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Schwarz-weiße Straßenaufnahme mit parkenden Autos entlang des Bürgersteigs und zwei Personen, eine steht an einer Laterne, die andere sitzt auf einer Bank.

„Es ist ein Teufelskreis“

Neben deutschen Obdachlosen und von Armut Betroffenen verkaufen auch einige Rumänen und Bulgaren die Zeitschrift der Straße. Bernd Buhrdorf, Migrationsberater der AWO, kennt ihre Situation Herr Buhrdorf, wie ist die rechtliche Lage von Rumänen und Bulgaren in Deutschland? Wir sind ja eigentlich ein vereinigtes Europa. Und in der EU haben alle Bürger das Recht, in einem anderen EU-Land nach Arbeit zu suchen und zu diesem Zweck auch dort zu wohnen. Das nennt sich Freizügigkeit. Bis Ende 2013 galt für Rumänien und Bulgarien aber eine eingeschränkte Freizügigkeit – für Kroatien sogar bis Juli 2015. Personen aus diesen Ländern mussten eine gesonderte Arbeitserlaubnis beantragen, Deutsche wurden in den meisten Fällen vorrangig eingestellt. Diese Einschränkungen lockern sich jedoch allmählich. Das klingt aufwendig. In der Zeit bis 2014 habe ich persönlich kaum Rumänen oder Bulgaren getroffen, die die Chance hatten, mit Arbeitserlaubnis in Arbeit zu kommen. Heute, wo sie keiner Arbeitserlaubnis mehr bedürfen, ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt etwas erleichtert worden. Welche Schwierigkeiten haben diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt? Zum einen natürlich die fehlenden Sprachkenntnisse. Dann haben viele …

Zwei Textfelder auf blauem Hintergrund mit buntem Konfetti: Links steht 'Hurra! Dank Ihrer Hilfe sind wir Gewinner der Google Impact Challenge 2016'. Rechts eine Urkunde mit dem Titel 'GEWINNER Google Impact Challenge Deutschland 2016 LOKALES PROJEKT Die Zeitschrift der Straße' und einer Unterschrift von Jacqueline Fuller.

Gewonnen!

Die Zeitschrift der Straße ist unter den Gewinnern der Google Impact Challenge 2016! Für ein Printmedium ist es eine besonderer Triumph, ausgerechnet im Wettbewerb des Internet-Riesen ausgezeichnet zu werden. Im Sommer 2015 erhielten wir eine Anfrage einer Werbeagentur aus Hamburg. Sie wollte für einen nicht genannten Kunden Anzeigenwerbung in der Zeitschrift der Straße buchen. Wir bestanden jedoch darauf, den Kunden zu erfahren, da wir es uns vorbehalten, auch Anzeigenkunden abzulehnen. So erfuhren wir, dass es um Google ging, jenes Unternehmen, das mit seinen digitalen Werbeformaten weltweit Printmedien (wie auch uns) das Leben schwer macht. Und ausgerechnet dieser globale Internet-Riese wollte im Bremer Straßenmagazin eine Anzeige schalten? Google Impact Challenge Es stellte sich heraus, dass Google erstmals in Deutschland einen Wettbewerb für soziale Initiativen abhalten würde. In den USA, Indien, Brasilien, Großbritannien, Frankreich und Japan gab es diesen Wettbewerb bereits. Viele Millionen Dollar hatte Google in den letzten Jahren an gemeinnützige Organisationen überwiesen, die sich in solchen Wettbewerben durchgesetzt hatten. Die Anzeigenwerbung für die Google Impact Challenge erschien im Oktober 2015 auf der Rückseite der Ausgabe …

Rotes Logo der Zeitschrift der Straße mit Herz und Linien, Text 'Werdet Mitglied in unserem Freundeskreis für den Preis einer Zigarette am Tag und helft uns zu helfen.'

