leidenschaft zum Kochen beginnt bei Evrim bereits als Kind, als sie und ihre Zwillingsschwester aufgrund zweier arbeitender Elternteile oft selbst für ihr Mittagessen sorgen. „Mit 15 habe ich dann schon den traditionellen türkischen Reis gekocht. Also ich habe wirklich immer schon gekocht. Und auch immer sehr gerne.“ Mit 24 führen einige Zufälle dazu, dass Evrim anfängt, auch beruflich zu kochen. Nach der Trennung von ihrem Mann sucht sie nach einer Möglichkeit, für ihre zwei Kinder sorgen zu können. Über eine Freundin kommt sie als Putzkraft zu einer Firma in Huchting. Dort hört sie, dass die Firmenkantine schließen muss: „Die haben keinen gefunden, der da kochen wollte. Also hab ich gesagt, dann versuch ich’s. Und dann war ich von 2006 bis 2011 da und habe gekocht.“ Danach übernimmt Evrim die Leitung der Pressekantine des Weser-Kuriers.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Nebenjob zur Selbstständigkeit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">„Nach zwei Jahren wurde das aber etwas langweilig – nur Kantine ist einfach eintönig.“ Als sie nach Bremen zog, habe ihr damaliger Freund sie dann auf einen freien Laden aufmerksam gemacht: Richard-Wagner-Straße, Ecke Hollerallee. „Er hat gesagt: ‚Du kannst so gut kochen, mach doch einfach einen kleinen Laden auf, so als Ausgleich.‘ Ich wollte auch nie groß werden, ich wollte so einen kleinen Tante-Emma-Laden.“ Aber nach zwei, drei Jahren wurde es dann doch immer mehr: mehr Catering, mehr Veranstaltungen. Ihr Vorgänger hier in der Überseestadt habe sie gefragt, ob sie die Fläche nicht übernehmen wolle. Ihr Konzept passe doch gut in die Überseestadt. Und: „Dann hab ich hier aufgemacht. Das war mir allerdings wieder zu viel, also habe ich den Standort in der Hollerallee abgegeben. Jetzt habe ich den Laden hier und mache nach wie vor die Pressekantine beim Weser-Kurier. Das reicht mir insgesamt auch. Wir machen ja auch viele Veranstaltungen, zum Beispiel im Pier 2, da haben wir schon für viele Konzerte das Catering gemacht.“</p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="681" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-3.jpg" alt="" class="wp-image-9464" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-3.jpg 681w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/Evrim_9884_wolfgang-everding-3-200x300.jpg 200w" sizes="auto, (max-width: 681px) 100vw, 681px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Die Leidenschaft zum Kochen beginnt bei Evrim (links) bereits als Kind</em></figcaption></figure>
</div>


