Alle Artikel in: Ausgabe

#60 SCHLOSSPARK

EDITORIAL: Frau Oetgen und Herr Jaß Wir sind stolz. Und etwas traurig! Denn wir erinnern uns an viele wunderbare Texte von Jördis Früchtenicht, Eva Przybyla und Björn Struß. Aber irgendwann ist so ein Studium eben zu Ende. Und die Zeitschrift der Straße ist ein Lernprojekt, da muss man seine Leute eben ziehen lassen. Also freuen wir uns sehr, dass sie nun Karriere machen und sich in der großen Konkurrenz um ein Volontariat beim Weser-Kurier beziehungsweise den Kieler Nachrichten durchgesetzt haben. Wir hätten sie auch eingestellt! Wir gewöhnen uns bereits an die Zeit danach: In diesem Heft sind sie nicht dabei, alle drei nicht. Dafür waren wir mit anderen hoffnungsvollen AutorInnen in Sebaldsbrück unterwegs, rund um den Schlosspark. Wir haben gleich zwei leer stehende Schulen besucht (Seite 24) und eine der ältesten Bewohnerinnen des Stadtteils: Die heute 93-jährige Frau Oetgen kam einst als junge Braut hierher, in eine Genossenschaftssiedlung (Seite 8). Wir waren in einer Villa für besondere Menschen (Seite 12), in einem Hundesalon (Seite 16) und bei Leuten, die Angst haben, dass bei ihnen eingebrochen …

#59 LINDENHOF

EDITORIAL: Von Bärten und Büchern Nein, sagt die Studentin, in Walle sei sie noch nie gewesen. Dabei komme sie ja aus Bremen! Aber was ist dann erst mit Gröpelingen? Das ist ja noch viel weiter draußen, schon fast Bremen-Nord, und kurz vor diesem Bremerhaven. Für viele BremerInnen ist das eben immer noch sehr weit weg, in jeder Hinsicht. Und anderswo ist der Stadtteil noch als das bekannt, was man früher einen „sozialen Brennpunkt“ nannte. Weil das aber zu sehr nach Drogen und Gewalt klingt, heißt das heutzutage „Quartier mit besonderem Entwicklungsbedarf“. Um jener Welt einmal näherzukommen, waren wir jetzt also in der Lindenhofstraße, da, von wo aus man früher zu „Use Akschen“ ging. Dort fanden wir eine innovative Bibliothek, die immer weniger mit Büchern zu tun hat und gerade darum so gut ist (Seite 8). Wir haben uns den Bart stutzen lassen, um bei der Gelegenheit mit den Menschen ins Gespräch zu kommen (Seite 20), und einen alten Stuhl in die Recycling-Börse gebracht, um die Wegwerfgesellschaft mal aus einer anderen Warte zu betrachten (Seite 12). …

#58 FEDELHÖREN

EDITORIAL: Zwei Teile, eine Straße Was die Weser für Bremen, ist der Rembertiring für den Fedelhören: Er teilt die unaufdringlich schöne Straße in zwei Hälften – wir haben sie beide besucht. In der südwestlichen geht es recht mondän zu, hier findet man einen Hotspot des Antiquitäten- und Kunsthandels. Unser Autor Björn Struß hat bei der Gelegenheit probiert, etwas Geld zu verdienen (Seite 8). „Klaviere Backhaus“ hatten wir einen letzten Besuch abgestattet, bevor das Traditionshaus nach fast vier Jahrzehnten dicht gemacht hat (Seite 14). Im nordöstlichen Teil des Fedelhören, wo es ruhiger zugeht, kommen auch Menschen mit ganz wenig Geld auf ihre Kosten: in der Teestube Hoppenbank (Seite 26). Wer will, kann sich aber auch mit Leib und Seele nach Italien entführen lassen (Seite 12). Und dann möchten wir noch kurz Werbung in eigener Sache machen: Seit vier Wochen läuft das Sommersemester der Uni der Straße. Das Schwerpunktthema ist dieses Mal Wasser, mit Vorträgen zu Trinkwasser und Küstenschutz sowie einer Exkursion zum Weserkraftwerk. Das gesamte Programm finden Sie im Netz unter http://uni-der-strasse.de/programm. Einige werden es bemerkt …