Im Kreis der Freundschaft

Damit die Zeitschrift der Straße auch langfristig ihre gesellschaftliche Rendite erbringen kann, braucht sie Ihre Unterstützung als Mitglied im neu gegründeten Freundeskreis. Die Zeitschrift der Straße ist zu gleichen Teilen ein Medienprojekt für Bremen, ein Sozialprojekt für Menschen in schwierigen sozialen Lebenslagen und ein Lernprojekt für Studierende. Diesen Dreiklang betonen wir bei jeder Gelegenheit in der Hoffnung, dass die Besonderheit unseres Straßenmagazins deutlich wird. Sozialprojekt Eine der Konsequenzen dieses Dreiklangs sind seine Kosten. Wäre die Zeitschrift der Straße ein gewöhnliches kommerzielles Produkt und kein Sozialprojekt, würden wir sie nicht auf der Straße, sondern über Kioske verkaufen. Zweifellos wäre dank der vertrauteren und bequemeren Kaufsituation der Absatz deutlich höher. Wir könnten also in höherer Auflage drucken, was die Druckkosten pro Exemplar senken würde. Außerdem liegt die Zeitschriftenprovision in Kiosken bei 10-15% des Verkaufspreises, während unsere Straßenverkäufer:innen 55% erhalten. Lernprojekt Wäre die Zeitschrift der Straße ein gewöhnliches kommerzielles Produkt und nicht auch noch ein Lernprojekt, müssten wir zwar auf Studierende als ‚kostenlose‘ Mitarbeiter:innen verzichten. Dafür würden wir aber eine sehr viel höhere Routine und Effizienz in den …

Blaues Hintergrundbild mit buntem Konfetti und weißem Rechteck mit Text zur Google Impact Challenge 2016 und Aufruf zum Abstimmen.

Machen Sie uns zu Gewinnern

Pünktlich zu ihrem fünften Geburtstag hat es die Zeitschrift der Straße ins Finale der Google Impact Challenge 2016 geschafft. Und zwischen dem 8. und 24. Februar können Sie uns zu Gewinnern machen! Finale der Google Impact Challenge (8.–24. Februar 2016):Die Abstimmungsfrist ist leider abgelaufen. Der Wettbewerb, den das Internetunternehmen Google ausrichtet, soll ehrenamtliche und gemeinnützige Arbeit durch Weiterbildungen, Technologie und Geld unterstützen. Gesucht wurden Projekte, die die Lebenssituation von Gemeinschaften verbessern oder die Arbeit von Organisationen unterstützen, indem sie bisher ungelöste Probleme mit digitalen Hilfsmitteln oder kreativen Ansätzen beheben. Auch wir von der Zeitschrift der Straße haben uns beworben. Als kreativen Ansatz unseres Tuns stellten wir die Synergien in den Mittelpunkt, die entstehen, wenn Hochschulen und Zivilgesellschaft zusammenwirken. Denn Kern der Zeitschrift der Straße ist es ja, dass Leistungen, die Studierende in ihrem Studium erbringen sollen, in den Dienst der Gemeinschaft gestellt werden – ob als Mitglied des Marketingteams, beim Design oder beim Schreiben der Artikel in unseren Ausgaben. Die Zeitschrift der Straße verbindet, was unserer Meinung nach viel stärker zusammengehört. Zu diesem Thema gibt …

Drei Ausgaben der Zeitschrift der Straße hängen an einer Backsteinwand, darüber ein roter Luftballon. Rechts das Logo und der Schriftzug 'DIE ZEITSCHRIFT DER STRASSE 5 JAHRE JUNG – NOCH VIEL VOR'.

Jubiläumswoche im Rückblick

Ein Blick hinter die Kulissen der Zeitschrift der Straße in der aufregenden Woche ihres fünfjährigen Jubiläums. Montag, 1. Februar 2016 Die neue Ausgabe #35 AM SCHWARZEN MEER geht in den Verkauf. Als das Vertriebsbüro morgens um 10 Uhr öffnet, ist der Andrang der Straßenverkäufer:innen groß. Sie kaufen Hefte für 90 Cent das Stück und verkaufen sie dann auf der Straße für zwei Euro. Drei Stunden später sind bereits über 600 der 6000 gedruckten Hefte verkauft. Zum Gewusel im Vertriebsbüro trägt auch ein studentisches Kamera-Team der Hochschule Bremerhaven bei, das Aufnahmen für einen ZdS-Werbeclip dreht. Sturm und Regenschauer machen Außenaufnahmen und Interviews mit Straßenverkäufern zur echten Herausforderung für die Studierenden. Ein weiteres Kamera-Team, diesmal von Buten un Binnen, begleitet einen unserer Verkäufer in die Neustadt. Nachmittags tagt die Leitungsrunde der Zeitschrift der Straße, um die letzten Einzelheiten der Woche zu besprechen. Dienstag, 2. Februar 2016 Heute ist Jubiläumstag – 5 Jahre Zeitschrift der Straße. Der Verkauf läuft mit unverminderter Dynamik weiter, während das studentische Kamera-Team erneut mit Starkwind zu kämpfen hat. Nachmittags reisen Vertreter:innen anderer norddeutscher …

Vier Personen in schwarzer Kleidung stehen vor einem Kiosk mit rotem und weißem Markisendach. Eine Person hält ein Plakat mit der Aufschrift 'SIELWALL BREMEN 21 DAS KNIST DER BUTTER SCHULE VERBOTEN'. Im Hintergrund sind Passanten auf der Straße zu sehen.

