Titelfoto: Torsten Schmidt / Hintergrundfoto: Wolfgang Everding
EDITORIAL: Wie der Phönix aus den Cornflakes
Liebe Leser:innen,
selbstverständlich ist jede Ausgabe der Zeitschrift der Straße neu und besonders. Dafür sind unsere Redakteur:innen ja schließlich die ganze Zeit in der Stadt unterwegs. Und trotzdem ist diese 134. Ausgabe vielleicht noch etwas besonderer – und hat auch mit ein paar mehr Neuerungen zu tun als üblich. Da wäre erst einmal unser Geburtstag: 15 Jahre ist es her, dass im Februar 2011 unsere erste Ausgabe über den Sielwall erschienen ist. Wir freuen uns sehr, dass Sie uns so lange treu geblieben sind!
Neu ist dann gewissermaßen unsere aktuelle Straße. Denn auch wenn Auf der Muggenburg bereits in den 1940er-Jahren angelegt wurde, hat das Quartier um das ehemalige Kellogg’s-Areal kaum noch etwas mit damals zu tun. Das spiegelt sich auch in unseren Geschichten wider: ob wir uns etwa mit dem neuartigen Energiekonzept des Gebiets beschäftigt haben (Seite 12), der anhaltenden Bautätigkeit (Seite 16) oder der Gemüsewerft, die sich mitten in der Stadt mit nachhaltiger und urbaner Landwirtschaft beschäftigt (Seite 8). Wir waren selbst überrascht, wie umtriebig es auf der Überseeinsel zugeht, und hoffen, dass es Ihnen beim Lesen genauso geht.
Die nächste große Neuerung haben Sie bereits beim Kauf bemerkt: Eine Zeitschrift der Straße kostet künftig 3,40 Euro. Außerdem werden in diesem Jahr nur sechs Ausgaben erscheinen. Die Gründe für diese Sparmaßnahmen sind vielfältig: Inflation und steigende Druckkosten machen uns zu schaffen, während gleichzeitig auch die Lebenserhaltungskosten unserer Verkäufer:innen immer höher werden. Und so können wir gleich zum zweiten Mal in diesem Vorwort sagen: Danke, dass Sie uns treu geblieben sind!
Nun wünschen wir Ihnen wie immer eine unterhaltsame und spannende Lektüre.
Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann
und das Team der Zeitschrift der Straße

Aus dem Inhalt (mit Leseproben):

„WAS STADTWIRTSCHAFT IST, WEISS NOCH NIEMAND“
Ein Besuch beim Gartenbauprojekt Gemüsewerft
Reportage
Text: Andrea Schweers / Fotos: Wolfgang Everding
An der Muggenburg wird nicht nur gebohrt und gebaggert, sondern seit Langem auch geackert und gepflanzt. Wir wollten sehen, wie sich das Gartenbauprojekt Gemüsewerft am Rande der gigantischen Großbaustelle des Stephaniviertels behauptet
Trotz des typischen Bremer Wetters mit Frühnebel und Nieselregen sind erstaunlich viele Radfahrer:innen am Weserufer in Richtung Walle unterwegs. Sie geraten ein bisschen ins Schnaufen, wenn es am Ende der Promenade die Rampe zum früheren Kellogg’s-Glände bergangeht. Am ehemaligen Pförtnerhaus „Tor 2“ werden sie dann unvermittelt gestoppt. „Radfahrer absteigen“, fordert seit Kurzem ein Schild. Also heißt es: schieben und sich durchschlängeln zwischen Absperrgittern und Bauzäunen, rechts und links die Pflanzkästen der Gemüsewerft, direkt daneben, fast bedrohlich nah: die riesige Baugrube, aus der auf der Überseeinsel ein ganzer neuer Stadtteil in die Höhe wächst. (…)

„PIROUETTEN FÜR DIE WÄRMEWENDE“
Ein neuartiges Energiekonzept für ein neuartiges Quartier
Reportage
Interview: Lisa Schwarzien / Fotos: Wolfgang Everding
An der Muggenburg wird nicht nur gebohrt und gebaggert, sondern seit Langem auch geackert und gepflanzt. Wir wollten sehen, wie sich das Gartenbauprojekt Gemüsewerft am Rande der gigantischen Großbaustelle des Stephaniviertels behauptet
„Ich hoffe, Sie haben gute Schuhe an“, sagt Elina Aksionava und steigt über eine Pfütze. Typisches Bremer Schietwetter an diesem Novembernachmittag. Gemeinsame mit der Sprecherin der Stadt. Energie.Speicher GmbH sind wir auf dem Kellogg’s-Areal verabredet. Sie gibt uns heute eine Exklusivführung über die Baustelle eines der größten Quartiersentwicklungsprojekte Europas. Besonders neugierig sind wir auf das nachhaltige Energiekonzept, das seit Mai 2025 in Betrieb ist. Mit einem Ingenieurteam aus Bremen und Hamburg sowie Partnerfirmen habe ihre Firma es in nur vier Jahren geplant und umgesetzt, erzählt uns Elina Aksionava. (…)

ES GEHT VORAN
Bildstrecke
Fotos: Wolfgang Everding
Mag sein, dass Quartiere am Reißbrett entstehen.
Real werden sie dann allerdings erst im Schutt