#57 SCHWEIZER VIERTEL

EDITORIAL: BESSER ALS IHR RUF Was haben sich die Planer wohl dabei gedacht, als sie dem damaligen Neubauviertel im Bremer Osten so viele Schweizer Straßennamen verpassten? 25 sind es, wenn wir uns nicht verzählt haben. Aber warum nur? Die Gegend ist flach wie sonst auch in der Norddeutschen Tiefeebene, und statt des Rufs der Berge vernimmt man das Rauschen der Autobahn. Was den Wohlstand angeht, ist das Quartier auch eher eine Anti-Schweiz: Jeder vierte Einwohner bezieht Hartz IV, von den Kindern sogar jedes zweite. Das Schweizer Viertel galt lang als sozialer Brennpunkt, nicht umsonst hat es von der Stadt einen Quartiersmanager an die Seite gestellt bekommen. Seither sind nicht alle Probleme verschwunden, aber wir haben bei unseren Recherchen viele Menschen kennengelernt, die für ihr Viertel brennen und es voranbringen wollen. Die Lehrerinnen und Lehrer an der Albert-Einstein-Oberschule beispielsweise, die es schaffen, ihren Jugendlichen die Prinzipien der Demokratie zu vermitteln, obwohl manche kaum auf liniertem Papier schreiben können (Seite 20). Oder Christa Brämsmann, die in Tenever ein Mütterzentrum aufgebaut hat, das Frauen fördert und mittlerweile 75 …

#56 GÜTERBAHNHOF

EDITORIAL: VON BAHNEN UND BURGEN Wenn Sie schon einmal mit dem Zug nach Bremen gefahren sind, sagen wir, aus Oldenburg, haben Sie sie bestimmt auch schon mal gesehen. Die Obdachlosen, die am alten Bahnsteig des Güterbahnhofs wohnen. Und sich gefragt, wer diese Menschen wohl sind und warum sie ausgerechnet hier wohnen. Wir haben sie besucht und ein paar von ihnen näher kennengelernt, vor allem Wolle, der Ihnen schon auf dem Titelbild begegnet ist. Alles Weitere lesen Sie dann ab Seite 8. Früher wäre einer wie Wolle noch nebenan im Papageienhaus untergekommen, aber das steht ja jetzt auch schon gut zwei Jahre leer – seit man, nicht zu Unrecht, von der zentralen Unterbringung von suchtkranken und wohnungslosen Menschen abgekommen ist. Was aus dem Haus jetzt wird? Rote und Grüne haben da verschiedene, widerstreitende Ideen (Seite 24). Eine von ihnen hat mit KünstlerInnen zu tun, naheliegenderweise, denn davon gibt es hier am Güterbahnhof ja eine ganze Menge. Meistens arbeiten sie hier im Verborgenen, in ihren Ateliers, aber ein paar von ihnen durften wir dort besuchen (Seite 14). …

#55 PAPPELSTRASSE

EDITORIAL: VON SPIELERN UND BUNKERN Wir stellen uns ja sonst nicht so gerne in den Mittelpunkt, aber jetzt müssen wir es doch ganz schnell loswerden: Wir haben Geburtstag! Im Februar 2011 erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift der Straße. In der Zwischenzeit wären wir gleich zweimal fast am Ende gewesen, sind nun mit sieben Jahren aber aus dem Gröbsten raus. Und so haben wir auch schon ein Geschenk bekommen: einen Preis, der uns ganz offiziell zu „Alltagshelden“ ernannte. Was es damit genau auf sich hat, lesen Sie ab Seite 28. Nun wollen wir aber wieder über andere reden! Von den ChinesInnen etwa, die sich in Sichtweite der Pappelstraße treffen, in der Po Shin Tao Teh Association. Sie haben uns zum Essen eingeladen und in das Innere ihres Tempels vorgelassen, wovon wir ab Seite 24 berichten. Ebenfalls lieber fernab der Öffentlichkeit agieren die SpielerInnen, die in den diversen, hier beheimateten Spielotheken ihr Glück suchen. Bei der mühsamen Recherche gerieten wir am Ende auch selbst in Versuchung: Seite 8. Natürlich ist uns auch nicht entgangen, was sich …

#54 LINIE 1

EDITORIAL: IN BETTEN UND KIRCHEN Manchmal geben wir unser Heft aus der Hand – und dann passiert so was: Die Zeitschrift der Straße fährt mit der Straßenbahn durch die Stadt. Aus Huchting über die Neustadt rein ins Zentrum, von dort durch Schwachhausen in die Vahr, raus nach Tenever und von dort weiter bis zum Mahndorfer Bahnhof, wo Bremen schließlich wieder zu Ende ist. Die Idee dazu kommt von Benjamin Eichler, der sich schon länger für die Zeitschrift der Straße engagiert als die beiden Redaktionsleiter. Und weil der Immer-noch-Student vor allem ein Fotograf ist, hat diese – seine – Ausgabe auch viel mehr Fotos, als Sie das sonst von unserem Magazin gewohnt sind. Dafür können Sie mit ihm zusammen in anderer Leute Betten gucken, gleich morgens um acht (Seite 8). Und warten! Nein, vielmehr: diesen ja eher ungeliebten Zustand erkunden und ein paar Menschen treffen, die an den Haltestellen der Linie 1 stehen, bis die Tram kommt (Seite 10). Die wenigsten von ihnen wollen in die Kirche, dabei bietet sich genau das eigentlich an: Entlang der …

