Jahr: 2020

DER HERR DER BIENEN

#79 LUDWIG-ROSELIUS-ALLEE – Marten Carstensen betreut als Imker vier Bienenvölker vor dem Atlantic-Hotel an der Ludwig-Roselius-Allee. Seine Passion für die Arbeit mit und in der Natur bestimmt sein Leben „Imker“ steht gestickt auf der Schirmmütze, die einen Schatten auf Marten Carstensens Gesicht wirft. Darunter zeigt sich ein strahlendes Lächeln. Carstensen hält sich nicht lang mit Small Talk auf, sondern lenkt das Thema unverzüglich auf seine Leidenschaft: das Imkern. Er erklärt fachmännisch, wie die Bienenkästen, sogenannte Beuten, aufgebaut sind, dass Bienen in einem Radius von drei Kilometern nach Nahrung suchen, und erläutert den Unterschied zwischen Honig- und Wildbiene. Zufrieden verschränkt er die Arme vor der Brust und schaut ein bisschen stolz auf die vier Kästen, um die ein reges Summen und Brummen herrscht. Carstensen steht vor dem Atlantic Hotel an der Ludwig-Roselius-Allee, direkt dahinter erstreckt sich die ehemalige Galopprennbahn. Und direkt davor ein kleiner Hotelvorgarten, in dem die vier Bienenkästen zu finden sind. Darin leben zurzeit rund 32.000 Honigbienen – Bienen, um die sich Carstensen kümmert. Vor etwa zwei Jahren nahm die Hotelleitung Kontakt zum Bremer …

#79 LUDWIG-ROSELIUS-ALLEE

EDITORIAL: Diesmal entführen wir Sie weit in den Bremer Osten. In eine Straße, die für Bremer Verhältnisse vergleichsweise jung ist – und in der sich dennoch in den vergangenen Jahren vieles geändert hat. Seit ihrem Bau in den 1960er Jahren stand die Ludwig-Roselius-Allee im Schatten der benachbarten Galopprennbahn. Dort wurde gewettet, gefiebert, gelitten…

DIE BREMER TAFELN IN CORONA-ZEITEN

Während der Kontaktsperre mussten viele Hilfseinrichtungen schließen. Auch die Tafeln in manchen Bundesländern machten wegen der Corona-Pandemie dicht. In Bremen wiederum waren die fünf
Ausgabestellen der Tafel auch während des Lockdowns geöffnet – dank des Einsatzes junger HelferInnen und kreativer Ideen.

#78 CORONA

EDITORIAL: Zurück ins Leben Natürlich ist die Krise noch nicht vorbei. Für uns nicht und für unsere VerkäuferInnen schon gar nicht. Die vergangenen Wochen waren hart für sie. Sie verloren sozialen Halt und einen guten Teil ihrer eh schon kärglichen Einnahmen. Es gab kaum noch KäuferInnen auf der Straße, und auch kaum noch Zeitschriften der Straße. Denn auch wir mussten unser Büro schließen, zum Schutz der VerkäuferInnen und der ehrenamtlichen MitarbeiterInnen. Einzig die StreetworkerInnen blieben, um den Kontakt zu halten und Hefte auszugeben. Nun kehrt das Leben schrittweise zurück, wir können dank vieler toller SpenderInnen – herzlichen Dank! – unsere VerkäuferInnen für ihren Verdienstausfall ein wenig entschädigen. Und es gibt eine neue Ausgabe! Dass sie sich ausschließlich um das Thema Corona dreht, ist nur scheinbar naheliegend.Denn ansonsten widmet sich ja jede unserer Ausgaben einer Straße, einem Platz, einem Ort in Bremen. Und jetzt? Es gibt diesen Ort. In Bremen. Denn im hiesigen Dom wird die Heilige Corona ja schon seit über eintausend Jahren verehrt. Und sie ist, so steht es im Heiligen-Lexikon, durchaus auch für …

HEILIGE CORONA

#78 CORONA – Heiligenstatue im Bremer Dom und Mittelpunkt eines mittelalterlichen Corona-Kultes. Heute allgegenwärtiges Virus, das unser aller Leben verändert hat In Bremen war Corona schon berühmt, lange, sehr lange bevor sie zum Synonym für Quarantäne und Hamsterkäufe mutierte. Sie wurde sogar verehrt. Und zwar gerade hier. Corona lebte im zweiten Jahrhundert nach Christus, in Ägypten oder Syrien, so genau wissen wir das heute nicht mehr. Sie soll, damals 16, bei der Hinrichtung eines gewissen Victor von Siena selbst zum Tode verurteilt worden sein. Corona starb auf schaurige Weise, erzählt die kirchliche Legende, die ja oft eine gewisse Liebe zur Grausamkeit aufweist: Man habe zwei Palmwedel zusammen gebunden und die junge Frau an deren Spitzen gefesselt. Als die Palmen zurückschnellten, wurde Corona zerrissen. In Erinnerung bleibt sie uns als christliche Märtyrerin, als Heilige, natürlich als Jungfrau und mit einem milden, melancholischen Lächeln unter langem Haar. Nach Bremen kam sie dank Erzbischof Adaldag, der im Jahre 965 ihre Reliquien zusammen mit denen von Cosmas und Damian und einigen weiteren Heiligen aus Italien mitbrachte. 1379 wurde ihr …

