Ausgabe

#138 Birkenstrasse

Titelfoto: Torsten Schmidt / Hintergrundfoto: Staatsarchiv Bremen

EDITORIAL: Highway to Heaven

Liebe Leser:innen und Leser,

wer vom Stadtzentrum spricht, meint in Bremen entweder die Altstadt oder den Hauptbahnhof – aber nur selten den Bereich dazwischen. Die Birkenstraße gehört nicht mal zu den Wallanlagen, sondern ist auch da nur … irgendwie in der Nähe. Zumindest den Hillmannplatz kennt man, über den die Straße führt – wenn auch nicht unbedingt wegen seiner schönen Anlage, sondern wegen seines schlechten Rufs als Kriminalitäts-Hotspot. Und damit haben auch wir unsere Recherche begonnen. Wir haben bei der Polizei nachgefragt und mit den AnwohnerInnen des Platzes gesprochen. Und ganz so eindeutig ist die Sache dann doch nicht (Seite 14). Gleich um die Ecke vom Hillmannplatz liegt das City 46, eines der bekanntesten Kinos in Bremen. Wir haben uns hier mal außerhalb der Vorführungen umgesehen und viel über die Geschichte des kommunalen Kinos gelernt (Seite 8). Mitten in eine öffentliche Debatte sind wir mit unserem Besuch bei der Bremer Landeszentrale für politische Bildung gestolpert. Während man sich hier seit jeher für Menschenrechte und gegen Faschismus engagiert, fragen heute manche, ob die Einrichtung zu parteiisch sei (Seite 24). Was wir in der Birkenstraße hingegen beinahe nicht gefunden hätten, sind die Birken. Es gibt sie aber. Und wir haben den noch jungen Stämmchen mit unserer Bildstrecke ein ebenso kleines, aber herzliches Denkmal gesetzt (Seite 16).
Diese und weitere Themen finden Sie auf den kommenden Seiten. Und Sie werden sehen, dass doch eine ganze Menge vor sich geht in dieser etwas unscheinbaren Seitenstraße zwischen Hauptbahnhof und Innenstadt. Und dabei wünschen wir Ihnen wie immer eine spannende Lektüre.

Karolina Meyer-Schilf, Jan-Paul Koopmann
und das Team der Zeitschrift der Straße

Aus dem Inhalt (mit Leseproben):

Licht aus, Film an

Das City 46 gehört zu den wichtigsten Adressen für Bremer CineastInnen – auch wenn das Kommunalkino
noch gar nicht so lange in der Birkenstraße beheimatet ist

Reportage


Text: Nora Elbrechtz / Fotos: Beate C. Koehler

Die Geschichte des kommunalen Kinos.

Auf die Frage, was ein sehenswerter Film sei, bekommt man von fast jedem Menschen eine andere Antwort. Und für manche Leute ist das mehr als eine bloße Geschmacksfrage. Für Holger Tepe etwa ist es gleich ein Beruf: Er ist seit 2019 Teil der Geschäftsleitung beim Kommunalkino „City 46“ in der Birkenstraße. Ihm sei wichtig, dass ein Film etwas vermittelt, sagt er, und dass er die Menschen anregt, „weiterzusehen“. KinobesucherInnen sollten einen Film nicht einfach nur wahrnehmen, sondern angeregt werden, darüber hinauszudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen (…)

„ Freundschaft unter Nachbarn – Przyjaźń między sąsiadami“

Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Bremen wurde 1975 gegründet, sie feierte vergangenes Jahr ihr 50-jähriges Jubiläum.
Den Vertrag zur Städtepartnerschaft unterschrieben die Bürgermeister von Bremen und Danzig/Gdańsk ein Jahr
später, mitten im Kalten Krieg. Es ist die erste westdeutsche Partnerschaft mit einer polnischen Stadt

Interview


Interview: Wolfgang Wodtke / Fotos: Wolfgang Everding

Interview mit Katarzyna Weichert von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bremen.

Zeitschrift der Straße: Dzień dobry, Frau Weichert! Guten Tag!
Katarzyna Weichert: Dzień dobry!

Ist die polnische Sprache wirklich so schwer, wie man immer sagt?
Ja, also die polnische Sprache ist deswegen schwer zu lernen, weil man sich das aus deutscher Sicht nirgendwoher holen kann. Weil es eine ganz andere Sprachfamilie ist, ist es schon schwer für Deutsche – aber machbar.

