Alle Artikel in: Ausgabe

Vogel auf Drahtseil mit mehreren sitzenden Vögeln, darunter ein fliegender Vogel, vor bewölktem Himmel.

#33 Falkenstrasse

Hintergrundfoto: Holger Prothmann/flickr.com EDITORIAL: Doch kein Unort Jeder kennt diese Orte, die merkwürdig kühl wirken, durch die wir nur hindurchfahren, wo wir nicht zu verweilen wünschen; Orte, denen es (scheinbar) an Geschichte und Identität mangelt, an denen die Menschen gruß- und sprachlos aneinander vorübergehen. Der Anthropologe Marc Augé bezeichnet sie als Nicht- oder Unorte. Viele kennen die Falkenstraße, die kühl wirkt mit ihren breiten Fahrspuren, Parkbuchten und doppelten Straßenbahnschienen; durch die hindurch muss, wer von Findorff in die Altstadt will oder vom Hauptbahnhof nach Walle; wo nach dem Krieg kein Haus mehr stand und heute die Effizienz von Klinker und Beton dominiert. Ein klassischer Unort? In dem ehemaligen Bundeswehrhochhaus hatte das Kreiswehrersatzamt (was für ein Wort!) seinen Sitz, wo Tausende junger Männer zur Musterung antreten mussten (Seite 12). Heute sind hier Flüchtlinge untergebracht. Auch sie nur auf der Durchreise, aber die Falkenstraße dürfte für sie der Ausgangspunkt eines neuen Lebens in Sicherheit sein. In unserer Fotostrecke stellen wir einige der zugereisten Menschen vor (S. 14). Den vermeintlichen Unort Falkenstraße kurzerhand zur geliebten Heimat gemacht hat …

Titelseite der Zeitschrift der Straße mit Foto eines Autos vor einem Haus, Text 'GETE VIERTEL' und weiteren Artikeltiteln, daneben nasse Kopfsteinpflasterstraße in Schwarz-weiß.

#32 Geteviertel

Hintergrundfoto: Mirza Aiz Baig/flickr.com EDITORIAL: Hinter den Türen Wer mal Gäste hat, die nicht wissen, was ein Altbremer Haus ist, sollte mit ihnen einen Spaziergang durchs Geteviertel machen. In ganzen Straßenzügen steht dort nichts anderes als diese prächtigen Altbauten. Sehr schön, aber ein Problem für die Recherche dieser Ausgabe: Geschichten liegen hier nicht einfach auf der Straße. Das Leben im Geteviertel spielt sich eher in seinen schönen Wohnhäusern ab. Unsere Autorinnen – in diesem Heft zufälligerweise ausschließlich Frauen – mussten also etwas Geduld aufbringen und genau hinsehen, um interessante Themen zu entdecken. Wir finden, es ist ihnen gelungen: In einer Schrebergartenkolonie knüpft ein Gastronom, der eigentlich eine Szenebar im Steintorviertel aufmachen wollte, Freundschaften mit der größtenteils älteren Stammkundschaft. Es geht weniger um Sehen und Gesehenwerden, dafür oft um Männerthemen (S. 20). Im Geburtshaus Schwachhausen kämpfen Hebammen um ihre Existenz. Durch rasant steigende Versicherungsbeiträge können sie es sich kaum noch leisten, Kindern ans Licht der Welt zu verhelfen (S. 12). Finanzielle Probleme kennt man bei den Freimaurern an der Kurfürstenallee, wo sich zwei Logenhäuser direkt gegenüberstehen, …

Titelblatt der Zeitschrift der Straße mit dem Schriftzug 'Wester Deich' und einem unscharfen Porträt einer Person, daneben ein Fluss mit Industrieanlagen und Gebäuden am Ufer unter bewölktem Himmel.

#31 Westerdeich

Hintergrundfoto: Antonio Ponte/flickr.com EDITORIAL: Alles im Fluss Als unsere Redaktion sich für die kleine Straße Westerdeich links der Weser entschied, waren einige unserer Autoren unsicher: Kann man in einer so beschaulichen Ecke Bremens spannende Geschichten finden? Ein wenig Recherche zeigte: Wie so oft täuschte der erste Eindruck. Allein die Historie dieses Ortes liest sich wie ein Roman. Der Westerdeich war bis in die 1960er-Jahre ein Anziehnungspunkt für Sonnenhungrige und Erholungssuchende aus der ganzen Stadt. Mit einem Sandstrand, der ganze sechs Kilometer lang war, konnte auch der Osterdeich nicht mithalten. Unser historisches Foto gibt einen Eindruck davon, was hier bei gutem Wetter im Sommer los war. Doch die Zeiten änderten sich. Der Sand musste dem Neustädter Hafen weichen, die zahlreichen Kneipen, Wirtschaften und die Badeanstalt wurden vom expandierenden Holzhandel verschluckt. Zurück blieben eine kleine Straße am Deich mit schöner Aussicht auf die Weser – und ihre bunt gemischten Bewohner. Wir trafen Alteingesessene wie den ehemaligen Matrosen Hermann Brandt, den die vorbeiziehenden Schiffe auf eine lukrative Geschäftsidee brachten (S. 20). Einen Wegeobmann im Kleingärtnerverein, der die meiste …

Schwarz-weiße Aufnahme eines Fußballstadions bei Nacht mit beleuchtetem Flutlichtmast und Spielern auf dem Spielfeld.

