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AB HEUTE NICHT MEHR UNSICHTBAR

#64 UNTER DER STRASSE – StudentInnen der Hochschule Bremerhaven haben einen Kurzfilm für die Zeitschrift der Straße gedreht, der auf besondere Weise die Nöte obdachloser Menschen zeigt

 

Ein einsamer Held zieht durch eine zerstörte Stadt, ohne klares Ziel vor Augen, konfrontiert mit Brutalität und menschlicher Kälte, die diese Dystopie mit sich bringt. So beginnt der erste Kurzfilm der Zeitschrift der Straße. Im Mittelpunkt ein Mann, der alles, was er vor einiger Zeit noch als selbstverständlich ansah, verloren hat und nun um das bloße Überleben kämpft. Dabei steht er vor Fragen, die das Leben auf der Straße ihm Tag für Tag aus Neue stellt: Woher bekomme ich etwas zu essen? Wo kann ich schlafen? Wem kann ich überhaupt noch vertrauen?

In einer Welt, in der alles zerstört wurde, ist der Mann im Film auf sich allein gestellt. Er streift umher, besorgt sich Nahrung und beobachtet die Kämpfe der anderen. Doch wer dieser einsame Held, gespielt von Michael Meyer, denn eigentlich ist, bleibt zunächst ungeklärt. Ist er tatsächlich ein Held? „Wie weit würdest du gehen?“, fragt eine Stimme aus dem Off am Ende des ersten Filmabschnitts und lässt das Publikum aufhorchen, bevor die Perspektive wechselt und der Held sein wahres Ich offenbart.

Den Film können Sie auf www.zeitschrift-der-strasse.de sehen. Um ihn zu teilen, verwenden Sie am besten die Adresse https://vimeo.com/303867602, wo der Film ebenfalls zu sehen ist. Zur Produktion dieses Kurzfilms hat sich die Zeitschrift der Straße mit dem Studiengang Digitale Medienproduktion (DMP) der Hochschule Bremerhaven zusammengetan. Fünf Studentinnen und Studenten (Darlien Schürmann, Sebastian Mannchen, Leroy Bentley, Felix Schulke und Lennard Schmidt) haben sich unter der Aufsicht von Professor Holger Rada über ein halbes Jahr mit dem Storytelling, der Produktion, dem Schnitt und der 3D-Animation beschäftigt. Gedreht wurde in Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven. Mit einem Budget in vierstelliger Höhe konnte das Team nicht nur einen professionellen Schauspieler als Protagonisten engagieren, sondern auch hochwertiges Equipment und Requisiten leihen.

Das Thema Obdachlosigkeit auf überraschende Weise und ohne erhobenen Zeigefinger darzustellen, war der Knackpunkt im Produktionsprozess. „Sich in die Situation eines Obdachlosen hineinzuversetzen, das war schon eine Herausforderung bei der Entstehung des Films“, sagt Lennard Schmidt. „Wir wollen, dass Straßenverkäufer und Obdachlose als Menschen wahrgenommen werden – sie aus ihrer Unsichtbarkeit holen.“

Das studentische Marketingteam der Zeitschrift der Straße hat gemeinsam mit der Grafikdesignerin Ann-Kristin Hitzemann Flyer, Postkarten und Sticker entwickelt, die die Botschaft des Films auch außerhalb des Internets sichtbar machen sollen: „Ab heute nicht mehr unsichtbar.“ Sie werden nun bald in Bremen und Bremerhaven zu finden sein. Also, halten Sie die Augen offen!

Text: Corinne Kleber
Foto: Studiengang Digitale Medienproduktion (Hochschule Bremerhaven)