#77 LEIBNIZPLATZ (digitale Soli-Ausgabe)

EDITORIAL: In Zeiten des Coronavirus Das ist die erste Ausgabe, die nie gedruckt werden wird: Die Zeitschrift der Straße in Bremen hat wegen des Coronavirus ihren Vertrieb eingestellt. Dieses Heft, das am Leibnizplatz in der Neustadt spielt, erscheint deshalb ausschließlich online. Für alle Engagierten ist das eine schmerzliche Erfahrung. Aber der Schutz unseres ehrenamtlichen Vertriebsteams und unserer VerkäuferInnen vor Ansteckung ist eine große Herausforderung, die wir sehr ernst nehmen. Je mehr Menschen sich selbst isolieren, von zu Hause arbeiten, unter Quarantäne stehen und den Kontakt zu Fremden meiden, desto schwieriger wird auch der Straßenverkauf von Zeitschriften. In diesen Wochen und Monaten verzeichnen deshalb alle Straßenmagazine schwere Einbrüche im Absatz. Auch wir werden um unsere Existenz kämpfen müssen. Dabei sind unsere StraßenverkäuferInnen, von denen viele gesundheitlich beeinträchtigt sind, durch das Coronavirus besonders gefährdet. Viele von ihnen sind EU-MigrantInnen und erhalten hierzulande keine Sozialleistungen. Unser Herausgeber, der Verein für Innere Mission, tut weiterhin alles nun Mögliche, um Sozialarbeit zu leisten. Doch es wird schwer, mit unseren VerkäuferInnen über die nächsten Monate überhaupt in Kontakt zu bleiben. Um …

Vertrieb fährt bald wieder hoch

In den letzten Wochen, während unser Vertriebsbüro geschlossen und der Straßenverkauf im Wesentlichen eingestellt war, haben wir auf unsere Spendenkampagne eine tolle Welle der Solidarität erfahren. Es gingen 14.500 Euro an Spenden ein! Wie versprochen, zahlen wir diesem Betrag direkt an unsere StraßenverkäuferInnen aus, um ihnen einen Teil ihrer Verdienstausfälle aus dem Straßenverkauf zu ersetzen. Vorrang haben Menschen ohne Anspruch auf staatliche Leistungen. Die Auszahlungen erfolgen in kleinen Beträgen und werden sich bis Juli hinziehen. Dann bewerten wir die Lage neu und entscheiden, ob wir die Auszahlungen fortsetzen. Das folgende Video dokumentiert den Ablauf. . Allerdings haben unsere anderen Hilfsprojekte durch die „Corona-Auszeit“ gelitten. Die Weiterfinanzierung der Uni der Straße ist unklar. Das Fundraising für ein Lastenfahrrad zur Auslieferung von Zeitschriften konnte nicht beginnen. Und die digitale Solidaritätsausgabe #77 LEIBNIZPLATZ haben wir aus unseren Reserven finanziert. Deshalb halten wir unseren SPENDENAUFRUF aufrecht. Wenn Sie uns weiter können und helfen wollen, spenden Sie bitte an folgende Bankverbindung: Verein für Innere Mission in BremenIBAN: DE 22 2905 0101 0001 0777 00BIC: SBREDE22XXXVerwendungszweck: Zeitschrift der Straße Oder nutzen …

#76 GRÖPELINGER HEERSTRASSE

EDITORIAL: Hingehen und ankommen Gröpelingen: ein Stadtteil im Westen Bremens, den so mancher Bremer wohl noch nie wirklich besucht hat. Wenige Stadtteile bei uns haben einen so schlechten Ruf, wenige wecken so viele Berührungsängste. Dabei hat Gröpelingen viel zu bieten. Man muss nur hinschauen. Und natürlich haben wir das gemacht: Unsere AutorInnen sind ausgeschwärmt entlang der Hauptschlagader Gröpelingens, der Gröpelinger Heerstraße. Knapp drei Kilometer mitten durch den Stadtteil, entlang an türkischen Gemüseläden, Cafés, Altbremer Reihenhäusern und jeder Menge Geschichten. Wir sprachen mit KontaktpolizistInnen über Clankriminalität, Drogenhandel und Gewalt – und darüber, ob der Stadtteil tatsächlich so schlimm ist, wie sein Ruf. (Seite 12). Wir trafen Menschen, die Kindern und Jugendlichen im Atelier Roter Hahn Kunst nahebringen und ihre Kreativität fördern (Seite 24). Und sprachen mit einer Frau, die einst unter psychischen Problemen litt, nun aber als Genesungsbegleiterin Menschen mit ebensolchen Problemen professionell unterstützt (Seite 9) Und wir haben kurz vor seinem Abriss noch einmal das knapp hundertjährige Tram-Depot der Bremer Straßenbahn AG besucht und in Bildern dokumentiert (Seite 16). Außerdem begrüßen wir in dieser Ausgabe …