<h3 class="wp-block-heading">Veränderung braucht Zeit</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Dass sich der Standortwechsel vom alteingesessenen Schwachhausen in die gerade erst entstehende Überseestadt auch auf die Kundschaft auswirkt, hat Evrim schnell gemerkt: „Hier ist es eben noch nicht so nachbarschaftlich und eingewohnt wie in Schwachhausen. Wir haben zum Glück viel Stammkundschaft aus der Hollerallee, die kommen dann manchmal mit dem Fahrrad hierher. Mittlerweile haben wir natürlich auch hier Stammkunden, aber generell sind die meisten hier schon ganz anders als am alten Standort. Am Anfang war ich ehrlich gesagt etwas enttäuscht. Die Leute hier sind irgendwie etwas unpersönlicher. An der Hollerallee wollten die meisten auch ein bisschen schnacken, wenn sie da waren, das ist hier eher selten. Aber wir haben bisher auch nur mittags geöffnet. Da kommen eben meist nur diejenigen, die nicht so viel Zeit haben, das verstehe ich dann ja auch. Deshalb haben wir ab diesem Frühjahr von Donnerstag bis Samstag auch abends geöffnet, da kann man dann hier auf der Terrasse sitzen.“ Außerdem hat Evrim kurz vor Pandemiebeginn damit angefangen, Tanzabende mit DJ in ihrem Laden zu veranstalten. Vieles musste in den letzten zwei Jahren abgesagt werden, soll dieses Jahr aber nachgeholt werden.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und dass ein Sommerabend auf der Terrasse, mit Blick auf den Europahafen, bei Getränken und Meze, auch dort, in einem so jungen und eigentlich eher „unbremischen“ Stadtteil wie der Überseestadt, den gleichen Bremer Flair wie ein Abend an der Schlachte haben kann, ist sehr gut vorstellbar.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Recherche: <br /><em>Annika Schöll</em></td><td>Fotos: <br /><em>Wolfgang Everding</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/96-konsul-smidt-strasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse.jpg" alt="" class="wp-image-11106" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<title>#96 Konsul-Smidt-Strasse</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/96-konsul-smidt-strasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 03 Apr 2022 09:53:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[konsul-smidt-strasse]]></category>
		<category><![CDATA[meze]]></category>
		<category><![CDATA[ueberseestadt]]></category>
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					<description><![CDATA[EDITORIAL: Szenische Einstiege Liebe Leser:innen, „Es war eine dunkle und stürmische Nacht“, so beginnt der Roman „Paul Clifford“ von Edward Bulwer-Lytton: jenem zweifelhaften englischen Literaten, nach dem gar ein Festival benannt ist. Gekürt werden dort regelmäßig die schlechtesten ersten Sätze von Romanen. Auch Snoopy hat seinen ersten und einzigen Roman mit eben diesem Satz begonnen. Das konnten unsere Autorinnen und Autoren nicht wissen, als sie ihre Texte für diese Ausgabe schrieben, die zum Teil exakt in diesem Setting beginnen: dunkel, windig, Nieselregen. Journalist:innen lieben szenische Einstiege, und das ist auch oft genau richtig so: Denn wir wollen Sie, unsere Leserinnen und Leser, ja mitnehmen zu den Orten, die wir für Sie gesucht und gefunden haben. Wenn es allerdings – wie in der Überseestadt – allzu oft stürmisch ist (und abends natürlich dunkel), dann sagt das schon viel über einen Ort aus. Abweisend wirkt es dort, wenn der Wind durch die Häuserschluchten fegt. Das Quartier ist immer noch im Werden, das haben auch wir frierend erfahren und aufgeschrieben. Wir haben ein Paar besucht, das vom heimeligen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-20" style="color:#e64610">EDITORIAL: Szenische Einstiege</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Leser:innen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Es war eine dunkle und stürmische Nacht“, so beginnt der Roman „Paul Clifford“ von Edward Bulwer-Lytton: jenem zweifelhaften englischen Literaten, nach dem gar ein Festival benannt ist. Gekürt werden dort regelmäßig die schlechtesten ersten Sätze von Romanen. Auch Snoopy hat seinen ersten und einzigen Roman mit eben diesem Satz begonnen. Das konnten unsere Autorinnen und Autoren nicht wissen, als sie ihre Texte für diese Ausgabe schrieben, die zum Teil exakt in diesem Setting beginnen: dunkel, windig, Nieselregen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Journalist:innen lieben szenische Einstiege, und das ist auch oft genau richtig so: Denn wir wollen Sie, unsere Leserinnen und Leser, ja mitnehmen zu den Orten, die wir für Sie gesucht und gefunden haben. Wenn es allerdings – wie in der Überseestadt – allzu oft stürmisch ist (und abends natürlich dunkel), dann sagt das schon viel über einen Ort aus. Abweisend wirkt es dort, wenn der Wind durch die Häuserschluchten fegt. Das Quartier ist immer noch im Werden, das haben auch wir frierend erfahren und aufgeschrieben.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir haben ein Paar besucht, das vom heimeligen Steintor an die cleane Waterkant gezogen ist und uns berichtet, wie die Umstellung gelingt (Seite 22). „Versiegelte Landschaften“ fand unser Fotograf vor, die er in eine Bildstrecke mit ganz eigentümlich fesselnder Ästhetik gegossen hat (Seite 14).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass die Überseestadt aber auch warm und gemütlich sein kann, haben wir in der Kulturenwerkstatt erlebt (Seite 10) und beim Meze-Essen in Evrim Arslans Bistro (Seite 20).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-21 wp-block-paragraph" id="block-363641eb-9ea0-404f-acbf-738c73fdf35a" style="color:#e64610">Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann<br />und das Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1153" height="750" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png" alt="" class="wp-image-13154" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png 1153w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich-300x195.png 300w" sizes="auto, (max-width: 1153px) 100vw, 1153px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph" id="block-0101cd49-7ac3-4454-9e64-7b35fec55cf1">Aus dem Inhalt:</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-5c5ddfaf-ef23-4197-8df6-8ed6ad863f4c">8 – Zwischen Luxusbar und Fresstempel</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unterwegs vom Landmark-Tower zum Zech-Turm</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-9ce9ed29-db77-4924-b553-ad9233dfef73">10 – Stein für Stein zum Selbst</h3>