Im Deutschen gibt es vier Fälle, im Polnischen sieben – und dann die für deutsche MuttersprachlerInnen ungewohnten Konsonantenhäufungen.
Genau das ist das Problem, das ist einfach sehr schwierig auszusprechen. Ich merke das ja bei meinen Kindern, sie sind zweisprachig. Wenn man so viele Konsonanten aneinanderreiht, das ist auch schon für einen Polen teilweise ein Zungenbrecher,
für Deutsche erst recht. (…)

Oase mit Schönheitsfehler

Der Hillmannplatz hat in den vergangenen Jahren eher traurige Berühmtheit erlangt. Dabei könnte er eine der schönsten Ecken der Stadt sein

Reportage


Text: Isabel Schrandt / Fotos: Torsten Schmidt

Der Hillmannplatz und sein schwerer Stand

Wer durch die Häuserschlucht der Birkenstraße spaziert, findet sich plötzlich und unvermittelt auf dem Hillmannplatz wieder. Hier rauscht ein leichter Wind durch die Bäume, die den Bänken darunter Schatten spenden. Eingerahmt von Bürogebäuden, Gastronomiebetrieben, Bankfilialen und kleineren Dienstleistern stehen rund zwanzig Bäume auf einer entsiegelten Fläche in der Mitte. Kleinere Menschengruppen überqueren den Platz zu Fuß oder auf dem Fahrrad, ziehen ihre Reisekoffer hinter sich her und unterhalten sich. Nur dumpf dringen die Verkehrsgeräusche vom nahe gelegenen Bahnhof herüber. Im Vergleich zu seiner belebten Nachbarschaft wirkt der Hillmannplatz wie ein ruhiger, etwas verborgener Rückzugsort. Nur ein Polizeianhänger, der etwas abseits hinter Gittern steht und mit auffälligen Kameras auf dem Dach ausgestattet ist, stört das idyllische Bild. (…)

Da stehen jetzt fünf junge Birken…

Bildstrecke


Text: Beate C. Koehler / Foto: Ulrike Plappert

„In der Birkenstraße gibt es keine einzige Birke.“ Diese Feststellung stammt nicht nur vom kurzen Ortstermin unserer Redaktion, sondern auch von Menschen, die Tag für Tag vor Ort arbeiten. Aber weit gefehlt: Ganze fünf jüngere Birken verstecken sich unter den Baumkronen mehrerer riesiger Platanen am Westende der Straße.

Wenn´s ums Geld geht…

Beim Rechnungshof zu arbeiten, klingt zunächst vielleicht nach drögem Zahlenschieben. Aber spätestens, wenn der
Bericht ins Parlament kommt, wird es plötzlich sehr, sehr spannend.

Reportage


Text: Ulrike Plappert / Foto: Beate C. Koehler

Der Rechnungshof und seine Chefin.

„Rechnungshof der Freien Hansestadt Bremen“, ist auf der Glastür zu lesen, die im Treppenhaus den Zugang verschließt: „Bitte geschlossen halten!“ Daraus sollte man jedoch nicht auf den Rechnungshof schließen. Dieser Stopp ist eine allgemeine Sicherheitsmaßnahme im Haus, in dem noch weitere Institutionen untergebracht sind. Rechnungshof-Präsidentin Imke Sommer öffnete der Zeitschrift der Straße persönlich die Tür für ein ausführliches Gespräch.
Das Wort „Rechnungshof“ kann Respekt vor der Institution auslösen, Achtung vor der Arbeit mit Zahlen erzeugen oder auch mehr oder weniger große Unsicherheit hervorrufen. (…)


Text: Frieda Ahrens & Fotos: Norbert Schmacke

Unterwegs im Namen der politischen Bildung.

Thomas Köcher verteilt Herzen: Kleine Herzchen-Sticker – und zwar je fünf Stück, aufgereiht auf einem Plastikstrang. Damit dürfen die BesucherInnen des Stadtfestes in Arsten Liebe verteilen: an die ersten 19 Artikel des Grundgesetzes, aufgehängt an Stellwänden. Damit sich alle noch mal schnell einlesen können, liegt das Grundgesetz auch gleich in mehreren Sprachen aus. Oder wüssten Sie das aus dem Kopf? Nach „Artikel 1: Die Würde des Menschen ist unantastbar“ wird es bei vielen schon eng. (…)

Ab dem 05. Oktober 2026 bei unseren Verkaufspersonen auf Bremens und Bremer­havens Straßen erhältlich!

Die Verkaufspersonen der Zeitschrift der Straße haben fest zugewiesene Verkaufsplätze. An diesen Standorten können Sie unsere Verkaufenden antreffen:

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Sollten Sie wider Erwarten keine Verkaufsperson antreffen, können Sie Ausgaben in Ausnahmefällen online per Einzelbestellung erwerben. Die aktuellste Ausgabe ist jedoch nur auf der Straße zu erwerben.

Für alle Auswärtigen sowie für Bremer Vereine, öffentliche Einrichtungen, Kneipen, Cafés, Hotels, Arztpraxen, Frisiersalons, Anwaltskanzleien etc. gibt es die Zeitschrift der Straße übrigens auch im Abo.