#30 Weserstadion

Hintergrundfoto: wetterrolf/flickr.com EDITORIAL: Grün, Weiss, Bunt Werder – das ist für viele Bremer:innen ein Heiligtum. Es gibt wohl niemanden in dieser Stadt, der nichts mit dem Weserstadion und seiner Mannschaft verbindet. Ein guter Ort also für unsere Autorinnen und Autoren, nach Themen zu graben. Und eine Herausforderung: Galt es doch, Menschen und Geschichten zu finden, die eben noch nicht stadtbekannt sind, keine Promis und Stars – und dennoch eine große Rolle spielen. Tatsächlich wurden wir auch diesmal fündig und präsentieren Ihnen fünf Geschichten, in denen es meist nur am Rande um Fussball geht – aber immer um Begeisterung und Leidenschaft. Björn Struß beschreibt eine moderne Geschichte von David gegen Goliath: die des Tennisclubs Rot-Gelb direkt neben dem Stadion, der aus Sicherheitsgründen weichen soll – und dies nicht will. Unsere Autorin June Koch traf den Mann, der sich um das leibliche Wohl der Werder-Spieler kümmert. Sie sprach mit ihm bei flambiertem Steak über Fußball, Genuss und Kochen als Mannschaftssport. Katja Hoffmann war unterdessen bei einem Training der besonderen Art: dem der Bremer Blindenfußballmannschaft, bei der es …

Titelseite der Zeitschrift der Straße mit Foto von Wohngebäuden und dem Titel 'Grohner Düne', daneben Schatten einer Person auf Asphalt mit weißen Linien.

#29 Grohner Düne

Hintergrundfoto: Román__PG/flickr.com EDITORIAL: Hinter der Fassade Als wir in der Redaktion diskutierten, ob wir uns in der aktuellen Ausgabe mit der Grohner Düne beschäftigen wollen, diesem Koloss mit über 1.500 Mieter:innen, standen viele Fragen im Raum: Werden die Menschen aus diesem Wohnkomplex mit uns sprechen wollen? Werden sie uns die Türen öffnen, ihre Geschichten erzählen? Und nicht weniger wichtig: Werden die Bremer:innen Lust haben, diese Geschichten auch zu lesen? Schließlich hat die Grohner Düne nicht den besten Ruf. In den Zeitungen liest man viel von Kriminalität und Drogen, von Polizeieinsätzen und Gewalt. Jenseits dieser Schlagzeilen aber sind die Grohner Düne und ihre Bewohner weitgehend unbekannt. Auch aus unserer Redaktion waren viele vor der Recherche noch nie dort gewesen. Umso wichtiger war es uns, genauer hinzusehen. Mehrfach waren unsere Reporter vor Ort, sprachen mit Passant:innen, Ladenbesitzern, Mieter:innen. Es hat sich gelohnt. Philipp Jarke etwa traf einen Mann, der als einer der ersten Mieter in die Düne einzog. Stolz war er damals. Die Bewohner:innen veranstalteten Feste, feierten zusammen Silvester. Lesen Sie ab Seite 8, wie es weiterging. …

Schwarz-weiße Titelseite der Zeitschrift der Straße mit einem Mann in Hemd vor einer Wand, daneben ein Strommast mit mehreren Kabeln vor bewölktem Himmel.

#28 Plantage

Hintergrundfoto: Marie Coleman/flickr.com EDITORIAL: Und wieder ist alles anders Es gibt Straßen in Bremen, die wirken, als hätten sie sich seit einem Jahrhundert nicht verändert. Und es gibt die Plantage in Findorff. Vor 265 Jahren als Sommersitz eines Superreichen entstanden, wurde die Plantage Ausflugslokal der gehobenen Gesellschaft, Heimat der Eisenbahner in kleinen Reihenhäusern, nüchternes Gewerbegebiet und zuletzt Zentrum der Bremer Medien- und Designszene. Die einzige Konstante in dieser Straße ist der Wandel. Von Veränderung handeln auch die Geschichten, die unsere Autoren aufgeschrieben haben: Carolin Hoffmann beschreibt am Beispiel eines Mannes, was die moderne Arbeitswelt aus dem Beruf des Pastors machen kann: Vorbei die Zeiten, in denen Pastoren ruhender Pol der Gemeinde waren, stets ansprechbar für jeden und mit Muße zur inneren Einkehr. Stattdessen Zeitdruck, Terminhatz, Zerrissenheit (S. 8). Joschka Schmitt traf einen Künstler und Studenten, der eher zufällig zum Galeristen wurde (S. 12), während Felix Müller im Rundfunkmuseum auf eine Welt stieß, die stillzustehen scheint. Doch wippen die Finger der Funker am Morsegerät, füllt sich eine Weltkarte an der Wand mit Reißzwecken: Jede markiert einen …

Zeitschrift der Straße mit Titel 'Silber Präge', darunter vier Artikelüberschriften, dazu ein Logo mit stilisiertem 'ZL' in Gold.