#53 DOM

EDITORIAL: VON AUFKLÄRUNG UND WIDERSTAND So recht kann er sich nicht mehr erinnern, wann er zuletzt im Dom war – zum Beten jedenfalls ist Horst Isola nicht gekommen, er hat es nicht so mit dem lieben Gott. Für uns war der SPD-Politiker dann aber doch mal wieder drin, nach einem langen Gespräch über die Trennung von Staat und Kirche (Seite 20). Er hat dazu eine klare Haltung, aber eine, die auch in den eigenen Reihen eher unpopulär ist. Überhaupt haben wir mit vielen Menschen in der ganzen Stadt über den Dom gesprochen, und ihn aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet, wie schon auf dem Titel zu sehen ist; weiter geht es auf Seite 14. Gleich neben dem Dom, im Bibelgarten, sind im Sommer neuerdings Bienenvölker zu Gast. Ob das geht, so mitten in der Stadt, und ob das mehr ist als nur ein Trend, den man heutzutage „urban beekeeping“ nennt, haben wir zum Ende der Saison den Imker Heiner Lenz gefragt (Seite 12). Und wenn Sie schon mal an einem Montag vor dem Dom standen, am frühen …

#52 NELSON MANDELA PARK

EDITORIAL: EIN ELEFANT WIRD ERKUNDET Irgendwas mit Kolonialismus in Bremen sollten wir machen, haben sie uns an der Uni Bremen gesagt, denn: Das war ihr Schwerpunkt in den Kulturwissenschaften, in diesem Sommersemester. Nun, da gibt es viele Orte in Bremen, die einem einfallen, wenn es um die „Dekolonisierung der Stadt“ geht (so hieß das wissenschaft­soffiziell). Aber eigentlich ist es nur einer, der wirklich heraussticht: der Elefant im Nelson-Mandela-Park hinter dem Hauptbahnhof. Also haben wir uns erst mal einen ganzen Tag lang da herumgedrückt, um zu sehen, was so passiert (Seite 8). Haben die Leute überhaupt eine Ahnung, was es mit dem riesigen Viech auf sich hat? Nicht unbedingt, wie auch unser Besuch im Hermann-Böse-Gymnasium zeigt, wo man dem einstigen „Reichskolonial­ehrendenkmal“ zwar ganz nahe, dann aber doch weit weg ist (Seite 18). Das zeigt auch ein Gespräch, das wir mit Gudrun Eickelberg geführt haben, die sich seit Jahren schon um den Elefanten kümmert (Seite 16). Dabei wird ganz in der Nähe neuerdings rege geforscht und in der eigenen Vergangenheit gewühlt (Seite 12). Andererseits finden auch wir, …

#51 WALLER PARK

EDITORIAL: EIN HEFT VON DER UNI Dieses Heft ist ein klein wenig anders als unsere gewöhnlichen Ausgaben: Es ist das Ergebnis eines Schreibworkshops an der Universität Bremen. Angeleitet durch die Redaktionsleiter der Zeitschrift der Straße, erarbeiteten sich Studierende der Kulturwissenschaften und anderer Fachrichtungen die Grundlagen journalistischer Arbeit, um dann rund um den Waller Park nach Themen, interessanten Personen und Geschichten zu suchen. Dominant in der Gegend ist der Friedhof, nicht nur wegen seiner Größe, sondern auch durch die rundherum ansässigen Gewerbetreibenden: Blumenhändler, Gärtner, Bestatter, dazu viele Steinmetze. Einen von ihnen haben wir in seiner Werkstatt besucht und erfahren, warum man für Grabsteine durchaus eine Leidenschaft entwickeln kann (Seite 28). Auf dem Friedhof trafen wir Heinz Räck, der hier seit 40 Jahren den Rasen, die Bäume und all das andere Grün zwischen den Gräbern pflegt (Seite 12). Gleich vor dem Friedhofstor steht die Kulturwerkstatt Westend. Vor 25 Jahren für die Arbeiterschicht gegründet, treffen sich hier heutzutage kunstinteressierte Menschen aller Couleur (Seite 18). Dort arbeitet auch Windy Jacob, ein Radiomoderator alter Schule mit vielen Geheimnissen (Seite 14). …