EIN HAUS FÜR KUNST UND MEHR
In den Ateliers und Werkstätten von „Kolleggs“ trifft Kunst auf Gewerbe
Arbeitsräume
Text: Ulrike Plappert / Fotos: Torsten Schmidt
In den Ateliers und Werkstätten von „Kolleggs“ trifft Kunst auf Handwerk, auf Wissenschaft, auf … jede Menge Kreativität
Kunst ist, wenn … das mal so klar wäre. Ob wir bei Kolleggs Atelier und Werkstätten e. V. eine Antwort finden? „Kolleggs“ ist kein Tippfehler, sondern der Name des Anfang 2025 gegründeten Vereins im Haus Nr. 19 an der Stephanikirchenweide, wo einst das Kellogg’s-Areal endete. Häufig wird es als Künstlerhaus bezeichnet. Dass dies etwas irreführend ist, zeigt sich beim Rundgang mit dem Vereinsvorsitzenden André Sassenroth. Unter dem gewaltigen Dach arbeiten 150 Menschen aus verschiedensten Gewerken und künstlerischen Bereichen in ungefähr fünfundsiebzig Räumen. Kunst ist hier zwar sehr präsent, aber eben auch längst nicht alles. (…)
DIE GROSSE PAUSE
Eine Schule kämpft um ihren Schulhof
Bildung
Text: Friederike Quander
Der Platz ist knapp: Die Schule Überseestadt kämpft um einen richtigen Schulhof
Sie versuchen, sich den Ort anzueignen: Bunt bemalte Bretter vertreiben das trostlose Grau. Die fehlenden Bäume und Büsche werden durch Hochbeete wettgemacht, die von der Garten-AG gepflegt werden. Die weißen Spielfeldmarkierungen auf dem Boden vor dem Basketballkorb an der rückseitigen Hauswand wurden von den Schülerinnen und Schülern selbst gezogen. (…)

BALI AN DER WESER
Hotel trifft auf Industrie
Gastgewerbe
Text: Nora Elbrechtz / Foto: Beate C. Koehler
Ein neues Hotel trifft auf die Überreste alter Industrieanlagen: Bei „John & Will“ lässt sich im Silo wohnen, was allerdings deutlich gemütlicher ist, als es im ersten Moment klingt
Bei dem Wort „Silo“ tauchen unwillkürlich Bilder von Betonklötzen oder Metallmonstren vor dem geistigen Auge auf. Begriffe wie „stilvoll“ oder „gemütlich“ kommen einem eher nicht in den Sinn. Dass beides dennoch zusammenpassen kann, zeigt sich auf der Bremer Überseeinsel. Hier, im ehemaligen Kellogg’s-Silo, eröffnete die dänische Hotelkette Guldsmeden 2024 ihr zweites Hotel in Deutschland. Benannt ist es nach den Vornamen der Cornflakes-Erfinder John Harvey und Will Keith Kellogg. Hier also, im „John & Will“, kommt nun einiges zusammen: die Cornflakes, der Beton – und Bali. Eröffnet im August 2024, bietet das Haus in dem ehemaligen Industriebau 117 nachhaltig gestaltete Zimmer unterschiedlicher Größe sowie Tagungsräume für verschiedene Anlässe. (…)

„MIT MENSCHEN ZU REDEN IST MIR SEHR WICHTIG“
Unser Verkäufer Heinz Franz stellt sich vor
Porträt
Text: Ulrike Plappert / Foto: Norbert Schmacke
Heinz Franz trifft man meist hinter dem Bahnhof. Hier verkauft er die Zeitschrift der Straße und beobachtet, wie sich die Stimmung in der Stadt verändert
Ich lebe hinterm Bahnhof, Ausgang Bürgerweide, und schlafe an verschiedenen Orten. Einfach frei. Bei Regen stelle ich mich unter. Man kann auch von nachts um zwölf bis morgens um sechs im Bahnhof schlafen. Dann wird man aber deutlich aufgefordert, zu gehen. Auch bei der Winterkälte: Raus! Der Wärmeraum im Bahnhof geht nicht, wir sind keine Fahrgäste – also raus. Aufwärmen kann man sich bis Mittag im Tivoli. Es gibt noch einen Raum in der Nähe, der vormittags aufmacht. Da gibt’s zu essen, du kannst dich unterhalten, schlafen gehen.
Ab dem 2. Februar 2026 bei unseren Verkaufspersonen auf Bremens und Bremerhavens Straßen erhältlich!
Die Verkaufspersonen der Zeitschrift der Straße haben fest zugewiesene Verkaufsplätze. An diesen Standorten können Sie unsere Verkaufenden antreffen:
Sollten Sie wider Erwarten keine Verkaufsperson antreffen, können Sie Ausgaben in Ausnahmefällen online per Einzelbestellung erwerben. Die aktuellste Ausgabe ist jedoch nur auf der Straße zu erwerben.
Für alle Auswärtigen sowie für Bremer Vereine, öffentliche Einrichtungen, Kneipen, Cafés, Hotels, Arztpraxen, Frisiersalons, Anwaltskanzleien etc. gibt es die Zeitschrift der Straße übrigens auch im Abo.

