Alle Artikel in: Ausgabe

Titelseite der Zeitschrift der Straße mit einem Footballspieler in Helm und Trikot, Text 'DIE ZEITSCHRIFT DER STRASSE' und '2,80 EURO'. Im Hintergrund ein Wohnhaus mit Treppe und Müllcontainern.

#108 Oewerweg

EDITORIAL: Im wilden Osten Liebe Leser:innen, Wohnstraßen wie der Oewerweg sind für uns immer eine besondere Herausforderung. Meist fehlen die großen Institutionen, deren Türschilder und Internetseiten ihre Geschichten schon von sich aus in die Öffentlichkeit tragen. Manchmal hat man trotzdem Glück, kommt über den Gartenzaun ins Gespräch und kennt nach einem Nachmittag die halbe Nachbarschaft beim Vornamen. Und manchmal nicht. Im Oewerweg in Osterholz stimmt irgendwie beides. Beim ersten Besuch, an einem trüben Vormittag, hat es Redaktionsleiter Paul geschafft, die immerhin 1,3 Kilometer der Straße abzulaufen, ohne dabei auch nur einem einzigen Menschen zu begegnen: nicht zu Fuß, nicht auf dem Fahrrad, nicht im Auto – nicht mal im Garten. Aber später haben wir durchaus noch einige spannende Kontakte geknüpft und hier im Bremer Osten ein Quartier kennengelernt, das doch sehr viel mehr zu bieten hat, als die langen Reihen aus Einfamilienhäusern auf den ersten Blick vermuten lassen. Mitnehmen möchten wir Sie zum Beispiel in die WG der Lebenshilfe (S. 12), die im Sommer 40 wird und sogar noch mehr zu feiern hat als diesen …

Schwarz-weiße Straßenansicht mit mehrstöckigen Gebäuden, parkendem Auto und Straßenlaternen im Vordergrund.

#107 Hafenstraße

EDITORIAL: Der andere Hafen, der große! Liebe Leser:innen, nein, wir waren diesmal nicht in Walle und auch nicht in Vegesack – auch wenn die Richtung schon ganz richtig ist. Es gibt nämlich noch eine dritte Hafenstraße im Land: die ganz große in Bremerhaven. Es ist aber kein Wunder, wenn Sie da durcheinander gekommen sein sollten. Die Zeitschrift der Straße ist ja tatsächlich eher selten zu Besuch in Bremens kleiner Schwester. Eine Premiere ist es aber nicht! Schon im April 2011 haben wir nämlich unsere dritte Ausgabe der Alten Bürger gewidmet: Bremerhavens Szeneviertel. Das ist mehr als zehn Jahre her. Dass wir es jetzt nochmal versuchen, ist ein Experiment – für das Publikum wie für die Redaktion. Die musste nämlich erst einmal auf Reisen gehen, auf „Klassenfahrt“ sozusagen, und sich mit der ungewohnten Umgebung vertraut machen. Wir sind gespannt, ob Sie genauso viel Freude an dem Ausflug haben wie wir. Und wer weiß: Vielleicht bekommen Sie ja nach der Lektüre selbst Lust, ans Meer zu fahren und zum Beispiel Willie Kimbroughs berühmte Hot Dogs zu probieren, …

Schwarz-weiße Straßenaufnahme mit Windmühle, mehreren Autos und Stromleitungen, daneben das Cover der Zeitschrift der Straße mit dem Titel 'Leher Heerstrasse'.

#106 Leher Heerstrasse

EDITORIAL: Die mit der Mühle Liebe Leser:innen, neben der Mühle steht die Tankstelle, neben dem Landhaus Louisenthal der Aldi-Markt: Es ist schon eine komische Straße, diese Leher Heerstraße. Ein Nebeneinander aus Jahrzehnten, Jahrhunderten gar. Kleine Ladenzeilen mit inhabergeführten Geschäften. Friseure, Blumen, Kieferchirurgie. Eine Autowerkstatt. Und dann diese Ufos aus vergangener Zeit, die in diesem Sammelsurium aus Handel und Dienstleistung gelandet zu sein scheinen, obwohl sie ja als Erste da waren, die Mühle und das Landhaus. Wie es im Inneren des Landhauses aussieht, weiß man: Es ist das Ortsamt Horn-Lehe, offen für die Bürger:innen. Bei der Mühle sieht das schon anders aus: Mit etwas Beharrungsvermögen hat es unser Fotograf Volker Busch schließlich geschafft, einen Blick hineinzuwerfen. Was er dort vorfand, sehen Sie in unserer Bildstrecke (S. 14). Flaneur:innen übrigens sieht man trotz der Geschäfte in der Leher Heerstraße wenig, Straßenbahngleise dafür umso mehr, sie zerschneiden die Straße in Längsrichtung, es ist die stark frequentierte Linie 4. Das wahre Ufo ist außerdem das neue Zentrum mit dem idyllischen Namen „Mühlenviertel“: Hier war früher ein Gelände der Bundespost …

