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#33 FALKENSTRASSE

EDITORIAL: DOCH KEIN UNORT

Jeder kennt diese Orte, die merkwürdig kühl wirken, durch die wir nur hindurchfahren, wo wir nicht zu verweilen wünschen; Orte, denen es (scheinbar) an Geschichte und Identität mangelt, an denen die Menschen gruß- und sprachlos aneinander vorübergehen. Der Anthropologe Marc Augé bezeichnet sie als Nicht- oder Unorte.

Viele kennen die Falkenstraße, die kühl wirkt mit ihren breiten Fahrspuren, Parkbuchten und doppelten Straßenbahnschienen; durch die hindurch muss, wer von Findorff in die Altstadt will oder vom Hauptbahnhof nach Walle; wo nach dem Krieg kein Haus mehr stand und heute die Effizienz von Klinker und Beton dominiert. Ein klassischer Unort?

In dem ehemaligen Bundeswehrhochhaus hatte das Kreiswehrersatzamt (was für ein Wort!) seinen Sitz, wo Tausende junger Männer zur Musterung antreten mussten (Seite 12). Heute sind hier Flüchtlinge untergebracht. Auch sie nur auf der Durchreise, aber die Falkenstraße dürfte für sie der Ausgangspunkt eines neuen Lebens in Sicherheit sein. In unserer Fotostrecke stellen wir einige der zugereisten Menschen vor (S. 14).

Den vermeintlichen Unort Falkenstraße kurzerhand zur geliebten Heimat gemacht hat das Ehepaar Annelotte und Rolf Roß. Sie leben seit 47 Jahren in der Brebau-Siedlung, die für sie schon immer ein Ort der Freiheit und Unbeschwertheit war. Und für die nötige Gemütlichkeit sorgen sie und ihre Nachbarn bei sich in ihren Wohnungen und den überraschend grünen Hinterhöfen (S. 8).

Und dann werkelt da noch ein Dutzend junger Leute daran, ein verlassenes Fitnessstudio in eine Wohnung zu verwandeln (S. 20). Sie nennen das Ganze „Zukunft“, was vom Optimismus zeugt, dem man in der Falkenstraße überraschend häufig begegnet.

Viel Vergnügen beim Lesen wünschen Tanja Krämer, Philipp Jarke
und das ganze Team der Zeitschrift der Straße

 

Aus dem Inhalt

08   EINE GRÜNE OASE

Sie wohnen schon ewig hier. Und lieben es

12   VIELE LEBEN

Das Bundeswehrhochhaus hat einiges erlebt. Eine Grafik

14   WILLKOMMEN IN BREMEN

Fotostrecke

20   HOHE ERWARTUNGEN

Ein Gespräch über neue Drogen, Sucht im Alter und legales Kiffen

22   LEBEN

Eine WG zimmert sich ihre ganz eigene „Zukunft“ zurecht

26   DIGITALE KARTOGRAFEN (online lesen)

Neue Karten braucht das Land

30   EIN SCHNACK MIT … ALEXANDER

 

Hintergrundfoto: Holger Prothmann/flickr.com

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