<p class="wp-block-paragraph">In der Kulturenwerkstatt werden gezielte Kulturschocks verteilt</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b3653286-5e1c-497d-9251-1b9af727ec88">14 – Versiegelte Landschaften</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Bildstrecke</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-22" id="block-a3602e5b-2874-49d5-bc11-1822a26a5be2" style="color:#e64610">20 – Köchin durch Zufall <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/koechin-durch-zufall/">(online lesen)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Evrim Arslan wollte nur ein kleines Restaurant ohne viel Stress. Das Erstere hat geklappt</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-6f7b9fda-641a-4a3d-bb05-e89404686bad">22 – Aus dem Viertel an die Waterkant</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Was es bedeutet, nach Jahrzehnten im Viertel in ein Quartier zu ziehen, das sich erst noch erfinden muss</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b01fd6a8-e065-4747-9795-7e0cdd729901">26 – „Ein Kaufmann ohne Furcht und Tadel&#8220;</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wer war Konsul Smidt?</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b6d4db97-22b7-4701-92a2-e323a6a2b20f">28 – „Ich mag meine Kutte“</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Verkäufer Dirk ist ein Walle-Kind und stolz darauf</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/97-juedische-gemeinde/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1200" height="800" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png" alt="" class="wp-image-10960" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97.png 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-300x200.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-840x560.png 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-600x400.png 600w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2024/10/zds_www_ankuending_97-768x512.png 768w" sizes="auto, (max-width: 1200px) 100vw, 1200px" /></a></figure>
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		<title>#95 Bulthauptstrasse</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/95-bulthauptstrasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2022 17:22:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Ausgabe]]></category>
		<category><![CDATA[altbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bulthauptstrasse]]></category>
		<category><![CDATA[fuhrken]]></category>
		<category><![CDATA[Jugendstil]]></category>
		<category><![CDATA[Schwachhausen]]></category>
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					<description><![CDATA[EDITORIAL: Schönheit besteht Liebe Leser:innen, so richtig en vogue ist es ja eigentlich nicht mehr, derartig hemmungslos im Jugendstil zu schwelgen. Man kommt so leicht in den Ruch des Bourgeoisen. Dabei ist der Jugendstil eigentlich eine konsumkritische Reformbewegung gewesen, die sich mit ihren verspielten Dekoren gerade gegen die prekär hergestellte Massenware wandte. Nun war Schönheit noch nie eine billige Angelegenheit, das ist der Haken daran. Aber lassen Sie uns unseren Spaß – und haben Sie selbst welchen, während Sie diese Ausgabe durchblättern. Kommen Sie mit in ein liebevoll saniertes Altbremer Haus und erfahren Sie mehr darüber, was eigentlich Denkmalschutz bedeutet: Nämlich nicht nur Lust, sondern durchaus auch Last (S. 8). Eine der schönsten Pointen der Bremer Baugeschichte ist im Übrigen diese: Die Firma J. H. Fuhrken hat nicht nur der Bulthauptstraße einst ihren Stempel aufgedrückt. Die Firma gibt es immer noch: heute spezialisiert auf Altbausanierung. Wir haben die Geschäftsführerin besucht und dabei viel über das Bauhandwerk vergangener Tage gelernt, das es tatsächlich in sich hatte (S. 22). Wer genug hat von Erkern und Giebeln, dem &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h1 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-26" style="color:#954491">EDITORIAL: Schönheit besteht</h1>



<p class="wp-block-paragraph">Liebe Leser:innen,</p>



<p class="wp-block-paragraph">so richtig en vogue ist es ja eigentlich nicht mehr, derartig hemmungslos im Jugendstil zu schwelgen. Man kommt so leicht in den Ruch des Bourgeoisen. Dabei ist der Jugendstil eigentlich eine konsumkritische Reformbewegung gewesen, die sich mit ihren verspielten Dekoren gerade gegen die prekär hergestellte Massenware wandte. Nun war Schönheit noch nie eine billige Angelegenheit, das ist der Haken daran. Aber lassen Sie uns unseren Spaß – und haben Sie selbst welchen, während Sie diese Ausgabe durchblättern. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Kommen Sie mit in ein liebevoll saniertes Altbremer Haus und erfahren Sie mehr darüber, was eigentlich Denkmalschutz bedeutet: Nämlich nicht nur Lust, sondern durchaus auch Last (S. 8). Eine der schönsten Pointen der Bremer Baugeschichte ist im Übrigen diese: Die Firma J. H. Fuhrken hat nicht nur der Bulthauptstraße einst ihren Stempel aufgedrückt. Die Firma gibt es immer noch: heute spezialisiert auf Altbausanierung. Wir haben die Geschäftsführerin besucht und dabei viel über das Bauhandwerk vergangener Tage gelernt, das es tatsächlich in sich hatte (S. 22).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wer genug hat von Erkern und Giebeln, dem sei unsere Fotostrecke empfohlen: Denn hier blicken wir von unten auf die Häuser, nämlich aus rund 35 Zentimetern Höhe, um genau zu sein. So groß sind im Schnitt die Hunde dieser Straße, und wir wollten wissen, was sie eigentlich sehen, wenn sie auf dem Weg zum Bürgerpark sind (S. 16).</p>



<p class="wp-block-paragraph">Von einem ganz besonderen Projekt berichtet uns schließlich Wolfgang Vorwerk: Er hat die Geschichte seines Hauses erforscht und ist dabei auf Aron Aronsohn gestoßen, der bis 1935 dort lebte. Wie aus Verantwortung gemeinsames Gedenken wurde, lesen Sie ab Seite 12.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Wir wünschen Ihnen eine spannende Lektüre!</p>



<p class="has-text-color has-link-color wp-elements-27 wp-block-paragraph" id="block-363641eb-9ea0-404f-acbf-738c73fdf35a" style="color:#954491">Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann<br />und das Team der <em>Zeitschrift der Straße</em></p>