Schwarz-weiße Titelseite der Zeitschrift der Straße mit Porträt einer Person in Mütze und gemustertem Mantel, Text 'HELENE KAISEN WEG' und Preisangabe '2,80 EURO'.

#105 Helene Kaisen Weg

EDITORIAL: Neustädter Schleichweg Liebe Leser:innen, Eine „Kleinigkeit“ ist nämlich auch der Weg nicht, obwohl er komplett verkehrsberuhigt ist und sich eher heimlich parallel zur Neuenlander Straße durch die Neustadt schleicht. Er ist so was wie die Hintertür von Flüsse- und Philosophenviertel, ein „Shortcut“ zwischen Bäckerei und Wohnungstür – zwischen Schule und Spielplatz. Wer die endlosen Reihenhäuser dieser Gegend sieht, wird sofort verstehen, warum die meisten AnwohnerInnen ganz froh sind über diese charakteristischen Torbögen in den Fassaden und eben über den Helene Kaisen-Weg, der hindurchführt. Auch wir haben die schönen Seiten dieses Schleichwegs erkannt, auch wegen ungewohnter Blicke hinter die Kulissen: in die grünen Gärten und belebten Räume auf den Rückseiten der doch eher eintönigen Straßen drumherum. Wir haben ein Paar kennengelernt, das mit Gesten und Musik Geschichten erzählt (S. 8), den Hauswart jenes Wohnblocks, an dem die einzigen Hausnummern des Wegs prangen (S. 12) – und zwei Frauen, die auf getrennten Wegen aus der Ukraine nach Bremen geflohen sind und hier plötzlich zu Nachbarinnen wurden (S. 18). Wir hoffen, dass diese Begegnungen Sie genauso inspirieren …

Großes Plakat der Zeitschrift der Straße mit Titel 'Leerstand' und einer Person in Winterjacke ohne sichtbares Gesicht, an einer Hauswand in einer Stadt.

#104 Leerstand

EDITORIAL: Geisterstadt vorm Neuanfang Liebe Leser:innen, ein Gespenst geht um in den Lokalredaktionen – das Gespenst des Leerstands. Und weil dieses Thema derzeit nicht nur die Bremer Medienlandschaft umtreibt, kennen Sie alle unter Garantie solche Schlagzeilen: Traditionsreiches Familienunternehmen schließt nach fünf Generationen! Innenstadt verwaist! Ganze Stockwerke stehen leer! Keine Sorge: Diese Geschichten wollen wir Ihnen hier und heute nicht schon wieder erzählen. Trotzdem beschäftigt uns der Leerstand auch in der Zeitschrift der Straße. Zum einen, weil er sozusagen Lücken in unsere Themenfelder schlägt: weil in fast jeder Straße, mit der wir uns beschäftigen, Gebäude leer stehen, die jemandem wichtig waren, die vielleicht einmal ganze Quartiere geprägt haben. Zum anderen wird es auch für unsere Verkäufer:innen von Tag zu Tag härter, in immer leerer werdenden Fußgängerzonen Hefte zu verkaufen. All das geht uns etwas an und beschäftigt uns. Aber wie machen wir ein Heft daraus, wenn die Probleme doch so offensichtlich auf dem Tisch liegen? Wir haben uns für einen Schritt zurück entschieden, für ein bisschen Abstand, um noch mal neu zu fragen: Was bedeutet Leerstand …

Titelblatt der Zeitschrift der Straße mit einem Mann vor einem Backsteingebäude, Text 'Böttcher Straße' und Preisangabe '2,80 Euro'.

