Corona

Heilige Corona

#78 CORONA – Heiligenstatue im Bremer Dom und Mittelpunkt eines mittelalterlichen Corona-Kultes. Heute allgegenwärtiges Virus, das unser aller Leben verändert hat

In Bremen war Corona schon berühmt, lange, sehr lange bevor sie zum Synonym für Quarantäne und Hamsterkäufe mutierte. Sie wurde sogar verehrt. Und zwar gerade hier.

Corona lebte im zweiten Jahrhundert nach Christus, in Ägypten oder Syrien, so genau wissen wir das heute nicht mehr. Sie soll, damals 16, bei der Hinrichtung eines gewissen Victor von Siena selbst zum Tode verurteilt worden sein. Corona starb auf schaurige Weise, erzählt die kirchliche Legende, die ja oft eine gewisse Liebe zur Grausamkeit aufweist: Man habe zwei Palmwedel zusammen gebunden und die junge Frau an deren Spitzen gefesselt. Als die Palmen zurückschnellten, wurde Corona zerrissen. In Erinnerung bleibt sie uns als christliche Märtyrerin, als Heilige, natürlich als Jungfrau und mit einem milden, melancholischen Lächeln unter langem Haar.

Nach Bremen kam sie dank Erzbischof Adaldag, der im Jahre 965 ihre Reliquien zusammen mit denen von Cosmas und Damian und einigen weiteren Heiligen aus Italien mitbrachte. 1379 wurde ihr im Dom sogar ein Altar eingerichtet, die Reliquie befand sich in der südlichen Mauer des Ostchors. Von Bürgermeister und Domherr Johann Hemeling ist die Beschreibung einer Prozession zu den Dom-Heiligtümern erhalten, die 1395 stattfand – darin ist auch von dem „noch unversehrten Leichnam der Heiligen Jungfrau Corona“ die Rede. Ob es wirklich ihr „ganzer Leichnam“ war, wie es in der Überlieferung heißt? Das könne auch eine Übertreibung sein, sagt Henrike Weyh, Kustodin im Dom-Museum. Sicher ist nur, dass diese Reliquien seit der Reformation verschollen sind. Geblieben ist eine Statue in der Westempore des Doms und eine im Chorgestühl. Früher jedoch gab es noch mehr Abbildungen der Heiligen Corona; eine ist später nach München, eine andere mittlerweile ins Focke-Museum (Foto oben, von links: Hl. Paulus, Maria mit dem Kind, Hl. Petrus, Hl. Corona) umgezogen.

Das mittelalterliche Bremen gilt als Zentrum der Corona-Verehrung. Die Stadt wurde, dank ihrer Reliquien, einst zu einem gut frequentierten Wallfahrtsziel. Coronas (und auch des heiligen Victors) Festtag ist übrigens der 14. Mai. Sie wird bei Zweifeln an der Standhaftigkeit im Glauben angerufen und ist Patronin der Schatzgräber und Fleischer. Man kann sie zudem in Geldangelegenheiten anbeten. In Zauberbüchern aus dem 17. und 18. Jahrhundert finden sich denn auch Corona-Gebete, die den Gläubigen Reichtümer versprachen. In Österreich ist sogar ein Örtchen am Wechsel nach ihr benannt. Und dort jedenfalls ist die Heilige auch für die Abwehr von Seuchen bei Mensch und Viehzeug zuständig.

Test: Tanja Krämer & Jan Zier
Foto: Jürgen Howaldt/Wikipedia (CC BY-SA 3.0 DE)