<div class="wp-block-image">
<figure class="aligncenter size-full is-resized"><img loading="lazy" decoding="async" width="1153" height="750" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png" alt="" class="wp-image-13154" style="width:310px;height:auto" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich.png 1153w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2025/07/noch-erhaltlich-300x195.png 300w" sizes="auto, (max-width: 1153px) 100vw, 1153px" /></figure>
</div>


<p class="wp-block-paragraph" id="block-0101cd49-7ac3-4454-9e64-7b35fec55cf1">Aus dem Inhalt:</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-5c5ddfaf-ef23-4197-8df6-8ed6ad863f4c">8 – Ein Haus und sein Gesicht</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Was Denkmalschutz für die Stadt und ihre Bewohner:innen bedeutet</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-9ce9ed29-db77-4924-b553-ad9233dfef73">12 – Wunsch und Verantwortung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Eine Anwohner:innen-Initiative erinnert an Aron Aronsohn</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b3653286-5e1c-497d-9251-1b9af727ec88">16 – Laternenpfahl, ganz unten</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wie Hunde die Straße sehen</p>



<h3 class="wp-block-heading has-text-color has-link-color wp-elements-28" id="block-a3602e5b-2874-49d5-bc11-1822a26a5be2" style="color:#954491">22 – Die halbe Straße <a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/die-halbe-strasse/">(online lesen)</a></h3>



<p class="wp-block-paragraph">Die Firma J. H. Fuhrken baute die halbe Bulthauptstraße. Jetzt saniert sie Altbauten</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-6f7b9fda-641a-4a3d-bb05-e89404686bad">28 – Servus in der Hansestadt</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Unser Verkäufer Alexander stammt aus Bayern und war mal Punker</p>



<h3 class="wp-block-heading" id="block-b01fd6a8-e065-4747-9795-7e0cdd729901">30 – Nachruf</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Wir nehmen Abschied von Pauli</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/96-konsul-smidt-strasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse.jpg" alt="" class="wp-image-11106" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/04/96-Konsul-Smidt-Strasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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			</item>
		<item>
		<title>Die halbe Straße</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/die-halbe-strasse/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 05 Mar 2022 17:21:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[Leseprobe]]></category>
		<category><![CDATA[altbau]]></category>
		<category><![CDATA[Bremen]]></category>
		<category><![CDATA[fuhrken]]></category>
		<category><![CDATA[Schwachhausen]]></category>
		<category><![CDATA[Straßenmagazin]]></category>
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					<description><![CDATA[#95 BULTHAUPTSTRASSE – Die Firma Fuhrken hat einst die halbe Bulthauptstraße gebaut. Heute saniert sie Altbauten – und öffnet für uns ihr Firmenarchiv Wer mit offenen Augen durch Bremen geht, sieht sie manchmal, die blau-gelben Fuhrken-Lkws: &#8222;Bauunternehmung&#8220; steht darauf und: Altbausanierung. Die Firma J. H. Fuhrken ist ein Traditionsbetrieb, seit dem Jahr 1900 besteht die Firma schon, und die kleine, ein bisschen lustige Pointe: Viele der Gebäude, die die Firma jetzt saniert, hat sie früher einmal selbst gebaut. Zeit also für einen Ortsbesuch: Wir sind verabredet mit Urda Blohm-Sudholz, der Großnichte des Firmengründers. Sie öffnet für uns ihr Archiv. Das Geschäftsgelände der Firma Fuhrken befindet sich seit über 50 Jahren an der Stresemannstraße: ein relativ unscheinbares, weißes Industriegebäude in zweiter Reihe und dahinter eine große Halle, in der Baumaterialien gelagert werden. Im Hausflur hängt eine Luftaufnahme, auch schon ein paar Jahrzehnte alt, die das Gelände von oben zeigt: Auf den ersten Blick hat sich dort bis heute nicht viel verändert. In der Nachbarschaft dafür umso mehr: Rund um das Grundstück befanden sich damals hauptsächlich Grünflächen &#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[
<h2 class="wp-block-heading">#95 BULTHAUPTSTRASSE – Die Firma Fuhrken hat einst die halbe Bulthauptstraße gebaut. Heute saniert sie Altbauten – und öffnet für uns ihr Firmenarchiv</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Wer mit offenen Augen durch Bremen geht, sieht sie manchmal, die blau-gelben Fuhrken-Lkws: &#8222;Bauunternehmung&#8220; steht darauf und: Altbausanierung. Die Firma J. H. Fuhrken ist ein Traditionsbetrieb, seit dem Jahr 1900 besteht die Firma schon, und die kleine, ein bisschen lustige Pointe: Viele der Gebäude, die die Firma jetzt saniert, hat sie früher einmal selbst gebaut. Zeit also für einen Ortsbesuch: Wir sind verabredet mit Urda Blohm-Sudholz, der Großnichte des Firmengründers. Sie öffnet für uns ihr Archiv.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Das Geschäftsgelände der Firma Fuhrken befindet sich seit über 50 Jahren an der Stresemannstraße: ein relativ unscheinbares, weißes Industriegebäude in zweiter Reihe und dahinter eine große Halle, in der Baumaterialien gelagert werden. Im Hausflur hängt eine Luftaufnahme, auch schon ein paar Jahrzehnte alt, die das Gelände von oben zeigt: Auf den ersten Blick hat sich dort bis heute nicht viel verändert. In der Nachbarschaft dafür umso mehr: Rund um das Grundstück befanden sich damals hauptsächlich Grünflächen – im Laufe der Jahre haben sich dort auch viele andere Firmen angesiedelt, das Grün ist zu großen Teilen einem Betongrau gewichen. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Einblick in die Familientradition</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Das Büro der Firma Fuhrken selbst wirkt auf den ersten Blick gar nicht wie ein Büro, sondern eher wie ein gemütliches, immer noch weihnachtlich geschmücktes Wohnzimmer, in das sich zufällig auch ein großer Schreibtisch verirrt hat. An den Wänden hängen gerahmte Bilder der Familienmitglieder unterschiedlicher Generationen, viele davon noch in Schwarz-Weiß. Besonders auffällig sind auch die vielen Sammelobjekte, die in Regalen stehen und wie eine kleine Ausstellung wirken: Fein bemalte Holz- und Porzellaneier, bunte Matroschka-Puppen und kleine, aufwendig verzierte Porzellanglöckchen. „Alles Sammlungen meiner Mutter“, sagt Urda Blohm-Sudholz beim Blick auf die Wände, die einem einen ersten Einblick in die Familiengeschichte von Johann Heinrich Fuhrken bieten. Sie ist die Tochter von Günther Blohm, der 1949 von seinem Onkel Johann Heinrich Fuhrken die Leitung des Unternehmens übernahm. Und mit ihrer Tochter Daniela Sudholz ist nun bereits die vierte Familiengeneration in der Geschäftsführung tätig.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Einzigartige Altbremer Häuser und ihre prägende Rolle in Bremen</h3>