#103 Böttcherstrasse

EDITORIAL: Aus der Zeit gefallen Liebe Leser:innen, wissen Sie noch, wann Sie zuletzt in der Böttcherstraße waren – und warum? In der Redaktion waren sich die meisten jedenfalls nicht sicher, als wir uns die berühmte Straße vorgenommen hatten. Wahrscheinlich war’s irgendein auswärtiger Besuch, dem man die Stadt zeigen wollte. Oder ein vermutlich vergeblicher Versuch, zwischen Innenstadt und Weser ganz kurz mal eben abzukürzen. Für viele von uns war es jedenfalls wie so oft mit Wahrzeichen: Man guckt sich doch eher die der anderen Städte an als jene vor der eigenen Haustür. Eine kleine Ausnahme sind freilich die kunstinteressierten BremerInnen, auf die neben der spannenden Architektur auch der Doppelpack aus Paula Modersohn-Becker Museum und dem Ludwig Roselius Museum in der Straße wartet. Für diese Ausgabe haben wir allerdings einen etwas weniger bekannten Kunstort besucht: das Haus der syrischen Kunst nämlich (S. 20), das erst vor Kurzem eröffnet hatund seltene Einblick in die junge Kultur eines von Krieg und Despotie zerrütteten Landes bietet. Gesprochen haben wir außerdem mit Sönke Schöttler, der als Gästeführer regelmäßig dienstlich mit der …

Eine schwarz-weiße Straßenszene mit Kopfsteinpflaster und mehreren zweigeschossigen Gebäuden mit Geschäften im Erdgeschoss. Im Vordergrund steht eine Person mit Gehstock, die von hinten zu sehen ist. Im Vordergrund links ist ein überlagerndes Magazincover der 'Zeitschrift der Straße' mit dem Titel 'Hindenburgstraße' zu sehen. Das Magazincover zeigt eine Person mit Jacke und kariertem Hemd, deren Gesicht unscharf ist. Der Preis von '2,80 EURO' ist auf dem Cover angegeben.

#102 Hindenburgstrasse

EDITORIAL: Das andere Bremen Liebe Leser:innen, aus stadtbremischer Sicht fühlt es sich immer ein bisschen wie ein Ausflug aufs Land an, wenn es einen mal nach Bremen-Nord verschlägt. Den Menschen dort geht es umgekehrt genauso: „Ich fahr in die Stadt“, heißt es, wenn es doch mal nötig ist, sich in Richtung Innenstadt aufzumachen. Es ist schon ein kleiner Kosmos für sich, dieses Bremen-Nord, und sehr viele Anlässe, ihn zu verlassen, fallen einem gar nicht ein, wenn man so in der Lesumer Hindenburgstraße steht. Hier gibt es eigentlich alles: eine Schlachterei, ein Geschäft für gebrauchte Brettspiele (Seite 8), eine Apotheke, Restaurants und – noch – ein stattliches Polizeirevier, dessen Umzug nach Vegesack allerdings beschlossene Sache ist. Das alte Gerichtsgebäude, in dem das Revier seit 1940 untergebracht ist, und die Möglichkeiten seiner Nachnutzung hat sich unser Autor Justus Köhler angesehen (Seite 25). Er stammt übrigens selbst aus Bremen-Nord, weshalb er sich nicht nur aus journalistischem Interesse, sondern auch aus alter Verbundenheit für alles begeistert, was die paar Kilometer weserabwärts an der Lesum so passiert. Und hier passiert …

In einem hellen, gemütlichen Raum mit großen Fenstern steht ein gepolsterter Sessel mit einem Kissen darauf. Neben dem Sessel befindet sich ein kleiner Teppich mit einem orientalischen Muster. Auf dem Boden steht ein Holzpferd als Spielzeug. Ein kleiner Tisch mit einem Stuhl ist ebenfalls sichtbar. Die Fenster bieten einen Blick auf einen Garten mit Bäumen und Sträuchern. Im Vordergrund ist eine Ausgabe der Zeitschrift der Straße mit dem Titel 'Fleetstrasse' zu sehen, die eine Person mit Gießkanne in einem Garten zeigt.