Wir sind 5 Jahre!

Die Zeitschrift der Straße feiert Jubiläum. Nicht alles lief wie geplant. Aber vieles besser als erwartet. Wir sind eben ein Lernprojekt – heute wie damals Am 2. Februar 2011 lag sie endlich vor uns: Die erste Ausgabe der Zeitschrift der Straße. Zwei Jahre Arbeit, bisweilen ungewöhnliche Kooperationen, viel Zeit und auch einige Nerven hatte sie uns gekostet. Das Foto oben zeigt den Verkaufsstart mit Bertold Reetz (links) und den Verkäufer:innen Kati und Kai (†2015). Kaum einer von uns hätte gedacht, wohin sie uns führen würde: Knapp 300.000 Hefte haben unsere Straßenverkäufer:innen bislang an Mann und Frau gebracht, Tausende Bremer:innen kaufen regelmäßig bei ihnen. Viele Leser:innen sammeln die Ausgaben als journalistischen Stadtplan. Die gedruckten Auflagen zahlreicher Ausgaben sind ausverkauft. Die Versuchung ist groß, die Geschichte der Zeitschrift der Straße als souveräne Erfolgsstory zu erzählen und dabei alle Irrungen und Beinahe-Pleiten der letzten Jahre unter den Tisch fallen zu lassen. Doch das wäre nur die halbe Wahrheit. Bremens Straßenmagazin ist nicht nur ein Sozialprojekt, sondern auch ein Lernprojekt für Studierende und junge Berufsanfänger, dessen Erfolg sich an …

Rückspiegel zeigt mehrere Ausgaben der Zeitschrift der Straße mit verschiedenen farbigen Logos und der Überschrift 'Komm meine Welt'.

Unser Rückblick auf 2015

Die Zeitschrift der Straße hat in den letzten zwölf Monaten eine Entwicklung durchlaufen, die wir ihr (und uns selbst) vor einem Jahr nicht zugetraut hätten. Wenn Sie die folgende Aufzählung lesen, dann denken Sie daran, dass die Zeitschrift der Straße praktisch komplett von Ehrenamtlichen, Studierenden, Lehrenden und Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten getragen wird und über keine Angestellten verfügt. Was also ist in den letzten zwölf Monaten geschehen? neue Höchststände Seit Herbstbeginn hat der Straßenverkauf spürbar zugenommen. Die Ausgaben von September (#31 WESTERDEICH), Oktober (#32 GETEVIERTEL) und November (#33 FALKENSTRASSE) waren nach 3-4 Wochen ausverkauft. Auch die aktuelle Ausgabe (#34 FLUGHAFEN) läuft wieder sehr gut. Uns freut besonders, dass unsere Verkäufer:innen auf diese Weise in der nasskalten Jahreszeit mehr Geld in der Tasche haben. Seit Anfang 2011 haben sich über 700 Personen für den Straßenverkauf registrieren lassen. Die Zahl der tatsächlich Aktiven ist im Jahresverlauf von 30-35 auf derzeit ca. 50 gestiegen, was den steigenden Absatz teilweise erklärt. Sie werden von einem guten Dutzend Ehrenamtlicher im Vertrieb unterstützt. Und rund 200 Studierende von fünf Hochschulen …

Schatten einer Person und eines Gitters auf Asphalt mit dem Text 'DIE UNI DER STRASSE' in Weiß und Rot.

Wir gründen eine Uni!