<p class="wp-block-paragraph">J. H. Fuhrken war es, der das Unternehmen 1900 gründete und sich im Laufe der Jahre einen Namen in der Bremer Baulandschaft machte. Unter seinen Projekten befanden sich einzelne Gebäude wie das Roselius-Haus in der Böttcherstraße, teilweise aber auch ganze Straßenzüge – auch die rechte Seite der Bulthauptstraße gehörte dazu. Zwischen 1906 und 1913 wurden, bis auf zwei Ausnahmen (Nr. 24 und Nr. 26–28), alle Häuser mit geraden Hausnummern unter Fuhrkens Leitung gebaut. Und das wird auch in ihrer Optik deutlich: Die Häuser wirken alle wie aus einem Guss. Der Aufbau ist überall der eines klassischen Altbremer Hauses: schmal gehalten, meist dreigeschossig, kleine Treppen zu Hochparterre- und Souterrain-Wohnung. </p>



<p class="wp-block-paragraph">Sie sind im sogenannten Reformstil gebaut, haben Satteldächer, Erker und fast alle noch die gleichen, schmiedeeisernen Zäune wie zur Zeit ihrer Entstehung. Auch die Anordnung von Fenstern und Türen ist oft ähnlich, teilweise identisch. So normal diese Art von Reihenhausbauweise heute ist, so ungewöhnlich war sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Deutschlandweit gab es sie ausschließlich in Bremen – und Fuhrken mischte fleißig mit. Neben der Bulthauptstraße bebaute er auch die Benquestraße, die Arnold-Böcklin-Straße und diverse andere, besonders häufig in Schwachhausen gelegene Grundstücke.</p>



<figure class="wp-block-image size-full"><img loading="lazy" decoding="async" width="768" height="1024" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig.jpg" alt="" class="wp-image-9450" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig.jpg 768w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig-225x300.jpg 225w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/Urda-Blohm-Sudholz_HartmuthBendig-420x560.jpg 420w" sizes="auto, (max-width: 768px) 100vw, 768px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Blättern im Archiv: Urda Blohm-Sudholz auf der Suche nach Fotos.</em> </figcaption></figure>



<h3 class="wp-block-heading">Traditioneller Hausbau im frühen 20. Jahrhundert</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Gebaut wurde in der Regel nach Auftrag und nicht schon im Voraus, dafür sei schließlich kein Geld da gewesen: „Heute hat man das viele Geld nicht, das es dafür braucht, früher hatte man eben das wenige Geld nicht. Sie können sich das vorstellen wie bei den Malern früher: die hatten auch kein Geld, die haben nach Auftrag gemalt und damit ihr Geld verdient. Natürlich haben die auch für sich alleine gemalt, dann waren sie aber auch darauf angewiesen, dass die Bilder jemand gekauft hat, die mussten ja schließlich davon leben. So ähnlich war das hier mit den Häusern auch“, erzählt Urda Blohm-Sudholz. </p>