#101 Fleetstrasse

EDITORIAL: Ein Tag im Grünen Liebe Leser:innen, von Katzenjammer kann bei uns in der Redaktion auch am Morgen nach der 100. Ausgabe keine Rede sein. Weil wir aber trotzdem dringend mal an die frische Luft wollten, haben wir uns für dieses 101. Heft in Richtung Stadtrand aufgemacht: ins Waller Fleet nämlich, zu den Kleingärten im Grünen. Mit tatkräftiger Unterstützung unseres Begleitseminars an der Uni Bremen haben wir hier für eine unserer am wenigsten urbanen Ausgaben recherchiert – und dabei eine Menge gelernt. Im Fleetgarten zum Beispiel haben wir Menschen besucht, die hier unter fachkundiger Anleitung nachhaltiges Gärtnern ausprobieren (S. 18). Gleich um die Ecke steht eine Kirche, die heute als Wohnhaus dient (S. 22) – wenngleich als extravagantes. Außerdem haben wir ein waschechtes Kaisenhaus besucht (S. 8), das heute als Museum dient und von der Wohnungsnot nach dem Zweiten Weltkrieg berichtet. Und zu guter Letzt waren wir auch noch etwas weiter draußen: beim „Metalhenge“ (S. 12), das als Aussichtspunkt und Kunstwerk neue Perspektiven auf die Stadt eröffnet. Wir hoffen, Sie haben beim Lesen mindestens so …

Straßenszene mit Reihenhaus und parkenden Autos, darüber ein Magazincover der 'Zeitschrift der Straße' mit dem Titel 'Arster Heerstraße'.

#99 Arster Heerstrasse

EDITORIAL: 100 Meter vor Niedersachsen Liebe Leser:innen, es ist schon irgendwie komisch, wie wenig man von Arsten so zu sehen bekommt. Vor allem, weil das gar nicht mal nur für (Innen-)Stadtmenschen gilt, deren Bremen sich auf Zentrum, Viertel, Neustadt und Schwachhausen beschränkt. Nein, auch die zigtausend Pendler:innen aus dem südlichen Umland bekommen von Arsten nicht viel mit, obwohl der Ortsteil an der südlichen Landesgrenze ja so was wie der Eingang zur Stadt sein sollte. Die Arster Heerstraße, mit der wir uns in dieser Ausgabe der Zeitschrift der Straße beschäftigen, sieht auch genau so aus: Immer ländlicher wirkt die lange Erschließungsstraße, bis erste Bauernhöfe am Wegesrand auftauchen – und man schließlich mitten zwischen Korn und Raps im Feld steht. Dort, von Niedersachsen aus betrachtet, wird dann auch schlagartig klar, warum der alte Hauptzugangsweg heute so abgeschieden wirkt, fast wie eine Sackgasse. Denn wo hier einst die Ochtum die Grenze markierte, tut das heute faktisch die Autobahn. Und die alte Heerstraße ist kaum mehr als eine unscheinbare Abzweigung vor der Abfahrt Bremen-Arsten und dem Zubringer, der einen …

Zeitschrift 'Die Zeitschrift der Straße' mit Titel 'Bischofs Nadel' und Preisangabe 2,80 Euro, Vorderseite mit verschwommenem Hintergrund und Person am Tisch.

#98 Bischofsnadel

EDITORIAL: Die mit dem Tunnel Liebe Leser:innen, ein bisschen Angst hatten wir vor dieser Ausgabe ja ehrlich gesagt schon. Schon als die Straße in der Redaktionskonferenz zum ersten Mal auf dem Tisch lag, war die Stimmung nicht gerade euphorisch. „Ist das nicht dieser Tunnel unterm Wall?“, meinte die eine Kollegin. „Wie viele Häuser gibt’s da?“, der andere, „vier?“ Und auch wenn es natürlich doch ein paar mehr sind, ist diese Straße anders als viele andere, mit denen wir es bisher zu tun hatten. Die Bischofsnadel ist halb Park, halb Innenstadt. Sie hat diesen sonderbaren Tunnel, der auf seine Art eher Hindernis als Abkürzung zu sein scheint. Und für die allermeisten Bremer:innen ist sie vor allem Durchgangsstation. Tausende Menschen kommen hier durch, kaum einer bleibt da. Und wahrscheinlich ahnen Sie es schon: Gerade weil die Bischofsnadel so sonderbar ist, haben wir ihr diese Ausgabe gewidmet. Hier im Tunnel haben wir die Kunstgalerie „Tunnelblick“ besucht, die von Künstler:innen gegründet wurde, um ihre Arbeiten selbst und ohne profitorientierte Händler:innen verkaufen zu können (Seite 20). Und wo wir schon …