#27 Silberpräge

Hintergrundfoto: Mo/flickr.com EDITORIAL: Altes Eisen, junger Beat An der Silberpräge, das ist ein Name mit Tradition. Und Tradition ist etwas, auf das die Hemelinger stolz sind. Alteingesessene Betriebe, inhabergeführte Läden, Fabriken, in denen man gern zur Arbeit ging – das hat den Stadtteil geprägt. Heute wirken manche Orte entlang der Silberpräge und der Hemelinger Bahnhofstraße trist. Geschäfte stehen leer, so manches Gebäude könnte einen neuen Anstrich vertragen. Doch wie so oft finden sich auch hinter grauen Mauern wunderbare Geschichten. Die eines türkischen Kulturvereins etwa, der es schafft, die scheinbaren Gegensätze von Tradition und Moderne zu vereinen, und dem es so gelingt, für Jugendliche interessant zu bleiben – egal, ob sie Volksmusik machen wollen oder Hip-Hop (Seite 8). Oder die von Arnold Mudder, dem Besitzer der Modellbahnbörse. Gott und die Welt hat er gesehen, mit Hinz und Kunz einen Schnack gehalten, und vermutlich würde er selbst mit Petrus an der Himmelspforte noch erfolgreich um den Preis einer Modellbahn feilschen (Seite 22). Tradition, wenn nicht gar Legende, sind auch die Partys in der „Blauen Villa“. Seit über …

Zeitschrift 'Die Zeitschrift der Straße' mit Titel 'Walfischhof', zeigt schwarz-weiße Fotografie eines Schornsteins an Gebäudewand, links daneben Mauer mit unregelmäßigen Steinen.

#26 Walfischhof

Hintergrundfoto: Clayton Rego/flickr.com EDITORIAL: Aussen grau, innen bunt Kein Baum, kein Busch am Straßenrand, Gewerbebauten, so weit man blickt – der südöstliche Winkel der Überseestadt gleicht einer Einöde. Unsere Autor:innen und Fotograf:innen ließen sich davon nicht entmutigen. Im Walfischhof und in der Baumstraße klopften sie an Türen und Tore und haben dahinter eine ganz wunderbar bunte Mischung von Menschen entdeckt. Wilma Schneider etwa, 84, hat beinahe ihr gesamtes Leben in der Baumstraße verbracht. Als Kind fuhr sie per Anhalter noch auf Pferdekutschen in den Hafen. Nach dem Krieg erlebte sie, wie Lastwagen die Pferde verdrängten und aus dem Villenviertel um den Walfischhof – das als Schwachhausen des Westens galt – ein Gewerbegebiet wurde (S. 8). Genau gegenüber von Frau Schneiders Haus betreibt August Smisl, zwei Meter groß, 125 Kilo schwer, ein hochmodernes Fitnessstudio. Statt über den Weg zum perfekten Körper sprach er mit der Zeitschrift der Straße über seine ganz persönlichen wunden Punkte (S. 22). Diese und drei weitere Geschichten haben unsere Autor:innen für dieses Heft und für unsere Website aufgeschrieben. Viel Spaß beim Lesen …

Zeitschriftcover mit der Überschrift 'Ziegen Markt' und einem stehenden Menschen mit Schal. Daneben Fahrradräder und eine Pfützenreflexion eines Radfahrers auf Asphalt.

#25 Ziegenmarkt

Hintergrundfoto: Hans-Jörg Aleff/flickr.com EDITORIAL: Happy Birthday Zum Geburtstag gibt’s Überraschungen, das gilt auch für die Zeitschrift der Straße. Vier Jahre ist das Bremer Straßenmagazin nun alt, im Schnitt sind sechs Ausgaben pro Jahr erschienen. Künftig, Überraschung Nummer eins, werden es zehn pro Jahr sein. Freuen Sie sich mit uns auf mehr Orte, mehr Geschichten und mehr Einblicke in das einzigartige Zeitschriftenprojekt, das unlängst auch vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft ausgezeichnet wurde (Seite 28). Zweitens gibt sich die Zeitschrift der Straße zu ihrem Geburtstag ein neues Gewand. Was es damit auf sich hat und welche Neuerungen das mit sich bringt, lesen Sie auf Seite 27. Neu ist drittens unsere Adresse. Statt im Lloydhof finden Sie uns nun hinterm Siemens-Hochhaus Auf der Brake 10–12, fußläufig zwischen Hauptbahnhof und City gelegen – schauen Sie gerne einmal vorbei. Was bleiben wird, sind spannende Geschichten, nach denen wir an jedem Ort aufs Neue suchen. Am Ziegenmarkt wimmelte es nur so davon. Acht haben wir aufgeschrieben; die eine Hälfte hier im Heft, die andere auf www.zeitschrift-der-strasse.de, unserer (ebenfalls neu gestalteten) …