<p class="wp-block-paragraph">„Und es hat sich eben auch Stück für Stück rumgesprochen: Es wurde gebaut, dann hat das jemand anderes gesehen und sich gedacht ‚Ach, schick‘ und dann wollte der das auch – insofern hat sich das nach und nach entwickelt mit den Aufträgen. Und es kam ja auch vor, dass Fuhrken erst mal selbst in ein Haus eingezogen und dann wieder ausgezogen ist, wenn es Käufer dafür gab. Also frei in den Himmel gebaut hat er nicht, dafür war das einfach zu teuer.“</p>



<h3 class="wp-block-heading">Reihenhausbau damals: Ein echtes Handwerk</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Zwischen und 30.000 und 50.000 Mark, je nach Ausstattung, kostete der Bau eines Altbremer Reihenhauses um 1900. Außerdem musste man deutlich mehr Zeit einplanen: Rund ein bis zwei Jahre Bauzeit – für ein einziges Haus, nicht für die ganze Reihe – wenn täglich „mindestens 30 Personen, wenn nicht sogar mehr“ auf der Baustelle arbeiteten. Grund dafür waren in erster Linie natürlich die noch nicht erfundenen technischen Hilfsmittel, die den Hausbau heute erleichtern. Und auch die Art und Weise, wie gebaut wurde, war eine andere: „Heute gibt es ja auch schon viele Fertigteile für den Hausbau, aber damals haben die ja noch gemauert von Hand, das war ja richtiges Handwerk“, sagt Frau Blohm-Sudholz, während sie in einem kleinen Holzkasten nach Fotografien sucht, die eine klassische Baustellensituation zeigen.</p>



<h3 class="wp-block-heading">Vom Neubau zur Altbausanierung</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Der Kasten ist eine Art kleines Archiv, das zum 100-jährigen Jubiläum zusammengestellt wurde. Leider gibt es nicht allzu viele Fotos aus der Zeit – auch Fotografieren bedeutete damals natürlich einen höheren Aufwand und mehr Kosten. Sie findet schließlich ein Bild von zwei Männern, die einen großen Pfeiler mithilfe eines Flaschenzugs anheben. Beim ersten Blick wird sofort das (fehlende) Bewusstsein über Arbeitssicherheit deutlich: Die beiden tragen etwa keine Sicherheitshelme. Außerdem bekommt man eine leise Ahnung vom großen Arbeitsaufwand, den der Hausbau damals verlangte. Trotzdem sieht man das Schild mit dem Namen Fuhrken Anfang des 20. Jahrhunderts überall, die Firma läuft. Auch als J. H. Fuhrkens Neffe, Diplomingenieur Günther Blohm, 1949 die Geschäftsführung übernimmt, reißt der Erfolg nicht ab.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Ab Mitte der 1980er-Jahre beginnt die Firma, sich besonders auf das Sanieren von Altbauten zu spezialisieren, heute sind Sanierung und Reparatur das Hauptgeschäft. Neu bauen ist laut Urda Blohm-Sudholz weder rentabel noch realistisch: „Das lohnt sich einfach nicht mehr, darauf sind wir auch gar nicht mehr ausgerichtet. Wir haben nur die klassischen Maurer und sind nur zu acht – für so etwas braucht man ja ganze Kolonnen. Dafür haben wir einfach nicht die Kapazitäten. Wir haben ja auch unsere Stammkundschaft und die soll immer möglichst schnell bedient werden können. Das ginge bei so einem großen Projekt nicht.“ Stattdessen werde also das, was bereits da ist, wieder aufbereitet oder repariert. </p>



