Ausgabe

#57 SCHWEIZER VIERTEL

EDITORIAL: BESSER ALS IHR RUF

Was haben sich die Planer wohl dabei gedacht, als sie dem damaligen Neubauviertel im Bremer Osten so viele Schweizer Straßennamen verpassten? 25 sind es, wenn wir uns nicht verzählt haben. Aber warum nur? Die Gegend ist flach wie sonst auch in der Norddeutschen Tiefeebene, und statt des Rufs der Berge vernimmt man das Rauschen der Autobahn. Was den Wohlstand
angeht, ist das Quartier auch eher eine Anti-Schweiz: Jeder vierte Einwohner bezieht Hartz IV, von den Kindern sogar jedes zweite.

Das Schweizer Viertel galt lang als sozialer Brennpunkt, nicht umsonst hat es von der Stadt einen Quartiersmanager an die Seite gestellt bekommen. Seither sind nicht alle Probleme verschwunden, aber wir haben bei unseren Recherchen viele Menschen kennengelernt, die für ihr Viertel brennen und es voranbringen wollen. Die Lehrerinnen und Lehrer an der Albert-Einstein-Oberschule beispielsweise, die es schaffen, ihren Jugendlichen die Prinzipien der Demokratie zu vermitteln, obwohl manche kaum auf liniertem Papier schreiben können (Seite 20).

Oder Christa Brämsmann, die in Tenever ein Mütterzentrum aufgebaut hat, das Frauen fördert und mittlerweile 75 Angestellte hat. (Seite 12). Mirko Eggers und Yannick Rath sorgen für Gerechtigkeit auf Bremens Fußballplätzen – warum sie gern Schiedsrichter sind, erzählen sie auf Seite 24. Wie aus Ozan Keskin, der mit drei Jahren aus der Türkei nach Bremen gekommen war, ein Tubist wurde, ist eine längere Geschichte, aber dafür eine großartige. Die Bremer Kammerphilharmoniker und die Gesamtschule Bremen-Ost spielen darin eine tragende Rolle (Seite 8).

Viel Vergnügen beim Lesen wünschen Philipp Jarke, Jan Zier
und das ganze Team der Zeitschrift der Straße

 

Aus dem Inhalt:

08    Jenseits des Rampenlichts

Wie die Gesamtschule Bremen-Ost aus Ozan Keskin einen Tubisten machte

12    Mit Leib und Seele

Christa Brämsmann vom Mütterzentrum Tenever: ein Interview

20    Wahrheit und Schönschreiben

Besuch in einer Oberschule, wo sie in Klassenräten Demokratie lernen

24    90 Minuten Chef

Ein Versuch zu verstehen,warum man Schiedsrichter wird

26    Little Poland

Ein Lebensmittelgeschäft versorgt polnischstämmige Bremer mit Kulinarischem aus der Heimat

14    Ein Tag im Café

Bildstrecke

 

28    Sandra und Angela (online lesen)

Sie lernten sich in der Notunterkunft kennen und wurden Freundinnen

 

Hintergrundfoto: André Hofmeister/flickr.com