Leben und Überleben sind nicht das gleiche. Menschen in Kriegsgebieten überleben einen Bombenangriff. Menschen auf der Flucht überleben die Fahrt im Schlauchboot über das Mittelmeer. Menschen ohne Wohnung überleben eine eiskalte Nacht auf der Straße. Man könnte ergänzen „gerade so“, „mit viel Glück“ oder auch „nicht“. Überleben ist Leben am Abgrund. An einem Abgrund leben auch Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Ihren Abgrund bilden z. B. Einsamkeit, Unerwünschtsein und Machtlosigkeit. Sie überleben, aber zu einem menschenwürdigen Leben fehlt ihnen der Zugang zu Gemeinschaft, Kultur und Bildung. Die formalen, finanziellen und gesellschaftlichen Barrieren sind für sie unüberwindlich. Dabei sind es Menschen am Rand der Gesellschaft, die in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Selbstbestimmung am meisten von geweckter Neugier, Horizonterweiterung, positiven Lernerfahrungen und Gemeinschaftserlebnissen profitieren können. Deshalb werden wir 2016 aus der Zeitschrift der Straße heraus ein Bildungsprogramm für Menschen besonderen sozialen Schwierigkeiten starten: die Uni der Straße! Im Semesterrhythmus wollen wir mit Unterstützung von Fachleuten lebensnah und spielerisch Einführungen in unterschiedliche Wissensgebiete und Kulturbereiche anbieten, Workshops und Exkursionen durchführen, Begegnungen ermöglichen und Fortschritte feiern. Wir möchten den Teilnehmenden …

Person mit brauner Wollmütze und schwarzer Jacke, im Hintergrund unscharfe Flasche mit orangefarbenem Deckel.

Die kommende Kälte lässt uns nicht kalt

Mehrere hundert Menschen in Bremen sind obdachlos, d. h. sie leben permanent auf der Straße. Daneben gibt es sehr viele Wohnungslose – Menschen ohne festen Wohnsitz, die in Notunterkünften oder Wohnheimen leben. Die Gründe für Obdachlosigkeit sind vielfältig, aber häufig sind es Schicksalsschläge wie Trennung, Gewalterfahrungen oder Jobverlust, in deren Folge Menschen auf der Straße landen. Dieses gravierende soziale Problem muss mehr Aufmerksamkeit in Politik und Gesellschaft erfahren. Viele unserer Straßenverkäuferinnen und -verkäufer wissen aus eigener Erfahrung, an welchen Orten in der Stadt sich Menschen aufhalten, die kein Dach über dem Kopf haben. Nicht jeder und jedem sieht man es auf den ersten Blick an. Es ist tatsächlich nicht ungewöhnlich, dass jemand im Sommer auf einer Bank im Bremer Bürgerpark oder den Wallanlagen übernachtet. Aber im Winter? Bereits bei Temperaturen, die deutlich über Null liegen, birgt die Nacht unter freiem Himmel die Gefahr des Auskühlens und Krankwerdens. Was also wird mit denen, die keinen geschützten Platz zum Schlafen haben? Oft bieten ein heißer Kaffee, eine Suppe und ein Schlafsack erste Hilfe in der größten Not. …

Eine sitzende Person mit Hund vor einer Wand mit den Worten 'Fröhlichkeit', 'Gefühle', 'Offenheit' und weiteren Begriffen in verschiedenen Schriftgrößen.

Wie lebt man als obdachlose Person?

Wie lebt man als Obdachlose Person? Wie fühlt es sich eigentlich an, kein Zuhause zu haben? Was würde einem fehlen, was wären die größten Schwierigkeiten? Diese Fragen stellten sich in den vergangenen Tagen 13 Konfirmanden der evangelischen Gemeinde Arsten-Habenhausen. In einer Projektwoche beschäftigten sie sich an zwei Nachmittagen mit dem Streetworker Jonas Pot d’Or vom Verein für Innere Mission mit dem Thema Obdachlosigkeit. Sie diskutierten, wie man eigentlich obdachlos wird und welche Hilfemöglichkeiten es gibt. Dann ging es raus in die Kälte: Eine Gruppe versuchte eine Stunde lang, Flaschen zu sammeln, eine, die Zeitschrift der Straße zu verkaufen. Die erzielten Einkünfte an diesem kalten, regnerischen Tag waren für die Jugendlichen ernüchternd: Nach einer Stunde hatte keiner von ihnen eine Zeitschrift verkauft, die Gewinne aus dem Flaschensammeln beliefen sich auf wenige Euro. Mit solchen Arbeiten seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, wie es viele Menschen tun, die etwa aus Rumänien hierher gekommen sind, war für sie schwer vorstellbar. Vieles fiel ihnen aber dazu ein, was sie vermissen würden, wenn sie obdachlos wären: Ein gemütliches Bett im Warmen etwa, …