<h3 class="wp-block-heading">Die nachhaltige Pflege der Bulthauptstraße</h3>



<p class="wp-block-paragraph">Hin und wieder komme mal ein neuer Balkon oder eine Dachterrasse, und auch sonst gebe es fast nichts, was die Firma nicht macht: „Alles, was an Reparatur- und Sanierungsarbeiten gemacht werden muss, machen wir.“ Dass die Firma heute die ‚eigenen“, also die damals von Fuhrken gebauten Häuser saniert, komme natürlich auch vor, sei aber nicht die Regel: „Das hängt ja immer von den Eigentümern ab, wer da engagiert wird. Wir haben allerdings auch ein paar Kunden in der Bulthauptstraße. Was genau da normalerweise saniert wird, kann man so aber gar nicht sagen. Das ist wie beim Menschen: Mal ist hier was kaputt, mal muss da was gemacht werden. Immer unterschiedlich.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Dass Sanierung in einer denkmalgeschützten Straße wie der Bulthauptstraße ein Thema ist, das besonders groß geschrieben wird, sieht man sofort: Alle Häuser sind in einem tadellosen Zustand und haben seit ihrem Bau weder an Glanz noch an Wirkung verloren. Man könnte beinahe vergessen, wie alt sie sind. Heutzutage Häuser in diesem Stil zu bauen, das wäre zwar schön – deutlich schöner als die glatten, unverzierten Neubau-Klötze, die aktuell überall aus dem Boden sprießen – allerdings auch sehr teuer. Umso schöner also, dass die bereits existierenden Altbremer Häuser häufig unter Denkmalschutz stehen und dementsprechend sorgsam behandelt werden. So kann man auch heute noch durch Straßen spazieren, in denen sich in den letzten 100 Jahren nicht viel verändert hat. So wie in der Bulthauptstraße.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Recherche:<br /><em>Annika Schöll</em></td><td>Fotos:<br /><em>Hartmuth Bendig</em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/95-bulthauptstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse.jpg" alt="" class="wp-image-11104" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/03/95-Bulthauptstrasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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		<title>Fachhandel der Sterne</title>
		<link>https://zeitschrift-der-strasse.de/fachhandel-der-sterne/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Feb 2022 20:26:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Aktuelle Leseprobe]]></category>
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					<description><![CDATA[#94 BISMARCKSTRASSE – Ein bisschen verwunschen wirkt er ja schon: der Edelsteinladen Kassiopeia. Dabei ging es hier anfangs nur um das Geschäft mit Kaffee aus aussortierten Bohnen Der Name „Kassiopeia“ lässt zunächst an Sternbilder und Mythologie denken. Auch der kleine Laden an der Bismarckstraße hat auf den ersten Blick etwas Magisches an sich, mit seinen dezenten, aber kunstvollen Verzierungen und seiner schweren Holztür. Dabei ging es bei der Gründung 1952 zunächst vor allem um Kaffee, erst später kamen Schmuck und Edelsteine dazu. Begonnen hat die Geschichte in der zwei Kilometer entfernten Weberstraße. Dort gründeten Josef und Ursula John ihre Firma. Auch der Name hatte für Josef John nicht viel mit Magie oder Mystik zu tun. Er war U-Boot-Fahrer im Krieg und hat oft in den nächtlichen Sternenhimmel geblickt. Dabei hat er besonderes Gefallen an dem Sternbild der Kassiopeia gefunden und sich schließlich entschieden, seine Firma nach ihm zu benennen. Auch in der Einrichtung des kleinen Geschäftes lassen sich die maritimen Einflüsse wiederfinden. Der vom Licht der Vitrinen ausgeleuchtete Verkaufsraum ist gefüllt mit solchen Andenken: die &#8230;]]></description>
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<h2 class="wp-block-heading">#94 BISMARCKSTRASSE – Ein bisschen verwunschen wirkt er ja schon: der Edelsteinladen Kassiopeia. Dabei ging es hier anfangs nur um das Geschäft mit Kaffee aus aussortierten Bohnen</h2>



<p class="wp-block-paragraph">Der Name „Kassiopeia“ lässt zunächst an Sternbilder und Mythologie denken. Auch der kleine Laden an der Bismarckstraße hat auf den ersten Blick etwas Magisches an sich, mit seinen dezenten, aber kunstvollen Verzierungen und seiner schweren Holztür. Dabei ging es bei der Gründung 1952 zunächst vor allem um Kaffee, erst später kamen Schmuck und Edelsteine dazu.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Begonnen hat die Geschichte in der zwei Kilometer entfernten Weberstraße. Dort gründeten Josef und Ursula John ihre Firma. Auch der Name hatte für Josef John nicht viel mit Magie oder Mystik zu tun. Er war U-Boot-Fahrer im Krieg und hat oft in den nächtlichen Sternenhimmel geblickt. Dabei hat er besonderes Gefallen an dem Sternbild der Kassiopeia gefunden und sich schließlich entschieden, seine Firma nach ihm zu benennen. Auch in der Einrichtung des kleinen Geschäftes lassen sich die maritimen Einflüsse wiederfinden. Der vom Licht der Vitrinen ausgeleuchtete Verkaufsraum ist gefüllt mit solchen Andenken: die Schiffsglocke etwa oder eine Galionsfigur. Gemütlich ist es. Und die heimelige Atmosphäre macht Lust, es sich beim Tee auf dem Sofa bequem zu machen.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Nach Kriegsende vor 70 Jahren hat das Ehepaar John vor allem Kaffee verkauft. Der war damals sehr gefragt, erzählt Ursula John. Allein in Bremen habe es über 400 Kaffeeversandhäuser gegeben und die beiden stiegen ein in das aufblühende Geschäft: „Die Menschen sind ja hinter jeder Kaffeebohne hergerannt.“ Angefangen haben sie mit sogenanntem Verlesekaffee. „Bohnen, die nicht so schön aussahen, hat man ja damals rausgenommen aus dem Kaffee“, berichtet Ursula John. Mit ihrem Mann hat sie diese Kaffeebohnen gezielt aufgekauft.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="932" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04-1250x932.png" alt="" class="wp-image-9435" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04-1250x932.png 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04-300x224.png 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/Bildschirmfoto-2022-02-09-um-21.24.04.png 1314w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Ursula John betreibt ein Traditionsgeschäft, das sich erst selbst erfinden musste.</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Der Umzug aus der Weberstraße stand gleich nach zwei Jahren an. Das hatte mit der Hochzeit von Josef und Ursula John zu tun. „Früher war es ja so, dass man nicht zusammenleben durfte, wenn man nicht verheiratet war“, erzählt sie. „Selbst als diese Wohnung hier gemietet wurde, haben alle Menschen darauf geachtet, dass wir ja nicht zusammen hier übernachten.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Zum Kaffee wurden nach und nach immer mehr Produkte in das Sortiment aufgenommen und mittlerweile hat sich der Schwerpunkt auf Tee verschiedenster Sorten verlagert. Man findet schwarzen Tee, Rooibos oder auch grüne Tees. Ins Auge springt allerdings etwas völlig anderes: Die Vitrinen im vorderen Teil des Ladens sind gefüllt mit Edelsteinen, Schmuck und Perlen. „In unseren Anfangsjahren wurden wir nach Perlen gefragt. So etwas gab es nach dem Krieg alles gar nicht“, sagt Ursula John, „und wir haben dann rumgehorcht und unsere ersten aus Japan importiert.“ Später kamen die Edelsteine dazu. „Dann wollten die Leute Jadeketten haben, dann andere und so ist das immer mehr geworden mit den Edelsteinen.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Die Johns haben sich umgehört und immer neue Quellen aufgetan. Das habe sich eben so ergeben, über Kontakte zu Menschen, „die drüben gewesen sind und Steine mitgebracht haben.“ Schließlich kamen sie auf Idar-Oberstein in Rheinland-Pfalz, einen zentralen Umschlagplatz für Edelsteine aus aller Welt.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und da kommt auch die Esoterik wieder ins Spiel. Denn auch wenn die Johns selbst nicht an die magischen Kräfte von Edelsteinen glaubten, legten sie doch Flyer aus, auf denen die übernatürlichen Bedeutungen der Steine beschrieben wird: ihre Auswirkungen auf das Gefühlsleben, mutmaßliche Heilkräfte und die Zusammenhänge einzelner Steine mit den Tierkreiszeichen.</p>



<figure class="wp-block-image size-large"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="834" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-1250x834.jpg" alt="" class="wp-image-9433" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-1250x834.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11-1200x800.jpg 1200w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/c_Beate_C._Koehler_Bismarckstrasse_2021-11.jpg 1280w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /><figcaption class="wp-element-caption"><em>Kassiopeia könnte auch ins Geschäft mit Erinnerungen einsteigen, wenn Tee mal aus der Mode kommt.</em></figcaption></figure>



<p class="wp-block-paragraph">Mit dem Infomaterial kamen die Johns dem Interesse ihrer Kundschaft entgegen. Die erzählten beim Einkauf, dieser Stein hier sei für dieses gut, der da für jenes, „&#8230; und da haben wir uns Bücher gekauft, haben das Wissen den Kunden zur Verfügung gestellt.“ Ursula John kommentiert das mit einem Lächeln: „Wir haben immer gesagt, ein Stein tut gut, wenn er dir auch gefällt. Edelsteine sind eben etwas Besonderes.“</p>



<p class="wp-block-paragraph">Mit Vorurteilen oder Ein- wänden gegenüber Tierkreiszeichen und übernatürlichen Heilkräften von Edelsteinen wurde Ursula John in der gesamten Zeit, die Kassiopeia nun besteht, noch nie konfrontiert. „Wenn jemand das nicht glaubt, interessiert er sich gar nicht dafür. Dann kommen die auch nicht zu uns“, erzählt sie lapidar.</p>



<p class="wp-block-paragraph">„Die Kunden finden die Steine schön und sagen: Wenn die mir dann guttun, ist das ja eine schöne Sache.“ Ursula John betont allerdings auch, dass sie nie etwas in esoterischer Richtung aktiv angestoßen habe. „Wir wollten keinen Aberglauben fördern. Wir fanden die Steine auch schön. Es hat uns Spaß gemacht, damit zu arbeiten.“ Freude macht ihr auch der Austausch mit den interessierten Kunden, „die oft auch viel mehr davon wussten als wir“.</p>



<p class="wp-block-paragraph">Und ein bisschen steckt das an, wenn man im Gespräch mit der sympathischen Dame ihr ungewöhnliches Geschäft kennenlernt. Zumindest für den Blick auf diese besondere Sparte Einzelhandel gilt: Die Bismarckstraße hat durchaus ihre bezaubernden Seiten.</p>



<figure class="wp-block-table is-style-stripes"><table class="has-fixed-layout"><tbody><tr><td>Text und Recherche: <br /><em>Lara Nagel, Eileen Stoffers, Katharina Witkabel</em></td><td>Fotos: <br /><em>Beate C. Köhler </em></td></tr></tbody></table></figure>



<figure class="wp-block-image size-full"><a href="https://zeitschrift-der-strasse.de/94-bismarckstrasse/"><img loading="lazy" decoding="async" width="1250" height="833" src="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse.jpg" alt="" class="wp-image-11101" srcset="https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse.jpg 1250w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse-300x200.jpg 300w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse-840x560.jpg 840w, https://zeitschrift-der-strasse.de/wp-content/uploads/2022/02/94-Bismarckstrasse-1200x800.jpg 1200w" sizes="auto, (max-width: 1250px) 100vw, 1250px" /></a></figure>
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